16. September 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der NATO nach neuen Zwischenfällen im Ostseeraum, die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts Krawtschenko sowie die Lage im Nahen Osten und die wachsenden Risiken für wichtige internationale Handelsrouten.

Huthi-Kämpfer stehen auf einem Militärfahrzeug. Sie halten ihre Gewehre in die Höhe.
Ein Thema: Die jüngsten Geländegewinne der jemenitischen Huthi-Miliz an der Küste des Roten Meeres. (Uncredited / Al-Masirah TV via AP / / Uncredited)
Die Zeitung POLITIKEN beschäftigt sich mit einem Zwischenfall an der Südspitze der dänischen Insel Falster, bei dem eine russische Fregatte Leuchtraketen in Richtung eines dänischen Militärhubschraubers abfeuerte: "Der Vorfall bei Gedser muss als Teil eines größeren Musters betrachtet werden, in dessen Rahmen das Putin-Regime in jüngster Zeit sowohl seine Rhetorik verschärft als auch eine zunehmende Risikobereitschaft bei seinen Aktionen in Europa gezeigt hat. Russland ist es bislang nicht gelungen, einen wirksamen Schutz gegen die ukrainischen Angriffe aufzubauen. Deshalb versucht Moskau, die Dynamik auf andere Weise zu verändern, indem es jene Verbündeten ins Visier nimmt, die die Ukraine unterstützen – allen voran Deutschland als wichtigsten Verbündeten, aber auch Länder wie Dänemark, das mit seiner vergleichsweise umfangreichen Militärhilfe besonders hervorsticht", notiert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Einen ähnlichen sicherheitspolitischen Akzent setzt die italienische Zeitung LA STAMPA. Sie blickt auf den Abschuss einer Drohne über Litauen: "Für die baltischen Staaten, die am häufigsten Opfer russischer Übergriffe sind, bedeutet dies, dass die Gefahr einer schwerwiegenden militärischen Provokation real wird. Dies rechtfertigt im Nachhinein die Reise von CIA-Chef John Ratcliffe, der im Kreml eintraf, um Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Ende der Eskalation zu ermahnen. Doch Moskau reagierte mit noch mehr Eskalation. Denn das militärische Patt an der ukrainischen Front und die Verwundbarkeit des russischen Luftraums mit Drohnen aus Kiew bergen für Putin das Risiko einer gefährlichen strategischen Niederlage", analysiert LA STAMPA aus Turin.
Themenwechsel. Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN sieht die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts Krawtschenko als weiteres Warnsignal für Präsident Selenskyj: "Die anhaltenden Korruptionsskandale in der Ukraine schaden der Regierung Selenskyjs massiv. Die lang anhaltende innenpolitische Krise bringt nicht nur den Zusammenhalt der ukrainischen Gesellschaft ins Wanken, sondern könnte sich auch negativ auf die internationale Unterstützung auswirken. Ohne die Hilfe der europäischen Partnerstaaten kann die Ukraine ihren Abwehrkampf gegen Russland jedoch nicht fortsetzen. Eine Konfrontation mit der mittlerweile auch innenpolitisch umstrittenen Antikorruptionsbehörde NABU muss Selenskyj vermeiden, da die Europäische Union deren Ermittlungen unterstützt. Deshalb sah sich der Präsident zu weiteren Personalentscheidungen veranlasst, die in den vergangenen zwölf Monaten häufiger geworden sind. Dazu zählt auch die Entlassung des Generalstaatsanwalts Krawtschenko, der lange als enger Vertrauter Selenskyjs galt", schreibt die NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Das ukrainische Nachrichtenportal LIGA.NET aus Kiew sieht im Fall Krawtschenko weniger eine juristische als vielmehr eine politische Auseinandersetzung: "Derzeit spielt es praktisch keine Rolle mehr, ob Krawtschenkos Abgang mit Selenskyj abgestimmt war oder nicht. In der öffentlichen Wahrnehmung gilt die Angelegenheit bereits als entschieden. Selenskyj hat diesen Informationskrieg eindeutig verloren."
Wir kommen zum Nahen Osten. Die ägyptische Zeitung AL SHOUROUK befasst sich mit den Gebietsgewinnen der jemenitischen Huthi-Miliz: "An der Meerenge Bab al-Mandab haben die Huthi die Inseln Perim und Dhubab unter ihre Kontrolle gebracht. Das bedeutet zwar keine vollständige Dominanz über die Meerenge. Doch die strategische Bedeutung dieser Positionen ist erheblich: Sie ermöglichen Einfluss auf eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt und erhöhen die Gefahr von Raketen- und Drohnenangriffen. Eine direkte Intervention könnte den Konflikt ausweiten, während ein Abwarten dazu führen könnte, dass die Huthi ihre Fähigkeit zur Störung des internationalen Schiffsverkehrs weiter ausbauen. Das können die USA nicht hinnehmen", warnt AL SHOUROUK aus Kairo.
