07. August 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden die Zukunft der Straße von Hormus und die Sorge Tokios wegen einer möglichen militärischen Konfrontation zwischen China und Taiwan. Zunächst aber zu Russland und der hybriden Kriegsführung.

Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen das Gelände abseits der Landebahn Nord auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle.
Nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle wird weiter ermittelt. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Den Fund einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle bewertet DE TELEGRAAF aus den Niederlanden folgendermaßen: "Mit dem versuchten Anschlag auf dem Flughafen von Leipzig – einem wichtigen Knotenpunkt für Militärtransporte in die Ukraine – ist der Drohnenkrieg einen Schritt näher gerückt. Nach einer Reihe von Vorfällen mit Spionagedrohnen in Europa war Deutschland nun vermutlich das Ziel des ersten Angriffs mit einer Bombendrohne. Der Verdacht dürfte auch diesmal auf Russland fallen, das dabei ist, den hybriden Krieg gegen den Westen zu eskalieren. Ziel ist es, Europa zu destabilisieren und die militärische Unterstützung für die Ukraine zu untergraben. Das Auftauchen einer mit dem Sprengstoff Semtex beladenen Drohne in einem NATO-Mitgliedstaat muss dem Bündnis große Sorge bereiten: Der hybride Krieg hat möglicherweise eine äußerst gefährliche Phase erreicht."
"Vieles deutet darauf hin, dass die Spur nach Russland führt", lesen wir auch im Schweizer TAGES-ANZEIGER. "Im Kreml gehört der hybride Krieg seit den 2010er-Jahren zur staatlichen Strategie. Seit der Invasion in der Ukraine haben solche Aktionen stark zugenommen. Es stellt sich die Frage, ob im Fall von Leipzig noch von 'hybridem Krieg' gesprochen werden kann oder ob schon die Schwelle zu einer Militäroperation erreicht ist."
"Warum wurde eine solche Operation durchgeführt, die letztlich scheiterte?", lautet die Frage in der polnischen POLITYKA. "Oder war sie gar kein Misserfolg? Es ist möglich, dass die unmittelbare Zerstörung der Flugzeuge gar nicht das Hauptziel war. Es lohnt sich, die Situation aus Sicht der Versicherer zu betrachten. Sollten sich ähnliche Vorfälle an Flughäfen häufen, die ukrainische Transportflugzeuge abfertigen, könnte dies zu höheren Prämien oder sogar zur Verweigerung des Versicherungsschutzes führen. Dies hätte eine erhebliche Verteuerung der Unterstützung für die Ukraine zur Folge. Eines kann man den Russen nicht absprechen: ihre Gerissenheit", bilanziert die POLITYKA aus Warschau.
Rumänien wehrt sich mit NATO-Hilfe gegen russische Drohnen, doch in der Moskauer ISWESTIJA wird eine Militarisierung des Schwarzen Meeres durch den Westen beklagt: "Die verstärkte militärische Präsenz der NATO in Rumänien erhöht das Risiko einer direkten Konfrontation mit Russland. Das Bündnis nutzt Vorfälle mit Drohnen als Rechtfertigung für die Militarisierung, während die direkten Kommunikationskanäle zwischen den Streitkräften Russlands und der meisten NATO-Staaten faktisch eingefroren sind. All dies macht die Schwarzmeerregion neben dem Baltikum und der Arktis zum potenziellen Schauplatz eines unbeabsichtigten militärischen Zusammenstoßes zwischen Russland und der NATO", prognostizert die russische ISWESTIJA.
Die spanische LA VANGUARDIA aus Barcelona blickt auf den Vorwurf, Russland wolle die französischen Präsidentschaftswahlen beeinflussen: "Seit einigen Tagen kursieren in sozialen Medien Falschmeldungen über drei Kandidaten für die Wahl. Die betroffenen Politiker sehen dahinter eine vom Kreml inszenierte Desinformationskampagne. Russland nutzt soziale Medien, um Kandidaten anzugreifen, die weniger mit seinen Interessen übereinstimmen als Marine Le Pen. Die digitalen Angriffe auf demokratische Prozesse nehmen zu, und sie werden immer dreister."
Zum nächsten Thema. Der Londoner INDEPENDENT kommentiert die Verhandlungen zwischen Iran und Oman über eine Vereinbarung zur Straße von Hormus: "Oman und Iran werden versuchen, die Gelegenheit zu nutzen und die volle souveräne Kontrolle über die Meeresenge auszuüben, um erheblichen geopolitischen Einfluss zu gewinnen und dabei Geld zu machen. Berichten zufolge wird Teheran eine Route für Schiffe kontrollieren, die in den Golf einlaufen, während der Oman die Ausfahrt überwachen wird. Beide Länder werden eine Maut erheben, und damit gemeinsam über eine mächtige Waffe verfügen – die Fähigkeit, Öl- und Gaslieferungen und damit die Weltwirtschaft nach Belieben in Geiselhaft zu nehmen. Diese Gefahr wurde herbeigeführt durch die törichte Entscheidung von US-Präsident Trump, sich Israels Feldzug zur Schwächung des iranischen Regimes anzuschließen." Das war der britische INDEPENDENT.
