26. August 2026
Die internationale Presseschau

Heute unter anderem mit Stimmen zum Besuch des Direktors des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, Ratcliffe, in Moskau. Auch die geplanten US-Sanktionen gegen den Iran und dessen Handelspartner sind ein Thema.

USA, Washington: CIA-Direktor John Ratcliffe (r) spricht in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump im James Brady Press Briefing Room im Weißen Haus.
CIA-Direktor John Ratcliffe ist überraschen zu Gesprächen nach Moskau gereist. Das ist ein Thema in den Kommentaren (Archibild). (Alex Brandon/AP/dpa)
"Jetzt will man dem Iran also wirtschaftlich beikommen", schreibt die dänische Zeitung POLITIKEN: "Noch starten Flugzeuge von Teheran zu diversen Destinationen. Wenn Trump nicht wieder den Rückwärtsgang einlegen will, muss er all diese Zielländer bestrafen. China ist ein wichtiger Absatzmarkt für den Iran. Wird Peking Trumps Forderung nachgeben? Und ist Trump bereit, brutale Sanktionen gegen China und seine Banken zu verhängen? Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Knotenpunkt für den iranischen Außenhandel, und sie sind gleichzeitig ein Verbündeter der USA. Aber Donald Trump hat sie nicht gegen iranische Angriffe schützen können. Wird er wirklich die Zusammenarbeit mit diesem Partner aufs Spiel setzen? Entsprechend gelassen reagiert man in Teheran auf Trumps Drohungen", beobachtet POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO konstatiert: "Nun eröffnet Trump eine zweite Front, indem er einen Sanktionskrieg gegen China, Indien, die Türkei und die europäischen Verbündeten vom Zaun bricht. Die Drohung, nicht kooperationswillige Länder aus dem US-Dollar-System auszuschließen, ist eine unverhohlene Instrumentalisierung der US-Währung. Dadurch wird das globale Finanzsystem für die Selbstjustiz der USA missbraucht. Wirtschaftssanktionen lösen oft unerwartete Kettenreaktionen aus. Der Einsatz wirtschaftlicher Mittel als Kriegsinstrument birgt Risiken, die sich unweigerlich ausbreiten und schließlich von allen bezahlt werden müssen", warnt HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN hält den Kurs Washingtons für gescheitert: "Die USA stehen in einer Sackgasse und finden keine Lösung mehr. Auch die Maßnahme mit den verschärften Sanktionen wird für den Iran keine Bedrohung darstellen. Das Regime in Teheran hat schon über lange Zeit hinweg mit Sanktionen gelebt und sie überstanden. Um die Straße von Hormus vollständig öffnen zu lassen, gibt es für Trump und seine Regierung nur noch einen Weg: die Rückkehr zum Memorandum vom Juni. In der Phase der Umsetzung des Vereinbarten wollten die USA allerdings keine iranische Beteiligung, sondern lediglich die freie Schifffahrt. Damit hat die US-Regierung das Fundament für eine Problemlösung selbst zerstört", findet ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Ähnlich äußert sich die pakistanische Zeitung THE DAWN aus Karachi: "Die neuen Maßnahmen mögen den Druck erhöhen, werden Teheran aber kaum zum Nachgeben bewegen. Zudem besteht bei den wichtigsten Handelspartnern des Iran, insbesondere in China, wenig Bereitschaft, dem Kurs Washingtons zu folgen. Die Ankündigung neuer Wirtschaftssanktionen ist zugleich ein Eingeständnis der USA, dass ihre Strategie, den Iran auf dem Schlachtfeld zu besiegen, gescheitert ist."
Die belgische Zeitung DE STANDAARD spricht von einem bekannten Muster: "Es scheint, als würden wir erneut eine Trump-Seifenoper sehen, in der der Präsident zunächst eine riesige Bazooka hervorholt, um dann festzustellen, dass das Risiko, sich selbst ins Bein zu schießen, doch sehr groß ist. Das Spektakel endet dann ebenso abrupt, wie es begonnen hat. In Peking wird man dieses Vorgehen allmählich als lächerlich und erbärmlich ansehen. Der Mann, der gerne als der mächtigste Mann der Welt leben möchte, verspielt damit erneut seine Glaubwürdigkeit als geopolitischer Vermittler", so die Einschätzung von DE STANDAARD aus Brüssel.
