14. August 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden unter anderem der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der Besuch des russischen Präsidenten Putin auf den Kurilen und der zunehmende Einfluss autokratischer Staaten auf die Weltpolitik. Zunächst jedoch ins Inland.

Bundeskanzler Friedrich Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz (picture alliance / AP Photo / Markus Schreiber)
Die lettische Zeitung DIENA befasst sich mit den bevorstehenden Landtagswahlen und sieht Bundeskanzler Merz zunehmend unter Druck: "Innerhalb der CDU mehren sich die Stimmen, die Merz' Ablösung fordern. Das ist eine Situation, die man sich noch vor einigen Monaten kaum hätte vorstellen können. Die ungeschickte Kabinettsumbildung, die Unfähigkeit, den wirtschaftlichen Niedergang aufzuhalten, die auch in der eigenen Partei wenig populäre Rentenreform, das alles hat zu einem Absturz der Beliebtheitswerte der CDU geführt. Sie rangiert in Umfragen deutlich hinter der AfD. Offenbar hängt das politische Schicksal des Kanzlers vom Ausgang der Landtagswahlen im September in Berlin und vor allem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ab. In diesen beiden ostdeutschen Bundesländern hat die AfD ungeahnte Zustimmungswerte erreicht. In Sachsen-Anhalt hat sie sogar reale Chancen auf eine Machtübernahme. Viel hängt davon ab, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden, darunter das BSW. Angeblich ist das BSW sogar bereit, der AfD zur Macht zu verhelfen. Eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Parteien mit so radikal unterschiedlichen Einstellungen wäre etwas, was Deutschland bislang nicht erlebt hat", erklärt DIENA aus Riga.
Der russische Präsident Putin hat erstmals die von Japan beanspruchten Kurilen-Inseln besucht. "Welche Botschaft sendet Putin damit aus?", fragt die chinesische Zeitung WENHUI BAO. "In erster Linie drückt Putin damit wohl die Unzufriedenheit gegenüber der japanischen Regierung aus, die Russland als die größte Bedrohung eingestuft hat. Ferner ärgert sich der Kreml sicherlich, dass Tokio sich in der Ukraine-Frage den westlichen Staaten angeschlossen und scharfe Sanktionen gegen Moskau verhängt hat. Dies belastet die Beziehungen beider Länder stark. Putins Besuch auf den Kurilen-Inseln hilft aber bestimmt nicht, die Beziehungen zu verbessern", betont WENHUI BAO aus Schanghai.
Putins Besuch auf den Kurilen sei äußerst bedauerlich, meint die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN. "Putin hat damit die Hoffnung der japanischen Regierung zunichte gemacht, im Streit um die Inseln eine einvernehmliche Lösung erzielen zu können. Die japanische Regierung sollte sich der Realität bewusst werden und ihre Russlands-Politik korrigieren. Aber Putins Besuch macht auch deutlich, wie schwierig die Lage für ihn ist. Durch den Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die Haushaltslage sehr schlecht. In Russland mehren sich die kritischen Stimmen gegen den Krieg. Und auch auf der internationalen Bühne, wo er die Beziehungen zu Washington zu verbessern versuchte, kann er nach dem Treffen mit US-Präsident Trump in Alaska nichts mehr bewegen", unterstreicht NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
"Gestützt von Russland und China befeuert Nordkorea den Feldzug gegen die Ukraine. Die Demokratien müssen Schlupflöcher schließen, über die sich Despoten finanzieren und ihre Kriegsmaschinerie stärken", findet die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz. Weiter heißt es: "Allerdings darf der Westen seinen Einfluss nicht überschätzen. Das internationale Regelsystem stößt dort an seine Grenzen, wo ausgerechnet ständige Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates dessen Beschlüsse unterlaufen. Demokratien können die Autokraten nicht zur Kooperation zwingen. Sie können ihnen aber die Geschäfte erschweren, ihre Helfer ins Visier nehmen und die Schlupflöcher in den eigenen Märkten schließen. Die Achse der Autokraten löst sich damit keineswegs auf. Doch ihre Schlagkraft lässt sich mindern. Wer dem Treiben der Autokraten-Achse tatenlos zuschaut, nimmt in Kauf, dass die Verbreitung von Atomwaffen zur Norm wird, gewaltsame Grenzverschiebungen toleriert werden und despotische Regime ihren Aktionsradius ständig ausweiten", warnt die NZZ.
