16. August 2026
Die Presseschau

Themen sind unter anderem der Krieg im Iran und der Rücktritt von Karoline Leavitt, der Sprecherin von US-Präsident Donald Trump. Zunächst geht es jedoch um die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt.
Ein Thema in den Kommentaren: Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, gibt ihren Posten ab (Archivbild). (AP / Evan Vucci)
Zwei Wochen nach der massenhaften Ankunft von Migranten haben sich die Befürchtungen eines neuen Andrangs nicht bestätigt. Die spanische Zeitung ABC warnt dennoch: "Der illegale massenhafte Grenzübertritt war ein schwerer Angriff, der unseren Staat in seinen Grundfesten erschüttert hat. Es geht deshalb nicht nur um administratives Versagen, sondern vielmehr um die Verteidigung unseres Staatsgebiets und damit um die Frage der Machtausübung. Es ist sicher auch kein Zufall, dass die größten Migrationswellen mit souveränen Entscheidungen des spanischen Staates zusammenhängen, die Marokko besonders unliebsam waren. Wenn jedoch Migration als Mittel der Erpressung genutzt wird, muss Spanien in der Lage sein, entsprechend zu reagieren. Laut Verfassung haben die Streitkräfte den Auftrag, die territoriale Integrität des Landes zu verteidigen, und es gibt weitere Gesetze zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit. Die Frage ist also nicht, ob wir über die Instrumente verfügen, sondern ob sie aktiviert werden. Und da hat die Zentralregierung versagt", urteilt ABC aus Madrid.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN beschäftigt sich mit dem Iran-Krieg und stellt fest: "An diesem Wochenende läuft die 60-Tage-Frist für die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine abschließende Einigung aus. Das Memorandum, das eigentlich zur Öffnung der Straße von Hormus oder zur Lösung des Atomstreits hätte führen sollen, hat längst seine Bedeutung verloren. Donald Trump und seine Regierung haben inzwischen ihre Perspektive auf einen Ausweg aus dem Konflikt verloren. Sie versuchten, den Konflikt mit drei Mitteln zu beenden: militärischen Angriffen, wirtschaftlichem Druck und diplomatischen Verhandlungen. Mit keinem dieser Ansätze gelang jedoch ein Durchbruch. Für Washington bleiben nun kaum noch Optionen", so die Einschätzung von NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
"Ein knappes halbes Jahr nach dem Angriff auf den Iran befindet sich die Trump-Regierung in einer ausgesprochen schwierigen Lage", betont die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY: "Die öffentliche Zustimmung zu dem inzwischen als aussichtslos erkannten Krieg schwindet, Trumps Popularität ist im Keller, und er sieht sich mit steigender Inflation, explodierenden Treibstoffpreisen und dem drohenden Verlust seiner Mehrheit im Kongress konfrontiert. All dies könnte ihn in den verbleibenden zwei Jahren seiner letzten Amtszeit politisch handlungsunfähig machen. Im Grunde bleibt ihm kein anderer Ausweg, als sich vollständig aus dem Krieg zurückzuziehen – eine Entscheidung, die er allein schon aufgrund seines narzisstischen und arroganten Charakters nicht treffen kann", vermutet AL QUDS AL-ARABY mit Sitz in London.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG beschäftigt sich mit den Maßnahmen zur Drohnenabwehr, die Bundesinnenminister Dobrindt nach dem Vorfall mit einer sprengstoffbeladenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle angekündigt hat: "Wenn der Innenminister jetzt die Zahl der Drohnenabwehrkräfte auf 300 erhöhen will, wirkt das hilflos. Das deutsche Höchstspannungsnetz hat Hunderte von Verteilnetzpunkten, die Bundeswehr verfügt über tausend Liegenschaften, die Bahn über Tausende von Bahnhöfen. Da kann nicht überall ein Abwehrtrupp stehen. Wenn zur Jahreswende die Reform des Bundesnachrichtendienstes das Parlament passiert hat, kann Deutschland hybride Angriffe mit 'erweiterten nachrichtendienstlichen Maßnahmen' beantworten. Nach Abschnitt vier des Gesetzentwurfs wird dann vieles möglich, vom 'Handeln im Informationsraum' bis hin zum 'physischen Wirken'. Man kann das alles auch sein lassen. Das wäre dann allerdings eine Einladung zum nächsten Angriff", warnt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG am Sonntag aus der Schweiz beleuchtet die Aufrüstungspläne Deutschlands: "Bis 2030 will die Regierung über 700 Milliarden Euro ausgeben, weit mehr, als jeder andere große Staat in der EU aufbringen könnte. Aber schon bei der geplanten personellen Aufstockung der Bundeswehr wird das Bild differenzierter. Die größte Armee in Europa solle sie werden, kündigte Kanzler Merz an – von derzeit 186.000 aktiven Soldaten soll sie auf 260.000 wachsen, dazu kämen noch 200.000 in der Reserve. Es ist eine etwas vollmundige Ansage: Polen hat genau dasselbe vor, Frankreich zählt bereits jetzt mehr kampfbereite Soldaten. In Wahrheit hat die Bundeswehr schon Mühe, Männer und Frauen für ihre Panzerbrigade in Litauen zu finden, die bis Ende 2027 stehen soll, und lockt verzweifelt mit allerlei Vergünstigungen. Der ältere Teil der deutschen Bevölkerung unterstützt die Vergrößerung der Bundeswehr, zwei Drittel der 18- bis 29-Jährigen aber lehnen sie ab. Sie wären ja von einer Wiedereinführung der Wehrpflicht betroffen, die unter Angela Merkel ausgesetzt worden war. Unter den jungen Deutschen formiert sich Widerstand", beobachtet die NZZ.
