24. August 2026
Die internationale Presseschau

Die Ukraine begeht heute vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Ein weiteres Thema in den Kommentaren ist der Handelskonflikt zwischen Kanada und den USA.

    Ukrainische Soldaten huldigen am 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine im Rahmen einer Zeremonie zu Ehren der Helden der Ukraine, die im Russisch-Ukrainischen Krieg gefallen sind, auf dem Lytschakiw-Friedhof in Lemberg, Ukraine.
    Am 24. August 1991 erklärte die Ukraine ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion - das ist ein Thema in den Kommentaren. (picture alliance/Anadolu/Olena Znak)
    Das LUXEMBURGER WORT erinnert anlässlich des Jahrestags der ukrainischen Unabhängigkeit an die Ereignisse des Jahres 1991: "Während Abermillionen Menschen damals das Ende von Diktatur, Verfolgung und Unterdrückung feierten, sah der junge KGB-Offizier Wladimir Putin im Zusammenbruch der Sowjetunion 'die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts', wie er Jahrzehnte später bekannte. Als Dauerpräsident Russlands setzte er schließlich alles daran, das Kapitel der freien Ukraine zu beenden. So kam es, dass in dieser kurzen Periode als unabhängige Nation ganze zwölf Jahre Krieg herrschten. Das Land erlebte zwei Revolutionen sowie ein gutes Jahrzehnt der schwierigen postsowjetischen Transformation. Heute, 35 Jahre später, ist es eine bittere und nicht minder turbulente Zeit, in der das halbrunde Jubiläum begangen wird", betont das LUXEMBURGER WORT.
    Die Kiewer Zeitung UKRAINSKA PRAVDA stellt eine weitergehende Frage: Wofür soll die Freiheit eigentlich genutzt werden? In einem Gastkommentar heißt es: "In den ersten fünfunddreißig Jahren bauten wir eine Unabhängigkeit 'von' auf. Das war eine ehrliche, blutige und bis heute unvollendete Arbeit: die Loslösung von Moskau, von der imperialen Denkweise und vom Anspruch des Nachbarn, darüber zu entscheiden, ob wir überhaupt das Recht haben, getrennt zu existieren. Der bis heute andauernde Krieg ist das letzte und schrecklichste Kapitel dieser Arbeit. Doch dieses runde Jubiläum erlaubt es uns, endlich auszusprechen: Unabhängigkeit von etwas ist kein Ziel, sondern eine Voraussetzung. Wie Mathematiker sagen würden: eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Das eigentliche Ziel war immer die Unabhängigkeit 'zu'. Und genau dort sind unsere Schwierigkeiten deutlich größer", lesen wir in der UKRAINSKA PRAVDA.
    Die estnische Zeitung POSTIMEES begrüßt einen Vorstoß des Nachbarlandes und fordert mehr Entschlossenheit in der Sanktionspolitik gegen Russland: "Lettland hat bereits in der vergangenen Woche einen symbolischen, aber bedeutsamen Schritt gemacht, indem eine Liste der Unternehmen veröffentlicht wurde, die Geschäfte mit Russland und Belarus machen. Jede westliche Sanktion gegen Russland ist ein Geschenk für die Ukraine. Estland könnte sich an Lettland ein Beispiel nehmen. So ein Pranger wäre gar nicht nötig, wenn die EU es schaffen würde, sich auf ein vollständiges Embargo gegen Russland zu einigen. Aber danach sieht es nicht aus", schreibt POSTIMEES aus Tallinn.
    Die argentinische Zeitung EL DIA äußert sich zum ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Dieser durchlebe auch innenpolitisch... "... eine Krise, die durch die Entlassung des beliebten Verteidigungsministers Fedorow ausgelöst wurde. Dieser hat nun gefordert, die seit zwei Jahren ausstehenden Wahlen abzuhalten. Aber die wird es nicht geben, solange Kriegsrecht gilt. Schließlich wird diese Bestimmung von einer klaren Mehrheit der Bevölkerung unterstützt, und es gibt viele Hindernisse: Wie sollen denn die Soldaten, die Millionen Flüchtlinge und die Bewohner der besetzten Gebiete ihre Stimme abgeben? Außerdem besteht die Gefahr, dass russische Desinformationskampagnen die Bevölkerung mitten im Abwehrkampf spalten", wendet EL DIA aus La Plata ein.
