21. August 2026
Die internationale Presseschau

Kommentiert werden die hohe Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten sowie US-Präsident Trumps Drohung mit einer vollumfänglichen Wirtschaftsblockade des Iran. Zunächst geht es aber erneut um die Forderung nach Neuwahlen in der Ukraine, die der ehemalige Verteidigungsminister Fedorow erhoben hat.

Sonnenuntergang hinter dem Kapitolgebäude der Vereinigten Staaten in Washington DC
Das Kapitol in Washington, D.C.: Die USA sind hoch verschuldet. (picture alliance / Zoonar / Offenberg)
Dazu schreibt die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA: "Die Erfolgsbilanz des ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist lang. Doch sie bezieht sich vor allem auf die Front gegen einen äußeren Feind. Innenpolitisch hingegen scheint er an Rückhalt zu verlieren. Ohne den Krieg hätten die Parlamentswahlen in der Ukraine im Oktober 2023 und die Präsidentschaftswahl im März 2024 stattgefunden. Je länger sich der Krieg hinzieht, desto nachdrücklicher weisen Selenskyjs Kritiker im eigenen Land darauf hin, dass die Ukraine nicht nur um ihren Status als unabhängiger und souveräner Staat kämpft, sondern vor allem auch um den als demokratischer. Wladimir Putins autoritäres Russland kann einen langen Krieg führen, die Opposition unterdrücken und die Repression verschärfen. Die Ukrainer hingegen können es sich nicht leisten, auf politischen Wettbewerb zu verzichten. Das würde das Land von Europa entfernen", gibt die RZECZPOSPOLITA aus Warschau zu bedenken.
Die britische Zeitung THE TIMES führt aus: "Eine faire Wahl abzuhalten - wie vom ehemaligen Verteidigungsminister Fedorow gefordert - wäre derzeit nahezu unmöglich, da sehr viele Ukrainer fern ihrer Heimatorte kämpfen oder im Exil leben. Zudem würde eine Wahl unter den gegebenen Bedingungen dem russischen Präsidenten Putin unzählige Möglichkeiten bieten, Desinformation zu verbreiten und Zwietracht in einer kriegsmüden Gesellschaft zu säen. Präsident Selenskyj verdient die Unterstützung all jener, die sich wünschen, dass die Ukraine als freies und unabhängiges Land überlebt. Gleichzeitig muss er die Wirkung bedenken, die Korruptionsskandale haben, die immer wieder um ihn herum ausbrechen. Selenskyj ist sehr damit beschäftigt, sich für die Bereitstellung weiterer Patriot-Luftabwehrraketen einzusetzen. Dennoch ist eher eine entschlossenere Reaktion auf Korruption in der Regierung erforderlich, wenn sie nicht zu einer Waffe für diejenigen werden soll, die dem Staatschef Böses wünschen", mahnt die Zeitung THE TIMES aus London.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT aus Amsterdam blickt angesichts des Ukraine-Krieges auf die Verteidigungsfähigkeit des Westens: "Es ist kein beruhigender Gedanke, dass die demokratischen Staaten nicht über ein ausreichend großes Waffenarsenal verfügen, um die Notlage der Ukraine zu lindern, aber auch, um sich im Ernstfall selbst verteidigen zu können. Die europäischen Wohlfahrtsstaaten haben ihre Bestände seit dem Ende des Kalten Krieges kaum noch aufgefüllt. Laut amerikanischen Kommandeuren sind selbst die Vorratskammern der USA inzwischen gefährlich leer."
US-Präsident Trump hat dem Iran mit einem "beispiellosen Wirtschaftskrieg" gedroht. In der chinesischen Zeitung JIEFANG RIBAO heißt es dazu: "Trump setzt auf ein gewagtes Spiel: Lässt sich denn das, was er mit militärischen Schlägen gegen den Iran nicht erreicht hat, durch 'wirtschaftliches Ersticken' erzwingen? Der Iran verfügt über eine gewisse wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Seit 1979 hat das Land unter langjährigen Sanktionen ein recht resilientes System aufgebaut. Der Iran verfügt zudem über eine solide landwirtschaftliche und industrielle Basis. Auch bei der Energieversorgung ist das Land weitgehend autark. Ferner ist es nicht ausgemacht, dass Trump auf breite Unterstützung bei seinen Verbündeten für sein Vorgehen hoffen kann. Ein Wirtschaftskrieg wird nicht zum Zusammenbruch des iranischen Regimes führen", ist sich JIEFANG RIBAO aus Schanghai sicher.
