05. September 2026
Die internationale Presseschau

Deutschlandfunk, die Internationale Presseschau

Nahaufnahme einer Pkw-Radkappe mit dem VW-Zeichen auf rotem Hintergrund. In der Radkappe spiegeln sich verschwommen eine Straße und ein Haus.
Volkswagen hat sich auf einen Sanierungsplan geeinigt. (picture alliance I imageBROKER | Stephen Payne)
Die Zeitungen beschäftigen sich unter anderem mit Argentiniens Präsident Milei, der den Anspruch seines Landes auf die zu Großbritannien gehörenden Falklandinseln bekräftigt hat. Viele internationale Kommentatoren schauen auch auf die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und die hohen Umfragewerte der AfD. Zudem geht es um Volkswagen und die Einigung auf einen Sanierungsplan. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kann dem gefundenen Kompromiss bei VW durchaus Positives abgewinnen: "Der nun gewählte konsensuale Weg ist besser für den Betriebsfrieden. Doch er zeigt auch, dass die nachhaltige Sanierung von Europas größtem Autokonzern nur in Etappen erfolgen kann. Dabei macht das Management konsequent Schritt für Schritt. Die Gewerkschaften hoffen ihrerseits wohl auf eine baldige Belebung des globalen Automarkts – und damit vermutlich auf ein Wunder. Die jetzt gefundene Lösung ist kein Ende mit Schrecken, aber auch kein Schrecken ohne Ende. Das Ringen um die Zukunft des Volkswagen-Konzerns geht weiter", resümiert die Schweizer NZZ.
Die japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN lobt alle Beteiligen, sich schon jetzt zusammengerauft zu haben: "Diese überraschend schnelle Einigung zeigt, wie stark das Krisenbewusstsein ist, das sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmer-Seite teilen. Denn anders als vor zwei Jahren, als die Verhandlungen über drei Monate dauerten und die Belegschaft mit zwei Streiks stark protestierte, gibt es für VW diesmal keine Zeit mehr zu verlieren. Beide Seiten haben aus dem damaligen Konflikt eine Lehre gezogen und die Eskalation vermieden", fasst die in Tokio erscheinende NIHON KEIZAI SHIMBUN zusammen.
Die in Warschau erscheinende POLITYKA blickt auf die Auswirkungen der VW-Krise auf die polnische Industrie: "Volkswagen ist der größte Investor in der polnischen Automobilindustrie. Hier sind 19 Unternehmen des Konzerns sowie zwei Joint Ventures tätig. Dazu gehören unter anderem Fahrzeugwerke, eine Gießerei und ein Motorenwerk. Die Fabriken arbeiten effizient und die Lohnkosten liegen weiterhin unter denen in Deutschland. Von Werksschließungen oder Stellenabbau ist bislang keine Rede. Das bedeutet jedoch nicht, dass die polnischen Standorte von Sparmaßnahmen verschont bleiben. Eine Straffung der Modellpalette und des Variantenangebots wird den Wettbewerb zwischen den Werken verschärfen. In Großkonzernen beginnen Sparmaßnahmen stets an der Spitze und wirken sich bis in die unteren Ebenen aus – sie erfassen ausländische Tochtergesellschaften, Zulieferer, Geschäftspartner und Rohstofflieferanten“, befürchtet die polnische Zeitung POLITYKA.
Und DER STANDARD aus Wien glaubt, dass die Krise bei VW sich in ähnlicher Weise in vielen Bereichen in Deutschland abspielen wird: "Was die Beschäftigten bei den Leuchttürmen der einst so stolzen Autonation zur Kenntnis nehmen müssen: Die Zeiten von quasi lebenslangen Beschäftigungsgarantien sind vorbei. Auch bei den Gehältern werden Abstriche gemacht werden müssen. Viele der gutbezahlten Leute in der Branche konnten sich auch als Produktionsmitarbeiter mit 30 ein Haus bauen und sich jährlich ein neues Auto in die Garage stellen. Jetzt weht ein rauer Wind, an den sich ganz Deutschland erst wird gewöhnen müssen", prognostiziert der österreichische STANDARD.
Die spanische Zeitung EL PERIODICO DE CATALUNYA stellt Deutschlands wirtschaftliche Probleme in einen Kontext mit der anstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt und dem prognostizierten Erfolg der AfD: "Das Land muss seine wirtschaftliche Erholung fortsetzen und die regierenden Parteien müssen Antworten auf die Sorgen der Wähler finden. Das betrifft die Nachhaltigkeit des deutschen Wirtschaftsmodells. Aber ebenso eine Migrationspolitik, die sowohl dem Bedarf des Arbeitsmarkts als auch den Menschenrechten, dem sozialen Zusammenhalt und der Sicherheit der Bürger gerecht werden muss", fordert EL PERIODICO DE CATALUNYA aus Barcelona.
