15. Februar 2026
Die Presseschau

Beachtung findet der gestrige Auftritt von US-Außenminister Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

US-Außenminister Rubio steht auf der Münchner Sicherheitskonferenz an einem Rednerpult. Er hat den Kopf leicht geneigt, während er spricht. Links von ihm sieht man das Logo der Konferenz.
US-Außenminister Rubio spricht auf der Münchner Sicherheitskonferenz. (IMAGO / Frank Turetzek / IMAGO / FRANK TURETZEK / www.ft.photos)
Die österreichische Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG schreibt: "Das Publikum war dankbar. Marco Rubio erntete für seine Rede stehenden Applaus. Der US-Außenminister hatte für ein starkes Europa plädiert und sich deutlich zur transatlantischen Partnerschaft bekannt. Floskeln, die seit Jahrzehnten zur rhetorischen Grundausstattung beim Jahrestreffen im Hotel Bayerischer Hof zählen, lösten einen regelrechten Sturm der Erleichterung aus. Anders als US-Vizepräsident J. D. Vance im Vorjahr traf Rubio diesmal in Deutschland den richtigen Ton. Er mischte seinen Vortrag geschmeidiger ab und ließ historisches Verständnis erkennen. Bei allem Aufatmen über Rubios Charmeoffensive sollte sich jedoch niemand täuschen lassen. Er hielt in München auch ideologisch Kurs, was bei einem Außenminister der Regierung Trump nicht weiter verwundern sollte. Die Trumpisten wollen ihre Revolution nach Europa exportieren", warnt DIE PRESSE AM SONNTAG aus Wien.
In der Online-Ausgabe der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG heißt es: "Egal, was Rubio als zuständiger Minister persönlich auch denken oder glauben mag – die Außenpolitik der USA ist inzwischen so eng mit der Maga-Ideologie verwoben, dass er daran nicht vorbeikommt. 'Was verteidigen wir?', fragte Rubio die versammelten europäischen Regierungschefs, Minister, Generäle und Diplomaten. Das ist eine legitime Frage. Aber seine Antwort klang eben deutlich anders als die, die der deutsche Bundeskanzler oder auch der französische Präsident zuvor gegeben hatten. Egal, ob es um den Erhalt von Regeln geht, die die Beziehungen von Staaten untereinander befrieden, um den Klimaschutz, den Wert internationaler Organisationen, den freien Handel oder auch die Regulierung von Migration – Amerika und Europa klaffen inzwischen weit auseinander", bemerkt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Die Botschaft war immer noch Trumpismus pur", konstatiert die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG in ihrer Online-Ausgabe. "Noch entscheidender war, was Rubio nicht sagte. Seine Rede enthielt kein Bekenntnis zur Verteidigung des NATO-Gebiets. Was bei Rubio auch nicht vorkam, war Grönland, und das sagt einiges über den wahren Zustand der NATO und der transatlantischen Beziehungen."
Der Berliner TAGESSPIEGEL vermisst eine Aussage Rubios zu Russlands Krieg in der Ukraine und zu Putins Gräueltaten: "Rubio verzichtete ebenfalls darauf, das zunehmend aggressivere Agieren Chinas zu erwähnen. Hier spricht ein Mann, der auf die Gunst Donald Trumps angewiesen ist, und der täglich erleben muss, dass ihm die Zuständigkeit für die von Trump erwünschten Schmeicheleien gegenüber Putin durch die beiden Immobilien-Unternehmer Steve Witkoff und Jared Kushner entzogen worden ist."
Rubios Auftritt könnte in die Geschichte der Münchner Sicherheitskonferenz eingehen", notieren die LÜBECKER NACHRICHTEN: "Und zwar mit Sätzen wie diesen: 'Wir wollen keine Trennung', 'Wir wollen ein starkes Europa'. Äußerungen, die unter Joe Biden, Barack Obama oder George W. Bush in Deutschland und Europa freundlich zur Kenntnis genommen worden wären, weil sie gelebte Wirklichkeit waren. Aber in der zweiten Amtszeit von Trump, den nichts außer Geld und persönliche Macht interessiert, sind sie bemerkenswert. Zumal dieses Signal von Rubio, der sich wie Vance in Stellung für Trumps Nachfolge bringt, auch innenpolitisch zu verstehen ist. Seine Botschaft: Wir wollen doch keinen Bruch mit Europa", schlussfolgern die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Das HANDELSBLATT vermerkt in seiner Online-Ausgabe: "Wenn die US-Regierung tatsächlich an einem starken Europa interessiert wäre, würde sie ihren Zollkrieg beenden und die Waffenhilfen an die Ukraine wiederaufnehmen. Das Vertrauen ist zerstört. So gesehen kommt Rubios Rede ein Jahr zu spät – vielleicht aber auch noch rechtzeitig, um einen transatlantischen Restkonsens zu bewahren. Das wichtigste Ergebnis der Sicherheitskonferenz ist die Erkenntnis, dass Amerika weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Verteidigung Europa spielen will. Die NATO wird sich verändern, die Europäer werden mehr Lasten übernehmen, aber die Allianz wird nicht zerbrechen." Das war das HANDELSBLATT.
Die WELT AM SONNTAG blickt auf die Auftaktrede von Bundeskanzler Merz: "In bester bundesdeutscher Tradition verknüpfte er den Anspruch, als europäische Mittelmacht dem Gewicht gemäß politisch aufzutreten, dies aber nie im Alleingang zu tun, sondern nur im europäischen Verbund – mit oder ohne Washington. Ohne die Vereinigten Staaten hieße dies auch – Merz sprach es an –, ein Tabu zu brechen und eine europäische Nuklearabschreckung auf den Weg zu bringen. Der Kanzler ist darüber seit geraumer Zeit im Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. Sollte sich die französische Option zerstreuen, blieben weitere Möglichkeiten. In Skandinavien debattieren einige führende Sicherheitsexperten derzeit über die Frage, ob sich die Region im Verbund mit den Deutschen atomar bewaffnen sollte. Heute scheint selbst das möglich zu sein, was vor wenigen Monaten noch tollkühn geschimpft worden wäre", schreibt die WELT AM SONNTAG.
Die türkische Zeitung KARAR bezeichnet die Rede des Bundeskanzers als bedeutend, denn: "Merz betonte, dass die Sicherheit Europas künftig von Deutschland abhänge. Der Bundeskanzler verwies auf die Beistandspflicht im Vertrag über die Europäische Union. Damit wollte er deutlich machen, dass Deutschland die Sicherheit in der Region garantieren werde. Die Nachbarstaaten sollten keine Angst vor einem starken Deutschland haben. Man werde sich an die Verträge halten und mit Frankreich im Bereich der nuklearen Abschreckung zusammenarbeiten, betonte Merz." Das war KARAR aus Istanbul.
Deutschland und vier weitere europäische Länder haben nach eigenen Angaben Belege dafür, dass der Kremlkritiker Alexej Nawalny in russischer Haft vergiftet wurde. Dazu meint die britische Zeitung THE SUNDAY TELEGRAPH: "Als der russische Oppositionsführer Nawalny vor zwei Jahren in seiner Zelle in einer Strafkolonie starb, war die Schuld Wladimir Putins sofort offensichtlich. Seine Versuche, sich der Verantwortung zu entziehen, waren nie ernsthaft dazu bestimmt, die Öffentlichkeit zu überzeugen. Wie schon bei der Ermordung von Alexander Litwinenko und der Vergiftung von Sergei Skripal, spielte Putin eines seiner Lieblingsspiele: Er verübte eine Tat von auffälliger Brutalität, sodass kein Zweifel an seiner Verantwortung bestehen konnte. Putin versetzte seine Kritiker in Angst und Schrecken und leugnete gleichzeitig mit einem Grinsen, um den Schein zu wahren. Für den Tod Nawalnys muss Rechenschaft abgelegt werden, ebenso wie für die Zehntausenden Zivilisten und Soldaten, die bei Putins Invasion in der Ukraine getötet wurden, für die in Russland und im Ausland ermordeten Dissidenten und für die Opfer seiner internen Kriege", fordert THE SUNDAY TELEGRAPH aus London.
Zum Schluss geht es um ein ganz anderes Thema. Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER befasst sich mit der IT-Sicherheit in Europa: "Im Herbst gab der Internationale Strafgerichtshof ICC bekannt, seine Verträge mit Microsoft zu kündigen und stattdessen auf europäische IT-Systeme setzen zu wollen. Und als Donald Trump immer offener über seine Pläne einer Annexion Grönlands sprach, warnte die dänische Cyber-Sicherheit, der US-Präsident könne Dänemark binnen einer Stunde den Stecker ziehen. Nicht nur Dänemark hat die Risiken erkannt, sondern auch die EU-Kommission warnt vor einer Abhängigkeit solcher Technologien. Frankreich ist dabei, ein Verbot von US-Kommunikationsdienstleistern wie Zoom und Teams für Behörden einzuführen. Nun ist Protektionismus in Frankreich zwar nichts Neues, aber die Argumente sind stichhaltiger denn je. Es ist eine enorme, wenn nicht sogar unmögliche Aufgabe, sich von US-Techgiganten zu befreien, aber wir müssen es wenigstens versuchen", mahnt DAGENS NYHETER aus Stockholm.