25. Januar 2026
Die Presseschau

Kommentiert wird vor allem das Gebaren von US-Präsident Trump im Konflikt um Grönland. Zunächst geht es aber um die Ereignisse in den USA. In der Stadt Minneapolis hat die Einwanderungsbehörde ICE einen 37-jährigen Mann erschossen.

Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde setzen nach einem tödlichen Schuss in Minneapolis Tränengas gegen Beobachter ein.
Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde setzen nach einem tödlichen Schuss in Minneapolis Tränengas gegen Beobachter ein. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Abbie Parr)
Dazu schreibt DIE ZEIT in ihrer Onlineausgabe: "Wieder hat der Einsatz von Bundesbeamten in Minneapolis ein Leben gekostet. Die Berge gefrorener Blumen für die dreifache Mutter Renée Good, die Anfang Januar von einem Agenten der Einwanderungsbehörde ICE getötet wurde, liegen noch immer auf dem Gehsteig in der Portland Avenue. Da kommt ein neuer Tod hinzu. Es musste so kommen. Minneapolis ist eine Stadt im Belagerungszustand. Seit Mitte Dezember rollen Hunderte ICE-Agenten in Kolonnen durch die Straßen, treten Haustüren ein, verhaften Eltern, die an Bushaltestellen auf ihre Kinder warten. Immer wieder fragt man sich: Was ist denn nur mit dem Gesetz? Das gelte nicht für die Maskierten, schallt es aus der Hauptstadt zurück. Diejenigen, die protestieren, nennen der Präsident und seine Minister "Terroristen". Was in Minnesota geschieht, dient nicht der Durchsetzung einer strengeren Einwanderungspolitik. Es ist eine Ansage mit bebender Stimme: Seht her, ihr Einwanderer – ob illegal im Land oder nicht –, euch schützt nichts und niemand mehr. Ihr seid diesem Präsidenten ausgeliefert. Wehrt euch, und ihr riskiert euer Leben. Der Widerstand, den Minneapolis leistet, ist berührend. 15.000 Demonstranten bei Temperaturen bis zu 30 Grad unter null. Lange hat man Trump zugesehen und sich gefragt: Wo bleibt denn bloß die Antwort dieser freiheitsliebenden Nation? Die Antwort lautet: hier, auf den eiskalten Straßen von Minneapolis", bemerkt DIE ZEIT.
In der US-Zeitung THE NEW YORK TIMES ist zu lesen: "Nach den brutalen Ausschreitungen der letzten drei Wochen in Minneapolis kann man nicht länger behaupten, die Trump-Regierung wolle lediglich das Land regieren. Sie will die gesamte Gesellschaft in einen Zustand ständiger Angst versetzen – einer Angst vor Gewalt, von der manche vielleicht im Moment verschont bleiben, vor der aber niemand jemals wirklich sicher sein wird. Das ist die neue nationale Realität. Der Staatsterror ist da."
Nun nach Grönland. Die österreichische Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG notiert: "Diese Grönland-Krise wird der NATO noch lange in den Knochen stecken. Vielleicht wird sie sich auch nie richtig davon erholen. Donald Trump hat seine Bündnispartner verspottet, erpresst und bedroht. Er hat Freunde wie Feinde behandelt. Und er hat damit mehr Vertrauen und Kapital verspielt als vermutlich jeder andere US-Präsident seit der Gründung der NATO 1949. Zwar hat Trump nun eine Kehrtwende hingelegt, aber die nächste Krise kommt bestimmt. Und die Abschreckung der Allianz ist schon jetzt massiv beschädigt. Sie beruht nämlich im Kern auf der Annahme, dass die USA den Europäern im Ernstfall zu Hilfe kommen würden. Aber wer soll das noch glauben? Nach dem ganzen Drama? Europa steht außerdem längst nicht mehr im Zentrum von US-Sicherheitsüberlegungen", beobachtet DIE PRESSE AM SONNTAG aus Wien.
Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER führt aus: "Natürlich gibt Donald Trump, Präsident der USA und damit bislang noch Anführer der freien Welt, unglaubliche Äußerungen von sich. Dazu gehörte, dass er nicht mehr nur dem Frieden verpflichtet sei, weil ihm Norwegen nicht den Friedensnobelpreis gegeben habe, und er folglich auch Grönland an sich nehmen könne. Es wäre jedoch ein Irrtum, ihn als bloßen Clown abzutun oder zu glauben, es werde schon alles in Ordnung kommen, wenn man ihn nur gewähren lasse. Nein: Er kennt keine Grenzen und tut buchstäblich alles, um jeglichen Widerstand zu brechen. Was können wir daraus lernen? Eines ist offensichtlich: Je mehr Einfluss eine destruktive politische Kraft bekommt, desto schwieriger wird es, sich wieder von ihr zu befreien. Deshalb sollte man nie glauben, man könne das Monster zähmen", unterstreicht DAGENS NYHETER aus Stockholm.