Die norwegische Zeitung AFTENPOSTEN ist sich sicher: "Ganz Europa verfolgt den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt". Die Zeitung sieht dabei vor allem die etablierten Parteien in einer Zwickmühle: "Die meisten glauben, dass die AfD keine absolute Mehrheit bekommt - und das, obwohl die Bundesregierung schlecht und Kanzler Friedrich Merz noch schlechter liefert. Alle anderen Parteien im Magdeburger Landtag könnten sich dann zusammentun und die AfD von der Macht fernhalten. Das Problem der Polarisierung würde das allerdings nicht lösen. Und wenn es die AfD trotzdem schafft? Dann könnte es große Veränderungen in den Bereichen geben, die auf Landesebene geregelt werden, zum Beispiel Bildung und Kultur. Investitionen könnten zurückgehen, Unternehmen das Bundesland verlassen. Alle sind gespannt, die AfD mindestens genauso. Sie könnte zum ersten Mal die Macht bekommen - aber will sie das überhaupt? Vielleicht wäre ihr eine knappe Niederlage am liebsten", mutmaßt AFTENPOSTEN aus Oslo.
Der Gastkommentator der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO stellt die Frage, warum die AfD gerade in den östlichen Bundesländern so stark ist - und sieht dabei Parallelen zur Entwicklung in den USA: "Vom Werdegang her ähnelt die politische Lage im Osten Deutschlands immer mehr der im 'Rust Belt', den sogenannten 'Rostgebieten' in den USA: verlassen, vergessen, aussichtslos. Der Rechtsruck bereitet dem Rest des Landes Sorgen, er ist für viele ostdeutsche Wähler aber ein Mittel, um gesehen und gehört zu werden. Landesteile, die sich oft als Verlierer der deutschen Wiedervereinigung sehen, spalten die Gesellschaft und bieten extremen politischen Bewegungen den Nährboden. Ein möglicher Sieg der AfD würde nicht nur die politische Farbskala ändern. Er würde Deutschland erneut vor eine Richtungsfrage stellen", gibt die in Peking erscheinende HUANQIU SHIBAO zu bedenken.
Themenwechsel. Der argentinische Präsident Milei hat für sein Land erneut Anspruch auf die Falklandinseln erhoben. Um die Inselgruppe gibt es seit langem Streit zwischen Argentinien und Großbritannien. 1982 kam es sogar zu einer militärischen Auseinandersetzung, die Großbritannien klar gewann. Das wäre auch jetzt wieder so, ist sich der britische DAILY MIRROR sicher: "Die Inseln sind heute besser verteidigt als 1982; die Truppenstärke entspricht fast der Anzahl der Zivilbevölkerung. Auch unsere Kampfflugzeuge wären den argentinischen deutlich überlegen. Und trotz wiederholter Kritik zählt unser Militär derzeit zu den zehn schlagkräftigsten Streitkräften der Welt, während Argentinien nur auf Platz 50 rangiert. Dennoch könnte es zu einem harten Kampf kommen, der Menschenleben fordern würde. 1982 benötigte der damalige argentinische Machthaber Galtieri einen Erfolg auf den Falklandinseln, weil seine Regierung angeschlagen war. Auch der derzeitige Präsident Milei sorgt im eigenen Land für Kontroversen, wenn auch in geringerem Maße", lautet die Analyse des Londoner DAILY MIRROR.
Die Londoner Zeitung THE INDEPENDENT sieht das britische Militär dagegen in einer schwächeren Lage - und geht davon aus, dass der argentinische Präsident vor allem die Gunst der Stunde für sich nutzen will: "Die Vereinigten Staaten haben ein derart chaotisches weltweites Klima geschaffen, dass sich der argentinische Präsident stark genug fühlt, mit einer Invasion der Falklandinseln zu drohen. Milei weiß, dass Großbritannien die Inseln nicht alleine gegen eine argentinische Invasion verteidigen kann. Doch der Archipel im Südatlantik ist britisch und fällt somit unter den Schutzschirm der NATO. Das Problem ist, dass US-Präsident Trump deutlich gemacht hat, dass er weder versteht noch sich dafür interessiert, welchen Zweck die NATO eigentlich erfüllt. Zudem ist Trump verärgert darüber, dass sich Großbritannien geweigert hat, sich an seinem Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Für Milei bietet sich damit eine große Chance. Für die USA und ihre europäischen Verbündeten hingegen ist dies ein weiterer hybrider Sieg Russlands. In Moskau wird das Chaos im Lager der Rivalen bereits als Sieg an sich betrachtet", vermutet THE INDEPENDENT aus London.