12. September 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind heute unter anderem das Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in den USA vor 25 Jahren, die Leitzinserhöhung durch die EZB und die gestiegenen Energiepreise.

9/11-Gedenken am Ground Zero mit den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, Barack Obama und Georg W. Bush sowie der früheren First Lady Michelle Obama. Bush schüttelt Barack Obama die Hand.
9/11-Gedenken am Ground Zero mit den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, Barack Obama und Georg W. Bush sowie der früheren First Lady Michelle Obama. (AFP / BARRY WILLIAMS)
Die spanische Zeitung EL PAIS schreibt zu den langfristigen Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001: "Es war ein Angriff auf die USA und auf alle Demokratien, auf die Menschheit insgesamt. Doch der Schmerz, den alle an jenem Tag vor 25 Jahren empfanden, und das Gedenken an die Opfer der islamistischen Terroristen von Al-Kaida rechtfertigen nicht die Fehler, die die Regierung von Präsident George W. Bush anschließend beging. Jede Entscheidung war verheerender als die vorige: Der Höhepunkt war die Invasion im Irak, angetrieben von Lügen über nicht existierende Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Die Bush-Regierung startete zudem den sogenannten 'Krieg gegen den Terror,' der massive Menschenrechtsverletzungen, willkürliche Inhaftierungen und Verschwindenlassen einschloss. Die Fehler Bushs, die kein späterer Präsident korrigierte, machten die Welt unsicherer und schwächten jene Demokratien, die sie zu verteidigen vorgaben. Von Paris über London bis Brüssel läutete der 11. September eine Ära islamistischer Anschläge auf westliche Städte ein – darunter der Anschlag vom 11. März 2004 in Madrid, bei dem 193 Menschen starben", erinnert EL PAIS aus Madrid.
"Was ist vom Krieg gegen den Terror geblieben?", fragt die polnische POLITYKA und schreibt: "Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen vom 11. September prägen deren Folgen noch immer die amerikanische Politik und die Stellung der USA in der Welt. Kriege, der Kampf gegen den Terrorismus und eine zunehmende Polarisierung haben dazu geführt, dass der Jahrestag von 9/11 auch heute noch Gegenstand politischer Auseinandersetzungen ist. Ohne 9/11 wäre es nicht zur amerikanischen Invasion in Afghanistan und vor allem im Irak gekommen. Beide Kriege, die Tausende amerikanische Soldaten das Leben kosteten und Zehntausende zivile Opfer forderten, nahmen für die USA kein gutes Ende. In Afghanistan regieren wieder die Taliban, und die unter falschen Vorwänden begonnene Eroberung des Irak hat die arabische und muslimische Welt massiv gegen die USA aufgebracht", betont die POLITYKA aus Warschau.
Die tschechische Zeitung MLADA FRONTA DNES geht auf die Veränderungen in den USA infolge des Terroranschlag ein: "Durch die Ereignisse, die auf den 11. September folgten, haben die USA ihre Position als unangefochtene globale Supermacht verloren. Ihre Macht und ihr Ansehen sind geschmälert. Das Land ist entzweit. Der heutige Zustand, der an eine Bürgerkriegsstimmung grenzt, sowie das Misstrauen gegenüber Regierung und Medien sind ebenfalls zu großen Teilen Folgen der Jahre nach dem 11. September. Der Blick zurück auf das Amerika vor den Angriffen auf die Zwillingstürme und das Pentagon ist eine Erinnerung daran, wie sicher, ruhig und eigentlich auch bequem die amerikanische Welt damals war", erinnert die Zeitung MLADA FRONTA DNES aus Prag.
Die WASHINGTON POST beleuchtet die jüngsten Vermittlungsbemühungen US-amerikanischer Unterhändler im Ukraine-Krieg: "Es ist nichts Falsches daran, eine Einigung mit Russlands Präsident Putin anzustreben oder eine Lösung anzustreben, bei der alle Seiten etwas gewinnen. Doch Diplomatie beginnt damit, den Gesprächspartner zu verstehen. Die Unterhändler Witkoff und Kushner sehen in Putin einen Geschäftsmann, der eine Win-Win-Situation anstrebt. Putins bisheriges Handeln lässt jedoch auf etwas ganz anderes schließen: auf einen Mann, der wiederholt bereit war, Russland Kosten aufzubürden, andere Länder zu destabilisieren und Verluste in Kauf zu nehmen, wenn dies die USA schwächt", warnt die WASHINGTON POST.
