
"Wie man Reformen verhindert", titelt dazu die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG und führt aus: "Nur dank Zuwanderung hat Deutschland die Zahl seiner Arbeitsstunden noch gesteigert, doch auch das kommt an sein Ende. Aber wenn die Mittelstandsunion den Rechtsanspruch auf Teilzeit infrage stellt, spricht sie von 'Teilzeit-Lifestyle' und holt sich damit die Holzhammer-Entgegnungen der Gewerkschaften ab. Die Gewerkschaften sind allerdings auch nicht besser. An fehlender Kinderbetreuung soll das Problem liegen - dabei sagen in einer Umfrage des Statistischen Bundesamtes nicht mal zehn Prozent der Teilzeit arbeitenden Deutschen, dass sie bei besserer Betreuung mehr arbeiten würden. Das Problem ist schon, dass die Deutschen nicht mehr arbeiten wollen. Aber das bitte immer besser bezahlt: Verdi bestreikt gerade den Nahverkehr und fordert sieben bis zwölf Prozent mehr Gehalt. Reformen, ja - aber doch nicht bei mir! Offenbar haben viele Deutsche den Schuss noch nicht gehört. Diesen Satz darf man ruhig wörtlich nehmen. Die Schüsse in der Ukraine machen schon seit fast vier Jahren deutlich, dass die internationale Ordnung nicht mehr die alte ist", kommentiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Die WELT AM SONNTAG zeigt ebenfalls Unverständnis für die aktuellen Arbeitskampf-Maßnahmen im öffentlichen Dienst: "Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schikaniert mit ihren Warnstreiks die Bürger. Um üppige Lohnforderungen im öffentlichen Dienst und im Nahverkehr durchzudrücken, setzt Gewerkschaftschef Frank Werneke in der diesjährigen Tarifrunde schon früh auf Eskalation. Ganze Tage lang bleiben Bahnen und Busse im Depot, und Pendler und Hochbetagte müssen zusehen, wie sie zur Arbeit oder zum Arzt gelangen. Bestreikte Universitätskliniken verschieben Operationen, und auf Autobahnen fällt der Winterdienst aus. Verdi weiß, wo die neuralgischen Punkte einer Gesellschaft sind. Dass Deutschland in einer schweren Wirtschaftskrise steckt und die öffentlichen Kassen trotz horrender Schulden leer sind, ficht die Verdi-Spitze nicht an. Die Gewerkschafter agieren, als lebten die Deutschen noch immer in guten Zeiten. Dabei hat sich die Weltlage komplett gewandelt", unterstreicht die WELT AM SONNTAG.
Die RHEINPFALZ blickt aus der Perspektive eines jungen Autors auf die Arbeitszeit-Debatte: "Meist wird über sie gesprochen, selten mit ihnen. Stattdessen schwingen Untertöne aus der Politik mit, wonach junge Menschen heutzutage zu sensibel seien oder im Vergleich zu den Älteren keine Lust zum Arbeiten hätten. Begleitet von solchen Vorurteilen bahnt sich die Generation Z, also jene jungen Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden, ihren Weg in die Arbeitswelt. Sie ist die erste Generation, die in einer digitalen Welt aufgewachsen ist. Davon geprägt, entwickelt sie eigene Ideen und Lebensentwürfe. So wird auch der Stellenwert von Arbeit hinterfragt und neu bewertet – wichtiger als eine traditionelle Vollzeitkarriere ist für sie oft die Balance zwischen Beruf, Freizeit und sozialem Leben. Gleichzeitig sind für sie Quereinstiege ebenso normal wie mehrfache Jobwechsel oder gar eine Karriere als Vollzeit-Influencer", ist in der RHEINPFALZ zu lesen.
Das britische Blatt THE INDEPENDENT geht auf den Fall Epstein und auf Verbindungen durch Ex-Botschafter Mandelson ein, durch die die britische Regierung massiv unter Druck geraten ist: "Das Problem für den Premierminister ist, dass diese Fehleinschätzung über Mandelson zu einer Reihe unglücklicher Ereignisse hinzukommt, die ihm den Titel 'unbeliebtester Premierminister aller Zeiten' eingebracht haben – auch wenn YouGov darauf hingewiesen hat, dass Sir Keir laut ihren Daten noch einigen Abstand zu Liz Truss hat. Bereits vor dem Bekanntwerden des Mandelson-Skandals hatte die Unbeliebtheit der Labour-Regierung bereits die Frage nach den Führungsqualitäten von Keir Starmer aufgeworfen. Die Wendungen in der Geschichte um Andy Burnhams Versuch, Kandidat bei den Nachwahlen in Gorton und Denton zu werden, trugen zusätzlich zur Unruhe in Westminster bei. Der Premierminister könnte als Vorsitzender der Labour-Partei herausgefordert werden", spekuliert THE INDEPENDENT aus London.
