17. August 2026
Die internationale Presseschau

Mit Stimmen zur Klimakrise, zum Wahlkampf in Brasilien, der Reduzierung eines US-Manövers mit Südkorea und zum Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo. Zunächst geht es aber um die Lage in der Ukraine:

Zerstörte Gebäude und ein Fahrzeug nach einem russischen Angriff in der ukrainischen Stadt Saporischschja
Die Zeitungen beschäftigen sich mit der Lage in der Ukraine (Archivbild). (AFP/DARYA NAZAROVA)
Die britische Zeitung THE INDEPENDENT kommentiert: "Das Ziel ist es, endlich die beeindruckende Widerstandskraft und den Kampfgeist des ukrainischen Volkes zu brechen. Der Kreml hofft, dass Russland dadurch nicht nur eine imperialistische Expansion erreicht, sondern dass der Westen zudem einen strategischen Verbündeten verliert, der heute noch wertvoller ist als zu Beginn des Konflikts. Angesichts der Wankelmütigkeit der USA und der erheblichen industriellen und militärischen Unterstützung, die China, der Iran und Nordkorea Russland gewähren, ist es wie immer an Europa, die Ukraine zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass eine Niederlage dieses tapferen Verbündeten verhindert wird", stellt THE INDEPENDENT aus London fest.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA bemerkt: "Während die russischen Erfolge auf dem konventionellen Schlachtfeld gering sind, fällt es Moskau deutlich leichter, Fortschritte bei seiner hybriden Kriegsführung gegen Europa zu erzielen. Es gibt immer mehr Vorfälle wie die Drohnen am Leipziger Flughafen, bei denen die Spur nach Moskau zu führen scheint, jedoch kein Täter ermittelt werden kann. Wladimir Putin testet die Reaktionsfähigkeit eines gespaltenen Europas. Und Europa ist verwundbar, denn es ist zurzeit nicht klar, ob Washington im Zweifelsfall auf der richtigen Seite der Geschichte steht", warnt LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN analysiert: "Kyjiw bräuchte mehr Raketen aus den USA, um durch den Winter zu kommen. Aber die USA haben ihre eigenen Probleme: Schätzungsweise rund die Hälfte ihres Arsenals ist im Iran-Krieg aufgebraucht worden. Dafür kann der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jetzt auf Hilfe aus einer unerwarteten Richtung hoffen: Mittlerweile werden Patriot-Raketen außer in den USA auch in Japan produziert. Jahrzehntelang galt dort eine pazifistische Verfassung, aber inzwischen werden immer mehr Waffen exportiert", erklärt AFTENPOSTEN aus Oslo.
US-Präsident Trump hat mit Verweis auf die Kosten und auf sein Verhältnis zu Nordkorea ein gemeinsames Militärmanöver mit Südkorea reduziert. ASAHI SHIMBUN aus Japan meint dazu: "2018 sagte Trump die geplante gemeinsame Militärübung zwischen den USA und Südkorea ab. Das hat große, kontroverse Diskussionen ausgelöst, weil der US-Präsident den Stopp der Durchführung der wichtigen Militärübung völlig einseitig und ohne vorherige Gespräche mit dem verbündeten Südkorea verkündete. Man konnte das noch als Mittel für den Aufbau einer neuen Beziehung der USA zu Nordkorea betrachten. Doch dieses Mal gibt es keine Anzeigen für Gespräche mit Nordkorea. Mit Südkorea hat es nicht einmal eine Konsultation gegeben. Das ist alles andere als eine kluge Entscheidung des US-Präsidenten", heißt es in ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA schreibt: "Kim ist nun ein Akteur, der das Gleichgewicht in Ostasien beeinflusst: Er droht Japan, warnt Taiwan, beunruhigt die Philippinen. Er kann als der erfolgreichste Kim der drei betrachtet werden: sicherlich erfolgreicher als sein Vater Kim Jong Il und sogar als sein Großvater und Gründer der kommunistischen Diktatur, Kim Il Sung. Es ist Kim Jong Un, der die Welt faktisch dazu gezwungen hat, Pjöngjang als Atommacht zu akzeptieren. Selbst in den USA von Präsident Donald Trump, die offiziell weiterhin die Entnuklearisierung fordern, wird die Wahrscheinlichkeit, dass dies wirklich geschieht, praktisch mit null angegeben", ist in der CORRIERE DELLA SERA aus Mailand zu lesen.