"Der US-Präsident sieht, wie sich die Illusion eines 'Sieges' auflöst", heißt es im französischen FIGARO: "Dieser hätte es ihm ermöglicht, mit einem Lorbeerkranz auf dem Haupt in die Kongresswahlen im November zu gehen. Seit Monaten windet sich Trump schon vor einem fast schon geisterhaften Feind. Die iranischen Führer entziehen sich seinem Zugriff und bieten ihm auf allen Ebenen die Stirn. Militärisch gesehen hatten die jüngsten US-Luftangriffe keinerlei sichtbare Auswirkungen auf das Regime. Strategisch gesehen entgleitet die Konfrontation Washington zunehmend und nimmt eine regionale Dimension an, mit Auswirkungen von Jordanien bis Ägypten und der Blockade des Roten Meeres durch die Huthis. Und auf diplomatischer Ebene leistet sich Teheran den Luxus, mit Oman über das Schicksal der Straße von Hormus zu verhandeln - ohne direkte Beteiligung des Weißen Hauses." Das war LE FIGARO aus Paris.
"Das regionale Kräftegleichgewicht verschiebt sich zugunsten Teherans", beobachtet JIEFANG RIBAO aus Shanghai: "Wird Amerika dies hinnehmen? Das Weiße Haus hat nicht viele Optionen. Solange Washington es nicht schafft, einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen, müsste es enorme Kosten und ein langfristiges militärisches Engagement erbringen, um die Kontrolle über die Meeresenge zu erlangen. Das wäre eine Belastung, die für die USA sowohl politisch als auch strategisch kaum tragbar wäre."
Der Gastkommentator in ASAHI SHIMBUN aus Japan erläutert: "Seit Februar stecken immer noch mehrere hundert Schiffe im Persischen Golf fest. Sollte Washington die neue Route akzeptieren, wird dieses Problem gelöst, denn die Schiffe würden vom Iran nicht attackiert. Das würde zur Normalisierung der Lage führen. Als nächstes müssten Regeln für Tanker aufgestellt werden, die in den Persischen Golf einfahren. Denn die Frage ist, ob jedes einzelne Land getrennt mit dem Iran verhandeln muss oder ob die Staaten und Teheran gemeinsame neue Regeln schaffen."
AFTENPOSTEN aus Norwegen fasst die Situation zusammen und schlägt den Bogen hin zum Konflikt zwischen China und Taiwan: "Der Iran wäre nicht der erste Fall, in dem die USA mit einem Krieg nichts erreichen. Afghanistan war ein Fiasko. Der Irak auch. Und was China als den großen Rivalen der USA betrifft: Peking baut gerade eine enorme militärische Schlagkraft auf. Schon lange rasselt Präsident Xi Jinping mit dem Säbel gegenüber Taiwan, während die Sicherheitsgarantieren der USA für den Inselstaat eher vage sind. Die USA haben eine offenkundig inkompetente Regierung, die enorme Ressourcen im Iran verschleudert hat, ohne etwas zu erreichen. Wenn die USA außerdem noch das weit entfernte Taiwan verteidigen müssten, wäre das alles andere als einfach. Ist das Chinas große Chance?", lautet die Frage im AFTENPOSTEN aus Oslo.
Japan hat ein Weißbuch zur Einschätzung der Sicherheitslage präsentiert. Darin wird China eine Rückkehr zum "Militarismus" vorgeworfen. DIENA aus Riga analysiert: "China wird als die größte strategische Bedrohung Japans eingestuft - und besondere Aufmerksamkeit wird den Beziehungen zwischen Peking und Taiwan gewidmet. In Japan nämlich betrachtet man die gegen den Inselstaat gerichteten militärischen Aktivitäten Chinas als Gefahr für die eigene Sicherheit. Schon länger gilt das Jahr 2027 als mögliches Datum für den Ausbruch eines offenen Konflikts, aber dem Weißbuch zufolge hat die Startphase längst begonnen. Tokio betrachtet einen Krieg zwischen China und Taiwan nicht mehr als theoretische Möglichkeit, sondern als Realität." Mit diesem Kommentar aus der lettischen DIENA endet die internationale Presseschau.