03. September 2026
Die internationale Presseschau

Auch heute mit Kommentaren zur hybriden Bedrohung durch Russland. Weitere Themen sind die chinesisch-ägyptischen Beziehungen und die weltweit steigenden Zinsen angesichts hoher Staatsschulden. Deshalb zunächst der Blick nach Großbritannien.

Der neue britische Premierminister: Andy Burnham bei seiner Ankunft in der Downing Street in London
Der britische Premierminister (Imago / I Images / Stephen Lock)
Premierminister Burnham hat sich nach der parlamentarischen Sommerpause den Fragen der Abgeordneten gestellt. Seine Labour-Regierung steht wegen hoher Schulden und Staatsausgaben unter Druck. An den Anleihemärkten stiegen die Zinsen auf Höchststände. Der britische TELEGRAPH fragt: "Versteht Andy Burnham, wie Märkte funktionieren? Diejenigen, die dem Vereinigten Königreich Geld leihen, sind besorgt, dass nichts unternommen wird, um den unaufhaltsamen Anstieg der öffentlichen Ausgaben einzudämmen. Das Gleiche gilt für den gesamten Westen, wo sich Regierungen bislang damit begnügt haben, den Anstieg der Sozialausgaben zur Besänftigung der Wähler tatenlos zu beobachten und die Kosten auf künftige Generationen abzuwälzen. Die Märkte spiegeln diese Realität wider. Es handelt sich nicht um eine Verschwörung zur Untergrabung des Sozialismus oder um eine Reaktion auf den Brexit, sondern um eine Reaktion auf die Verschwendungssucht des modernen Staates. Dieser ist offenbar nicht mehr willens oder in der Lage, seine Sozialausgabenprogramme einzudämmen" moniert THE DAILY TELEGRAPH aus London.
Der britische GUARDIAN schreibt: "Die internationalen Anleihemärkte hegen keinen besonderen Groll gegen den britischen Premier. Das ist nichts Persönliches. Sie haben auch nicht auf seine Erklärung im Parlament gewartet, um die Zinsen sofort anzuheben. Das ist ein globales Problem. Andere Länder sehen sich ebenfalls mit steigenden Kreditkosten konfrontiert", heißt es im GUARDIAN aus London.
Und damit nach Japan. "Die Renditen der japanischen Staatsanleihen haben nun zum ersten Mal seit 30 Jahren die drei Prozent-Marke erreicht", heißt es in der Zeitung ASAHI SHIMBUN: "Zwar haben die gestiegenen Ölpreise wegen der chaotischen Lage in der Golfregion den Inflations-Druck weltweit erhöht. Aber man kann nicht unterschlagen, dass der Renditeanstieg vom unverhältnismäßig offensiven Ausgabenkurs der japanischen Regierung beschleunigt wurde. Sie sollte die Alarmglocken der Finanzmärkte hören und die Richtung ihres Kurses zur soliden und verantwortungsvollen Politik ändern. Auch in den USA steigen die Renditen der Staatsanleihen", vermerkt ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Nun nach Ägypten. Anlässlich seines Staatsbesuchs hat der chinesische Präsident Xi eine Ausweitung der Investitionen in dem nordafrikanischen Land angekündigt. Dazu schreibt die SOUTH CHINA MORNING POST: "Chinas Wirtschaftsinteressen sind rund um den Suezkanal tief verwurzelt. Chinesische Unternehmen haben Produktions- und Logistikstandorte errichtet und nutzen Ägypten als Vertriebsbasis, um ihre Lieferketten mit den Märkten in Europa, Afrika und dem Nahen Osten zu verknüpfen. Die chinesische Präsenz erstreckt sich auf Sektoren, die für Pekings langfristige Position in Ägypten von Bedeutung sind: Fertigung, Logistik, Technologie und Verteidigung. Ägypten gewinnt einen weiteren Rüstungslieferanten und eine Macht an seiner Seite, die an der Aufrechterhaltung enger Beziehungen interessiert ist", überlegt die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong.
"Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beschränken sich nicht nur auf Handel und politische Abstimmung", bemerkt das ägyptische Internet-Portal AHRAM ONLINE: "Im August führten Ägypten und China eine gemeinsame Luftwaffenübung durch. Berichten zufolge flogen sechs chinesische Kampfflugzeuge mehr als 6.000 Kilometer, um an diesem Manöver teilzunehmen; damit erreichten die chinesischen Flugzeuge zum ersten Mal den Mittelmeerraum Afrikas im Rahmen einer Übung. Was sich zwischen Ägypten und China entwickelt, ist eine strategische Partnerschaft. Ägypten strebt danach, seine Beziehungen zu allen einflussreichen Weltmächten zu diversifizieren und zu stärken, um den Interessen seiner Bevölkerung zu dienen. Als Entwicklungsland ist Ägypten dazu verpflichtet, an alle Türen zu klopfen, in der Hoffnung, wirtschaftlichen Wohlstand zu erreichen. Und in dieser Hinsicht steht der Ausbau der Beziehungen zu China ganz oben auf der Liste", beobachtet AHRAM ONLINE aus Kairo.
