04. September 2026
Die internationale Presseschau

Heute geht es unter anderem um das Treffen der sogenannten Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek. Bestimmendes Thema ist aber nach wie vor der gescheiterte Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle, für den Russland verantwortlich sein soll, und die daraus resultierenden gegenseitigen Strafmaßnahmen.

Ein Kriminalbeamter entschärft die Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Neben ihm steht ein Sprengstoffroboter. Der Beamte trägt Schutzkleidung und einen Helm mit Visier.
Der Drohnenfund auf dem Flughafen Leipzig/Halle und seine Auswirkungen sind immer noch Thema in Kommentaren der internationalen Presse. (imago / EHL Media)
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT stellt heraus: "Mit der Schließung des Goethe-Instituts in Russland verschwindet eine weitere der ohnehin nur wenigen Möglichkeiten für die Russen, noch einen unmittelbaren Kontakt zum Westen aufzunehmen. Nun sind in Moskau nur noch die spanischen und französischen Sprachinstitute geöffnet. Doch angesichts der andauernden russischen Kampagne gegen sogenannte ausländische Agenten stellt sich die Frage: Wie lange noch?"
RZECZPOSPOLITA aus Warschau blickt auf die Entwicklung des deutsch-russischen Verhältnisses: "Unter den Regierungen von Schröder und Merkel entwickelte sich Deutschland zu Russlands wichtigstem Handelspartner. Heute droht der Kreml Berlin. Woher rührt dieser Hass? Dafür gibt es mehrere Gründe. Berlin hat sich zu einem der wichtigsten Verbündeten der Ukraine und zu einem Zentrum der russischen Opposition entwickelt. Seit Kriegsbeginn hat Berlin mehr als 100 Milliarden Euro an humanitärer und militärischer Hilfe für den von Russland angegriffenen Staat bereitgestellt. Setzt man diese Fakten zusammen, so drängt sich eine Schlussfolgerung auf: Deutschland beschleunigt den Zusammenbruch von Putins Regime durch die Stärkung der ukrainischen Armee", notiert die polnische RZECZPOSPOLITA.
Die Zeitung EVRENSEL aus Istanbul sieht Auswirkungen des Zwischenfalls von Leipzig auf den Ukraine-Krieg: "Die militärische und wirtschaftliche Unterstützung, die Deutschland geleistet hat, damit die Ukraine den Krieg nicht verliert, ist für die Menschen in Deutschland sehr kostspielig. Anstatt sich dieser Tatsache zu stellen, wird die Regierung von nun an hinter jedem Anschlag im Land Russland vermuten und damit Ängste schüren. Je länger sich der Krieg in der Ukraine hinzieht, desto größer wird die Gefahr eines regionalen Krieges, betrachtet man die Entwicklungen auf der Linie Berlin-Moskau. Deshalb sollte anstelle von 'hybriden Drohungen' die Forderung nach Dialog, Verhandlungen und Frieden erhoben werden", schlägt die türkische Zeitung EVRENSEL vor.
Die britische Zeitung THE TIMES analysiert: "Russland wurde auf frischer Tat ertappt. Wie zu erwarten war, hat die gescheiterte russische Operation die Verbündeten Deutschlands in ihrer Unterstützung geeint. Die Frage ist nun, ob der russische Staatschef Putin künftig von riskanten Aktionen Abstand nehmen wird oder weitermacht - und ohne noch groß auf Geheimhaltung zu achten weitere Drohnen- und Sabotageangriffe auf die Unterstützer der Ukraine startet", überlegt THE TIMES aus London.
Auch für die norwegische Zeitung DAGBLADET hat der Drohnen-Vorfall von Leipzig eine weitaus größere Dimension: "Wenn Russland Terrorangriffe in NATO-Ländern sponsert, hat die geopolitische Lage in Europa ein ganz anderes Niveau erreicht. Dahinter steckt ein ganzes System aus Sabotageakten, und diese Entwicklung müssen wir ernst nehmen. Russland testet, wie weit es gehen kann, ohne eine direkte Konfrontation mit der NATO auszulösen. Das Dilemma für Europa besteht jetzt darin, eine direkte Konfrontation zu verhindern, ohne dass diese Zurückhaltung als Schwäche gedeutet werden kann. Wir müssen uns davor hüten, dass der Kreml glaubt, Sabotage begehen und hybride Angriffe durchführen zu können, ohne dafür einen spürbaren Preis zahlen zu müssen", mahnt das in Oslo erscheinende DAGBLADET.
