31. August 2026
Die internationale Presseschau

Im Mittelpunkt steht das Nein der Isländer zur Wiederaufnahme von Beitrittsgesprächen mit der Europäischen Union. Weitere Themen sind die Sturzflut in Nepal und Tibet sowie das Erdöl-Abkommen der USA mit Venezuela.

    In Islands Hauptstadt Reykjavík stehen viele Menschen bei einer Kundgebung zusammen. Manche haben Island-Flaggen bei sich.
    Die Gegner neuer Beitrittsverhandlungen mit der EU haben knapp gewonnen. (picture alliance I AP Photo I Marco Di Marco)
    "Wenn man Island mit seiner einmaligen Natur besucht, kann die übrige Welt unendlich fern wirken", schreibt die dänische Zeitung POLITIKEN. "Aber es wäre eine Illusion zu glauben, dass man sich in einer anderen Welt befindet. Der Inselstaat hat nur 400.000 Einwohner und keine Armee. Damit ist man extrem abhängig von internationalen Bündnissen, und wenn die USA mit einer militärischen Übernahme Grönlands drohen, sollte man sich auch in Island Gedanken über die Sicherheitsgarantien der NATO machen. Es ist deshalb traurig für Island und für Europa, dass eine knappe Mehrheit gegen eine Wiederaufnahme der EU-Beitrittsgespräche gestimmt hat", findet POLITIKEN aus Kopenhagen.
    Die italienische REPUBBLICA stellt fest: "Die Botschaft der Wähler ist besonders eindeutig, wenn man bedenkt, dass die Abstimmungsfrage keinen direkten EU-Beitritt verlangte, sondern ein 'Ja, vielleicht': Man hätte zunächst nach Brüssel gehen und über ein Abkommen verhandeln sollen, das anschließend einem zweiten Referendum vorgelegt worden wäre. Eine Möglichkeit, die die Isländer offenbar nicht ausprobieren wollten. Gewonnen haben die Ängste der Bevölkerung und die enorme Medienmacht der Fischereilobby."
    Die tschechische Zeitung DENÍK N meint zum Ausgang der Volksbefragung: "Für Brüssel ist das eine unangenehme Nachricht. Erneute Verhandlungen hätten einen positiven Impuls bedeutet – in einer Zeit, in der die EU sowohl einer Bedrohung aus Russland als auch einer Krise in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten gegenübersteht. Aber obwohl Island bereits Teil des Europäischen Wirtschaftsraums ist und fast drei Viertel seiner Gesetzgebung an EU-Recht angepasst hat, gelang es dem 'nei'-Lager, die Mehrheit der Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Insel ihre Souveränität verlieren und strengere Regulierung einführen müsste – insbesondere im Bereich der Fischerei", erläutert DENÍK N aus Prag.
    Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG bewertet das Referendum so: "Das Resultat entlarvt die wackelige Argumentation der EU-Befürworter. Der Nutzen einer weiteren Annäherung erschloss sich der Mehrheit nicht - und das mit gutem Grund. Der Preis, den die Fischerei-Großmacht für einen Beitritt zu zahlen hätte, wiegt zu schwer: der Verlust der Hoheit über Kabeljau, Makrelen und weitere Meeresressourcen."
    Die ungarische Zeitung NEPSZAVA führt aus: "Island ist in der bequemen Lage, dass es die meisten Vorteile der europäischen Integration auch ohne EU-Mitgliedschaft genießt. Zudem bewahrte das Land seine Selbstständigkeit in den Bereichen, die die isländische Bevölkerung für besonders heikel hält: Fischfang, Agrarpolitik und eigene Währungspolitik. Warum sollte man das aufgeben? Deshalb wäre es ein Fehler, den Ausgang des Referendums als 'euroskeptischen Aufstand' zu interpretieren. Die EU muss eben lernen, dass es für die Erweiterung nicht ausreicht, die Vorteile der Mitgliedschaft aufzuzählen. Sie muss auch sagen können, warum ein potenzielles Mitgliedsland souveräne Rechte an die Union delegieren soll, an denen es aus historischen, wirtschaftlichen oder anderen Gründen hängt." Das war NEPSZAVA aus Budapest.
    Die polnische RZECZPOSPOLITA erwartet "gravierende geopolitische Folgen" des Referendums: "Brüssel hatte sehnsüchtig auf grünes Licht aus Reykjavík gewartet. Die EU hat seit dreizehn Jahren kein neues Mitglied mehr aufgenommen – Kroatien war das letzte. Folglich verliert der Erweiterungsprozess der Gemeinschaft von Jahr zu Jahr an Glaubwürdigkeit. Manche glauben sogar, das vereinte Europa habe seine endgültigen Grenzen erreicht. Dies wiederum lässt in der Ukraine und den Staaten des Westbalkans wachsende Zweifel daran aufkommen, ob sie ihre Zukunft an die europäische Integration binden sollten. Ein Beitritt Islands hätte ein idealer Weg sein können, diese Bedenken zumindest teilweise zu zerstreuen", stellt die RZECZPOSPOLITA aus Warschau fest.
