18. August 2026
Die internationale Presseschau

Weiterhin kommentiert wird die Ankündigung von US-Präsident Trump, Militärübungen mit Südkorea einzuschränken. Auch das umstrittene Titelbild des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ mit dem AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Siegmund, ist Thema. Doch zunächst zum Nahostkonflikt.

US-Präsident Donald Trump spricht im Weißen Haus in Washington.
Einige ausländische Zeitungen kommentieren die Entscheidung von US-Präsident Trump, die gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea zurückzufahren (Archivbild). (AP Photo / Alex Brandon)
Die mexikanische Zeitung LA RAZON bilanziert: "Seit der Ausrufung eines angeblichen Waffenstillstands im Gazastreifen sind 300 Tage vergangen, und trotzdem lebt die Bevölkerung weiterhin unter kriegsähnlichen Bedingungen. Die Luftangriffe sind zwar zurückgegangen, aber die Versorgungslage ist kastastrophal, ganz zu schweigen von einem Wiederaufbau. Dabei war das ein Versprechen der Regierung Netanjahu, doch seine Umsetzung wird immer wieder aufgeschoben, um Druck auf die Hamas auszuüben. Während die Bewohner des Gazastreifens um ihr Überleben kämpfen, hat der rechtsextreme israelische Minister Itamar Ben-Gvir öffentlich dazu aufgefordert, täglich 30-40 Menschen in Gaza zu töten. Auch äußerte er die Meinung, wonach es Menschen gibt, die es nicht verdient hätten zu leben. Die israelische Regierung sieht in den Palästinensern, die in den Ruinen von Gaza um ihr Überleben kämpfen, nur ein Hindernis für die Durchsetzung ihrer Interessen", urteilt LA RAZON aus Mexiko-Stadt.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN blickt auf die Gespräche des US-Sondergesandten Kushner mit Israels Ministerpräsident Netanjahu zum Friedensplan über den Gazastreifen. In einem Gastkommentar heißt es: "Ein militärischer Abzug scheint für Israel nach wie vor eine unmögliche Option zu sein. Diese stark ablehnende Haltung lässt sich nicht nur mit den anstehenden Wahlen erklären. Auch hat sich die öffentliche Meinung in Israel inzwischen stark zugunsten der Sicherheit des Staates verändert. Die Regierung Netanjahu spricht wohl für die verunsicherten Menschen, die ohne konkrete Maßnahmen gegen die Bedrohung durch die Hamas nicht an einen Truppenabzug denken wollen. Die Frage ist, wie diese Maßnahmen aussehen sollen", vermerkt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Die israelische Zeitung THE JERUSALEM POST stellt fest: "Der Streit zwischen Jerusalem und Washington konzentriert sich nun weitgehend auf Inhalt und Reihenfolge des Plans: darauf, ob die Hamas tatsächlich entwaffnet wird, wie dies überprüft werden soll und wann von Israel erwartet wird, seine Truppen zurückzuziehen. Kushner sollte den Kommunikationskanal offen halten. Wenn diese Gespräche dazu beitragen, die Hamas aus der militärischen und politischen Zukunft Gazas zu entfernen, haben sie ihren Zweck erfüllt", lautet die Einschätzung der JERUSALEM POST.
Blicken wir nun auf die geopolitische Lage in Ostasien. Die finnische Zeitung AAMULEHTI kommentiert die Ankündigung von US-Präsident Trump, die "Beteiligung der USA an einem bevorstehenden gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea zu reduzieren, das der Verteidigung des Verbündeten gegen die Atommacht Nordkorea dient. Zur Begründung verwies Trump auf seinen Respekt vor Nordkorea, an das er keine feindselige Botschaft senden wolle, um sein gutes Verhältnis zu Machthaber Kim Jong Un nicht zu gefährden. Trumps Äußerungen sind widersinnig. Schließlich haben die USA gemeinsam mit ihrem Verbündeten Israel versucht, die wachsende Bedrohung durch das iranische Atomprogramm durch die Anwendung von Gewalt auszuschalten. Die Folge war ein Krieg, der die Preise für Öl, Gas und Düngemittel in die Höhe getrieben und mehrere asiatische Länder in eine akute Versorgungskrise getrieben hat", notiert AAMULEHTI aus Tampere.
Der Schweizer TAGES-ANZEIGER moniert, dass US-Präsident Trump "jeden Vertrag, der über sein Politik- oder Geschichtsverständnis hinausgeht, missachtet, sogar wenn er seinem Land damit dauerhaft schadet. Das Signal, das er nun sendete, wird für Seoul bedeuten, sich möglichst schnell nach neuen Bündnispartnern umzusehen. Die können so nah liegen wie Japan oder so weit entfernt sein wie Frankreich, Deutschland oder Kanada. Washington schwächt auf diese Weise eine Kooperation, die fast 80 Jahre lang als Garant für den Frieden und den Wohlstand in der Region galt. Nicht nur in der gesamten westlichen Welt, sondern vor allem in den USA." Das war der TAGES-ANZEIGER aus Zürich.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau glaubt, es gehe Trump vor allem um einen "Imagegewinn. Bislang konnte er diesen nicht verbuchen: Bei der Beilegung des Konflikts in der Ukraine ist er gescheitert. Mit dem Iran lief es noch schlechter. Den Krieg am Persischen Golf verlieren die USA eindeutig. Das Heilmittel soll ein Friedensprozess im Fernen Osten sein."
Die norwegische Zeitung VERDENS GANG findet: "Das sind schlechte Nachrichten, auch für uns. Wie Südkorea haben wir einen aggressiven Nachbarn mit einem Diktator als Präsident. Große Teile des enormen russischen Atomwaffenarsenals lagern nur wenige Kilometer von uns entfernt. Unsere Sicherheit beruht in hohem Maße auf der Bereitschaft der USA, uns zu beschützen. Trumps Verhältnis zu Putin variierte während der letzten Monate und ist im Augenblick eher angestrengt, aber Trump ist unberechenbar. Ebenso schwierig lässt sich sagen, was bei Trump nur leere Drohungen sind. Bei den Äußerungen gegenüber Südkorea scheint es, als wolle er Druck auf Seoul ausüben, sich am Krieg gegen den Iran zu beteiligen", vermutet VERDENS GANG aus Oslo.
Die taiwanesische Zeitung ZHONGGUO SHIBAO wendet ein: "Es wäre keine Überraschung, wenn der nächste Schritt des Weißen Hauses der vollständige Abzug der in Südkorea stationierten US-Truppen wäre. Trump und sein südkoreanischer Amtskollege Lee Jae Myung stehen sich schon seit langem feindlich gegenüber. Der südkoreanische Präsident steht jedoch nicht nur außenpolitisch, sondern auch innenpolitisch mit dem Rücken an der Wand, da seine Zustimmungswerte nach 14 Monaten im Amt jüngsten Umfragen zufolge dramatisch abgesackt sind. Sollte er sein Amt niederlegen, könnte ihn das Schicksal seines Vorgängers ereilen und er ebenfalls im Gefängnis landen", spekuliert ZHONGGUO SHIBAO aus Taipeh.
Zu unserem letzten Thema. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" bezeichnet den AfD-Politiker Siegmund auf seinem aktuellen Titel als den "gefährlichsten Mann Deutschlands“. Die türkische Zeitung HÜRRIYET fragt: "Was kommt einem in den Sinn, wenn man an den 'gefährlichsten Mann Deutschlands' denkt? Ein Serienmörder? Ein Betrüger, der Tausende in seine Falle gelockt hat? Nichts von alledem. Es geht um Ulrich Siegmund, einen der Stars der rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland. Er ist der Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im Herbst. Die AfD liegt in den Umfragen weit vorne. Es ist von einem Stimmenanteil von 40 Prozent die Rede und es besteht sogar die Möglichkeit, dass sie alleinige Regierungspartei wird. Das wäre der erste Sieg einer rechtsextremen Partei in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg, aber auf Landesebene. Der Gedanke, dass Rechtsextreme an die Macht kommen könnten, löst in liberalen Kreisen große Besorgnis aus, da er Erinnerungen an die Nazi-Vergangenheit Deutschlands wachruft", beobachtet HÜRRIYET aus Istanbul.
"Es kam, wie es kommen musste, aber vom Spiegel offenbar nicht vorausgesehen wurde", wendet die österreichische Zeitung DER STANDARD ein: "Siegmund und die AfD nützen den Titel nun als Ritterschlag und freuen sich unverhohlen über die Wahlkampfwerbung. Bedient wird das Narrativ von der voreingenommenen Presse, in dem Fall jener aus dem westdeutschen Hamburg, die keine Ahnung von ostdeutschen Verhältnissen habe – und vom engagierten Herrn Siegmund auch nicht. Ein versuchter Angriff von außen, und sei er noch so plump, verstärkt meist den inneren Zusammenhalt. Dass die AfD thematisiert wird, ist richtig und – angesichts ihrer Stärke – auch unumgänglich. Aber man hätte das anders lösen können: weniger sensationsheischend, weniger aufgeregt", lautet die Meinung von DER STANDARD aus Wien. Und damit endet die internationale Presseschau.