Weiter geht es nach Deutschland. Die Bundesregierung macht Russland für einen versuchten Sprengstoffanschlag auf dem Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Die schwedische Zeitung EXPRESSEN aus Stockholm vertritt diese Meinung: "'Hybride' Bedrohung ist ein unpassendes Wort, das mehr verhüllt als erklärt. Man sollte von staatlich gesponsertem Terror sprechen. Russland will uns mit Gewalt einschüchtern, damit wir die Ukraine ihrem Schicksal überlassen. Europa hat Sabotageakte an Kabeln, Bahnstrecken und Stromleitungen sowie Brandstiftungen, Cyberangriffe und Mordanschläge erlebt. Hinzu kommen Verletzungen des NATO-Luftraums mit Drohnen und Flugzeugen."
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN mahnt: "Europa darf sich nicht abschrecken lassen und muss der sinnlosen russischen Propaganda entgegentreten. Nein, Russland wird nicht vom Westen bedroht. Die Unterstützung für die Ukraine erfolgt nicht, um Russland als große und wichtige Nation zu schwächen, sondern um den Ukrainern in ihrem verzweifelten Verteidigungskampf zu helfen. Das ist internationales Recht und Gesetz", betont AFTENPOSTEN aus Oslo.
Die tschechische Zeitung HOSPODARSKE NOVINY nennt die deutsche Reaktion auf den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle ungewöhnlich: "Sie ist aber zugleich angesichts der Lage in Europa und in Deutschland relativ maßvoll. Nicht der Kanzler hat sie verkündet, sondern seine Minister. Vorsichtig ist sie vor allem mit Blick auf die Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt, die Putins Verbündete von der Alternative für Deutschland gewinnen könnten. Die russischen Angriffe werden eine Antwort erfordern, damit Europa nicht einer Politik der Zugeständnisse verfällt und Russland nicht das Gefühl bekommt, sich immer mehr erlauben zu können. Der erste Schritt wäre, sich die Wahrheit offen einzugestehen: Russland führt Krieg gegen uns. Die Europäer sollten jemanden nach Moskau schicken, der Putin diese Wahrheit ins Gesicht sagt", schlägt HOSPODARSKE NOVINY aus Prag vor.
Ähnlich argumentiert die belgische Zeitung DE TIJD: "Europa muss Rückgrat zeigen, um der Bedrohung durch Russland entschlossen entgegenzutreten. Wenn es jedoch wirklich einen Ausweg aus dem Krieg in der Ukraine finden will, muss es sich auch dringend für die Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte mit dem Kreml einsetzen. Dabei ist allerdings Misstrauen gegenüber Putin angebracht. Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben nicht vergessen, dass er sie 2022 betrogen hat, indem er seine Pläne zur Invasion der Ukraine leugnete." Wir zitierten DE TIJD aus Brüssel.
Der österreichische STANDARD aus Wien bewertet die russische Haltung: "Die Reaktion des Kreml auf die schaumgebremsten deutschen Strafmaßnahmen zeigt schließlich, worum es Russland wirklich geht. Berlin, der alte Feind, soll seiner Propaganda endlich Stoff für neue Nazi-Lügen liefern. Schrille Töne hätten ihm nur zu gut ins Drehbuch gepasst. Diesen Gefallen hat man ihm zu Recht nicht getan."
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG hält fest: "Dass Moskau jegliche Verantwortung für den Anschlag von sich weist und ihn als Hirngespinst eines antirussischen Westens darstellt, darf niemanden überraschen. Der Kreml hat viel Übung im Leugnen seiner Missetaten: Die Nervengasangriffe auf Sergej Skripal und Alexej Nawalny gehören ebenso dazu wie der Abschuss eines Linienflugzeugs von Malaysia Airlines über dem Donbass, die Bombardierung eines Theaters in der ukrainischen Stadt Mariupol, in dem Hunderte von Kindern Schutz gesucht hatten, sowie unzählige andere Verbrechen der russischen Streitkräfte im Laufe dieses Krieges", erinnert die NZZ aus der Schweiz. yy Damit endet die Internationale Presseschau. Redaktion: Dietmar Reiche - Sprecher/in: