
Die kanadische Zeitung THE GLOBE AND MAIL konstatiert: "Es gibt keine Patentlösung, um die Probleme Kanadas zu beseitigen, die aus den angespannten Beziehungen zu den USA resultieren. Eine engere Bindung an Europa wird langfristig helfen. Auch die Erschließung von Märkten im Nahen Osten und in Asien wird das tun. Die heimische Wirtschaft durch den Ausbau von Rohstoffprojekten und Infrastruktur – etwa einer neuen Öl-Pipeline – zu stärken, wäre ebenfalls langfristig hilfreich. Ein Abkommen mit Europa wird Kanada zwar nicht im Alleingang retten, aber in ihrer Gesamtheit werden diese Schritte Kanada dabei helfen, seine Unabhängigkeit zu bewahren und eine widerstandsfähigere Wirtschaft aufzubauen", unterstreicht THE GLOBE AND MAIL aus Ontario.
Die französische Zeitung LIBÉRATION zeigt sich vorsichtig optimistisch: "Der kanadische Premierminister Carney verkörpert den Mut, US-Präsident Trump ein 'Nein' entgegenzusetzen; er könnte ein Europa mitreißen, das sich gegenüber den aggressiven Gebärden des US-Präsidenten bislang eher zaghaft verhalten hat. Gewiss, es mangelt noch an konkreten Details, doch angesichts der dreifachen Bedrohung durch Trumps Amerika, Putins Russland und Xis China scheint eine positive Dynamik in Gang gekommen zu sein", so sieht es LIBÉRATION aus Paris.
"Kanada hat verständlicherweise kein Interesse daran, der 51. US-Bundesstaat zu werden; doch der Beitritt als ehrenamtliches 28. Mitglied der Europäischen Union wäre ein waghalsiges Unterfangen", meint dagegen die US-Zeitung THE WASHINGTON POST und schreibt weiter: "Die EU inszeniert sich als die freundlichere Alternative zu den unberechenbaren und protektionistischen USA. Doch auch die EU pflegt ein kompliziertes Verhältnis zum Freihandel. Sie errichtet Handelsbarrieren und alle Mitgliedstaaten sind verpflichtet, ihre Handelsabkommen über Brüssel auszuhandeln. Hat Kanada bedacht, dass seine Beziehungen zu Japan oder Australien künftig von Bürokraten auf der anderen Seite des Ozeans bestimmt werden könnten? Ein Beitritt zur EU hat seinen Preis", warnt THE WASHINGTON POST aus der US-Hauptstadt.
Die russische Zeitung KOMMERSANT verweist auf Skepsis bei EU-Mitgliedsländern: "Deutschland spricht sich offenbar gegen die Gewährung eines Assoziierungsstatus für Kanada aus, da man Unmut bei anderen europäischen Partnern befürchtet. Kreisen zufolge stieß der Vorschlag von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Berlin und anderen EU-Hauptstädten auf sehr verhaltene Resonanz. Die Neuausrichtung auf Europa stellt für Kanada ohnehin eine große Herausforderung dar. Zwar sind beide Seiten seit Langem durch enge wirtschaftliche Bande verknüpft – die EU ist Kanadas zweitgrößter Handelspartner –, doch das Handelsvolumen mit den USA ist deutlich größer“, notiert der KOMMERSANT aus Moskau.
"Aus dem Flirt könnte eine enttäuschte Liebe werden", titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz: "Warme Worte der Freundschaft sind schnell ausgetauscht. Wenn es um die Kernpunkte eines Abkommens geht, wird es aber rasch kompliziert – das wissen nicht zuletzt die Schweizer, die seit Jahren versuchen, sich mit Brüssel auf eine Weiterführung des bilateralen Wegs zu einigen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele EU-Mitglieder auf gute Beziehungen mit Washington angewiesen sind. Zudem bleibt der südliche Nachbar für Kanada der mit Abstand wichtigste Partner und die Ära Trump wird spätestens in gut zwei Jahren zu Ende gehen. Es ist möglich oder sogar wahrscheinlich, dass danach eine Person ins Weiße Haus einzieht, die wieder konstruktive Beziehungen mit Kanada pflegen will. Eine enge Allianz mit der EU verlöre damit schlagartig an Dringlichkeit", so die NZZ aus Zürich.
In den USA ist ein umfassendes Sanktionspaket gegen Russland und seine befreundeten Staaten nun auch vom Repräsentantenhaus gebilligt worden. Die US-amerikanische Zeitung WALL STREET JOURNAL erklärt: "Die seit langem vorbereitete Maßnahme umfasst neue Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte für illegale Ölexporte und richtet sich gegen russische Oligarchen, Banken und ausländische Geldgeber der russischen Industrie. Besonders bemerkenswert ist, dass der Gesetzentwurf es dem US-Präsidenten ermöglicht, Zölle von bis zu 100 Prozent auf Importe aus den Ländern zu erheben, die das meiste russische Öl und Gas beziehen. Diese Liste umfasst derzeit China und Indien. Dies ist ein wirksames Instrument, um die russische Kriegsfinanzierung einzudämmen. Die dringlichere Frage ist, ob Trump tatsächlich bereit ist, die Strafzölle – insbesondere gegen China – anzuwenden", bemerkt das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO sieht es so: "Für Russland müssen die neuen Sanktionen nicht zwangsläufig zu einem deutlichen Rückgang der Energieeinnahmen führen. Sollten die wichtigsten Abnehmer gleichzeitig ihre Öl-Importe aus Russland reduzieren und andere Förderländer die entstehende Angebotslücke nicht schließen können, könnten die internationalen Öl-Preise steigen. Russland könnte dann einen Teil der Absatzverluste durch höhere Verkaufspreise ausgleichen. Das Weiße Haus muss nun die Folgen des Gesetzes abwägen", erläutert JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
In den Vereinigten Staaten hat die Notenbank Federal Reserve erstmals seit mehr als drei Jahren den Leitzins auf 3,75 bis 4 Prozent erhöht. Die österreichische Zeitung DER STANDARD beobachtet: "Als die Federal Reserve die Zinsen nicht auf ein Prozent senkte, wie der US-Präsident es vom neuen Fed-Chef Warsh forderte, reagierte Trump mit einer dramatischen Ansage: Die USA könnten den Handel mit jedem Land einstellen, mit dem sie ein Außenhandelsdefizit haben, und dadurch 1,5 Billionen Dollar verdienen. Es ist völliger volkswirtschaftlicher Unsinn, was Trump da von sich gab. Nichts davon wird geschehen. Die Inkompetenz der Trump-Regierung schwächt Amerikas Macht und Ansehen und stärkt seine wahren Feinde, die in Moskau, Peking und Teheran sitzen", hält DER STANDARD aus Wien fest.
"Es ist zu begrüßen, dass die Fed mit dem neuen Vorsitzenden Warsh an ihrer Unabhängigkeit von der Politik festhält und diese Entscheidung getroffen hat, um die hohen Inflationen zu bekämpfen", betont die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN. "Als Reaktion hat US-Präsident Trump eine sofortige Zinssenkung gefordert. Allerdings: Ist es nicht eher seine Politik, die geändert werden müsste? Mit dem von ihm begonnenen Iran-Krieg und der daraus resultierenden Blockade der Straße von Hormus, mit den Zollstreitigkeiten, mit den hohen Schulden im Bundeshaushalt: Trump sollte sich endlich bewusst werden, dass er selbst die hohen Inflationen verursacht", mahnt YOMIURI SHIMBUN aus Tokio.
Zum Schluss wirft die Zeitung THE STRAITS TIMES aus Singapur noch einen Blick auf die hybriden Angriffe auf Europa durch Russland und stellt die Frage nach den Motiven: "Russland handelt aus verschiedenen Gründen zunehmend rücksichtslos. Eine russische Armee, die den Gegner nicht besiegen kann, greift dessen Stützen an – also die Verbündeten der Ukraine. Die zweite Erklärung: Moskau hält den Druck auf Europa aufrecht, in der Hoffnung, die USA könnten Europa zu einem Abkommen zwingen, das die Ukraine an Russland ausliefert. Der dritte Grund: Russland plant womöglich, nach Abschluss der Parlamentswahlen eine umfassende Mobilmachung von Männern im wehrfähigen Alter – und dieses Vorhaben muss als existenzielle Auseinandersetzung mit der NATO dargestellt werden, nicht bloß als Folge eines gescheiterten Feldzugs gegen die Ukraine. So oder so: Die Risiken für Europa steigen exponentiell", mit diesem Kommentar aus THE STRAITS TIMES aus Singapur endet die Internationale Presseschau.
