09. September 2026
Die internationale Presseschau

Der Wahlsieg der rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt beschäftigt auch heute viele Kommentatoren. Weitere Themen sind die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie und der Weltraumgipfel in Paris.

Unterlagen zur PISA-Studie 2025 vor Beginn einer Pressekonferenz
Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie sind weltweit ein Thema. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)
Wie Deutschland hat auch Spanien das schlechteste PISA-Ergebnis der Geschichte eingefahren. EL PAÍS aus Madrid schreibt dazu. "Der neue PISA-Bericht zeigt, dass das Leistungsniveau spanischer Schüler in den Bereichen Mathematik und Lesen – zwei Kernkompetenzen, die sich auf alle anderen Fächer auswirken – alarmierend sinkt. Anstatt sich dem Durchschnitt der Industrieländer anzunähern, entfernt sich Spanien immer weiter davon. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine tragende Säule unserer Gesellschaft, von der der Wohlstand des Landes abhängt, auf diese Weise zerfällt. Die Ergebnisse fordern die Behörden und alle beteiligten Akteure dazu auf, parteipolitische oder wirtschaftliche Interessen beiseite zu lassen und daran zu arbeiten, die Situation zu wenden - zum Wohle derer, die das Wertvollste sind, was wir haben: die zukünftigen Bürger", schlägt die spanische EL PAÍS vor.
Japanische Schüler landeten laut PISA-Studie in der Gesamtwertung aus Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften weltweit auf Platz 1. Die Zeitung YOMIURI SHIMBUN aus Tokio warnt jedoch vor zu viel Euphorie: "Man sollte sich nach den guten Ergebnissen nicht zurücklehnen, sondern weiterhin hart für bessere Leistungen arbeiten. Beim Verstehen kurzer Texte schnitt Japan diesmal deutlich schlechter ab als vor drei Jahren. Besorgniserregend ist auch, dass der Anteil der leistungsschwachen Kinder zugenommen hat. Möglicherweise liegt das daran, dass auch in Japan die soziale Schere auseinandergegangen ist. Sollte das stimmen, müssen sozial benachteiligte Kinder gezielt unterstützt werden", fordert YOMIURI SHIMBUN.
Auf diesen Aspekt geht auch L'ALSACE aus Frankreich ein: "Die Pisa-Studien messen auch etwas, das Frankreich bisher nicht offen anerkennen will: Es ist eines der Industrieländer, in denen die soziale Herkunft den größten Einfluss auf den schulischen Erfolg hat: ein Leistungsunterschied von 100 Punkten zwischen privilegierten und benachteiligten Schülern, gegenüber durchschnittlich 85 Punkten in der OECD. Dies ist ein Ergebnis, das regelmäßig auftritt, aber kaum kommentiert wird", beklagt die im französischen Mulhouse erscheinende Zeitung L'ALSACE.
Zum nächsten Thema, dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt. Die in Moskau erscheinende NESAWISSIMAJA GASETA blickt aus russischer Perspektive darauf: "Der Sieg der Alternative für Deutschland löste in Russland einen völlig ungerechtfertigten Optimismus aus. Diejenigen, die glauben, dass in westlichen demokratischen Ländern 'unsere Leute' an der Macht sein könnten, übertreiben die Bedeutung persönlicher Beziehungen und unterschätzen den Faktor des Systems. Die Geschichte von der Vergeblichkeit der Hoffnungen auf die AfD lässt sich auf den Namen eines einzigen Menschen, eines Nicht-Europäers, zurückführen: US-Präsident Trump. Er ist im Grunde ebenfalls ein rechter Populist und hat ebenfalls gute Absichten bekundet, die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Wir befinden uns in der Mitte seiner Amtszeit. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Warum sollte es bei der AfD anders sein?", fragt die russische NESAWISSIMAJA GASETA.
Die polnische POLITYKA meint: "Sollte die AfD auf Bundesebene an die Macht kommen, stünde die Europäische Union vor einer existenziellen Bedrohung. Diese Aussicht mag US-Präsident Trump, Tech-Milliardär Musk und die europäische Rechte zwar erfreuen, für die demokratischen Kräfte sollte sie jedoch ein Weckruf sein. Besonders töricht ist die Euphorie unter polnischen Nationalisten: Sollte die AfD tatsächlich eine Mehrheitsregierung zustande bringen, so wäre diese Regierung Polen keineswegs wohlgesonnen. Denn für die AfD ist Polen die größere Bedrohung als Russland", warnt die POLITYKA aus Warschau.