Die Zeitung THE IRISH TIMES befasst sich mit dem Besuch von US-Präsident Trump in Irland: "Er ist wahrscheinlich der schlechteste Präsident, den die Amerikaner je gewählt haben. Die meisten Menschen würden einen solchen Mann nicht bei sich zu Hause willkommen heißen, und die Mehrheit der Iren wird diesen Besuch nicht begrüßen. Staats- und Regierungschefs müssen jedoch weitergehende Überlegungen berücksichtigen. Unabhängig von den Eigenschaften des Mannes verdient das Amt Respekt als Teil der tiefen allgemeinen Verbundenheit zwischen Irland und den USA. Trumps Amtszeit wird enden. Es bleibt zu hoffen, dass sein Land einen Weg findet, den von ihm hinterlassenen Makel zu beseitigen. Die USA bleiben eine große Nation, und ihre vielen Freunde in Irland und darüber hinaus können ihr nur eine rasche Rückkehr zu ihrem besseren Wesen wünschen", hebt THE IRISH TIMES aus Dublin hervor.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG geht auf das Treffen der BRICS-Staaten an diesem Wochenende ein; "Die 2006 von Brasilien, Russland, Indien und China gegründete Formation ist mittlerweile auf elf Mitglieder angewachsen: Heute gehören auch Südafrika, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien dazu. Der Gipfel in Delhi wird den Beteiligten die Gelegenheit bieten, sich als Alternative zu einer von den USA und dem Westen geführten Welt darzustellen. Und wie an jedem Treffen mit vielen Staats- und Regierungschefs werden diese am Rande zahlreiche Einzelgespräche führen, die vielleicht bilateral konkrete Ergebnisse liefern. Doch die große, schlagkräftige antiwestliche Allianz, als die die BRICS-Staaten immer wieder dargestellt werden, ist der Verbund nicht. Und er wird es wohl auch nie sein", ist die Schweizer NZZ überzeugt.
Die chinesische Zeitung HUANQIU SHIBAO hält fest: "Heute hat diese Staatengemeinschaft nicht nur eine Vitalität gewiesen. Vielmehr ist sie in einer sich stark verändernden Welt wichtiger denn je. Von Anfang an war China eine der treibenden Kräfte. Peking hat sich als Anker der Zusammenarbeit verdient gemacht. Die BRICS-Gemeinschaft steht für Offenheit und Multilateralismus, ist gegen Spaltung und Protektionismus. Sie ist ausbauwillig und -fähig und bietet dem Globalen Süden großen Entwicklungsraum. Die Kooperation kann künftig auf Bereichen wie Frieden, Innovation, Umweltschutz, Gerechtigkeit ausgeweitet werden", prognostiziert HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN geht auf die Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank ein: "Angesichts der hohen Energiepreise aufgrund der chaotischen Lage im Nahen und Mittleren Osten ist das eine angemessene Entscheidung. EZB-Präsidentin Lagarde sagte zudem, sie sei von starker europäischer Wirtschaft überrascht worden. Unterstützt von stabilem Konsumklima und in vielen Staaten gestiegenen Verteidigungsbudgets ist in Europa das Risiko für eine Stagflation nun etwas gesunken. Damit kann sich die EZB besser auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren. Jetzt ist der Fokus auf die nächsten Entscheidungen der Notenbanken der USA und Japans gerichtet. In letzter Zeit hat sich US-Finanzminister Bessent für Zinserhöhung in Japan stark gemacht und die Märkte sind sensibilisiert", steht in NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Hören Sie nun noch einen Kommentar zu den stark gestiegenen Ölpreise. Dazu heißt es in der französischen Zeitung LE FIGARO: "Angesichts der explodierenden Kraftstoffpreise kommen Millionen Franzosen finanziell nicht mehr über die Runden. So sieht das Leben auf dem 'Lande' aus, wie man in Paris sagt: Tausend Meilen entfernt von den Predigten über sanfte Mobilität, die den vom Weltuntergang besessenen Stadtbewohnern so am Herzen liegen, muss die Bevölkerung in Kleinstädten und auf dem Land in jedem Moment ihres Alltags auf ihr Dieselauto zurückgreifen. Um zur Arbeit zu fahren, Einkäufe zu erledigen, die Kinder zu begleiten, die Eltern zu besuchen. Viele würden gerne darauf verzichten, so viele Kilometer zurückzulegen und dabei ihr Bankkonto zu leeren. Das Auto ist für sie keineswegs eine Wahl, sondern eine Notwendigkeit. Zu ihrem Unglück ist jedoch für viele Menschen, ihr elementares Bedürfnis, sich fortzubewegen, zu einem Luxus geworden", unterstreicht der Pariser FIGARO.