11. September 2026
Die internationale Presseschau

25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 befassen sich die Kommentare mit den Folgen für die Vereinigten Staaten und die internationale Ordnung. Außerdem geht es um den Parteitag der Republikaner und die Entwicklung im Jemen.

11. September 2001 Angriff auf das World Trade Center in New York
Einige ausländische Zeitungen befassen sich mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 (Archivbild). (IMAGO / ZUMA Wire / IMAGO / Randy Taylor)
Die in Rennes erscheinende Regionalzeitung OUEST-FRANCE verweist auf die bis heute spürbaren Folgen des 11. September für Sicherheit, Überwachung und gesellschaftliches Vertrauen: "Unsere Art zu reisen hat sich grundlegend verändert. Vor dem 11. September waren die Sicherheitsmaßnahmen auf Inlandsflügen in den USA oft lückenhaft, danach wurden die Kontrollen weltweit verschärft. Die Ausweitung der Überwachung in all ihren Formen ist eine direkte Folge der Anschläge. In den vergangenen Jahren wurde diese Entwicklung durch Künstliche Intelligenz zusätzlich verstärkt. Ja, Osama bin Laden und seine Komplizen haben Amerika mit dem 11. September in ein neues Zeitalter des Misstrauens geführt. Und uns gleich mit", notiert OUEST-FRANCE.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA erinnert an die Stimmung unmittelbar nach den Anschlägen: "New York reagierte auf den Angriff auf das World Trade Center mit Mut und Entschlossenheit. Sinnbild dafür war der Heldenmut der Feuerwehrleute, die unter Einsatz ihres Lebens die in den beiden Türmen eingeschlossenen Opfer retteten. Doch heute hat sich Rudy Giuliani, der damals die verängstigte Stadt zu beruhigen versuchte, einem ganz anderen Kreuzzug angeschlossen: jenem, den Donald Trump gegen die Rechtsstaatlichkeit führt", schreibt RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT sieht die Vereinigten Staaten 25 Jahre nach den Anschlägen von gesellschaftlicher Spaltung und wachsender Fremdenfeindlichkeit geprägt: "Man braucht sich nur die nach dem 11. September gegründete Behörde ICE anzuschauen, um zu erkennen, wie sich die Dinge verändert haben: Bewaffnete und maskierte Männer gehen gegen unbewaffnete Bürger vor. Die Feigheit wird durch einen Präsidenten symbolisiert, der sich einst der Wehrpflicht entzogen hat und gefallene Soldaten als ,schwach‘ bezeichnete", urteilt DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
"Die Anschläge lösten eine verheerende Kettenreaktion aus", schreibt die irische Zeitung THE IRISH TIMES: "Ideologen in der Regierung von US-Präsident George W. Bush sahen darin eine Gelegenheit, ihre Theorien darüber zu erproben, wie militärische Macht die Welt nach ihren Vorstellungen umgestalten könnte. Das Ergebnis war ein katastrophales Abenteuer im Nahen Osten, das Hunderttausende Todesopfer forderte und mit der Terrororganisation Islamischer Staat einen Feind hervorbrachte, der noch rücksichtsloser war als Al Kaida, die Gruppe, die hinter den 9/11-Anschlägen stand", hebt THE IRISH TIMES aus Dublin hervor.
Die chinesische Zeitung WENHUI BAO fragt: "Ist der amerikanische Kampf gegen den Terror 25 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erfolgreich? Der Erfolg oder Misserfolg lässt sich nicht allein daran messen, wie viele Terroristen getötet wurden. Entscheidend ist vielmehr, ob die Kriege weniger geworden sind, ob Staaten stabiler geworden sind und ob der Nährboden für die Rekrutierung von Terroristen tatsächlich kleiner geworden ist. Die heutige Lage auf der Welt gibt eine klare Antwort", argumentiert WENHUI BAO aus Schanghai.