Die Zeitung WELT AM SONNTAG ist folgender Meinung: "US-Präsident Trump gehört zu einem Typus, den es in der deutschen Politik nicht gibt: ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann, ein Immobilienmakler, in dessen Augen die Politik wie ein Pokerspiel funktioniert. Trumps Spiel heißt 'Chicken Game'. Dabei rasen zwei Jugendliche in alten Autos aufeinander zu. Wer die schwächeren Nerven hat und zuerst ausweicht, hat verloren. Die Zeit der Illusionen ist vorbei. Es zählen die Starken, also die USA, China und Russland. Sie entscheiden, sie teilen unter sich die Welt auf, ähnlich wie einst die Kolonialmächte. Was könnte Trump jetzt als Nächstes tun? Die Ukraine ist von der nachrichtendienstlichen Unterstützung der USA abhängig. Ohne die USA wäre ihre Luftabwehr fast wehrlos. Der nächste Deal könnte heißen: Grönland gegen das vorläufige Überleben der Ukraine", befürchtet die WELT AM SONNTAG.
"Die NATO wird wahrscheinlich von Grönland versenkt werden", ist in der türkischen Zeitung CUMHURIYET zu lesen: "Manche Beobachter sagen, das sei bereits geschehen. Man muss sich kneifen, um zu glauben, was geschieht. Die Welt steht unter Schock. Wer hätte diesen Albtraum im Januar 2025 vorhersehen können, als Trump zum zweiten Mal ins Weiße Haus einzog? Trumps 'dunkle Prinzen' wie Steve Bannon und die Tech-Oligarchen, die ihn umgeben, hatten erklärt, dass sie 'die etablierte Ordnung stürzen' würden. Doch die westlichen Partner der Vereinigten Staaten haben diesen Plan nicht ernst genommen. Vizepräsident Vance sagte vergangenes Jahr in München auf der Sicherheitskonferenz, es gebe 'einen neuen Sheriff in der Stadt'. Die gemeinsamen Werte seien nicht mehr kompatibel, sagte er und zeigte den Europäern die Tür. Die Europäer wollten jedoch so weitermachen, als ob nichts geschehen wäre. Warum können die Europäer nicht mit der Faust auf den Tisch hauen? Sie sollten einfach den Raum verlassen, wenn Trump sie wieder beleidigt", rät CUMHURIYET aus Istanbul.
Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT hält fest: "Neben traditionellen Verbündeten wie Frankreich und Deutschland sieht US-Präsident Trump nun auch Großbritannien, das er als seinen ewigen Verbündeten betrachtete, als Gegner. Diese Meinungsverschiedenheiten rühren von Trumps neuem politischen Kurs her, der auf eine unangefochtene Hegemonie in der Welt abzielt. Die Tatsache, dass sich die europäischen Staaten nicht der von ihm ins Leben gerufenen Organisation Friedensrat anschließen, verschärft derzeit den Konflikt zwischen dem 'alten Kontinent' und der 'neuen Welt'. Frankreich und Deutschland messen dieser Idee keine Bedeutung zu. Die 'neue Weltordnung' wird somit neue Allianzen und Feindschaften erfordern. In naher Zukunft wird sich zeigen, welcher Staat welche Seite einnimmt", meint MÜSAVAT aus Baku.
Nun noch zu einem anderen Thema. Nach der Brandkatastrophe im schweizerischen Skiort Crans-Montana ist der Betreiber der Bar aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG merkt dazu an: "Auch Wochen nach dem Inferno in Crans-Montana blickt die Welt fassungslos auf die Schweiz. Es war keine Naturgewalt, die in der Silvesternacht 40 junge Menschen aus dem Leben gerissen und 116 zumeist schwer verletzt hat, sondern menschliches und institutionelles Versagen. Der Kanton Wallis hat seine Aufsichtspflicht gegenüber der Gemeinde Crans-Montana vernachlässigt und bietet eine dilettantisch agierende, unterbesetzte Staatsanwaltschaft auf. Sie steckte den Barbetreiber Jacques Moretti trotz Verdunklungsgefahr erst nach neun Tagen in U-Haft, beschlagnahmte zunächst sein Handy nicht und vergaß, die Obduktion der Opfer anzuordnen, die wichtige Hinweise zur Schuldfrage hätte liefern können. Nun wurde er aus der Haft wieder entlassen. Dieses Vorgehen schürt das begründete Misstrauen der Hinterbliebenen, die auf eine schnelle und schonungslose Aufklärung pochen."