
Am Donnerstag hat EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in einer Rede vor französischen Handelsvertretern China mit Konsequenzen gedroht, wenn das Land seine Handelsvereinbarungen nicht einhalten sollte. Blieben die Verhandlungen mit China über eine Verringerung des Rekord-Handelsdefizits ohne Durchbruch, müsse die EU alle ihre handelsrechtlichen Schutzinstrumente ausschöpfen. Damit beschäftigt sich die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO: "Allein diese herablassende Art verrät die hegemoniale Haltung. Das Problem aus Sicht der EU sind die Handelsdefizite mit China. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist Europa in manchen technischen Bereichen bereits von China überholt worden. Zum anderen, produzieren immer mehr europäische Unternehmen direkt vor Ort in China. Ein weiterer Grund ist auf die Exporteinschränkungen von Brüssel zurückzuführen. Öffentliche Drohungen sind kein gutes Benehmen. Die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen China und der Schweiz haben bereits gezeigt, wie es auch anders geht", betont HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz sieht es so: "Während dreier Jahrzehnte teilten Europas Entscheidungsträger eine komfortable Erzählung: Chinas rasanter Aufstieg, so das Kalkül, würden dem Westen als riesiger Markt und als verlängerte Werkbank dienen. Diese Erzählung ist krachend an der neuen Realität zerschellt. China hat nicht einfach nur aufgeholt, es hat Europa übersprungen. Unternehmen und Arbeitskräfte müssen ihre Anstrengungen verstärken, das ist klar. Doch ohne eine Kehrtwende hin zu geeinter Handelspolitik und echter strategischer Gegenseitigkeit mit China wird das nicht gelingen, und Europa wird zum Montagewerk für fremdes geistiges Eigentum verkommen", befürchtet die NZZ aus Zürich.
In Nepal steigt nach der Flutkatastrophe die Zahl der Toten und Vermissten. Aus dem Ausland gibt es Hilfsangbeote - die Reaktion der napalesischen Regierung darauf kommentiert die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN : "Es ist schwer vorstellbar, dass das Land die Folge dieser gigantischen Katastrophe alleine bewältigen kann. Die internationale Hilfe ist hierfür unabdingbar. Trotzdem soll Nepal erste Angebote von den USA und Indien, Hilfstruppen zu senden, abgelehnt haben - angeblich aus Sorgen vor neuem Chaos. Aber die Suche nach Vermissten ist ein Kampf gegen die Zeit. Nepal sollte die Hilfe von außen unbedingt akzeptieren. Direkt anschließend wird der Wiederaufbau der Straßen Thema sein, um Hilfsmaterialen zu transportieren. Auch dafür haben sich bereits viele Staaten und Hilfsorganisationen gemeldet", hofft YOMIURI SHIMBUN aus Tokio.
"Die Katastrophe ist ein Rückschlag für die chinesisch-nepalesischen Beziehungen, da viele grenzüberschreitende Verbindungen zerstört wurden. Sie kann jedoch auch als Chance begriffen werden", meint die chinesische Zeitung SOUTH CHINA MORNING POST: "Angesichts der zunehmenden Gefahr durch Gletscherschmelze und Schlammlawinen kann China nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern auch den Betroffenen in Nepal bei Rettungs- und Katastrophenhilfemaßnahmen zur Seite stehen. Langfristig ist China zudem in der Lage, Nepal – und andere an den Himalaya angrenzende Ländern – beim Aufbau von Überwachungs- und Kommunikationssystemen zu unterstützen, um sie vor künftigen Katastrophen zu schützen. So könnte die Bedrohung durch den globalen Klimawandel eine gemeinsame Basis für Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen schaffen", unterstreicht die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong.
Wegen des Handelsstreits mit Kanada hat US-Präsident Trump angeordnet, den Ontario-See zwischen den USA und Kanada in 'Lake America" umzubenennen. Dazu vermerkt die russische Zeitung KOMMERSANT: "Schon die Umbenennung des Golfs von Mexiko in 'Golf von Amerika' Anfang 2025 zielte eindeutig darauf ab, die südlichen Nachbarn der USA zu ärgern. Nun ereignet sich ein vergleichbarer Vorfall mit dem Nachbarn im Norden. Und Trump ließ sich von dem Thema sogleich weiter beflügeln: Er deutete an, er könne sich in Zukunft womöglich auch einen neuen Namen für einen Ozean ausdenken – sei es für den Pazifik, den Atlantik oder vielleicht sogar für beide zugleich", so KOMMERSANT aus Moskau.
