
Die britische THE TIMES meint: "Eine kleine, unterfinanzierte Rebellenarmee - die Huthi im Jemen - hält den weltweit größten Ölexporteur, Saudi-Arabien, praktisch in Geiselhaft. Das ist nicht nur ein Problem für Riad, sondern für alle, deren Lebensader die Transportroute des Öls zu den großen Märkten in Asien ist. Wichtig wäre, dass auch China und andere Abnehmer von Öl aus dem Nahen Osten in die Stabilisierung des Jemen einbezogen werden. Andernfalls wird die Meerenge von Bab al-Mandab ihrem Namen weiterhin gerecht werden: das Tor der Tränen", schreibt THE TIMES aus London.
Die polnische Zeitung POLITYKA blickt auf den Drohnenangriff auf eine wichtige Ölpipeline in Saudi-Arabien: "Experten schätzen, dass dem Weltmarkt vier Prozent der Ölversorgung entgehen könnten. Kein Wunder also, dass die Rohstoffpreise stärker in die Höhe schossen als nach den berühmten Ankündigungen von US-Präsident Trump, den Iran vom Erdboden zu tilgen. Denn der Markt glaubt Trump nicht mehr, nimmt aber die Huthi sehr wohl ernst. Daher sind die Beteuerungen des polnischen Ölkonzerns Orlen, es herrsche 'Business as usual', eher als Versuch zu werten, die Wogen zu glätten. Denn wie es weitergeht, weiß niemand", schreibt POLITYKA aus Warschau.
Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT merkt an: "Die Huthis üben Druck auf ihre Gegner aus: einerseits auf die USA und Israel, damit sie den Krieg gegen den mit den Huthi verbündeten Iran beenden, andererseits auf Saudi-Arabien, damit es seine militärische Unterstützung für die jemenitische Regierung einstellt und die Wirtschaftsblockade gegen den von den Huthi kontrollierten Teil des Jemen aufhebt. So ist nun auch Trumps treuer Verbündeter Saudi-Arabien Teil seines verhängnisvollen Krieges gegen den Iran geworden, womit die Krise im Nahen Osten ihr volles Ausmaß erreicht hat. Für Saudi-Arabien gibt es nämlich keine guten Lösungen. Eine weitere militärische Eskalation provoziert noch mehr Angriffe auf die eigene Ölinfrastruktur. Und für einen Waffenstillstand mit den Huthi, durch den der Ölexport durch das Rote Meer gesichert werden könnte, müsste ein hoher Preis gezahlt werden", heißt es in DE VOLKSKRANT aus Amsterdam.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY, die in London erscheint, sieht eine "Verschiebung der Kräfteverhältnisse im amerikanisch-iranischen Konflikt": "Die vollständige Kontrolle der Huthi-Bewegung über die Meerenge von Bab al-Mandab ist nicht weniger bedeutsam und riskant als das derzeitige Ringen um die Straße von Hormus. Der Schritt könnte insbesondere für die saudischen Öl- und Gasexporte erhebliche Folgen haben. Die Meerenge von Bab al-Mandab dürfte sowohl gegenwärtig als auch künftig zu einem der wichtigsten und gefährlichsten Druckmittel in den Händen der Huthi-Bewegung und des Iran werden."
Themenwechsel. Nach der Parlamentswahl in Schweden zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab. Die spanische Zeitung EL MUNDO erklärt: "Nur drei Sitze trennen das sozialdemokratische Lager von Magdalena Andersson von dem des bisherigen konservativen Regierungschefs Ulf Kristersson. Die extreme Rechte verliert zwar Sitze und ist nicht mehr zweitstärkste Kraft im Parlament, prägt aber weiterhin die politische Agenda. Sollte Andersson an die Macht kommen, stünde sie an der Spitze einer zersplitterten Mehrheit aus Sozialdemokraten, Grünen, Liberalen und Linken, die zwar in ihrer Ablehnung der extremen Rechten vereint sind, ansonsten aber bei fast allem auseinanderliegen: Steuern, Energie, Ausgaben, Sicherheit. Eine enorme Herausforderung", betont EL MUNDO aus Madrid.
