04. August 2026
Die internationale Presseschau

Ein Thema ist die gemeinsame Aktion Japans und der USA zur Stabilisierung der japanischen Währung Yen. Weiter diskutiert wird auch die illegale Einreise von zehntausenden Menschen in die spanische Exclave Ceuta.

US-Präsident Donald Trump und Japans Premierministerin Sanae Takaichi nehmen an einem Abendessen im State Dining Room des Weißen Hauses teil.
Japans Premierministerin Takaichi in den USA bei Präsident Trump (Julia Demaree Nikhinson / AP / dpa / Julia Demaree Nikhinson)
Die britische TIMES vermutet dahinter ein "politisches Manöver Marokkos": "Es war ein Versuch, die Legitimität des spanischen Anspruchs auf diesen kleinen Landstreifen infrage zu stellen. Mehr noch: Es war ein beunruhigendes Beispiel dafür, wie plötzliche Massenmigrationswellen als Druckmittel eingesetzt werden. Der Ansturm auf Ceuta wurde mit ziemlicher Sicherheit durch den jüngsten Besuch des spanischen Ministerpräsidenten Sánchez in Algerien ausgelöst. Algerien lehnt die Herrschaft Marokkos über die ehemalige spanische Kolonie Westsahara ab. Und jedes Anzeichen einer Annäherung zwischen Spanien und Algerien löst in Marokko Unmut aus. Dort hat man Erfahrung mit solchen Taktiken. Im Jahr 1975 wurden rund 350.000 Menschen angespornt, in die Westsahara einzumarschieren und Anspruch auf das Gebiet zu erheben, das zu dieser Zeit von Spanien regiert wurde. Im folgenden Jahr trat Spanien das Gebiet an Marokko ab", ruft die TIMES aus London in Erinnerung.
Die finnische Zeitung HUFVUDSTADSBLADET meint: "Wer auch immer die Kräfte im Hintergrund waren: Was sich an der nordafrikanischen Mittelmeerküste abspielt, ist eine Tragödie, oft mit tödlichem Ausgang. Das Krisenmanagement der EU lässt viel zu wünschen übrig. Doch es wird von den staatlichen Kräften oder kriminellen Akteuren analysiert werden, die in Ceuta ihre Hände im Spiel hatten. Krisen können außerdem zu Propagandazwecken genutzt werden, von Russland oder den immer illiberaleren USA, die die EU als zersplittert und schwach darstellen wollen. Wenn dann Länder wie Finnland mit dem Finger auf andere zeigen, bestätigen sie genau diese Propaganda - und das ist unverzeihlich", findet HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki.
Die dänische Zeitung POLITIKEN sieht es ähnlich: "Die Wut von Spaniens Regierungschef Sánchez über die fehlende europäische Solidarität ist vollkommen verständlich. Als Belarus und Russland Migranten zur finnischen und polnischen Grenze schickten, gab es volle Unterstützung durch die EU. Spanien wurde dagegen verurteilt, obwohl es seine Außengrenzen deutlich besser kontrolliert als beispielsweise Italien. Heute treffen sich die EU-Innenminister zu einem eilig einberufenen Krisengipfel. Das ist eine gute Idee. Die Krise hat Europas Schwäche und Spaltung auf demütigende Weise bloßgestellt. Dass Spaniens Grenzkontrollen versagt haben, ist problematisch genug, aber noch schlimmer ist, wenn die EU trotz aller Forderungen nach Zusammenhalt so schnell in Streit gerät", mahnt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Für das marokkanische Portal MOROCCO WORLD NEWS sind etwa die viel diskutierte Asylpolitik in Spanien, falsche Medienberichte sowie die Dynamik sozialer Medien zwar einzelne Faktoren für den Ansturm auf Ceuta. Doch die grundlegende Frage laute: "Warum waren so viele Menschen überhaupt bereit zu handeln? Einige nennen Arbeitslosigkeit als Grund. Andere zeigten sich frustriert über niedrige Löhne oder begrenzte Aufstiegschancen. Wieder andere sprachen von Neugier, dem Einfluss von Gleichaltrigen oder der Hoffnung, dass eine einzige Chance den Lauf ihres Lebens grundlegend verändern könnte. Die jungen Marokkaner von heute vergleichen ihre Chancen nicht nur mit denen ihrer Eltern, sondern auch mit denen, die sie täglich über digitale Plattformen und globale Medien wahrnehmen. Marokko hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel durchlaufen. Umfangreiche Investitionen in Infrastruktur, erneuerbare Energien, Logistik und exportorientierte Industrien haben das Königreich zu einer der am stärksten diversifizierten Volkswirtschaften Afrikas gemacht. Doch die Entwicklung führt nicht für jeden jungen Menschen zu denselben Ergebnissen. Einige Angehörige der Generation Z finden erfolgreich Zugang zu aufstrebenden Branchen. Für andere gestaltet sich der Übergang schwieriger. Die Bereitschaft zur Migration lässt sich also nicht an einer einzigen Varialble wie der Generation festmachen. Vielmehr steht am Anfang der verschiedenen Lebenswege die Frage: Wo habe ich meiner Meinung nach die größten Chancen, mir eine Zukunft aufzubauen?", erklärt MOROCCO WORLD NEWS aus Rabat.