Die dänische Zeitung POLITIKEN betont: "Putins Russland hat keinen Respekt vor dem Völkerrecht und den diplomatischen Spielregeln. Europa muss jetzt dagegenhalten - nicht, indem es selbst Russland angreift, sondern die Hilfe für die Ukraine verstärkt, die Sanktionen verschärft und den Aufrüstungsturbo einlegt, damit wir uns selber verteidigen können. Es eilt, und es geht nicht um Forderungen von US-Präsident Trump, sondern um unsere eigene Sicherheit. Putin ist auf dem Kriegspfad, und je schlechter es für seinen Krieg in der Ukraine läuft, desto größer wird für ihn die Versuchung, andere Länder in Europa anzugreifen", ist die dänische Zeitung POLITIKEN überzeugt.
Die österreichische Zeitung DER STANDARD empfiehlt folgende Reaktion der Europäer: "Russlands Präsident Putin muss spüren, dass seine Provokationen das Gegenteil von dem bewirken, was er sich erhofft. Ein Weg dorthin wäre es, wenn die EU nach jedem Vorfall, für den Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit verantwortlich gemacht werden kann, der Ukraine weitere Hilfen zukommen lässt: mehr Geld, mehr Waffen und die Ausrüstung, die das Land benötigt, um den erwarteten Dauerangriff auf seine Energieinfrastruktur im kommenden Winter zu überstehen. Der Krieg, den Putin gegen den Westen ausgerufen hat, wird auf den Schlachtfeldern der Ukraine entschieden", prophezeit DER STANDARD aus Wien.
Die ungarische Internet-Zeitung NEPSZAVA äußert die Sorge, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine noch weitere Kreise zieht: "Als der ukrainische Präsident Selenskyj internationale Fluggesellschaften dazu aufrief, den russischen Luftraum zu meiden, da ukrainische Drohnen den russischen Himmel zunehmend gefährlich machen, warf ihm Präsident Putin sofort Staatsterrorismus vor. Die Welt fürchtet allgemein den Dritten Weltkrieg, die Eskalation des bewaffneten Konflikts. Was aber geschieht, ist eine neue Art von Dritter Weltkrieg. Das Schwarze Meer ist unpassierbar, Drohnen und Drohnenreste fallen an der Ostflanke der Nato vom Himmel, und die Staaten der Europäischen Union kämpfen mit einer Reihe russischer Sabotageaktionen und Wahlinterventionen. Putin spricht von Staatsterrorismus wegen einer Antwort-Drohung der Ukraine, die den russischen Luftraum betrifft, aber der eigentliche Staatsterrorismus ist sein Krieg in der Ukraine und sein hybrider Krieg, der ganz Europa bedroht", konstatiert NEPSZAVA aus Budapest.
In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek hat diese Woche ein Treffen der sogenannten Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit SCO stattgefunden. Dazu schreibt die lettische Zeitung DIENA: "Das Treffen hat an unterschiedlichen Orten der Welt die Alarmglocken schrillen lassen, und das sicher nicht nur, weil die SCO in diesem Jahr den 25. Jahrestag ihres Bestehens feiert. Selbst Skeptiker müssen einräumen, dass die Kooperationsprojekte dieser nichtwestlichen Staaten immer mehr greifbare Ergebnisse nach sich ziehen und dass dadurch Alternativen zu westlichen Institutionen entstehen. Das gilt für Handelskorridore, für Mechanismen zur Abrechnung in nationalen Währungen, für Energieströme und viele weitere Bereiche. Immer mehr Analysten äußern daher ihre Sorge, dass dadurch auch die Effekte westlicher Sanktionen abgeschwächt werden. Nicht alle Projekte mögen erfolgreich sein, aber ihre Qualität steigt, und der Gipfel in Bischkek hat gezeigt, dass es nicht mehr nur um Utopien geht - sehr zum Missfallen des Westens", meint die in Riga erscheinende DIENA.
NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio blickt auf das Gespräch von Chinas Staatschef Xi und Russlands Präsident Putin am Rande des SCO-Gipfels: "Nach Angaben des russischen Präsidialamtes sagte Xi dabei, das Fundament der Beziehungen beider Staaten werde noch stärker befestigt und China werde Putins Russland weiterhin unterstützen. Es ist eindeutig, dass Xi damit ein Signal Richtung Washington senden wollte. Noch in diesem September fliegt er dorthin, um US-Präsident Trump zu treffen. Davor wollte er wohl seinen Schulterschluss mit Putin hervorheben. Wollen China und Russland ihre Zusammenarbeit weiter stärken und durch die Schanghaier Organisation in der Weltgemeinschaft einen Gegenpol zu den USA aufbauen, kann das die Welt nur noch mehr destabilisieren. Diese Gefahr darf man nicht übersehen. Erforderlich ist eine erhöhte Wachsamkeit." Mit diesem Auszug aus der japanischen NIHON KEIZAI SHIMBUN endet die internationale Presseschau.