    "Das Referendum in Island könnte man als Musterbeispiel für die Demokratie bezeichnen", findet die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN. "Allein die bemerkenswert hohe Wahlbeteiligung über 80 Prozent ist wunderbar. Die Menschen in Island sind stark interessiert an der nationalen Sicherheit oder an der Stabilität ihrer Währung. Oft neigen die Menschen dazu, den Politikern die Schuld zuzuweisen. Es ist wichtig, dass die Bürger verstehen, dass eine politische Entscheidung ihr tägliches Leben ändert. In Island hat sich eine reife Demokratie gezeigt."
    Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO geht auf die Sturzflut im Himalaya ein: "Wer dieses Ereignis nur als eine gewöhnliche Flutkatastrophe wie etwa durch einen Monsunregen betrachtet, übersieht womöglich den Kern des Problems. Laut dem veröffentlichten Untersuchungsbericht tibetischer Behörden war ein Gletscherabbruch der Auslöser. Solche durch die Erderwärmung entstehenden Phänomene können Kettenreaktionen auslösen. Der Klimawandel drückt sich heute nicht mehr nur in Hitze, Dürren oder Stürmen aus. Nicht nur einzelne Länder, sondern die gesamte Menschheit sollte dies als Warnung verstehen. Wenn die Natur ihre Stimme erhebt, müssen wir lernen, diese Sprache zu verstehen", betont HUANQIU SHIBAO aus Peking.
    Die nepalesische HIMALAYAN TIMES aus Kathmandu spricht von einer "Klima-Ungerechtigkeit": "Obwohl sie im Vergleich zu benachbarten Großemittenten und wohlhabenden Nationen praktisch nichts zu den globalen Treibhausgasemissionen beitragen, tragen gefährdete Länder wie Nepal die Hauptlast der Klimakatastrophen. Die aktuelle Krise, mit der Nepal konfrontiert ist, stellt eine konkrete Folge der 'Klimaschuld' dar, die die Nationen mit hohen Emissionen zu tragen haben."
    Das Öl-Abkommen zwischen den USA und Venezuela ist Thema in der Zeitung EL NACIONAL aus Caracas: "Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez bezeichnet das Abkommen als 'historisch' und behauptet, es werde in fünf, zehn oder zwanzig Jahren zu einem 'wohlhabenden und glücklichen' Venezuela führen. Als Argument führt sie an, dass es sinnlos sei, 300 Milliarden Barrel Öl ungenutzt im Boden zu lassen. Was sie dabei geflissentlich übersieht: Die Pläne und die qualifizierten Mitarbeiter zur Steigerung der Produktion wären durchaus in unserem Land vorhanden gewesen. Damit ist es jetzt vorbei. Stattdessen tritt unsere Übergangsregierung fast ein Viertel der venezolanischen Ölreserven an Washington ab, von wo wir seit dem 3. Januar in Wahrheit regiert werden", kritisiert die venezolanische Zeitung EL NACIONAL.
    Das WALL STREET JOURNAL aus New York erläutert: "Der US-Investor wird ausgerechnet das Verteidigungsministerium sein, die rechtliche Grundlage dafür ist alles andere als eindeutig. Warum mischt sich das Pentagon überhaupt in die globalen Ölmärkte ein, wenn es alle Hände voll damit zu tun hat, dringend benötigte neue Waffen zu beschaffen und seinen maroden Beschaffungsprozess zu reformieren? Vieles ist noch unklar, doch all dies wirkt wie ein Beispiel dafür, dass die Trump-Regierung ihren schleichenden Vetternwirtschafts-Staatskapitalismus über die Grenzen der USA hinaus ausdehnt."
    Deutschland erwägt wegen des Drohnenvorfalls am Flughafen Leipzig/Halle neue Sanktionen gegen Russland. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT urteilt: "Es ist bemerkenswert, dass der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz – zusätzlich zu den allgemeinen Maßnahmen der Europäischen Union – neue nationale Sanktionen gegen Russland ankündigen könnte. Deutschland ist nicht nur die größte Wirtschaftsmacht Europas, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der Wirksamkeit der bereits gegen Russland verhängten Sanktionen. Zusätzliche Strafmaßnahmen auf nationaler Ebene könnten einen politischen Anreiz für andere europäische Länder darstellen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen."