
Die britische Zeitung THE TELEGRAPH plädiert für einen baldigen Militärschlag der Amerikaner: "Teheran hat deutlich gemacht, dass es nicht beabsichtigt, das Abschlachten der eigenen Bürger zu beenden, sein Atomprogramm aufzugeben oder den Aufbau seines Raketenarsenals einzustellen. Die einzige Möglichkeit, die unerträgliche Lage im Nahen Osten zu ändern, besteht darin, die Initiative zu ergreifen. Die US-Streitkräfte vor Ort sind einsatzbereit, und Israel hat inzwischen seine Luftabwehr verstärkt. Der iranische Staat ist geschwächt. Seine Stellvertretermilizen haben in Syrien und im Libanon schwere Verluste erlitten. Es dürfte kaum eine bessere Gelegenheit geben, dem Regime einen tödlichen Schlag zu versetzen. Das iranische Volk sehnt sich nach Veränderung", schreibt THE TELEGRAPH aus London.
Die türkische Zeitung HÜRRIYET erläutert: "Trump will als der Präsident in die Geschichte eingehen, der das Mullah-Regime gestürzt hat. Wir sollten seine Besessenheit nicht unterschätzen. Die 'Verhandlungs'-Option, die dem Iran angeboten wird, lautet: 'Entweder ihr ergebt euch, oder wir schlagen zu.' Trump glaubt nicht, dass er verlieren wird. Verhandlungen waren nie sein eigentliches Ziel. Sein Ziel ist das Regime selbst", vermutet HÜRRIYET aus Istanbul.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY kommt zu einer anderen Einschätzung: "Präsident Trump geht mit seinen Drohgebärden gegenüber dem Iran ein gewaltiges Risiko ein. Denn sollte es ihm nicht gelingen, das Regime in Teheran zu stürzen, dürfte dies als Triumph des Iran gewertet werden. Im Ergebnis wäre das eine deutliche Niederlage für die Amerikaner und würde zugleich den weiteren Niedergang von Trumps Ansehen innerhalb der USA beschleunigen. Denn schon jetzt sind seine militärischen Einsätzen im Ausland, seine globalen Drohgebärden und Handelskriege bei vielen Bürgern höchst unpopulär", notiert die Zeitung AL QUDS AL-ARABY, die in London erscheint.
Die MANILA TIMES kommentiert die Äußerungen der US-Regierung nach den tödlichen Schüssen auf zwei Bürger in der Stadt Minneapolis: "In beiden Fällen bezeichneten Präsident Donald Trump und seine Gefolgsleute die Opfer als 'inländische Terroristen' – offenbar der neue Begriff für diejenigen, die sich gegen die wahllose und gewalttätige Anti-Einwanderungskampagne wehren, die an Nazi-Deutschland erinnert. Die Amerikaner, die Trump ins Amt gewählt haben, mögen der offiziellen Propaganda glauben, aber der Rest der Welt, der die im Internet kursierenden Videos von Augenzeugen gesehen hat, weiß es besser", bemerkt die philippinische Zeitung MANILA TIMES und hält fest: "Das ist nicht mehr das Amerika, das sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg den Respekt und die Bewunderung eines Großteils der Welt verdient hat."