Das britische Blatt THE SUNDAY TELEGRAPH denkt schon an die Zeit nach Starmer: "Fast jeder, der Sir Keir nachfolgt, wird wahrscheinlich innerhalb der Partei unter enormen Druck geraten, die Steuern für Reiche und Mittelschicht weiter zu erhöhen, um Sozialhilfeempfänger vor Kürzungen zu verschonen. In der Außenpolitik wird er oder sie dazu gedrängt werden, eine zunehmend feindselige Haltung gegenüber Israel einzunehmen, um die Wähler der ehemaligen Labour-Hochburgen und der radikalen Linken bei der Stange zu halten. Im öffentlichen Dienst wird er oder sie dazu angehalten werden, Staatsbedienstete weiterhin zu belohnen, die keine sinnvollen Reformen ihres Arbeitsumfelds akzeptieren, selbst wenn diese zum Vorteil der Steuerzahler wären", fürchtet THE SUNDAY TELEGRAPH aus London.
US-Präsident Trump hat ein Video gepostet und dann wieder gelöscht, in dem das frühere Präsidentenpaar Barack und Michelle Obama als Affen dargestellt wurde. Die NZZ AM SONNTAG sieht Parallelen zu Trumps Kommentaren nach dem Mord an Filmregisseur Rob Reiner und fragt sich: "Ist das Dummheit? Oder Größenwahn? Ritzt er einfach gerne an den Grenzen des Sagbaren? Man mag Trumps Verhalten als bizarren Ausrutscher ansehen – sollte allerdings nicht vergessen, dass derselbe Trump jüngst gesagt hat, seine Macht werde nur durch seine eigene Moral begrenzt", schreibt die NZZ AM SONNTAG aus der Schweiz.
Die in Singapur herausgegebene STRAITS TIMES beobachtet: "Während sich die Demokraten auf den Beitrag Trumps stürzten, war es gleichwohl die Empörung einiger Mitglieder von Trumps eigener Republikanischer Partei, die das Einlenken auslöste. Tim Scott, der einzige schwarze republikanische Senator und einst Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur 2024, bezeichnete das Video als 'das Rassistischste, was ich aus diesem Weißen Haus gesehen habe'. Scott sagte, er 'bete, dass es eine Fälschung ist' und forderte Trump auf, den Beitrag zu entfernen. Roger Wicker, ein weiterer republikanischer Senator, bezeichnete den Beitrag als 'völlig inakzeptabel'. Der Präsident solle ihn entfernen und sich entschuldigen, fügte er hinzu. Trump startete seine eigene politische Karriere, indem er die rassistische und falsche Verschwörungstheorie verbreitete, dass Obama über seine Geburt in den Vereinigten Staaten gelogen habe. Der Präsident steht seit langem in bitterer Rivalität zu seinem demokratischen Vorgänger und ärgert sich besonders über dessen Popularität sowie über die Tatsache, dass Obama den Friedensnobelpreis bekommen hat", erläutert THE STRAITS TIMES.
Abschließend noch ein Blick in die LÜBECKER NACHRICHTEN, die die Entlassungswelle bei der US-Zeitung Washington Post in einen größeren Zusammenhang stellt: "Der Clan von Oracle-Gründer Larry Ellison streckt die Arme nach Warner Brothers und CNN aus. Mark Zuckerberg kontrolliert Instagram und Facebook, Elon Musk ist Herr über X, das frühere Twitter, und Ellison führte ein Konsortium an, das in den USA das Geschäft von Tiktok übernommen hat. Für Europa ist dieses geschwächte Mediensystem eine Mahnung, es nicht so weit kommen zu lassen. Schon der Blick auf die Öffentlich-Rechtlichen genügt aber, um die Gefahren zu sehen. Sie stehen in Deutschland, Österreich und Großbritannien in harscher Kritik. In der Schweiz stimmen die Menschen am 8. März über eine Halbierung der Rundfunkgebühren ab, die für die Sender massive Kündigungen zur Folge hätte. Am Wochenende ist Super Bowl in den USA, das größte Football-Event des Jahres mit zuletzt 130 Millionen Zuschauern. 2019 hatte die 'Washington Post' mitten in Donald Trumps erster Amtszeit für sie einen eigenen TV-Spot geschaltet. 'Demokratie stirbt in der Dunkelheit', hieß es darin. Heute ist klar: Der Zerfall findet längst in hellem Tageslicht statt." Mit diesem Auszug aus den LÜBECKER NACHRICHTEN endet die Presseschau.