    Nun zum Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada. THE WALL STREET JOURNAL kritisiert die jüngste Verschärfung der US-Zölle: "Präsident Trump nahm Anstoß daran, dass wir seine Zölle gegen Kanada und Mexiko im vergangenen Jahr als den dümmsten Handelskrieg der Geschichte bezeichneten. Dieses Wochenende wurde es noch dümmer, als Trump – nur zehn Wochen vor den Zwischenwahlen – die Lage mit einer weiteren Runde von Grenzabgaben auf kanadische Importe eskalierte. Trumps Kritik wegen des US-Handelsdefizits gegenüber Kanada ist besonders ironisch, da dieses fast ausschließlich auf die Einfuhr von schwerem Rohöl zurückzuführen ist, das sich besonders gut für US-Raffinerien eignet. Würde man das kanadische Öl herausrechnen, hätten die USA einen Handelsüberschuss", gibt THE WALL STREET JOURNAL aus New York zu bedenken.
    Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT verweist auf die Reaktion des kanadischen Premierministers: "Neben der Ankündigung von Vergeltungszöllen betonte Carney die Anstrengungen Kanadas, die Abhängigkeit vom Handel mit den USA deutlich zu reduzieren. Er verwies darauf, dass Kanada im vergangenen Jahr rund zwanzig Handels- und Sicherheitsabkommen mit anderen Ländern geschlossen habe und dadurch inzwischen 'die am besten vernetzte Wirtschaft der Welt' sei. Zudem investiert sein Land viele Milliarden in die Verteidigung und die Produktion erneuerbarer Energie. All das, um sich aus der Abhängigkeit von den USA zu lösen", notiert DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
    Die mexikanische Zeitung EL FINANCIERO sieht in Kanadas Erfahrungen eine Warnung für alle Handelspartner der Vereinigten Staaten, insbesondere für das eigene Land: "Für Mexiko enthält dies die Lehre, dass unter der Regierung von Donald Trump Abkommen immer nur Momentaufnahmen sind, die binnen weniger Stunden wieder aufgehoben werden können. Eine weitere Lehre ist, dass man sich durch Zugeständnisse möglicherweise Zeit verschafft, aber keine Sicherheit. Kanada ist der zweitgrößte Handelspartner der USA, und wenn man nach erheblichen Konzessionen am Ende trotzdem mit dem Höchstzoll konfrontiert wird, ist der Handlungsspielraum für alle anderen Partner vermutlich noch geringer", Das war die Ansicht von EL FINANCIERO aus Mexiko-Stadt.
    Die kanadische Zeitung THE GLOBE AND MAIL sieht Chancen, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert: "Es gibt noch ein kleines Zeitfenster, das die geringe Hoffnung bietet, einen umfassenden Handelskrieg mit seinen Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten abzuwenden. Die kanadischen Vergeltungszölle treten erst am 8. September in Kraft. Möglicherweise könnte Trump, der angesichts der hohen Lebenshaltungskosten und sinkender Zustimmungswerte vor den Zwischenwahlen unter Druck steht, die Gespräche wieder in Gang bringen wollen. Das scheint derzeit jedoch sehr unwahrscheinlich". Soweit THE GLOBE AND MAIL aus Toronto.
    Nun zum Iran-Krieg. Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO beschäftigt sich mit der Drohung von US-Präsident Trump, den Iran wirtschaftlich zu zerstören: "Das sieht nicht nach einer durchdachten Taktik aus, und verrät eher, dass man mit seinem Latein am Ende ist. Denn es ist eher unwahrscheinlich, dass die amerikanische Regierung mit diesem Schritt das erreichen kann, was sie mit den jahrzehntelangen Sanktionen nicht schaffen konnte. Auch ist es offen, wie viele Länder Washington folgen werden. Darüber hinaus ist der Iran nicht völlig mittellos", vermerkt JIEFANG RIBAO aus Schanghai.
    Die türkische Zeitung PENCERE stellt fest: "Seit Jahren versucht der Iran, die US-Sanktionen durch den direkten Verkauf von Öl sowie über regionale Handelszentren, Finanzvermittler und Drittländer zu umgehen. Gelingt es Washington tatsächlich, diese Kanäle zu schließen und andere Länder dazu zu bewegen, diesem Beispiel zu folgen, könnte der Iran unter neuen Druck geraten. Diese Politik hat jedoch auch ihren Preis für die USA", so die Einschätzung von PENCERE aus Istanbul.
    In Hongkong sind zwei Organisatoren von Mahnwachen zum Gedenken an die Niederschlagung der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989 schuldig gesprochen worden. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN erläutert: "Grund ist ein Verstoß gegen das nationale Sicherheitsgesetz in Hongkong. Das 2020 in Kraft getretene Gesetz, mit dem die Regierung in Peking die Bürgerinnen und Bürger Hongkongs unterdrückt, hat bereits zur Verurteilung zahlreicher prodemokratischer Politiker und Journalisten geführt. Auch dieses jüngste Urteil ist völlig inakzeptabel, denn es zielt darauf ab, die über 30 Jahre andauernde Erinnerung an die Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz auszulöschen", kritisiert ASAHI SHIMBUN aus Tokio zum Ende dieser internationalen Prsseschau.