28. August 2026
Die internationale Presseschau

Die Zeitungen kommentieren das morgen in Island stattfindende Referendum über neue EU-Beitrittsgespräche, den Vergleich zwischen dem Meta-Konzern und US-Bundesstaaten sowie die Gewalt radikaler israelischer Siedler im Westjordanland. Zunächst geht es aber um den Besuch von CIA-Direktor Ratcliffe in Moskau, der Russland vor einem Angriff auf NATO-Staaten gewarnt haben soll.

CIA-Direktor John Ratcliffe (r) spricht in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump im James Brady Press Briefing Room im Weißen Haus.
CIA-Direktor John Ratcliffe war zu Gesprächen in Moskau. (Alex Brandon/AP/dpa)
Dazu schreibt das WALL STREET JOURNAL: "Die USA halten einen russischen Einmarsch offensichtlich für eine so ernstzunehmende Möglichkeit, dass sie Ratcliffe entsandt haben. Es ist zu hoffen, dass eine deutliche Botschaft übermittelt wurde. Doch schon der letzte CIA-Chef, von dessen Besuch man weiß - William Burns 2021 -, hatte Putin davor gewarnt, in die Ukraine einzumarschieren. Damals ging man gemeinhin davon aus, dass Putin sich auf hybride Kriegsführung beschränken würde. Stattdessen setzte er auf eine Invasion, um Kiew einzunehmen. Die Frage ist nun, ob US-Präsident Trumps Fähigkeit, Gegner abzuschrecken, tatsächlich so eindrucksvoll ist, wie er es darstellt", meint das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die schwedische Zeitung EXPRESSEN weist darauf hin, dass sich die Sicherheitslage kontinuierlich "verschlechtert": "Während des Sommers hat die Zahl der sogenannten hybriden Angriffe gegen die NATO bereits zugenommen. Es ist also durchaus möglich, dass Ratcliffe Russland von einem Angriff auf ein NATO-Land abbringen wollte. Putin wie auch Xi Jinping sehen, dass die Kräfte der USA im Iran gebunden sind. Bei einer koordinierten Aktion mit einem russischen Angriff in Europa und einer chinesischen Invasion in Taiwan fiele es den USA schwer, ihren Verteidigungsverpflichtungen nachzukommen. Europa hatte seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine mehr als vier Jahre Zeit, um aufzurüsten. Sind wir heute bereit? Nein!", moniert EXPRESSEN aus Stockholm.
Für die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF deutet die Reise des CIA-Direktors "auf eine sehr ernste Lage hin": "NATO-Chef Mark Rutte betont immer wieder, dass die Bündnispartner die Stärkung ihrer Verteidigung vorantreiben müssen. In scharfen Worten warnte er vor einem drohenden militärischen Konflikt mit Russland. Putin strebt nicht nur die Niederwerfung der Ukraine an, sondern auch eine dauerhafte Schwächung der NATO. Während die russische Bedrohung anscheinend über Sabotage und Cyberoperationen hinausgeht, ist es wichtig, dass die NATO-Verbündeten sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Ratcliffes Warnung ist dabei ein wichtiges Signal an Moskau, dass die USA weiter hinter der NATO stehen", unterstreicht DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
In Island wird morgen über mögliche neue EU-Beitrittsgespräche abgestimmt. Dies liege auch an der veränderten geopolitischen Lage, vermutet die spanische Zeitung EL PERIODICO DE CATALUNYA: "Vor dem Hintergrund der russischen Invasion in der Ukraine und den Auswirkungen der Präsidentschaft von Donald Trump ist eine Mitgliedschaft in der EU auch zu einer Frage der Sicherheit geworden. Das erklärt, warum Island über eine Wiederaufnahme der vor mehr als zehn Jahren ausgesetzten Beitrittsverhandlungen mit Brüssel diskutiert. Es ist verständlich, dass man gerade auch in Island über die Forderungen der USA nach einer Übernahme Grönlands beunruhigt ist. Im isländischen Keflavík liegt eine NATO-Basis, aber paradoxerweise betrachtet man die NATO inzwischen nicht mehr als den Hauptgaranten für die eigene Sicherheit, sondern stellt die Verlässlichkeit der USA in Frage", betont EL PERIODICO DE CATALUNYA aus Barcelona.
