14. September 2026
Die internationale Presseschau

Die anhaltenden Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien und die Folgen für die Ölpreise sind ein Thema. Kommentiert wird auch die Forderung mehrerer KI-Unternehmen, die Arbeit an ihrer Technik besser zu kontrollieren.

Die Icons von ChatGPT und Claude nebeneinander auf einem Handybildschirm
Die Icons von ChatGPT und Claude, den KIs der Firmen OpenAI und Anthropic. Beide Firmen warnen mittlerweile vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz. (picture alliance / imageBROKER / Mojahid Mottakin)
"Unternehmen würden vor ihrem Börsengang normalerweise nicht die Entwicklung ihrer Technologie verlangsamen", heißt es dazu in einem Gastkommentar in der japanischen NIHON KEIZAI SHIMBUN. "Aber aufgrund der jüngsten Vorfälle sind sowohl Anthropic als auch OpenAI in eine neue Phase eingetreten, in der sie ihre Entwicklung drosseln müssen. Allerdings ist die in China entwickelte Künstliche Intelligenz für sie dabei ein großes Problem - die Programme dort befinden sich Schätzungen zufolge lediglich ein paar Monate im Rückstand im Vergleich zu den US-amerikanischen. Sollten die Firmen aus China einer gemeinsamen Regulierung nicht zustimmen, wäre die Gefahr für die US-Tech-Firmen groß, eingeholt zu werden", notiert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Ein Gastbeitrag in THE GLOBE AND MAIL aus Toronto sieht jetzt Kanada in einer Vermittlerposition: "Wenn die sogenannte allgemeine künstliche Intelligenz bei uns ankommt - und dieser Moment kommt mit jedem Tag näher - dann werden wir die Forschung und Entwicklung dieses Äquivalents der Atombombe des digitalen Zeitalters nicht mehr zurückfahren können. Und anders als 1970 sitzen im Weißen Haus dieses Mal keine kompetenten Menschen. Die internationale politische Gemeinschaft hat wenig Vertrauen. Kanada genießt aber weltweit Anerkennung und wird als Stimme der Vernunft in dieser Welt des Wahnsinns angesehen. Wir könnten die Herausforderung annehmen und daran arbeiten, dass sich die willigen Parteien sammeln. Die Menschheit würde es uns danken."
Ein Gastbeitrag in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG dagegen findet, die Schweiz sei nun am Zug: "Was fehlt, ist eine neutrale Instanz, die alle an einen Tisch bringt. Kein Land ist dafür besser gerüstet als die Schweiz. Genf ist das Weltzentrum der humanitären Governance – und die extremen Risiken der KI haben zutiefst humanitäre Konsequenzen. Bisher half die Schweiz zumeist, Probleme zu lösen, nachdem das Unglück eingetreten war. Diesmal kann sie eine Katastrophe verhindern, bevor Menschen zu Schaden kommen. Sie sollte dieses Zeitfenster nicht ungenutzt verstreichen lassen." Soweit der Kommentar in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG.
Die WASHINGTON POST dagegen konstatiert: "Das Problem ist, dass die Menschheit sich auf überhaupt nichts einigen kann. Das Land, das KI entwickelt und nicht aus Versehen die Mörder-Bots erschafft, die die Menschheit auslöschen können, wird enorme ökonomische und strategische Vorteile haben. Die Kontrolle von Nuklearwaffen ist dagegen ein Klacks. Wir sollten den KI-Zugang zu allem beschränken, das Massentötungen verursachen kann. Die KI in der physischen Welt einzuschränken bedeutet zwar zwangsläufig auch, ihre möglichen Vorteile einzugrenzen. Aber das ist besser als die sehnsüchtige Hoffnung auf irgendeine Art multilateraler Einigung, um all das aufzuhalten", resümiert die US-amerikanische WASHINGTON POST.
Im OMAN DAILY OBSERVER sorgt sich ein Kommentar darum, wie der jüngeren Generation die Herausforderungen der KI vermittelt werden können: "Ein vorsichtiger Lösungsansatz für diese Frage wäre, zu verbreiten, was die KI kann - und was nicht. Zum Beispiel kann sie keine neuen Informationen erzeugen, sondern basiert auf der scheinbar endlosen Informationsmasse, die sich bereits in ihren Systemen befindet. Da die KI ein integraler Bestandteil des Lebens der jüngeren Generation sein wird, wenn sie mit der Schule oder der Universität anfangen, muss Unterricht zur KI ein standardisierter Teil des Lehrplans werden", fordert der OMAN DAILY OBSERVER aus Maskat.