Die kanadische Tageszeitung THE GLOBE AND MAIL beschreibt den Konflikt zwischen den USA und Kanada so: "Die Rückkehr von Donald Trump bringt so viele abscheuliche Facetten mit sich – die Feindseligkeit, die Erpressungsversuche, die Korruption, die Aggressivität, die wirtschaftliche Selbstverstümmelung –, dass man leicht die Dummheit übersieht, die all dem zugrunde liegt. Dummheit ist, wenn man mit dem Auto durch das Schaufenster eines Fast-Food-Restaurants fährt, nur weil man ein bisschen Hunger hat. Was diesen Handelskrieg angeht, lohnt es, sich eine Tatsache ins Gedächtnis zu rufen: Während Trump ständig jammert und schimpft, wie schamlos Kanada die Vereinigten Staaten ausnutze, spricht er von jenem Handelsabkommen, das er selbst in seiner ersten Amtszeit ausgehandelt hat" erklärt THE GLOBE AND MAIL aus Ontario.
Die irische Zeitung THE IRISH TIMES konstatiert: "Der narzisstische US-Präsident Trump hat die Umbenennung von Institutionen, Orten und Behörden - oft auf seinen eigenen Namen - zu einem bizarren Merkmal seiner Präsidentschaft gemacht. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die meisten von Trumps Umbenennungen nach dem Ende seiner miserablen Präsidentschaft rückgängig gemacht werden. Nicht Trump, sondern die Generation, die auf ihn folgt, wird darüber entscheiden, wie man sich an ihn erinnert", ist THE IRISH TIMES aus Dublin überzeugt.
In Norwegen ist König Harald mit 89 Jahren verstorben. Er wird von der dänischen Zeitung BERLINGSKE geehrt: "Die Norweger haben einen geliebten König verloren, und die Welt hat einen Menschen verloren, der sich viel Respekt erworben hat. Der rote Faden im Leben von König Harald war eine Integrität, die ihm selbst und Norwegen zugutekam. Der ultimative Härtetest für Harald als Monarch war der Terroranschlag von Oslo und Utøya. Zusammen mit der übrigen Familie ging er auf die Eltern und Anghörigen zu, spendete Trost und wurde zum verbindenden Element bei der nationalen Aufarbeitung des Schocks. König Harald war ein Vorbild, sowohl für seine Nachkommen als auch für die Norweger, die jetzt Abschied von ihm nehmen müssen", hält BERLINGSKE aus Kopenhagen fest.
"Zum Zeitpunkt seines Todes war König Harald die am meisten respektierte Person des Landes", notiert die norwegische Zeitung DAGBLADET: "In einer Zeit der wachsenden Polarisierung spielte Harald immer eine einigende Rolle und vermittelte Werte in aller Selbstverständlichkeit und mit Liebe. Seine Rede 2016 war vielleicht das stärkste Beispiel dafür. Es bewegte das ganze Land, als Harald erklärte, dass Norweger sowohl Mädchen seien, die Mädchen liebten, als auch Jungen, die Jungen liebten, oder Mädchen und Jungen, die sich untereinander liebten. Und er konstatierte, dass Norweger an Gott, an Allah, an alles oder auch an nichts glauben könnten. Harald wird als wichtiger König in die Geschichte eingehen, und man wird sich vor allem wegen seiner Menschlichkeit und seines Humanismus an ihn erinnern", bilanziert das DAGBLADET aus Oslo.
Aus finnischer Sicht schreibt die Zeitung HUFVUDSTADSBLADET: "Gemeinsam trauern wir über den Tod des 89-jährigen Königs und ältesten regierenden Monarchen Europas. Haralds einigende Rolle kam vor allem in schweren Zeiten zum Tragen. Dazu gehörten der Terror von Oslo und Utøya 2011, aber auch die russische Vollinvasion 2022 in der Ukraine. Damals legte Harald Empathie an den Tag und beschwor die Gemeinschaft als Bollwerk gegen jede Art von Finsternis. Daran sollte man denken, wenn Harald nun in einer Zeit voller Krisen die Bühne verlässt", so erinnert sich HUFVUDSTADSBLADET aus Helsinki zum Ende der Internationalen Presseschau.
