01. September 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Stimmen zum Gipfeltreffen der "Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit" - kurz SCO - in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Doch zunächst zum Krieg im Iran.

Die Mitglieder der SCO stehen für ein Gruppenfoto vor einer Wand, auf der ein weißer Berg zu sehen ist, zusammen.
Ein thema: Das Gipfeltreffen der "Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit" - kurz SCO - in Kirgistan. (picture alliance / Pyotr Kovalev / Pool Sputnik Kremlin via AP / Pyotr Kovalev)
Die dänische Zeitung POLITIKEN geht ein auf neue Angriffe der US-Streitkräfte: "Das Ziel waren Raketenabschussrampen, die angeblich Seeminen in die Straße von Hormus schicken sollten. Der Iran reagierte umgehend mit Raketenangriffen auf US-Militärbasen in Jordanien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die aber offenbar rechtzeitig abgewehrt werden konnten. Man erahnt eine neue Eskalationsrunde in einem Krieg, der inzwischen mehr als sechs Monate dauert: Kriege sind oft leichter anzufangen als zu beenden. Aber etwas scheint sich doch verändert zu haben. Zuletzt war es, als hätten die USA wieder die Kontrolle über die Straße von Hormus und damit über eine zentrale Welthandelsverbindung. Diese Kontrolle wollte das Regime in Teheran zurückgewinnen, um den USA das Spiel zu verderben, und deshalb sollten wohl neue Seeminen platziert werden. Mit seinen jüngsten Angriffen signalisiert Donald Trump, dass er trotz der bevorstehenden Zwischenwahlen und des Unmuts an seiner Basis über einen neuen endlosen Krieg bereit zu einer Eskalation gegen den Iran ist", so die Einschätzung von POLITIKEN aus Kopenhagen.
DER STANDARD aus Österreich konstatiert: "Die Diskrepanzen zwischen den Angaben der Beteiligten über den 'Erfolg' der Operationen sind wie immer groß. Jedenfalls zeigen US-Präsident Donald Trumps Drohungen mit dem totalen Wirtschaftskrieg keine Wirkung. Die gestressten US-Verteidigungssysteme in der Region werden weiter beansprucht. Dabei kristallisiert sich Jordanien als neues bevorzugtes Zielland iranischer Aggression heraus. Das Königreich hat durch den Abzug der US-Truppen aus Syrien und aus dem Irak an militärischer Bedeutung für die USA gewonnen", schreibt DER STANDARD aus Wien.
Die US-amerikanische Zeitung THE WASHINGTON POST analysiert: "Die Truppen sind überlastet, was allmählich auf die Moral drückt. Die Bestände an wichtigen Waffensystemen schwinden. Rund ein Viertel der 'Reaper'-Drohnen des Pentagon ist bereits verbraucht worden. Zudem wurde der einzige Flugzeugträger der US-Marine im Pazifik Anfang des Monats in den Nahen Osten verlegt. Die Verbündeten sind verunsichert. In einer freien Gesellschaft besteht ein überragendes öffentliches Interesse daran, diese Fakten zu kennen. Vor sechs Monaten führte Trump das Land in einen Präventivkrieg, ohne überzeugend darzulegen, warum dies im nationalen Interesse lag. Er formulierte nie eine klare Strategie oder ein Endziel", bemängelt THE WASHINGTON POST.
Die panarabische Zeitung AL-QUDS AL-ARABI sieht in den neuen US-Sanktionen eine deutliche Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks auf Teheran: "Während sich frühere Sanktionen vor allem gegen die iranische Wirtschaft selbst richteten, beziehen die neuen Maßnahmen konsequenter als je zuvor auch sämtliche Geschäftspartner des Iran ein. Der Iran mag möglicherweise zwar Wege finden, die Sanktionen zu umgehen. Seine Geschäftspartner hingegen dürften kaum über vergleichbare Möglichkeiten verfügen und möglicherweise nicht in der Lage oder bereit sein, dem wirtschaftlichen Druck des US-Finanzministeriums standzuhalten. Ebenso wenig dürften sie bereit sein, ihre wirtschaftlichen Interessen in umfassendem Maße zu opfern", vermutet AL-QUDS AL-ARABI mit Sitz in London.