Die türkische Zeitung DÜNYA aus Istanbul spricht angesichts von der Situation in Ceuta von einer "kleineren Migrationskrise" und kommentiert: "Weder US-Präsident Trump noch die rechtsextremen Politiker Europas begreifen: Die Migrationswelle wird niemals abreißen, sondern weiter anwachsen. Warum? Ein Blick auf wissenschaftliche Zahlen genügt. Abgesehen von Gründen wie Krieg und wirtschaftlichen Schwierigkeiten wird in den kommenden Jahren der größte Grund für Migration die Klimakrise sein. Laut einer Studie der Weltbank könnten bis zum Jahr 2050 schätzungsweise 216 Millionen Menschen weltweit aufgrund von Wasser- und Nahrungsmittelknappheit sowie extremen Wetterereignissen zur Migration gezwungen sein", unterstreicht DÜNYA aus Istanbul.
Themenwechsel. Japan und die USA haben gemeinsam Maßnahmen ergriffen, um die japanische Währung Yen zu stützen. In der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN heißt es: "Die Aktion ist von großer Bedeutung. Die Intervention alleine dürfte allerdings den starken Sog des schwächelnden Yens nicht stoppen können. Gefragt ist nun eine disziplinierte Politik der Regierung in Tokio und der Notenbank Japans, die dank der Intervention Zeit gewinnen konnten. Premierministerin Takaichi sollte eine Zinserhöhung jetzt voll unterstützen, denn die ablehnenden Äußerungen aus ihrer Regierung gegenüber Zinserhöhungen führen fast automatisch zum schwachen Yen. Ohne Disziplin in der Geld- und Haushaltspolitik Japans und ohne zurückgewonnenes Vertrauen der Märkte wäre die Auswirkung dieser historischen Intervention nur von kurzer Dauer", warnt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO stellt fest: "Tokio und Washington haben unterschiedliche Beweggründe. Während sich Japan um die Folgen der rapiden Abwertung der Landeswährung für die eigene Volkswirtschaft sorgt, möchten die USA damit den Dollar als globale Leitwährung erhalten. Lange Zeit war ein schwacher Yen Teil der japanischen Wirtschaftspolitik, um die Exporte anzukurbeln und den Aktienmarkt anzutreiben. Nach ihrem Amtsantritt setzte Premierministerin Takaichi diesen Kurs der lockeren Geldpolitik ihrer Vorgänger fort, aber inzwischen treten die Nebenwirkungen in Form massiv gestiegener Lebenshaltungskosten deutlich zutage. Der Grund dafür ist, dass Japan seine Energie sowie Lebensmittel und Rohstoffe zu immer höheren Preisen einführen muss. Der Inflationsdruck hat die Zustimmungswerte für die Regierung erwartungsgemäß in den Keller sacken lassen", hält JIEFANG RIBAO aus Schanghai fest.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz meint: "Ein bloßes 'Signal der Freundschaft' ist es kaum, wenn die USA nicht länger zusehen, wie der Yen zuletzt gegenüber dem Dollar auf den schwächsten Wert seit rund 40 Jahren absackte. Denn ein schwächerer Yen beschert den japanischen Unternehmen im globalen Wettbewerb einen Preisvorteil auch gegenüber den amerikanischen Konkurrenten. Dies allein erklärt Trumps Schützenhilfe aber nicht. Ein noch wichtigerer Grund dürfte sein, dass kein anderes Land so viele amerikanische Staatsanleihen besitzt wie Japan. Gehen Japan die Devisen aus, um gegen den schwachen Yen zu intervenieren, könnte das Land versucht sein, die fehlenden Mittel durch den Verkauf von US-Schuldpapieren zu beschaffen. Um für diese Papiere neue Käufer zu finden, müssten die Zinsen dann steigen. Das Schuldenmachen würde für die USA also teurer. Das will Washington unter allen Umständen vermeiden", unterstreicht die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.