
Die französische Sportzeitung L`EQUIPE notiert: "Mit seinem Plan, die Weltmeisterschaft teilweise zu verkaufen, hat Infantino so viel Widerstand wie noch nie erfahren. Seit seiner Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes im Jahr 2016 ist seine Position noch nie so stark erschüttert worden. Der Verband steckt nun in einer Krise. Die harte Linie der UEFA – die Drohung mit einem Boykott – gegen seinen Plan, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen, hat die Führung des Weltfußballs destabilisiert", lautet die Einschätzung von L`EQUIPE aus Paris.
"Gianni Infantino hat sich demaskiert", schreibt DER STANDARD aus Wien. "Er hat versucht, einen Teil der kommerziellen FIFA-Rechte an private Investoren aus dem Umfeld seines Buddys Donald Trump zu verhökern – und sich selbst damit einen hochbezahlten Posten als Chef der kommerziellen Auskopplung der FIFA zu sichern. Und er wollte die 211 Mitgliedsverbände des Weltfußballverbands mit einer eiligen Abstimmung am 19. September überrumpeln. Prinzip: Friss oder stirb. Dass Infantino mit seiner Gier und Chuzpe nicht nur Europas Verbände, sondern auch die aus Mittelamerika und Asien gegen sich aufbrachte, ist eine einmalige Chance. Im März stünde seine Wiederwahl an, diese schien bis vor kurzem nur Formsache zu sein", meint der STANDARD.
Die Zeitung GULF TODAY kommt zu einer etwas anderen Einschätzung: "Es besteht kein Zweifel daran, dass die FIFA-Führungskräfte diese Angelegenheit auf arrogante Weise behandelt haben. Doch man muss auch anerkennen, dass Veränderungen im Fußball alternativlos sind. Was es jetzt braucht, ist eine besonnene Analyse. Eine Investmentgesellschaft könnte ein guter Weg sein, die finanziellen Belange des Weltfußballs in professionelle Hände zu legen. Infantinos Plan war durchaus solide", findet GULF TODAY aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die spanische Zeitung DIARIO DE SEVILLA kommentiert die Ankunft zehntausender Menschen in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika. "Spanien hat es in Bezug auf seine beiden autonomen Städte in Nordafrika mit einem ernsthaften Sicherheitsproblem zu tun. Bislang hat keine Regierung in Madrid einen realistischen Lösungsansatz gefunden, denn die Beziehungen zu Marokko sind heikel. Das autoritär geführte Königreich erhebt Anspruch auf Ceuta und Melilla und betreibt eine aggressive Politik - und es hat die Ressourcen, um Einfluss auf Migrationsströme zu nehmen. Aber Spanien kann nicht tatenlos zusehen, wie seine territoriale Integrität verletzt wird. Es geht um unsere Sicherheit, aber auch um unser internationales Ansehen", warnt DIARIO DE SEVILLA.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA unterstreicht: "Der spanischen Regierung hat es im Umgang mit Marokko bislang an Entschlossenheit gefehlt. Es wurde in der jetzigen Lage noch nicht einmal der marokkanische Botschafter einbestellt. Anstatt offener Kritik betonte Regierungschef Sánchez die gute Zusammenarbeit mit Marokko – eine Haltung, die auf die Angst vor einer weiteren Migrationswelle zurückzuführen sein könnte."
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT wirft ein: "Die Erschütterung rührt nicht nur von dem Anblick der Menschen her, die Grenzzäune niedertrampeln, sondern auch von der schrecklichen Tatsache, dass mindestens 57 Menschen bei ihrer Flucht nach Ceuta gestorben sind. Die Krise in Nordafrika unterstreicht, wie schwierig und hartnäckig das Migrationsproblem nach wie vor ist – und dass es nicht einfach innerhalb weniger Wochen gelöst werden kann, wie etwa die Populisten der britischen Rechten fälschlicherweise behaupten. Es lohnt sich, auch in solchen Momenten noch einmal zu betonen, dass Migration willkommen sein kann und von großem Nutzen ist, auch wenn sie manchmal chaotisch verläuft", betont THE INDEPENDENT aus London.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY betont: "Unter den Ankommenden befanden sich junge Erwachsene, Minderjährige, Frauen und ganze Familien aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Was sie verbindet, ist das Gefühl, in Marokko keine Aussicht auf Arbeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein Leben in Würde zu haben. Es genügt deshalb nicht, dass Rabat und Madrid bei der Rückführung von Migranten und der Sicherung der Außengrenzen zusammenarbeiten. Erforderlich ist vielmehr ein neuer Euro-Maghreb-Pakt, der legale Migrationswege mit wirtschaftlicher Entwicklung, Bildung und dem Schutz der Menschenrechte verbindet", fordert AL QUDS AL-ARABY aus London.