Aus Sicht der spanischen Wirtschaftszeitung CINCO DÍAS führt der Iran-Krieg Europa erneut die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern vor Augen: "Die Schließung der Straße von Hormus hat Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben, und die Speicher sind nicht so weit gefüllt wie erhofft. Eine Energiewende ist nicht nur die vernünftigste Antwort auf den Klimawandel, dessen Auswirkungen mit jedem Jahr heftiger ausfallen, sondern sie bedeutet auch die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Es ist klar, dass die Zukunft der europäischen Energieversorgung bei den erneuerbaren Quellen liegt. Aber klar ist auch, dass allein der Ausbau der Produktionskapazitäten dafür nicht ausreicht. Benötigt werden Speichersysteme und ein besserer Schutz vor Schwankungen im Netz", unterstreicht CINCO DÍAS aus Madrid.
Mit einer wichtigen Wasserstraße in Europa beschäftigt sich die rumänische Zeitung ROMÂNIA LIBERĂ. In einem Gastkommentar heißt es: "Die Donau ist im Sommer 2026 zu einem Symbol der neuen europäischen Energiekrise geworden. Rekordtemperaturen, Dürre und die daraus resultierenden niedrigen Wasserstände haben zum einen die Produktion von Wasserkraftwerken zurückgehen lassen, zum anderen aber auch den Betrieb der Atomkraftwerke beeinträchtigt, die auf Kühlwasser aus der Donau angewiesen sind. Dadurch ist die Klimakrise zu einer Energiekrise geworden. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist Europa gezwungen, nicht nur die Energiepreise zu verfolgen, sondern auch den Wasserstand seiner wichtigsten Flüsse zu überwachen", unterstreicht ROMÂNIA LIBERĂ aus Bukarest.
Der überraschende Besuch von CIA-Direktor Ratcliffe in Moskau hat Spekulationen über neue diplomatische Bemühungen im Ukraine-Krieg ausgelöst. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT sieht darin ein Signal für Bewegung hinter den Kulissen: "Denn es handelt sich um eine kritische und spannungsgeladene Phase des Krieges, die von schweren Kämpfen und gegenseitigen Angriffen geprägt ist. Nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Selenskyj könnte dies der günstigste Zeitpunkt für ein Kriegsende sein. Dieses Zeitfenster sei für die USA von besonderer Brisanz, da nach dem Sommer des kommenden Jahres der Präsidentschaftswahlkampf beginne und das Thema Ukraine angesichts sich verschärfender innenpolitischer Prozesse in den Hintergrund rücke. Selenskyj betrachtet die aktuelle Phase daher als die aktivste für diplomatische Bemühungen. Natürlich ist es noch zu früh, um von einem Waffenstillstand zu sprechen. Doch angesichts der im Herbst stattfindenden Zwischenwahlen benötigt die Trump-Regierung eine Erfolgsgeschichte, also konkrete Vereinbarungen", vermerkt MÜSAVAT aus Baku.
Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA spekuliert, möglicherweise war der CIA-Chef auf Mission, um... "die Diskussion über den von dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj in Abstimmung mit Trump vorgeschlagenen Friedensplan wiederzubeleben, den Putin jedoch umgehend zurückgewiesen hatte. Auf dem Tisch liegt aber auch der Krieg im Iran. Russland ist zusammen mit China der wichtigste Verbündete des Irans bei dessen Unterstützung. Daher ist es möglich, dass Ratcliffe nach Moskau gereist ist, um über ein Ende dieser Unterstützung zu verhandeln - oder Konsequenzen anzudrohen, falls sie nicht eingestellt wird." Soweit LA REPUBBLICA aus Rom.
Abschließend schauen wir nach Serbien, wo im Oktober nach Angaben von Präsident Vučić eine vorgezogene Parlamentswahl abgehalten werden soll. Der Staatschef hat zuvor seinen Rücktritt angekündigt. Die ukrainische Online-Zeitung DZERKALO TYZHNIA fragt: "Was sind die Gründe für Vučićs Rücktritt? Der wichtigste davon ist sein Wunsch, die autoritäre Macht zu bewahren, indem er den protokollarischen Vorsitz des Präsidenten durch den des Premierministers ersetzt und so die Kontrolle über die Exekutivgewalt legitimiert. Außerdem will Vučić die Studentenproteste beruhigen, die vor mehr als anderthalb Jahren nach dem Einsturz eines Teils des Bahnhofs in Novi Sad begannen und sich zu einer mächtigen politischen Bewegung entwickelten, die die Macht von Vučić bedroht. Es steht viel auf dem Spiel: Entweder behält Vučić für weitere fünf Jahre die Macht, oder es kommt zu grundlegenden Veränderungen in der Republik Serbien, die die Dynamik der Annäherung oder Distanzierung zwischen Serbien und der EU bestimmen werden", notiert DZERKALO TYZHNIA mit Sitz in Kiew. Und damit endet diese internationale Presseschau.