Mittwoch, 08. Dezember 2021

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Die Nominierten vom WebvideopreisAußergewöhnliche Inhalte, statt massenhafte Klicks

Bereits zum sechsten Mal wird der Webvideopreis Videos auszeichnen, die zwar nicht millionenfach angeklickt wurden, aber durch außergewöhnliche Inhalte überzeugen. In diesem Jahr ist unter anderem Moderator und Satiriker Jan Böhmermann gleich zweimal nominiert. Auch das ZDF könnte mit einem 360-Grad-Clip von einem Vulkan-Ausbruch einen Preis gewinnen.

Von Ina Plodroch | 03.06.2016

Der Moderator und Satiriker Jan Böhmermann
Gleich zweimal für den Webvideopreis nominiert, der Satiriker Jan Böhmermann (imago)
"Ey. Sie haben die richtige Internetadresse da oben ins Browserfenster eingegeben, www.youtube.com", sagt der Fernsehmoderator und Satiriker Jan Böhmermann, während er in seinem Fernsehstudio sitzt.
Er ist gleich zweimal für den Webvideopreis nominiert. Für seinen Polizei-Rap aus der Fernsehshow - perfekt produziert für das Netz - und als Person of the Year Male. Willkommen in der Webvideowelt, in der sich die strikte Trennung Fernsehen und Webvideo aufzulösen scheint. Oder?
Alle zehn Sekunden ein neuer Snap. Also ein kurzes Video bei Snapchat - dem quasi neuen Facebook - wo junge Menschen kurze Videos für 24 Stunden hochladen, ihre Fotos bekritzeln oder ihrem Selfie eine digitale Maske aufsetzen. Für ihre innovative Snapchat-Nutzung ist Eva Schulz als Person of the Year Female nominiert - der einzige Snapchat-Beitrag im Wettbewerb.
"Ich mache das selber auch, weil ich als die App herauskam herausfinden wollte: Wie viel Journalismus geht auf Snapchat? Ich finde zum Beispiel bisher Interviews zu führen ist total schwierig, wenn dein Interviewpartner das Medium nicht kenn oder es nicht gewohnt ist, sich auf zehn Sekunden zu beschränken, dann ist es ein Limit das es bei Snapchat gibt."
Elf Genres im Wettbewerb
Trotzdem schafft Eva Schulz es, über mehr oder weniger aktuelle Themen zu berichten. Näher dran, schneller - und wesentlich spannender als die anderen journalistischen Webvideos im Wettbewerb. Das ist nur ein Genre neben elf anderen, betont auch Marie Meimberg. Als Präsidentin der Academy des Webvideopreises nominiert sie mit anderen ehemaligen Gewinnern die Videos.
"Was vor allem auffällt ist die Bandbreite. Es ist alles dabei: von der 'One Man Show' bis zur professionellen Serie. Man sieht einfach, Webvideo ist lange nicht mehr in den Kinderschuhen, sondern erwachsen geworden."
Auch ziemlich professionell: die Mockumentary, also ausgedachte Dokumentation, "Das Netzwerk". Fabian Siegismund spielt sich selbst. Er ist der Stromberg eines Multi-Chanel-Netzwerks, einem Management für YouTuber. Die "geilste Idee ever" ist es nicht unbedingt, Stromberg kennt man ja, unterhaltsam gemacht mit vielen Querverweisen, ist es aber schon. Und als Projekt selbst: gewagt.
"Und YouTube ist ja kurzlebig, 'snackable' sagt man. Ansonsten gibt es eben noch gar nicht so viele Web-Serien auf YouTube."
Es geht um außergewöhnliche Inhalte, nicht um Klicks
Jede Folge knapp fünf Minuten. 40.000 Klicks. Verschwindend gering im Vergleich zu den ganz großen YouTube-Stars - Gronkh, LeFLoid oder Y-Titty. Aber um Klicks geht es beim Webvideopreis eben nicht, sondern um außergewöhnliche Inhalte.
"Ich vergleiche das aber auch so ein bisschen mit der Musikszene: Klar gibt es die kommerziell erfolgreichen Produzenten. Und so ist es bei Youtube auch: Nur weil einige groß werden mit affigen Tricks und trivialen Inhalten heißt es ja nicht, dass man da nicht auch coole Inhalte findet", so Siegismund.
Typisch für viele der nominierten Clips: Meta-Ebene, Ironie, Andeutungen, Reflektion der YouTube-Welt.
Wollny schaut regungslos in die Kamera. Agiert star, mehr nicht, ganz anders als viele überdrehte YouTuber. Hier passt das Motto des Preises "Rebelify Yourself", anstatt "Broadcast Yourself", was YouTube fordert.
Nicht bei jedem nominierten Video erschließt sich der Reiz, der rebellische Ansatz. Andere zeigen dann doch, dass es nicht überall zu geht wie bei der Web-Serie "Das Netzwerk". Das vergisst der YouTube-Algorithmus nur manchmal.