
Dazu schreibt die belgische Zeitung DE STANDAARD: "Der ukrainische Präsident Selenskyj hat das politische Spielfeld schon lange für sich allein, aber er muss zunehmend um seine Legitimität kämpfen. Nachdem tausende Ukrainer aus Protest gegen eine Kabinettsumbildung auf die Straße gingen, fühlte sich der kürzlich entlassene Verteidigungsminister Fedorow dazu berufen, Wahlen zu fordern. Eigentlich hätten sie bereits 2024 stattfinden müssen. Es lag auf der Hand, dass das nicht möglich war, während es täglich Angriffe mit russischen Raketen und Drohnen gab. Auch dieser Sommer war blutig. Wahlen zu organisieren, wäre eine enorme Herausforderung. Aber Fedorow hat gute Argumente, sie nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag zu verschieben. Die Ukraine hat seit dem russischen Überfall einen rasanten technologischen und militärischen Wandel durchlaufen. Ihre Politik hat sich weniger schnell entwickelt. Aber wenn die Ukraine der EU beitreten will, muss sie eine gefestigte Demokratie sein", stellt DE STANDAARD aus Brüssel klar.
Die Zeitung THE IRISH TIMES aus Dublin hält fest: "Fedorow erklärte, die Ukrainer sollten nicht zulassen, dass Moskau bestimmt, wann sie wieder ihre Regierung wählen. Das ist ein starkes Argument und ein gefährliches für den Präsidenten. Seine Amtszeit hätte 2024 enden sollen, dauert aber gemäß der ukrainischen Verfassung an, solange das Kriegsrecht in Kraft ist. Die Geschichte, die diesem Konflikt zugrunde liegt, ist die eines Anführers, der seine Unterstützung selbst stetig aushöhlt. Es ist bekannt, dass Präsident Selenskyj jeden ins Abseits drängt, der zu populär wird, von Armeechef Saluschnyj bis hin zu Fedorow. Die Ukraine kämpft tapfer und mit zunehmendem Erfolg auf dem Schlachtfeld. Doch ein Krieg, der im Namen der Demokratie geführt wird, kann die Demokratie selbst nicht auf unbestimmte Zeit aufschieben", unterstreicht THE IRISH TIMES.
"Wird Fedorow der Mann sein, der Selenskyj ablöst?", fragt die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA und führt aus: "Nach Ansicht der jungen Generation und der Oberschicht in Kiew ist er der Einzige, der weitere Todesopfer im anhaltenden Krieg verhindern kann. Zudem ist die fünfjährige Amtszeit von Präsident Selenskyj schon im Mai 2024 ausgelaufen. Auch könnte es US-Präsident Trump gar nicht so unrecht sein, den ukrainischen Staatschef in Schwierigkeiten zu sehen. Eine Neuwahl könnte Moskau dazu bewegen, wieder Verhandlungen über einen Frieden aufzunehmen. In einem solchen Szenario wäre Fedorow eine hilfreiche Schachfigur", meint der Mailänder CORRIERE DELLA SERA.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD merkt an: "Man mag die Zwischenrufe des entlassenen ukrainischen Verteidigungsministers Fedorow angesichts der Lage im Krieg für unnötig halten, seine Kritik an Präsident Selenskyj für pures Nachtreten. Oder aber für einen Gradmesser dafür, wie sehr sich die Ukraine mittlerweile von Russland unterscheidet, was Demokratie im Allgemeinen und Debattenkultur im Besonderen betrifft. In der Ukraine werden Kritiker wie Fedorow, der im Juli nach sechs Monaten gefeuert wurde und bei vielen nach wie vor beliebt ist, nicht eingesperrt, sondern dürfen ihre Meinung frei sagen", betont DER STANDARD aus Wien.