Der Wahlkampfauftakt in Brasilien ist Thema in der brasilianischen Zeitung O ESTADO DE SÃO PAULO: "Flávio Bolsonaro, Präsidentschaftskandidat der Partido Liberal, hat sein Programm vorgelegt. Darin sind zwar einige vernünftige Ideen enthalten wie der Abbau der Staatsverschuldung, die Überprüfung von Subventionen oder eine Reform der Justiz. Aber es bleibt offen, wie er das Programm umsetzen will. Ein Regierungsprogramm ist keine Wunschliste, und es ist nur das wert, was es am Ende auch halten kann. Dafür bräuchte es jedoch einen reformorientierten Präsidenten, der sich auch gegen Widerstände und mächtige Interessen durchsetzen kann - und eine solcher Kandidat ist Flávio Bolsonaro definitiv nicht", notiert O ESTADO DE SÃO PAULO.
Die türkische Zeitung EVRENSEL aus Istanbul kommentiert: "Im Vorfeld der Wahlen hat die US-Regierung den Druck auf Präsident Lula erhöht. Und während sich die diplomatischen Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern auf dem schlechtesten Stand ihrer Geschichte befinden, hat auch das Verhältnis zwischen Argentinien und Brasilien nach den Beleidigungen des argentinischen Präsidenten Javier Milei gegen Lula da Silva einen Tiefpunkt erreicht. Die offene Unterstützung Mileis für Flavio Bolsonaro, den Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, hat dazu geführt, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern mit den wichtigsten Wirtschaftsbeziehungen in der Region auf das niedrigste Niveau gesunken sind. Die Wahlen werden für die künftigen Beziehungen zwischen Brasilien und Argentinien wichtig - und sie entscheiden über die Strategie der USA für die Region", so EVRENSEL aus Istanbul.
Die Folgen der Erderwärmung sind Thema im GUARDIAN aus London: "Premierminister Burnham hatte eigentlich geplant, den Spätsommer dem Thema Lebenshaltungskosten zu widmen, und sprach erst am vergangenen Freitag die Klimakrise an – in einem Land, in dem ausgetrocknete Flächen mittlerweile versengt-gelb sind, Häuser von Waldbränden verschlungen wurden und für viel zu viele Arbeitnehmer die einst einfache Aufgabe, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, körperlich unmöglich geworden ist. Handeln ist dringend gefordert, bevor ein weiterer Sommer der extremen Hitze noch verheerendere Folgen bringt", heißt es im GUARDIAN.
Die französische Zeitung LE SOIR betont: "Eines ist unbestreitbar: Das Klima verändert sich schneller als unsere gesellschaftlichen Systeme. Und wenn unsere Rettungskräfte bereits so stark beansprucht werden, dass militärische und ausländische Hilfe erforderlich ist, ist es zu spät zu erkennen, dass angemessene Reaktionskapazitäten nicht einfach per Dekret verordnet werden können – sie müssen proaktiv aufgebaut werden. Regieren heißt, weit abseits der Sirenen vorausplanen und nicht erst dann zu reagieren, wenn sie heulen", argumentiert LE SOIR aus Paris.
Das TAGEBLATT aus Luxemburg hält fest: "Die bevorstehende Klimakatastrophe gehört zu den größten wirtschaftlichen Gefahren unseres Jahrhunderts. Klimaschutz und Klimaresilienz kosten Geld. Gerade in Zeiten von Krieg, Inflation und Multikrisen geraten solche Investitionen schnell unter Rechtfertigungsdruck. Doch der bisherige Sommer hat uns einen Vorgeschmack gegeben auf das, was uns bevorsteht. Die Erderwärmung hat ihren Preis. Politik, Unternehmen und Gesellschaft können heute in Klimaschutz und Anpassung investieren – oder später ein Vielfaches für die Folgen bezahlen", mahnt das TAGEBLATT.
Der tödlichste Ebola-Ausbruch in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo ist Thema in der spanischen Zeitung EL PAÍS: "Die Epidemie macht die verheerenden Folgen der Schließung der US-Entwicklungsbehörde USAID durch US-Präsident Donald Trump und seiner drastischen Kürzungen deutlich, denen andere Länder gefolgt sind. Der Egoismus des Westens kostet Menschenleben. Der Westen muss reagieren und darf nicht - wie so oft - wegsehen. Frühere Pandemien haben uns eindringlich vor Augen geführt, wie trügerisch der Glaube ist, Krisen in fernen Teilen der Welt gingen uns nichts an. Zehntausende Menschenleben hängen davon ab, dass die Welt jetzt handelt - schon allein deshalb, damit sich unsere Untätigkeit nicht gegen uns selbst richtet."