Für die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN markierten die Anschläge von 2001 einen Wendepunkt der Weltpolitik: "Mit den Terroranschlägen änderte sich die Haltung Washingtons: China wurde plötzlich zum Partner im Kampf gegen den Terror. Während die USA ihre strategische Energie in die Kriege in Afghanistan und im Irak investierten, konnte China seine wirtschaftliche und militärische Stärke ausbauen. Heute ist die Volksrepublik zum größten Rivalen der USA geworden. Der 11. September 2001 markierte den Anfang vom Ende der amerikanischen Ära als einzige dominierende Weltmacht", analysiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
THE WALL STREET JOURNAL mahnt zu anhaltender Wachsamkeit: "Wichtiger, als die Vergangenheit wieder aufzuwärmen, ist die Frage, ob wir über die Entschlossenheit und Mittel verfügen, um den nächsten Angriff zu verhindern. Unsere Gegner können uns mit Cyberangriffen treffen. Dies erfordert ständige Wachsamkeit seitens derer, die für unsere Verteidigung zuständig sind. Ehren wir die Toten, indem wir uns an den Schrecken jenes Tages erinnern und uns dazu verpflichten, alles Notwendige zu tun, damit sich so etwas nicht wiederholt", betont das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Themenwechsel. Die britische Zeitung THE GUARDIAN beschäftigt sich mit dem Auftritt von US-Präsident Trump auf dem Parteitag der Republikaner in Dallas: "'Willkommen zum ersten Zwischenwahl-Parteitag überhaupt', sagte Trump und ignorierte, dass die Demokraten bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren drei ähnliche Veranstaltungen abgehalten hatten. Kurz darauf folgte die nächste Unwahrheit. 'Nicht nur ist dieses Haus voll, sondern draußen stehen noch einmal genauso viele Menschen.' Tatsächlich gab es zahlreiche freie Plätze in der Arena. Die schwerwiegendste Falschbehauptung kam jedoch, als Trump fälschlicherweise erklärte, drei Präsidentschaftswahlen gewonnen zu haben. Die Menge jubelte und skandierte: 'Vier weitere Jahre!' Es war politisches Theater des Absurden“, urteilt THE GUARDIAN aus London.
USA TODAY bilanziert: "Dieser Parteitag wirkt ein wenig so, als würde man die übel riechenden Essensreste, die seit einer Woche im Kühlschrank liegen, auf die Küchenablage stellen, damit jeder sie noch besser riechen kann. Die Liste der Redner in Dallas liest sich wie ein Verzeichnis unter der Überschrift: 'Wer ist eigentlich schuld an all diesen Problemen?' Da sind Präsident Trump an beiden Tagen, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., Finanzminister Scott Bessent, Donald Trump Jr. und der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Offenbar ist dieser Parteitag ein gewaltiger Publikumsmagnet. Immerhin musste die Partei kostenlose Eintrittskarten verteilen, um die Ränge zu füllen", spottet USA TODAY aus New York.
Mit den Auswirkungen des Konflikts zwischen Iran und USA auf die Lage im Jemen beschäftigt sich die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY: "Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Teheran versucht, den militärischen Druck auf das eigene Territorium zu verringern und seinen schwindenden Einfluss auf die Straße von Hormus durch Störungsaktionen an der für die internationale Schifffahrt ebenfalls wichtigen Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer auszugleichen. Zu diesem Zweck unterstützt Teheran die Huthi mit Waffenlieferungen, darunter Drohnen, sensible Ausrüstung für den Einsatz ballistischer Raketen sowie Luftwaffenexperten. Tatsächlich machen die Iraner keinen Hehl aus ihrer Absicht, die Meerenge Bab al-Mandab zu blockieren. Die Verlagerung der Kämpfe macht vor allem eines deutlich: Die US-Angriffe treffen die iranische Wirtschaft schwer und verschärfen die ohnehin gravierenden wirtschaftlichen Probleme des Landes", analysiert AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Die türkische Zeitung SABAH sieht in den aktuellen Entwicklungen im Jemen einen ersten ernsthaften Belastungstest für das jüngst geschlossene Verteidigungsabkommen: "Der am 7. August in Mekka unterzeichnete Vertrag zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan beginnt nun, mehr zu sein als nur ein diplomatisches Dokument. Es wird erstmals in einer realen Krisensituation auf die Probe gestellt. Die Grundidee des Abkommens besteht darin, dass ein Angriff auf eines der drei Länder auch die anderen betrifft. Die Entwicklungen im Jemen stellen einen der ersten ernsthaften Tests dieses Prinzips dar. Genau darin liegt das Paradox für den Iran. Je stärker Teheran über die Huthis Druck auf Riad ausübt, desto mehr fördert es die sicherheitspolitische Annäherung Saudi-Arabiens an die Türkei und Pakistan. Die Fehlkalkulation des Iran könnte sich somit über die Huthis gegen Teheran selbst richten", kommentiert SABAH aus Istanbul zum Ende dieser internationalen Presseschau.