26. Juli 2026
Die Presseschau

Heute geht es unter anderem um die Kabinettsumbildung in Deutschland und um die Proteste der sogenannten Kakerlaken-Bewegung in Indien.

Ein vom Rettungskoordinierungshubschrauber des französischen Zivilschutzes aus aufgenommenes Foto zeigt, wie der Airbus A400M erstmals Löschmittel über dem Waldbrand nahe Lacanau abwirft.
In der Presseschau am Sonntag geht es auch um die Waldbrände in Frankreich. (Pool Reuters / AP / dpa / Abdul Saboor)
Hören Sie aber zunächst einen Leitartikel aus der Pariser Zeitung LA TRIBUNE DIMANCHE zu den Waldbränden in Frankreich. "Wie lässt sich vermeiden, dass wir Sommer für Sommer solche Verwüstungen erleben müssen? Es gibt Antworten darauf, wie Innenminister Nuñez betont: eine pausenlose Wachsamkeit, die schonungslose Verfolgung von Brandstiftern, die vorsorgliche Stationierung von Einsatzkräften am Boden und konsequente Rodungen im Unterholz. Vor allem aber gilt es, uns deutlich wirksamer anzupassen. Im Laufe der Geschichte hat jeder Großbrand die Menschen gezwungen, ihre Schutzmaßnahmen zu überdenken", unterstreicht LA TRIBUNE DIMANCHE aus Frankreich.
Die WELT AM SONNTAG geht auf den neuen Posten für die bisherige Bundesgesundheitsministerin Warken ein. "Eine ideale Chefin des Bundeskanzleramtes. Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit Warken, der Vorsitzenden der Frauen-Union, eine gute Wahl getroffen. Mit der Juristin im Kanzleramt wird die Regierungsmaschine laufen, ohne ständig von ihr erklärt werden zu müssen. Der einzige Nachteil an ihrer Berufung ist: Sie verlässt das Gesundheitsministerium. Noch sind schwere Schubkarren in die Scheuer der Bundesregierung zu fahren: besonders die Pflegereform und der zweite, nicht weniger sperrige Teil der Gesundheitsreform. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, den der Kanzler nun ins Gesundheitsministerium entsendet, wird sich neu erfinden müssen", prophezeit die WELT AM SONNTAG.
"Warken hat geliefert", merkt DER TAGESSPIEGEL aus Berlin an. "Mit Mühen und unter massivem Widerstand hat sie ihr Sparpaket zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge kurz vor der Sommerpause durch den Bundestag und Bundesrat gebracht. Warken muss sich künftig dagegen nicht nur um Reformen bei der Gesundheit, sondern auch die bei Rente, Steuern und Arbeit kümmern. Manche sagen, als 'Chefin BK' werde sie nun wieder Generalistin. Vielmehr muss sie Spezialistin in allem werden. Sie muss sich überall gut auskennen, um sich gegen ihre neuen und alten Ministerkollegen durchsetzen zu können. In der Union verbinden nicht wenige mit ihr die Hoffnung, dass es mit ihr im Kanzleramt künftig noch mehr Frauen in Führungspositionen schaffen können", hebt DER TAGESSPIEGEL aus Berlin hervor.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG analysiert die jüngsten Personalentscheidungen Punkt für Punkt. "Erstens: Der Umbau läuft nicht rund, Namen werden durchgestochen, Spekulationen beunruhigen. Der Kanzler hat offenbar Verkehrsminister Patrick Schnieder entlassen, ohne einen Nachfolger zu haben. In der Hauptstadt kursiert eine Abschieds-SMS Schnieders und das Gerücht, der geplante Nachfolger Fritz Güntzler, ein Finanzpolitiker aus Niedersachsen, habe abgesagt. Zweitens: Der Kanzler war zu langsam. Er wusste zehn Tage lang von Spahns Leihmutter und erkannte die Brisanz nicht. Drittens: Die Union fühlte sich wegen der beschlossenen Reformpakete stabilisiert. Nun muss sie wegen Spahn erleben, wie ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen wird - mitten in Landtagswahlkämpfen. Viertens: Die Personaldecke wird immer dünner. Tagelang wurde in CDU-Kreisen erwogen, jemanden von der CSU zum Fraktionsvorsitzenden zu machen, nämlich Alexander Dobrindt. Das allein gilt in der CDU als Krisensymptom", betont die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
In Indien ist Bildungsminister Pradhan nach wochenlangen Protesten der sogenannten "Kakerlaken-Bewegung" zurückgetreten. "Der Minister hat das Richtige getan", schreibt THE INDIAN EXPRESS aus Mumbai. "Er hat Platz für jemanden gemacht, der sich nun das Vertrauen der Gemeinschaft der Studierenden verdienen muss. Einer Gemeinschaft, die als führerlose Protestbewegung zusammenfand und sich Gehör verschaffte. Die Themen Bildung und Arbeitslosigkeit sind entscheidend für das Wachstum einer Nation und prägen ihr eigenes Zukunftsbild. Beide Themen wurden seit Jahrzehnten nicht mit der gebotenen Dringlichkeit behandelt - und stehen nun im Mittelpunkt. Es ist das Verdienst der Kakerlaken-Partei und der Jugend, dass eine Regierung, die Demonstranten zu dämonisieren neigt, nun zuhört." Sie hörten einen Auszug aus dem INDIAN EXPRESS.