Die dänische Zeitung POLITIKEN betont: „Je mehr die USA in eine Art Neofaschismus und Staatsterror abgleiten, erwacht Europa zu neuen Taten. Dazu gehört das neue Handelsabkommen mit Indien, das sowohl der EU als auch Indien einen enormen Schub verleihen kann. Doch dazu muss es noch das EU-Parlament passieren. Man kann nur hoffen, dass das gelingt. Die USA haben sich als unzuverlässiger Partner erwiesen, und darum ist die EU jetzt umso mehr auf neue Allianzen angewiesen.“ befindet POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die NEUE ZÜCHER ZEITUNG AM SONNTAG befasst sich mit derNominierung von Kevin Warsh für den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve: "Von den vier verbliebenen Anwärtern auf das Amt des Notenbankchefs hat Donald Trump den besten nominiert: Kevin Warsh ist erfahren und genießt bei Investoren eine hohe Glaubwürdigkeit. In der Vergangenheit sprach sich Warsh für eine restriktive Geldpolitik aus. Trump hat er jetzt aber Zinssenkungen in Aussicht gestellt – obschon die Inflation noch immer über der Zielzone liegt. Der neue Fed-Chef könnte sich als erstaunlich unabhängig entpuppen, wenn er einmal in Amt und Würden ist und dem Einfluss der Politik ein Stück weit entzogen ist. Allerdings kann auch der beste Notenbanker wenig ausrichten gegen eine Wirtschaftspolitik, welche die Inflation anheizt. Die USA dürften dieses Jahr unter Donald Trump 2 Billionen Dollar zusätzliche Schulden anhäufen. Das ist der Grund, wieso der Dollar immer schwächer wird, Franken und Gold aber zulegen. Eine rasche Aussicht auf Besserung gibt es nicht", bemerkt die NZZ aus der Schweiz.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN führt aus: "Kevin Warsh trägt nun eine große Verantwortung. Er muss Abstand zur Politik halten und auf langfristige Sicht sowohl den Arbeitsmarkt als auch die Verbraucherpreise stabilisieren. Es ist ihm zu wünschen, dass er vernünftige Entscheidungen trifft und vor allem die Unabhängigkeit der Notenbank bewahrt. Denn diese ist unabdingbar für die Stabilisierung der weltweiten Finanzmärkte und der Wirtschaft", folgert NIHON KEIZAI SHIMBUN mit Sitz in Tokio.
Nun zur Lage der Wirtschaft in Deutschland. Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG hebt hervor: "Es ist kein gutes Signal, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Wachstumsprognose für dieses Jahr leicht nach unten korrigieren muss - von 1,3 auf nur noch 1,0 Prozent. Vor allem im Mittelstand macht sich einer aktuellen Umfrage zufolge Enttäuschung breit. Die Konjunkturflaute erreicht allmählich auch den Arbeitsmarkt – und das trotz Fachkräftemangels. Reiche verwies darauf, dass viele Maßnahmen jetzt erst allmählich ihre Wirkung entfalten würden. Da ist natürlich etwas dran. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Reiche nicht mehr viel im Köcher hat, um eine Wirtschaftswende spürbar zu beschleunigen. Der Koalitionsvertrag ist da weitgehend abgearbeitet", argumentiert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg.
"Der Reformbedarf ist offensichtlich", stellt die WELT AM SONNTAG fest: "Ohne Einsparungen im Sozialbudget sind die wachsenden Staatsschulden von heute die Steuererhöhungen von morgen, die wiederum Gift für die Konjunktur wären. Um Aufbruch zu signalisieren, setzte die Bundesregierung im Sommer eine 'Sozialstaatskommission' ein mit Vertretern der Bundesministerien, der Länder und Kommunen. Der Name klingt nach einem großen Aufschlag. Und der jetzt vorliegende Abschlussbericht sieht sinnvolle Maßnahmen vor, um das verzweigte Sozialsystem einfacher, digitaler und unbürokratischer zu organisieren. Explizit ausgeschlossen haben die Politiker jedoch Einschnitte bei den Leistungen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Während die Transferempfänger keine Härten befürchten müssen, werden Steuererhöhungen zum Stopfen der Haushaltslöcher wahrscheinlicher. Denjenigen, die schon heute übermäßig Steuern und Abgaben berappen, bleibt dann noch weniger Netto vom Brutto. Dabei stehen die hiesigen Arbeitnehmer bei der Belastung schon jetzt weltweit nach Belgien an der Spitze", kritisiert die WELT AM SONNTAG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG sieht es ähnlich: "Vergeblich wartet man auf umfassende Steuersenkungen und Entbürokratisierungen, die den Standort mit Amerika konkurrenzfähig machen könnten. Es gibt keine konsequente Abkehr von der wirtschaftsfeindlichen Energiewende, keine ausreichenden Investitionen in die heimischen KI-Industrie, keinen nachhaltigen Umbau der Sozialsysteme. Stattdessen flickt die Koalition herum und hält die Fiktion aufrecht, 'ohne Leistungskürzungen' auszukommen, obwohl jetzt Geld an Stellen gebraucht wird, die für das Schicksal des Landes entscheidender sind", findet die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG. Mit dieser Stimme endet die Presseschau.Die Redaktion hatte Florian BarzSprecher/in war:
