
"Ein Handelskrieg würde beiden Volkswirtschaften schaden", schreibt die IRISH TIMES. "Premierminister Carney sagte, er werde als Reaktion auf Trumps Schritt Zölle verhängen, allerdings erst am 8. September. Damit bleibt ein Zeitfenster, um die Gespräche wieder aufzunehmen. Vorerst gibt es keine Anzeichen dafür. Allerdings ist die Fähigkeit des US-Präsidenten, eine Kehrtwende zu vollziehen, inzwischen bekannt. Und Trump wird wegen seines Vorgehens gegen Kanada nicht nur von den Demokraten, sondern auch aus den Reihen seiner eigenen Partei kritisiert", erinnert die IRISH TIMES aus Dublin.
Im kanadischen Magazin THE WALRUS erörtern mehrere Experten, wie die Regierung in Ottawa reagieren sollte. Ein früherer kanadischer Minister fordert, dass bei Projekten für mehr Unabhängigkeit von den USA Vollgas gegeben wird: "Das Parlament und der Premierminister müssen viel vorantreiben. Es geht um Energie, Verteidigung, Elektrifizierung, den Abbau innerstaatlicher Barrieren und die Diversifizierung des Außenhandels". Ein Politikberater empfiehlt eine transparante und offene Kommunikation: "Wir können es uns nicht erlauben, dass der nationale Zusammenhalt von Fehlinformationen untergraben wird, welche den Amerikanern am Verhandlungstisch helfen und uns schwächen." So weit zwei Gastbeiträge aus dem Magazin THE WALRUS mit Sitz in Toronto.
Die spanischen Zeitung EL PAIS sieht für Washington die Gefahr einer Eskalation durch das Beispiel Kanada: "Drei Viertel der Kanadier sprechen sich dafür aus, die Verhandlungen auszusetzen. Sollte der historisch wichtigste Verbündete beschließen, sich angesichts der Geringschätzung nicht beirren zu lassen, sich zu wehren und die wirtschaftlichen Konsequenzen in Kauf zu nehmen, könnte sich dieser Widerstand auch auf Partner ausweiten, die weitaus weniger historische Verbindungen zu den Vereinigten Staaten haben", mutmaßt EL PAIS aus Madrid.
Aus Sicht der mexikanischen Zeitung EL ECONOMISTA verhandelt die US-Regierung nach dem Prinzip "good cop - bad cop": "Die Rolle des guten Polizisten übernahm der Handelsbeauftragte Jamieson Greer, ein erfahrener und disziplinierter Verhandlungsführer, der wochenlang mit Ottawa an einem Abkommen zur Senkung von Zöllen auf Stahl, Aluminium und Autos feilte. Die bösen Polizisten waren Handelsminister Howard Lutnick und der Trump-Berater Peter Navarro, denen die Zugeständnisse zu großzügig waren und die in letzter Minute das Kapitel über die Kfz-Industrie erneut aufschnürten. Das zeigt die innere Spaltung der USA und macht deutlich, dass man jederzeit bereit ist, die Bedingungen eines eigentlich schon fertig ausgehandelten Abkommens zu ändern", wird in EL ECONOMISTA aus MEXIKO-STADT gefolgert.
In der japanischen NIHON KEIZAI SHIMBUN werden die Folgen für die Automobilkonzerne thematisiert: "Die von Trump angekündigte drastische Zoll-Erhöhung würde sich auch auf die japanische Autoindustrie enorm negativ auswirken. Allerdings sind Toyota und Honda für Kanada sehr wichtige Hersteller, die jeweils zu fast einem Prozent des kanadischen Bruttoinlandsprodukts beitragen. Sollte es tatsächlich zu einer Zoll-Erhöhung kommen, würde die Regierung in Ottawa versuchen, diese Industrie zu schützen", erwartet ein Gastkommentator in der NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die Zeitung USA TODAY blickt auf die wichtigen Zwischenwahlen im November: "Trumps völlig unbegründeter Angriff auf Kanada ist ein Geschenk für die Demokraten. Kurz vor den Midterms können sie sich sicher sein, dass Trumps Zoll-Besessenheit den amerikanischen Konsumenten weiter schadet. Es wäre schön, wenn die Republikaner allmählich darüber nachdenken würden, sich gegen Trumps rücksichtsloses Verhalten zu wehren. Aber das wird natürlich nicht passieren", notiert ein Kolumnist der New Yorker USA TODAY.