"Indiens Premierminister Modi scheint eine der größten Krisen seiner Regierungszeit abgewendet zu haben", urteilt die NEW YORK TIMES. "Er gab den Forderungen einer aufstrebenden Jugendbewegung nach - und in der Folge sagten deren Anführer die landesweiten Proteste ab. Die Zugeständnisse beinhalten den Rücktritt des Bildungsministers und stellen einen seltenen Rückzieher von Modi dar. Schließlich ist unter seiner Führung der Raum für Widerspruch in Indien - der größten Demokratie der Welt - stetig geschrumpft. Trotz der Aufforderung, die Proteste zu beenden, könnte die Bewegung fortbestehen, auch weil inzwischen Oppositionsparteien die jungen Menschen unterstützen. Die Ursachen der Wut spiegeln eine tiefe Unzufriedenheit mit einem maroden Bildungssystem und einem Mangel an Arbeitsplätzen wider." Sie hörten die NEW YORK TIMES.
Die NZZ AM SONNTAG aus der Schweiz blickt zurück auf die Entstehung der Bewegung. Ein hochrangiger Richter in Indien hatte junge Arbeitslose im Mai als "Kakerlaken" bezeichnet. "Der Ausdruck, der abwertend gemeint war, bewirkte das Gegenteil. Die Studierenden machten ihn zu einem Namen: 'Cockroach Janata Party'. Sie hat aber kein Parteibüro und kein Wahlprogramm. Die 'Partei' ist ein Witz, und der Witz ist der springende Punkt – die Gen Z in Indien hat sich eine Beleidigung zu eigen gemacht. Erst kursierten Memes auf Social Media. Doch angeheizt durch den Aktivisten Abhijit Dipke wurde daraus echter Protest. Die Forderung der jungen Menschen war von Anfang an: der Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan. Doch ihre Kritik ist umfassender. Das öffentliche Bildungssystem, so sagen sie, habe eine ganze Generation im Stich gelassen." Das war die NZZ AM SONNTAG.
Themenwechsel. Die spanische Zeitung EL PERIODICO DE CATALUNYA aus Barcelona blickt auf die geplante Reise des israelischen Regierungschefs Netanjahu zur UNO-Generaldebatte in New York im September. "New Yorks Bürgermeister Mamdani hat die USA - und das heißt konkret: Donald Trump - aufgefordert, Netanjahu festnehmen zu lassen. Er begründet dies damit, dass Israels Regierungschef ein Kriegsverbrecher sei. Natürlich wird es keine Festnahme geben - schon deshalb nicht, weil Washington die Autorität des Internationalen Strafgerichtshofs nicht anerkennt. Das ändert aber nichts daran, dass dies ein Schlag ins Gesicht des US-Präsidenten ist. Donald Trump hat sich von Israel in einen Krieg gegen den Iran hineinziehen lassen, aber die Konsequenzen werden allein die USA ausbaden müssen. Israel gilt als Vorposten des Westens im Nahen Osten, verfolgt dort aber seine eigene Linie, auch gegenüber dem Libanon und in Syrien. Und was Palästina betrifft: Sein Schicksal ist besiegelt. Mamdani mag prüfen, welche Befugnisse er hat. Aber die Politik der Landnahme im Westjordanland geht unaufhörlich weiter", gibt EL PERIODICO DE CATALUNYA zu bedenken.
"Derzeit leben rund 700.000 Siedler im besetzten Westjordanland", merkt YENI SAFAK aus Istanbul an. "Die Europäische Union stuft die Siedlungen zwar als völkerrechtswidrig ein. Sie beschränkt sich aber darauf, diese lediglich zu verurteilen. Die Exporte aus den Siedlungen in die EU gehen weiter, und die EU verhängt nur symbolische Sanktionen gegen eine sehr kleine Zahl von Siedlern. Unterdessen setzt die israelische Regierung Netanjahus Pläne zur schrittweisen Annexion des Westjordanlandes um. Eine Entscheidung der EU-Außenminister über Handelssanktionen kam zuletzt nicht zustande und wurde vertagt. Israel schreckt vor nichts zurück, während die EU weiterhin an bloßen Notlösungen festhält. Der einzige Weg, den Siedlungsbau zu stoppen, sind umfassende Sanktionen gegen Israel", zeigt sich die türkische Zeitung YENI SAFAK überzeugt.