Der Zeitung LE FIGARO aus Paris bilanziert: "Für Europa ist diese Krise der erste Test seit dem Inkrafttreten des neuen Asyl- und Migrationspakts im Juni. Dieser sieht beschleunigte Verfahren für Migrationswellen aus 'sicheren Ländern' vor, zu denen auch Marokko gehört. Madrid muss jetzt den Pakt umsetzen und Rabat muss seine Staatsangehörigen zurücknehmen!"
Themenwechsel. Die Terrororganisation Hamas hat nach Angaben von US-Präsident Trump einer Vereinbarung zu ihrer Entwaffnung zugestimmt. Die finnische Zeitung ILTA-SANOMAT ist skeptisch: "Trump geht davon aus, dass Israel einem Abzug von Truppen zustimmt, während die Hamas nach und nach ihre Waffen abgibt. Aber das wird sie erst tun, wenn Israel seine Verpflichtungen erfüllt. Israel steht aber vor einem heißen politischen Herbst, denn Ende Oktober finden Parlamentswahlen statt, bei denen Premier Netanjahu eine weitere Amtszeit anstrebt. Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, darf er in den Augen der Wähler keine Schwäche zeigen", gibt die Zeitung ILTA-SANOMAT aus Helsinki zu bedenken.
Ein Gastkommentar in der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN bemerkt: "Die Hamas hat die von Trump verkündete, angeblich historische Vereinbarung zwar relativiert und an Bedingungen geknüpft. Und doch: Die aktuelle Führung befindet sich nicht mehr in einem totalen Konfrontationskurs gegenüber Israel. Chalil al-Haja, der in der vergangenen Woche zum neuen Hamas-Chef gewählt wurde, war einst für Verhandlungen mit Israel verantwortlich. Es ist gut möglich, dass er eine Entscheidung für einen Kurswechsel getroffen hat."
Die türkische Zeitung STAR betont: "Was im Gazastreifen passiert ist und passiert – die Zerstörung von Schulen und Krankenhäusern, der Tod von Zehntausenden Zivilisten, der Durst und Hunger der Menschen, ihre Vertreibung – hat tiefe Wunden verursacht. Genau aus diesem Grund wäre es falsch, die Niederlegung der Waffen durch die Hamas zur Grundvoraussetzung für einen dauerhaften Frieden zu machen. Im Kern geht es um die Durchsetzung des Völkerrechts und darum, die Verantwortlichen für schwere Menschenrechtsverletzungen vor unabhängigen Gerichten zur Rechenschaft zu ziehen. Jeder Frieden, der ohne die Geltung von Recht und Gesetz geschlossen wird, birgt die Gefahr, den Weg für künftige Konflikte zu ebnen." Wir zitierten die Zeitung STAR aus Istanbul.
Abschließend geht der Blick nach Japan, wo Rettungskräfte nach dem schweren Erdbeben im Südwesten des Landes weiter nach Überlebenden suchen. Die Zeitung MAINICHI SHIMBUN aus Tokio übt Kritik an den Behörden: "In der betroffenen Region Kumamoto fehlt es an Wasser, Gas und Strom. Die Bedingungen in den überfüllten Notunterkünften sind schlecht. Viele Menschen müssen seit Tagen bei großer Hitze auf dem Boden von Sporthallen schlafen. Es ist daher zu befüchten, dass die Zahl der sogennanten 'sekundären Todesopfer' steigt. Das sind jene Menschen, die nicht direkt bei der Katastrophe ums Leben kommen, sondern als Folge der verschlechterten Lebensbedingungen. Besonders gefährdet sind Hochbetagte und Menschen mit Behinderung. Der Staat hat trotz der häufigen Erdbeben und Naturkatastrophen in Japan offenbar keine Lehren gezogen."