Bei den Demokraten rückt vor den Wahlen der linke Flügel immer mehr in den Fokus. Eine Vorreiterin ist die Abgeordnete Alexandria Ocazio-Cortez. Zu ihr schreibt die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN: "AOC, wie sie oft genannt wird, ist ein politisches Talent der Spitzenklasse. Sie ist eine Meisterin der Kommunikation und kann auf ihre Art auch Donald Trump Paroli bieten. Inzwischen redet sie gar nicht mehr so viel über sogenannte woke Themen wie Geschlecht und Hautfarbe, sondern darüber, wie viel Dinge kosten, über Wohnen, Jobs und Gesundheit. Das zeigt Wirkung. AOC ist eine Art Kronprinzessin der Sozialisten, die gerade bei den Vorwahlen die gemäßigteren Demokraten reihenweise aus dem Feld schlagen. Sie wäre zweifelsohne eine gewichtige Kandidatin für den Wahlkampf 2028 um das Präsidentenamt", lautet eine Einschätzung in der AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die Ukraine hat gestern den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit gefeiert. Die türkische Zeitung CUMHURIYET blickt zurück: "Mit Ausnahme der westlichsten Provinzen war die antirussische Tradition in der Ukraine ursprünglich nicht stark ausgeprägt. Doch der ukrainische Nationalismus wurde durch den Ausbruch des indirekten Konflikts mit Russland im Jahr 2014 und vor allem durch die russische Aggression gegen die Ukraine im Jahr 2022 angeheizt. Das Unglück der Ukraine liegt darin, dass sie in einer Region liegt, um die sowohl Russland als auch der Westen buhlen. Auch im fünfunddreißigsten Jahr ist das Land zwischen Ost und West hin- und hergerissen." Das war eine Stimme aus der Istanbuler CUMHURIYET.
In der chinesischen Zeitung XINMIN WANBAO geht es um die europäischen Militärhilfen: "Sie reichen von Waffenlieferungen über den Austausch von Technologie bis hin zur nachrichtendienstlichen Unterstützung. Schritt für Schritt rückt durch diese immer deutlichere Komplizenschaft die rote Linie Moskaus näher. Bislang reagiert der Kreml darauf mit 'Vergeltungsschlägen', wie er es bezeichnet, und mit diplomatischen Protestnoten. Angesichts des fragilen Gleichgewichts droht jedoch stets die Gefahr, dass die Lage außer Kontrolle geraten könnte", wird in der XINMIN WANBAO aus Schanghai gemahnt.
"Wladimir Putin kämpft bereits ums Überleben", hält die polnische RZECZPOSPOLITA aus Warschau fest. "Je länger die Unabhängigkeit der Ukraine Bestand hat, desto brüchiger wird die Autorität des ‚Zaren‘ in den Augen seiner ‚Bojaren‘. Und wir als Teil der freien Welt sollten die Ukraine in diesem Kampf unterstützen – damit wir in Zukunft nicht mit einem Despoten verhandeln müssen, der direkt vor Europas Haustür steht."
Die KYIV POST argumentiert, warum die Ukraine 35 Jahre nach der Unabhängigkeit dringend näher an Europa rücken muss: "Der Krieg zehrt an Menschen und Ressourcen. Der Wiederaufbau wird unvorstellbare Summen erfordern. Die europäische Integration ist kein dekoratives Ziel. Es ist das wichtigste Projekt, das der Ukraine noch bleibt."
Zum Abschluss ein Kommentar aus Uganda zum Umgang der Menschen in ostafrikanischen Ländern mit ihrem Geld. Eine Autorin der Zeitung THE INDEPENDENT aus Kampala stellt die These auf, dass die nächste finanzielle Kluft nicht zwischen Arm und Reich verläuft, sondern zwischen denjenigen, die investieren, und denen, die konsumieren: "Auf der einen Seite stehen Menschen, die sich in der Wirtschaft Eigenkapital aufbauen. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die ihren Konsum mit geliehenem Geld finanzieren. Viele Menschen in Ostafrika sind weitaus geübter darin, Kredite für den Konsum aufzunehmen, als zu investieren und etwas aufzubauen. Am Aktienmarkt in Kenia gibt es 2 Millionen Handelskonten, doch nur 60.000 wurden in den letzten beiden Jahren auch genutzt. Es mangelt in Ostafrika nicht an Ersparnissen. Es mangelt am Investieren. Die tatsächliche Vermögenskluft der nächsten Generation wird davon abhängen, wer lernt, mit dem was er verdient, auch etwas anzufangen."