Themenwechsel. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT blickt auf die Äußerungen des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir zu gezielten Tötungen von Palästinensern in Gaza: "Ben-Gvir hat damit außerhalb Israels für Empörung gesorgt. Auch proisraelische US-Politiker bezeichneten seine Äußerungen als abscheulich und forderten seinen Rücktritt. Sogar Deutschland, einer der treuesten Verbündeten Israels, ist nun bereit, europäischen Sanktionen gegen den extremistischen Minister zuzustimmen. Die jetzige Regierung unter Netanjahu war ohnehin schon von Anfang an die am weitesten rechts stehende, die Israel je hatte. Aber nach dem 7. Oktober 2023 ist der Staat derart radikalisiert und von Hass und Angst geblendet, dass er inzwischen zu seiner eigenen Bedrohung wird. Mit den anhaltenden Bombardierungen und der Besetzung von Gaza und des Südlibanons sowie einem erneuten unerklärlichen Angriff auf Syrien in dieser Woche verliert Israel von Tag zu Tag mehr Wohlwollen", beobachtet DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
In der schwedischen Zeitung DAGENS NYHETER heißt es: "US-Präsident Trumps Friedensplan liegt in Trümmern. Israels Regierung hat ihn abgelehnt. Der Grund ist nicht einmal, dass man der Hamas nicht traut, sondern dass eine Mehrheit der Minister keine palästinensische Verwaltung in Gaza will. Und dann erklärte Sicherheitsminister Ben-Gvir auch noch, dass man jeden Tag 30 bis 40 Palästinenser gezielt töten solle, da es Menschen gebe, die nicht verdienten, zu leben. Diese Äußerung ist erschreckend. Während des Sommers ist die Gewalt durch Siedler im Westjordanland weiter eskaliert. Es wäre die Aufgabe der israelischen Armee, dem Einhalt zu gebieten. Aber Verteidigungsminister Katz will die Verantwortung der Polizei übertragen, und die ist Ben-Gvir unterstellt. Im Oktober wählt Israel ein neues Parlament. Selten war der Begriff 'Schicksalswahl' zutreffender. Ein Frieden zwischen Israelis und Palästinensern wird unmöglich, sollten Extremisten wie Ben-Gvir auch danach noch entscheidenden Einfluss ausüben. Was diese Leute erreichen wollen, lässt sich nicht mit Israel als demokratischem Staat vereinbaren", unterstreicht DAGENS NYHETER aus Stockholm.
In der in London erscheinenden palästinensischen Zeitung RAI AL-YOUM ist zu lesen: "Die Bemerkungen Ben-Gvirs werfen die Frage auf, ob US-Präsident Trump es mit seinem Friedensplan für den Gazastreifen überhaupt ernst meint und zu den Verlautbarungen seiner Regierung steht. Oder ist er schlichtweg nicht in der Lage, Druck auf Israel und insbesondere auf Ministerpräsident Netanjahu auszuüben? Das Geschehen wird zur Farce."
Nun nach Südkorea. Die Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan äußert sich besorgt über das von den USA verkürzten Militärmanöver: "Für US-Präsident Trump gilt offenbar auch sicherheitspolitisch das Prinzip 'America First'. Dies zeigt deutlich seine Entscheidung über die Verkürzung des gerade erst begonnenen jährlichen gemeinsamen Militärmanövers mit Südkorea. Das Weiße Haus will einfach weniger Geld für die Bündnispartner ausgeben und erwartet, dass diese mehr für ihre eigene Sicherheit aufbringen. Dieses Modell einer 'verhandelbaren Sicherheitspolitik' sollte Taiwan mit besonderer Wachsamkeit betrachten. Trump versteht Sicherheitszusagen nicht als dauerhafte Verpflichtung. Taiwan darf daher nicht den Fehler machen und annehmen, dass die USA im Ernstfall - beispielsweise bei einer chinesischen Annexion - auf jeden Fall militärisch eingreifen werden. Taiwans einzig wirklich verlässlicher Rückhalt kann daher nur in den eigenen Fähigkeiten bestehen", stellt LIANHE BAO aus Taipeh klar.
Die dänische Zeitung POLITIKEN analysiert in diesem Zusammenhang generell die Politik von US-Präsident Trump: "Er benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Bei der Straße von Hormus führt er einen Krieg, den er nicht zu Ende bringen kann. In Lateinamerika hat er sich herausgenommen, einen Präsidenten zu entführen. Er droht mit einer Übernahme Grönlands. In Südkorea reduziert Trump aus Rücksicht auf die Diktatur in Nordkorea die militärische Zusammenarbeit. Bei der Ukraine weiß er nicht, auf welcher Seite er stehen will. Er hat zugelassen, dass Israel in Gaza zehntausende Palästinenser tötet. Man hätte sich nie vorstellen können, dass die USA so jemanden ins Weiße Haus lassen. Trump verstrickt sich in seinen Äußerungen und Dekreten und hat sich mit untauglichen Speichelleckern umgeben, während die USA in dem von ihm verursachten Morast versinken."