Die philippinische Zeitung THE MANILA TIMES sieht die Erfolgsaussichten der neuen US-Strategie gegen den Iran skeptisch: "Die entscheidende Frage lautet vorerst: Wird die Operation 'D-Day' den Iran in die Knie zwingen? Höchstwahrscheinlich nicht. Der Iran hat westliche Sanktionen jahrzehntelang überstanden. Zwar ist die Straße von Hormus seine wichtigste wirtschaftliche Lebensader zum Rest der Welt, doch verfügt das Land über Landverbindungen nach Russland, in die Türkei, nach Zentralasien und nach China, die für die USA schwer zu überwachen sind." Das war THE MANILA TIMES.
THE INDIAN EXPRESS blickt voraus: "Da US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der zweiten Septemberhälfte in Washington zu Handelsgesprächen zusammentreffen sollen, erscheint es unwahrscheinlich, dass Washington das Risiko eingehen wird, Peking zu verärgern. China verfügt seinerseits über erheblichen Einfluss bei kritischen Rohstoffen sowie in den globalen Lieferketten der Industrieproduktion. Letztendlich führen alle Wege nach Hormus. Solange es keine dauerhafte Einigung über die Verwaltung der Wasserstraße gibt, wird es immer wieder zu vereinzelten militärischen Angriffen und erneuten Drohungen einer wirtschaftlichen Eskalation kommen", erwartet THE INDIAN EXPRESS aus Mumbai.
Themenwechsel. Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO äußert sich zum Treffen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit, SCO, in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek: "Angesichts geostrategischer Verwerfungen ist die SCO von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht, globale Produktions- und Lieferketten neu zu justieren. Mit dem von China als Gründungsmitglied vorangetriebenen Netzwerk wird die gemeinsame multilaterale Entwicklung kontinuierlich gefördert. Insofern gibt die SCO die Richtung für die künftige Entwicklung der globalen Ordnungspolitik vor. Dieser 'Geist von Schanghai' findet weltweit immer mehr Anklang, denn Länder mit sehr unterschiedlichen politischen Systemen, kulturellen Traditionen und Interessen können in diesem Format den größten gemeinsamen Nenner für eine Zusammenarbeit finden", notiert HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN sieht im SCO-Gipfel eine Gelegenheit für China und Russland, ihren Einfluss auszubauen. In einem Gastkommentar heißt es: "Die USA haben durch die Handelskriege ihre Beziehungen zu den eigenen europäischen und asiatischen Verbündeten belastet. Zudem haben der Krieg gegen den Iran und der dortige hohe Einsatz von Raketenressourcen die strategischen Handlungsspielräume des US-Militärs eingeschränkt. Diese strategischen Fehler sind Eigentore von Donald Trump, durch die die USA weltweit an Einfluss verlieren. China und Russland sind sich dieser seltenen Gelegenheit bewusst und versuchen, ihre Position zu stärken. Während Russland wegen seines Angriffskrieges unter Druck steht, hat insbesondere China seinen Einfluss innerhalb der SCO, der auch der Iran angehört, deutlich ausgebaut. Das bereitet den USA Sorgen", vermerkt NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Abschließend beschäftigt sich die spanische Zeitung EL PAÍS mit dem Tod des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladić: "In der langen Geschichte der internationalen Justiz wurden nur wenige Menschen wegen Völkermordes verurteilt. Einer davon war der serbisch-bosnische General Ratko Mladić, der nun im Alter von 84 Jahren im Gefängnis in Den Haag verstorben ist, nachdem er zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Mladić war der Verantwortliche für das Massaker von Srebrenica, bei dem im Sommer 1995 rund 8.000 muslimische Männer und Jungen getötet wurden. Darüber hinaus zeichnete er für zahlreiche weitere Gräueltaten während des Bosnienkriegs verantwortlich wie ethnische Säuberungen, gezielte Vergewaltigungen und die Belagerung von Sarajevo. Es ist inakzeptabel, dass Mladić nun in Serbien ein Staatsbegräbnis bekommen soll. Serbien strebt eine Mitgliedschaft in der EU an, und Mladic war kein Patriot, sondern ein skrupelloser Mörder und das Symbol einer barbarischen nationalistischen Ideologie. Der Hass, der Anfang der 1990er Jahre in Jugoslawien explodierte, kam nicht aus dem Nichts, sondern war vorher jahrelang von Menschen wie Mladić kultiviert worden. Seine Verurteilung hat das von ihm verursachte Leid nicht lindern können, war aber eine Frage der Gerechtigkeit. Der Fall Mladić hat gezeigt, welche Folgen Hass entwickeln kann - und jetzt geht es darum, das Gedenken zu bewahren und zu verhindern, dass die Erinnerung zusammen mit ihm stirbt", kommentiert EL PAÍS aus Madrid zum Ende dieser internationalen Presseschau.