Die panarabische Zeitung ELAPH glaubt mit Blick auf Teheran: "Je stärker das iranische Regime innenpolitisch unter Druck gerät, desto mehr versucht es offenbar, Konflikte nach außen zu verlagern. Teheran-treue Milizen im Irak, die Huthi im Jemen und Angriffe auf saudisches Territorium fügen sich dabei zu einem Muster: Mehrere Krisenherde sollen den Druck auf die Gegner verteilen und deren Handlungsspielraum einschränken. Die jüngsten Entwicklungen gehen deshalb über eine weitere Eskalation im Jemen hinaus. Huthi-Angriffe auf saudische Einrichtungen und die territorialen Gewinne der Miliz am Roten Meer erhöhen den Druck auf eine strategisch wichtige Region. Für Teheran geht es damit um mehr als einen regionalen Konflikt", heißt es in der in London erscheinenden ELAPH.
Die kroatische Zeitung VECERNJI LIST richtet den Blick auf die Folgen für die Energieversorgung: "Offensichtlich ist laut Trump nicht der Krieg mit dem Iran, der einfach kein Ende finden will, für einen möglichen Dieselengpass verantwortlich, sondern die seit Monaten andauernden ukrainischen Angriffe auf die russische Öl-Infrastruktur. Es ist klar, was Trump mit seinem Aufruf [zum Stopp der Angriffe auf die Energie-Infrastruktur] bewirken möchte: Er will den möglichen Ausfall von Öl aus der Golfregion durch russisches, vielleicht auch ukrainisches Öl ersetzen. Doch ist dies nicht so einfach. Russland hat nämlich aufgrund der durch die ukrainischen Angriffe verursachten Engpässe ein Exportverbot für sein Öl verhängt. Trumps Appell löst das Problem möglicher Engpässe bei Öl und Diesel kurzfristig also nicht", vermutet VECERNJI LIST aus Zagreb.
Die chinesische Zeitung WENHUIBAO sieht die US-Regierung im Nahen Osten unter wachsendem Druck: "Washington ist in einer Zwickmühle, denn einerseits versucht das Weiße Haus angesichts des Konflikts mit dem Iran unter allen Umständen zu vermeiden, in einen weiteren Konflikt mit ungewissem Ausgang verwickelt zu werden. Andererseits muss es aber die Freiheit der Schifffahrt wahren und verhindern, das Vertrauen der regionalen Verbündeten zu verlieren. Vor diesem Hintergrund ist die Sicherheit im Roten Meer zu einem Indikator für die Neugestaltung der regionalen Sicherheitsarchitektur geworden", schreibt WENHUIBAO aus Schanghai.
Zum Schluss in die USA. Die polnische Zeitung GAZETA WYBORCZA geht ein auf die Entscheidung des Supreme Court, Trumps Pläne zur Einschränkung der Briefwahl zu stoppen. Das Blatt sprich von einer schweren Niederlage: "Der US-Präsident behauptet seit Langem, die Briefwahl begünstige Betrug – wofür es keinerlei Belege gibt. Am 31. März erließ er eine Anordnung, die diese Praxis einschränken sollte. Dagegen klagten eine Gruppe von Bundesstaaten mit demokratischer Regierung sowie Organisationen, die sich für Wahlrechte einsetzen. Die Kläger warnten davor, dass Änderungen in letzter Minute vor den Zwischenwahlen im November Chaos stiften und faktisch Millionen von Menschen ihres Wahlrechts berauben könnten", erläutert GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
USA TODAY verteidigt die Entscheidung des Gerichts mit grundsätzlichen verfassungsrechtlichen Argumenten: "Das Problem besteht darin, dass der Präsident versucht, sein gewünschtes politisches Ziel per Federstrich zu erreichen, anstatt die Angelegenheit dem Kongress zu überlassen. Trumps Plan bestand darin, den Postdienst zu nutzen, um die Bundesstaaten zur Einhaltung von Wahlvorschriften der Exekutive zu zwingen – ein klarer Konflikt mit der verfassungsmäßigen Gewaltenteilung. Wieder einmal sah sich der Supreme Court gezwungen einzugreifen, weil der Präsident versucht hat, allein durch seinen Willen etwas durchzusetzen, das in die Zuständigkeit des Kongresses fällt“, betont USA TODAY aus New York. Und mit diesem Kommentar endet die internationale Presseschau.