Im französischen FIGARO aus Paris ist zu lesen: "Unter dem Deckmantel der Neutralität zeigt sich China stark engagiert an der Seite seines kleinen russischen Bruders bei der Invasion der Ukraine. Die militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Verbündeten geht weit über die Lieferung chinesischer Komponenten hinaus, die die Kriegswirtschaft des Kremls am Laufen halten."
In einem Gastkommentar der schwedischen Zeitung SVENSKA DAGBLADET ist zu lesen: "Der chinesische Staats- und Parteichef Xi ist der härteste Diktator seit Mao, und im Unterschied zu seinen Vorgängern hat es Xi mit der Hilfe von Präsident Putin sogar geschafft, Russland zu dominieren. Xi könnte jetzt ohne Weiteres dem Kreml-Herrscher den Boden unter den Füßen wegziehen. Zwei führende Atommächte begeben sich damit auf eine Stufe mit den Schurkenstaaten Nordkorea und Iran. Es muss uns klar sein, dass dieser Schwund an Legitimität zu einer globalen Machtverschiebung führt, die zum enormen Nachteil Europas und der Demokratien im Fernen Osten ausfällt", schreibt SVENSKA DAGBLADET aus Stockholm.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT ist überzeugt, dass ein globaler Seekrieg Russlands bereits Realität geworden ist: "Die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg tritt in eine neue, gefährlichere Phase ein. Der Kreml bereitet derzeit eine harte Reaktion vor, die sich auf Maßnahmen gegen die russische Handelsflotte, die Energieexporte und die internationalen Seeverkehrswege bezieht. Die Türkei hat fünf F-16-Kampfjets nach Estland entsandt, im Rahmen der NATO-Mission zur Stärkung der Ostflanke. Im Ukraine-Krieg entwickeln sich nun auch Handelsschiffe, Öltanker, Sanktionen und nukleare Abschreckung zu wesentlichen Faktoren der Auseinandersetzung", analysiert MÜSAVAT aus Baku.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul mahnt: "Die von Russland verhängte Blockade ukrainischer Häfen und die gegenseitigen Angriffe im Schwarzen Meer gefährden die Sicherheit der Schifffahrt und setzen die Welt zugleich der Gefahr einer neuen Getreidekrise aus. Die hohen Verluste an Menschenleben auf beiden Seiten, die massive Zerstörung der Infrastruktur und die wachsenden wirtschaftlichen Risiken im Schwarzen Meer machen einen Waffenstillstand an der ukrainisch-russischen Grenze dringender denn je."
Auch in unserem Nachbarland Österreich leiden die Menschen unter der andauernden Hitze. Der Wiener STANDARD wirft der Regierung vor nicht angemessen zu handeln: "Das muss man einmal schaffen: Österreich ächzt unter der mittlerweile vierten Hitzewelle des heurigen Jahres, und erst jetzt beginnt die Regierung langsam, über 'nachhaltigen Klimaschutz' zu diskutieren. Nicht etwa, dass man sich dabei jetzt einig wäre. Es wird darum gestritten, aus welchen Töpfen die Dürreschäden beglichen werden sollen. Schnelle Hilfe sieht anders aus. Dabei wäre es relativ einfach gewesen. Bereits im Juni war klar: Wir erleben in diesem Sommer die neue Realität menschengemachter Erderhitzung", unterstreicht DER STANDARD aus Österreich.
Europa sei das größte Opfer des Klimawandels, meint die polnische RZECZPOSPOLITA. "Für Meteorologen kommen die diesjährigen Wetterextreme nicht überraschend: Auch wenn 2026 – auf den gesamten Planeten bezogen – womöglich keinen absoluten Rekord aufstellt, dürfte es zu den heißesten Jahren der Geschichte zählen. In Europa stellt sich die Lage jedoch anders dar: Hier purzeln die Rekorde in rascher Folge, was eine ernsthafte Bedrohung für den Kontinent und seine Bewohner darstellt. Der Planet hat jedoch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Vor allem aufgrund von El Niño – dem lang anhaltenden Anstieg der Oberflächentemperatur des Pazifiks. Diese Wärme, die vom Ozean gespeichert und wieder abgegeben wird, spielt zwar noch keine große Rolle für das globale Wetter, doch El Niño wird sich – nach Einschätzung der Forscher – in den kommenden Wochen mit beispielloser Stärke entwickeln", warnt die Warschauer RZECZPOSPOLITA.