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Die Pianistin Dinorah Varsi
Klangsinn und Klarheit

Ihre Interpretationen waren eigenwillig. Aber was die südamerikanische Pianistin Dinorah Varsi auch spielte, es war auf dem Punkt und hatte eine zwingende Logik. Darüber hinaus bestachen ihre musikalischen Lesarten durch Charakter.

Von Elisabeth Richter | 11.02.2016
    Doch weil sich die 1939 in Montevideo/Uruguay geborene Pianistin schon zu Lebzeiten auf den Konzertpodien rar gemacht hat und sich immer wieder Ruhe- und Reflexionsphasen auferlegte, um am Klang zu arbeiten, ist sie heute kaum mehr im Bewusstsein. Genauso wenig ist bekannt, dass von Dinorah Varsi zahlreiche Aufnahmen existieren, die jetzt in einer umfangreichen "Legacy"-CD/DVD-Box erschienen sind. Hier kann man hören, dass die Künstlerin ihren südamerikanischen Pianisten- und Alterskollegen Marta Argerich und Daniel Barenboim in nichts nachsteht. Dinorah Varsi war ein Wunderkind. Mit vier Jahren gab sie ihr erstes Konzert, mit sechs erhielt sie einen begeisterten Brief von niemand geringerem als dem Dirigenten Erich Kleiber. Später studierte sie bei Geza Anda und gewann 1967 den Luzerner Concours Clara Haskil. Sie war als Pianistin in den Konzertsälen der Welt genauso gefragt wie als Lehrerin. 2013 verstarb sie in Berlin.