Die dänische Zeitung POLITIKEN notiert: "Zum ersten Mal seit 16 Jahren muss Jimmie Åkesson, der Chef der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, eine Wahlniederlage einräumen. Und alle anderen müssen verstehen, warum die rechte Welle, die derzeit durch ganz Europa schwappt, ausgerechnet in Schweden so deutlich abgeebt ist. Anders als etwa in Deutschland, wo die Alternative für Deutschland bekanntlich einen Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt errang. Die Antwort lässt sich am Unterschied zwischen prinzipientreuen Deutschen und pragmatischen Schweden ablesen: Die bürgerlichen Parteien nahmen die Schwedendemokraten in die Verantwortung, indem sie sie in mögliche Regierungskonstellationen einbezogen. Anders als in Deutschland, wo die Brandmauer jede Zusammenarbeit mit der AfD verhindert - und damit lediglich das Narrativ der Rechten befeuert, außerhalb der Gesellschaft zu stehen", analysiert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz sieht es so: "Die Schwedendemokraten wurden Opfer ihres eigenen Erfolgs. Als die Zuwanderung unkontrolliert nach oben schnellte und der blutige Bandenkrieg eskalierte, schlug die Stunde dieser Law-and-Order-Partei. Inzwischen hat sich die Lage aber beruhigt, und die Schwedendemokraten haben dadurch ihr Alleinstellungsmerkmal eingebüßt. Statt die Wählerbasis mit zusätzlichen Themen zu verbreitern, verbiss sich Parteichef Åkesson in die Asyl- und Migrationspolitik. Sinnbildlich dafür steht das von den SD initiierte 'Wohlverhaltensgesetz': Danach können Ausländer bereits wegen diffuser Bagatellen oder angeblicher Verletzung gesellschaftlicher Normen abgeschoben werden. Das dürfte vielen Wählern zu weit gegangen sein", vermutet die N.Z.Z.
Nun zu der Bestrebung Kanadas, eine Art Allianz mit der EU zu bilden. Der britische GUARDIAN erläutert: "Laut Kanadas Premiermininster Carney müssen Mittelmächte gemeinsam auf den Zusammenbruch der alten internationalen Ordnung reagieren. Eine vertiefte Partnerschaft könnte dazu beitragen. Es gibt noch einen weiteren, unbequemeren Grund. Man kann nicht davon ausgehen, dass Länder – selbst solche, die durch die EU vermeintlich untrennbar miteinander verbunden sind – immer denselben Kurs verfolgen werden. Frankreich oder Deutschland könnten in Zukunft von illiberalen, antieuropäischen Kräften regiert werden, die nicht bereit sind, die Grundsätze zu verteidigen, auf denen die europäische Integration beruht. Ein Netzwerk, das demokratische EU-Mitglieder und ihre engen Partner umfasst, könnte dann zu einem politischen Gegengewicht werden", hofft der GUARDIAN aus London.
In China schreibt die Zeitung HUANQIU SHIBAO: "Hinter dieser Neuausrichtung von Ottawa stecken natürlich die zerrütteten Beziehungen zum großen Nachbarn. Bislang gingen über 70 Prozent der kanadischen Exporte in die USA. Die Gefahren dieser Asymmetrie sind in dem von Trump angezettelten Handelskrieg deutlich zutage getreten. Allerdings: Das vor zehn Jahren zwischen Kanada und der EU geschlossene Wirtschafts- und Handelsabkommen ist bis heute von zehn EU-Ländern nicht ratifiziert worden. Wenn schon ein Handelsabkommen so langsam vorankommt, werden Assoziierungsvereinbarungen, die zum Beispiel die Freizügigkeit, Datenschutzvorschriften und die Verteidigung betreffen, zweifellos mit noch größeren Hürden konfrontiert sein. Zudem besteht die Gefahr, dass die Initiative vom Weißen Haus als Einmischung Europas in den eigenen Hinterhof interpretiert werden könnte. Das Drehbuch der transatlantischen Beziehungen wird gerade neu geschrieben", ist in HUANQIU SHIBAO aus Peking zu lesen.
Um Geopolitik geht es auch in einem Kommentar von ASAHI SHIMBUN. Der japanischen Zeitung ist aufgefallen, dass der chinesische Staatschef Xi zuletzt wieder vermehrt ins Ausland reist: "Was hat Xi Jinping vor? Offenbar will er den sinkenden Einfluss der USA auf die bisherige Weltordnung für sich ausnutzen. Auch mit Blick auf das Gipfeltreffen mit US-Präsident Trump in Washington in der kommenden Woche will Xi nicht nur dem Ausland sondern auch dem Inland zeigen, dass Washington nicht mehr Alleinherrscher der Welt ist", unterstreicht ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