Das isländische Onlineportal VÍSIR erwartet von einem EU-Beitritt vor allem Vorteile: "Morgen haben wir zwei Möglichkeiten, und die eine davon ist, den Beitritt zur EU zu überprüfen. Wenn wir dann damit einverstanden sind, ergibt sich daraus ein Zuwachs an Selbstbestimmung, weil wir mit an dem Verhandlungstisch sitzen werden, an dem die großen Entscheidungen getroffen werden. Wir würden Mitglied einer Gemeinschaft mit den besten Lebensbedingungen und höchsten Menschenrechtsstandards der Welt. Wie sich die Zukunft der Fischerei und der Landwirtschaft gestaltet, werden wir im Laufe der Verhandlungen erfahren. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass wir gute Vereinbarungen erzielen. Die Europäer sind nämlich unsere Freunde. Wir sollten deswegen alle Wege nach Europa prüfen", fordert VÍSIR aus Reykjavík.
Und nun zum Vergleich zwischen Meta und den US-Bundesstaaten. Die "Ära der Straflosigkeit für Big Tech" sei nun zu Ende, glaubt die polnische RZECZPOSPOLITA: "Jahrelang gaben Meta, Google und andere Tech-Giganten den Ton an. Heute sehen sie sich mit Klagen, milliardenschweren Geldstrafen und politischem Druck konfrontiert. Noch vor wenigen Jahren wetteiferten Unternehmen, Medien und Politiker darum, Beziehungen zu den großen Technologiekonzernen aufzubauen. Heute wird sich die Öffentlichkeit nicht nur der Vorteile, sondern auch der Schattenseiten der Big Tech-Geschäftspraktiken bewusst. Sie ist nicht länger dazu bereit, einen Status quo zu akzeptieren, bei dem die Eigentümer von Social-Media-Plattformen Milliarden an Werbegewinnen einstreichen, während die Kosten für das Funktionieren der Plattformen von Staaten, Gesellschaften oder Einzelpersonen getragen werden", unterstreicht RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Der österreichische STANDARD sieht es so: "Eine Beschränkung der Nutzungsrechte hatte Meta bisher immer abgeblockt, Belege dafür, dass Social Media auch zur Falle werden können, weggewischt. Die Angst, im nie endenden Content etwas zu versäumen und die Sehnsucht nach Likes ist aber längst zur Sucht geworden. Negative Erfahrungen begleiten Betroffene mitunter ihr ganzes Leben. 17 Milliarden – das ist viel Geld. Aber nicht, wenn man sich vor Augen führt, dass Meta allein im Vorjahr einen Gewinn von 60 Milliarden Dollar erzielt hat und die Ankläger eine Strafzahlung von bis zu 1,4 Billionen Dollar gefordert hatten. Das Geld geht an die US-Bundesstaaten. Eltern, deren Kinder bereits mit Social-Media-Sucht kämpfen, sehen davon nichts. Verantwortung sieht anders aus", kritisiert DER STANDARD aus Wien.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG hält fest: "Und plötzlich geht es doch. Kein ewiges Scrollen in der Nacht, kein Vergleichen der Likes mehr. Endlich werden soziale Netzwerke zur Verantwortung gezogen. Andere Plattformen – und Länder – sollten nachziehen. Natürlich wird es bei der Umsetzung Hürden geben. Jugendliche sind findig beim Umgehen von Regeln. Natürlich ergeben solche Regeln auch nur Sinn, wenn sie alle Netzwerke umfassen. Dass Meta eingelenkt hat, bedeutet, dass es einen Umschwung der ganzen Branche erwartet. Mit Maßnahmen, die durchdachter sind als das Verbot für unter 16-Jährige, weil sie die positiven Seiten der Netzwerke bewahren, aber die Schäden mindern. Das ist eine gute Nachricht, vor allem für die jetzt Heranwachsenden", hebt die NZZ aus der Schweiz hervor.
Und zum Schluss noch ein Kommentar der israelischen Zeitung HAARETZ zur Gewalt extremistischer Siedler im Westjordanland: "Dies kann nicht länger als eine Reihe lokaler Vorfälle abgetan werden, die von einer Handvoll Gesetzesbrecher begangen werden. Die Gewalt ist zu einer strategischen Bedrohung geworden, die zu einem weiteren Krieg führen könnte. Sie ist gefährlich für Palästinenser und Israelis und schadet den amerikanischen Interessen im Nahen Osten zutiefst. Es ist an der Zeit, dass die Trump-Regierung von Warnungen zu Taten übergeht und sowohl gegen diejenigen, die die Gewalt ausüben, als auch gegen die Organisationen, die sie finanzieren und ermöglichen, Sanktionen verhängt. Dies ist kein Schritt gegen Israel, ganz im Gegenteil. Die Verhinderung einer weiteren Intifada liegt eindeutig im Interesse Israels, der Palästinenser und der USA. Washington sollte daher eine klare Botschaft senden: Wer Gewalt anwendet, um Palästinenser von ihrem Land zu vertreiben, wird einen persönlichen, finanziellen und politischen Preis dafür zahlen", verlangt HAARETZ aus Jerusalem.