Der Rechtspopulist Nigel Farage kehrt als Abgeordneter ins britische Unterhaus zurück, nachdem er eine von ihm selbst ausgelöste Nachwahl in seinem Wahlkreis Clacton gewonnen hat. Trotz seines Wahlerfolgs steht der Vorsitzende von Reform UK jedoch weiterhin wegen der Parteifinanzen unter Druck. Die britische Zeitung THE INDEPENDENT kommentiert: "Die Untersuchung bezüglich der 5-Millionen-Pfund-Schenkung beziehungsweise Spende wird nun fortgesetzt, und Farage muss dabei kooperieren. Ebenso werden die berechtigten Presseanfragen und polizeilichen Ermittlungen zu verschiedenen weiteren Aspekten der Finanzen von Reform UK nicht nachlassen. Die Finanzierung jeder politischen Partei, die den Anspruch erhebt, Regierungsverantwortung zu übernehmen, sollte offen und transparent sein. Das geht auch uns alle etwas an. Es handelt sich dabei nicht um eine 'Verschwörung des Establishments'. Jede politische Partei, auch jene, die Farage gern und durchaus absurd als Teil des 'Establishments' abtut, hatte bereits ihre Finanzskandale und musste erklären, was schiefgelaufen ist. Sollte dies auch auf ihn zutreffen, dann muss sich Farage derselben Prüfung stellen", findet THE INDEPENDENT aus London.
USA TODAY geht in ihrer Oline-Ausgabe ein auf den Rücktritt der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Die Zeitung hebt hervor, Leavitt verdiente fast... "200.000 Dollar im Jahr damit, die Pressevertreter im Weißen Haus zu belügen und zu beleidigen. Während ihrer Amtszeit bezeichnete Leavitt den Jeffrey-Epstein-Skandal beiläufig als 'Schwindel', legitimierte rechtsextreme Spinner, die sich als Journalisten ausgaben, indem sie ihnen die Teilnahme an den Pressekonferenzen im Weißen Haus gestattete, und tat die parteiübergreifende Empörung über ein extrem rassistisches Video, das Trump gepostet hatte und in dem die Obamas als Affen dargestellt wurden, als 'vorgetäuschte Empörung' ab. Ein Pressesprecher im Weißen Haus unter Trump ist wie ein Pulloverladen in einer FKK-Kolonie – man kann einen haben, aber niemand weiß so recht, warum er dort ist", lesen wir in USA TODAY aus New York.
Die Online-Ausgabe von DIE WELT bilanziert mit Blick auf Leavitt: "Um Trump errichtete sie einen Schutzwall, der besser funktionierte als alles, was an der mexikanischen Grenze je geplant war. Und er bot natürlich schnell gefundenes Fressen. Demokraten, Feministinnen und sonstiger Anhang der Woke-Bewegung stürzten sich auf Leavitt. Warum ist sie weiß, warum blond, wie kann man im Barbie-Look so ein Amt bekleiden? Eine typische Reaktion, die – wenn sie von rechts käme – mindestens Bodyshaming, wenn nicht sogar Rassismus genannt werden dürfte. Am Ende bleibt eine junge Frau, die Karriere gemacht hat, zwei Kinder großzieht, politisch erfolgreich ist und sich nun bewusst mehr Zeit für ihre Familie nimmt. Eigentlich müsste das eine Erfolgsgeschichte sein. Ist es auch." Und mit diesem Auszug aus der WELT AM SONNTAG endet diese Presseschau.