Die in London erscheinende panarabische Zeitung AL-QUDS AL-ARABI nennt den Wahlsieg der AfD "besorgniserregend" und fährt fort: "Seine Auswirkungen werden sich bei kommenden Wahlen nicht auf eines der 16 Bundesländer oder gar auf Deutschland beschränken. Denn die Folgen – insbesondere für Deutschland selbst, die Wiege des Nationalsozialismus und Geburtsstätte des Dritten Reiches – werden sich absehbar auf das benachbarte Europa ausbreiten. Sie könnten das Entstehen weiterer rechtsextremer Gruppierungen begünstigen und die Positionen neu erstarkender rechtsextremer Parteien in Frankreich, Großbritannien, Österreich, Schweden, Ungarn und anderen Ländern stärken", prophezeit AL-QUDS AL-ARABI.
THE STRAITS TIMES aus Singapur relativiert die Bedeutung des Wahlerfolgs der AfD: "Trotz des großen Interesses, das die Partei derzeit auf sich zieht, dürfte Frankreich – und nicht Deutschland – im kommenden Jahr das wichtigste Thema in der europäischen Politik sein. Der 'Rassemblement National' mit Marine Le Pen scheint auf dem besten Weg zu einem Sieg bei den französischen Präsidentschaftswahlen 2027 zu sein. Der Aufstieg der AfD ist eine außergewöhnliche Geschichte. Doch Kremlchef Putins und US-Präsident Trumps unmittelbarste Hoffnung auf einen Wandel in Europa liegt nach wie vor in Frankreich, nicht in Deutschland", ist THE STRAITS TIMES aus Singapur überzeugt.
Zu der viel beschworenen Brandmauer gegen die AfD äußert sich die lettische Online-Zeitung NEATKARIGA RITA AVIZE: "Die heutige Politik Deutschlands basiert auf dem sogenannten Prinzip der 'wehrhaften Demokratie'. Das heißt, die Demokratie muss in der Lage sein, sich vor Kräften zu schützen, die sie zur Zerstörung derselben Demokratie missbrauchen wollen, wie es der demokratisch gewählte Hitler im Jahr 1933 tat. Wie dieses Prinzip funktionieren wird, sollte die AfD die Mehrheit auf Bundesebene erlangen, weiß allerdings niemand", befürchtet NEATKARIGA RITA AVIZE aus Lettland.
Themenwechsel. In Paris haben Mitarbeiter des Eiffelturms gestreikt, nachdem eine 100-köpfige hinduistische Besuchergruppe, die einen Veranstaltungsraum gebucht hatte, den Abzug aller weiblichen Mitarbeiterinnen gefordert hatte. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG hat dazu eine klare Position: "Der Skandal ist, dass die Betreibergesellschaft des Eiffelturms eingeknickt ist. Die Errungenschaften der Aufklärung sind im Grundsatz nicht verhandelbar. Dazu gehören die Gleichheit von Mann und Frau, die Trennung von religiöser und staatlicher Sphäre oder das Recht, das eigene Leben ohne Bevormundung durch Glaubensgemeinschaften zu gestalten. Zuwanderer und Feriengäste aus anderen Kulturkreisen müssen sich an solche Regeln halten, sonst sind sie nicht willkommen. Der Westen muss seine humanistischen Werte konsequent und beherzt verteidigen, im Grossen und im Kleinen. So wie es die Mitarbeiterinnen im Eiffelturm gemacht haben, die nicht einfach hinter der Wand verschwinden wollten", bekräftigt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.
Für das letzte Thema bleiben wir in Paris. Dort findet auf Einladung von Staatspräsident Macron der Internationale Weltraumgipfel statt - allerdings ohne die Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin aus den USA. Dazu der Kommentar der chinesischen Zeitung JIEFANG RIBAO aus Schanghai: "Die Abwesenheit der US-Raumfahrtgiganten wirft bereits vor der Eröffnung des Weltraumgipfels in Paris einen Schatten auf die Veranstaltung. Die anhaltenden Spannungen in den transatlantischen Beziehungen schlagen sich auch hier nieder, denn die USA sehen in der europäischen Initiative, globale Regeln für den Weltraum einzuführen, lediglich den Versuch, die eigene Industrie zu benachteiligen. Daher hat das Weiße Haus den US-Unternehmen nachdrücklich davon abgeraten, an dem Gipfel teilzunehmen. Hinzu kommt, dass Russland, der Iran und Nordkorea gar nicht erst eingeladen wurden. Obendrein hindern finanzielle Engpässe die EU daran, ihre ambitionierten Weltraumpläne auch tatsächlich zu verwirklichen. Somit läuft der Weltraumgipfel Gefahr, bereits auf der Startrampe zu explodieren." Mit dieser Stimme von JIEFANG RIBAO aus Schanghai endet die internationale Presseschau.