Themenwechsel. Nach Angriffen durch die Huthi-Miliz auf Militärstützpunkte in Saudi-Arabien und der Eroberung der jemenitischen Küste am Roten Meer schreibt die panarabische Zeitung AL ELAPH aus London: "Die jüngsten Angriffe der Huthi machen deutlich, dass der Iran seine regionalen Verbündeten im Jemen und im Irak inzwischen offenbar im Rahmen einer umfassenderen Strategie koordiniert. Ziel dieser Strategie ist es, die Energieversorgung zu beeinträchtigen, die Bemühungen Saudi-Arabiens zu schwächen und die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab zu verstärken. Jede weitere Minute, die durch regionale und internationale Untätigkeit verloren geht, erleichtert es den beteiligten Akteuren, ihren Einfluss vor Ort auszuweiten", warnt AL ELAPH aus London.
"Die Energiemärkte haben bereits sehr nervös reagiert", bemerkt ein Gastkommentar in der LIANHE BAO aus Taipeh. "Die Ausweichroute über das Kap der Guten Hoffnung wäre keine gute Alternative. Abgesehen vom Zeitverlust und zusätzlichen Logistikkosten würde es die Inflation weltweit in die Höhe treiben. Der Sieg der vom Iran unterstützten Huthis ist für die USA und Saudi-Arabien nicht nur peinlich. Die Türkei und Pakistan haben bis jetzt ihre Unterstützung für Saudi-Arabien nicht signalisiert, obwohl sie das 'Makka-Abkommen', das gerade einen Monat zuvor unterzeichnet worden ist, dazu verpflichtet. Ein großer Wirtschaftssturm zeichnet sich ab", heißt es in der LIANHE BAO aus Taiwan.
THE HINDUSTAN TIMES aus Indien stellt fest: "Die Treibstoffpreise sind in den USA vor den wichtigen Zwischenwahlen auf ein Rekordhoch gestiegen. Indien hat die Preise noch nicht angehoben, aber der Puffer, der das Land davon abhält, könnte bald aufgebraucht sein. Während die Trump-Regierung ihre großspurige Haltung fortsetzen könnte - nach einer Strategie sieht das kaum aus - zeigen sich bei den Ländern Westasiens erste Anzeichen eigener Ansätze, die Lage zu entspannen. Etwa der Vorschlag eines Treffens westasiatischer Länder auf Imitative des Omans. Ausgelöst wurden diese Vorschläge durch einige Entwicklungen, die unter anderen Umständen absurd anmuten würden - wie dass Katar Gas von den USA kaufen muss, um seine Lieferverpflichtungen erfüllen zu können", erinnert THE HINDUSTAN TIMES aus Delhi.
Der österreichische KURIER behandelt vor dem Hintergrund der Spritkrise ein neues Klimagesetz in Österreich, und schreibt: "Sprit könnte bald 2,50 pro Liter kosten - wegen der Straße von Hormus und dem Roten Meer, die der Iran und die Huthi-Rebellen gerade für die halbe Welt zur Geduldsprobe machen. Genau diese Abhängigkeit von importierter fossiler Energie wollte die Regierung mit ihrem neuen Klimagesetz verringern. Aber es fehlt die Geschichte dahinter: Warum wir das tun, wie wir es schaffen wollen und welche Zukunft uns erwartet, wenn es gelingt. Dabei liefert ausgerechnet die aktuelle Krise die Antwort. Jede Gastherme und jeder Verbrennungsmotor weniger macht uns ein Stück mehr unabhängig von verrückten Führern in Teheran, Sanaa, Moskau oder Washington. Das wäre eine Geschichte, die sich erzählen ließe: Klimaschutz nicht als Verzicht, sondern als Weg zu mehr Unabhängigkeit."
Zum Abschluss noch ein Blick auf den EU-Arktis-Gipfel in Finnland. Dort diskutieren die Regierungschefs einiger EU-Länder das weitere Vorgehen am Nordpol - auch vor dem Hintergrund chinesischer, russischer und amerikanischer Einflüsse in der Region. Ein Gastkommentar in der HUANQIU SHIBAO aus Peking bemerkt: "Nach wie vor stehen Themen wie Klimawandel, Bodenschätze und Sicherheitsfragen im Mittelpunkt. Allerdings wird die Rangfolge korrigiert. Wohl mit Blick auf Moskau, aber auch auf Washington, wird den Sicherheits- und geopolitischen Fragen ein deutlich größeres Gewicht beigemessen. Auch will man in Zukunft in dieser Region mehr investieren. Ob die neue Strategie aufgeht, bleibt offen. Denn anders als Nord- und Westeuropa interessiert sich der Süden weniger für dieses Gebiet. Unklar ist ebenfalls, woher die Gelder kommen." Soweit die HUANQIU SHIBAO aus Peking, mit der diese Presseschau endet.