Die türkische Zeitung YENI ŞAFAK ist folgender Meinung: "US-Präsident Trumps Drohung mit einem 'maximalen wirtschaftlichen Druck' markiert den Beginn einer neuen Strategie. Sie umfasst Maßnahmen wie die Behinderung des iranischen Handels, die Begrenzung der Öleinnahmen sowie die Aufrechterhaltung einer US-Blockade in der Straße von Hormus. Die Erkenntnis, dass der Konflikt bislang weder zu einem eindeutigen Sieg noch zu einer raschen diplomatischen Einigung geführt hat, veranlasst Washington zu einem langfristigen 'Konfliktmanagement'. Ziel der Blockade und der drastischen Sanktionen ist nicht mehr die Erzwingung einer Kapitulation des Iran, sondern dessen Eindämmung in einer Pattsituation, in der keine der beiden Seiten einen entscheidenden Sieg für sich beanspruchen kann", beobachtet YENI ŞAFAK aus Istanbul.
Die Staatsverschuldung der USA ist zum ersten Mal auf mehr als 40 Billionen US-Dollar gestiegen. Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA bemerkt: "Die Staatsverschuldung in der größten Volkswirtschaft der Welt ist eine besorgniserregende Entwicklung. Das Problem ist, dass zuletzt mehrere US-Regierungen in Folge nicht in der Lage waren, das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen. Besonders eklatant ist das Versagen von Präsident Trump. Er versprach eine Kürzung der Staatsausgaben und eine Senkung des Haushaltsdefizits, ohne dem nachzukommen. Der Grund dafür sind Steuersenkungen, aber auch die gestiegenen Militärausgaben aufgrund des Iran-Kriegs und die Rückzahlung von zu Unrecht erhobenen Zöllen. Der Anstieg der Schuldenlast führt zu immer höheren Zinszahlungen von mittlerweile rund einer Billion Dollar pro Jahr. Aber auch in anderen Ländern, darunter in der EU, könnten Kredite teurer werden, was das globale Finanzsystem schwächt und das Wirtschaftswachstum bremst." Soweit LA VANGUARDIA aus Barcelona.
Die kolumbianische Zeitung EL TIEMPO aus Bogotá hält fest: "US-Präsident Trump kehrte mit dem Versprechen ins Weiße Haus zurück, das Land aus endlosen Kriegen herauszuhalten. Ein Grund für seinen Wahlsieg war die Unzufriedenheit der Bevölkerung über gestiegene Lebenshaltungskosten. Die wollte er senken, stattdessen stieg die Staatsverschuldung. Durch den Krieg gegen den Iran kassiert Trump seine Versprechen."
Die portugiesische Zeitung JORNAL DE NEGOCIOS aus Lissabon sieht es so: "Über 40 Billionen US-Dollar Staatsverschuldung ist ein besorgniserregender Wert. Ein Grund dafür ist Trumps Zollpolitik, die ihm mehr Niederlagen als Erfolge eingebracht hat. So musste die US-Regierung Zölle in Höhe von 166 Milliarden Dollar zurückzahlen, die der Oberste Gerichtshof für widerrechtlich erklärt hatte. Inzwischen schwindet die Geduld der Investoren, denn die Zinslast steigt immer weiter. Vor den Zwischenwahlen am 3. November steht Trump vor schwierigen Entscheidungen."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz analysiert: "Es führt nichts daran vorbei: Hohe Staatsschulden sind ungesund. Sie schränken den finanzpolitischen Spielraum stark ein und führen zu politischem Druck, die Zinsen tiefer zu halten, als für die Bekämpfung der Inflation notwendig wäre. Beides schröpft den Sparer. Und gelingt es mit hoher Inflation und zu tiefen Zinsen alleine nicht, sich aus der Schuldenfalle zu inflationieren, kommt es früher oder später zu Umschuldungen, was die Sparer erst recht schmerzt. Knapp ein Drittel der amerikanischen Staatsschulden werden von Ausländern gehalten. Daher wird diese Last nicht nur die USA schwächen. Die Vereinigten Staaten können einen Teil der Kosten ihrer überbordenden Schuldenwirtschaft ins Ausland exportieren", merkt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG an.
Das Pharmaunternehmen Moderna hat zusammen mit seinem Partner Merck & Co. einen Forschungserfolg für einen mRNA-basierten Impfstoff gegen Hautkrebs gemeldet. Die Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio erläutert in einem Gastkommentar: "Das ist eine revolutionäre Nachricht, die nicht nur die Pharma-Branche in Begeisterung versetzt. Bislang war ein Impfstoff gegen Krebs lediglich in der Welt von Science-Fiction vorstellbar gewesen. Der jüngste Forschungserfolg könnte sich zu einer bahnbrechenden Krebstherapie entwickeln."