
"Seit gestern werden fünf Prozent der kanadischen Exporte in die USA mit 50-Prozent-Zöllen verteuert. Kanadas Regierungschef Mark Carney ließ Last-Minute-Gespräche platzen und schwört, jeden Dollar mit Gegenzöllen zu vergelten. Seine Bevölkerung weiß er hinter sich. Das zeigt: US-Präsident Donald Trump hat seine Aura des Schreckens verloren. Als er nur gedroht hatte, wurde er noch gefürchtet. Doch seit er tatsächlich zur Tat schreitet, kann die ganze Welt dabei zusehen, wie seine Macht schwindet. Anfangs hat sich nur die autokratische Weltmacht China gegen Donald Trump gestellt. Er musste rasch einlenken. Danach widersetzte sich ihm Iran, eine diktatorisch geführte Theokratie. An den Mullahs beißt sich Trump seither die Zähne aus. Nun wagt mit Kanada auch eine demokratische Mittelmacht den offenen Bruch mit den USA. Das Land hat mitbekommen, dass Donald Trumps Drohungen allzu oft hohle Phrasen sind und eine Konfrontation mit ihm nicht den Untergang bedeuten muss", analysiert die NZZ AM SONNTAG.
Nun zum Iran. Die 60-Tage-Frist für den Abschluss eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran sei ergebnislos verstrichen, bemerkt die spanische Zeitung EL DIARIO. "Laut US-Präsident Donald Trump sind keine neuen Verhandlungen mit dem Iran geplant. Die angedrohte Verschärfung der Sanktionen ist eine schlechte Nachricht für Teheran, aber das Regime ist widerstandsfähig und wird unter anderem von China unterstützt. Vermutlich wird Donald Trump früher einknicken als der Iran und dafür irgendeine fadenscheinige Ausrede nutzen. Doch selbst wenn er beschließen würde, diesem Albtraum auf der Stelle ein Ende zu bereiten, ist der Schaden bereits angerichtet. An der Spitze der globalen Supermacht steht ein größenwahnsinniger, inkompetener und autoritärer Präsident ohne Moral, der seine Verachtung für alles und jeden zur Schau stellt, was nicht seinem Ego dient", urteilt EL DIARIO aus Madrid.
US-Präsident Trump hat einen umfassenden Wirtschaftskrieg gegen den Iran angekündigt. Die türkische Zeitung HÜRRIYET konstatiert: "Trump befindet sich in einer misslichen Lage. Da die Zwischenwahlen in den USA im November stattfinden, ist es offensichtlich, dass er sich nicht auf einen kostspieligen Krieg einlassen kann. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Trump erklärte, es gebe keine Gespräche und keine Pläne. Die USA würden den größten Wirtschaftskrieg der Geschichte gegen Teheran führen. Zwar ist die derzeitige Situation festgefahren, aber es ist auch klar, dass dies nicht über Monate so weitergehen wird. Der Iran droht seinerseits mit einer maximal aggressiven Position. Trumps Politik der wirtschaftlichen Strangulierung hat begonnen, den Iran zu ersticken", beobachtet HÜRRIYET aus Istanbul.
Nach Informationen der Zeitung THE SUNDAY TELEGRPAPH ist es Hackern, die dem Iran nahestehen sollen, gelungen, im Rahmen einer größeren Cyberattacke auch erstmals ein britisches Kraftwerk für mehrere Tage lahmzulegen. Die Zeitung spricht von einem Weckruf. "Wer kann glaubhaft behaupten, dass der Kampf gegen das iranische Regime jetzt nichts mehr mit Großbritannien zu tun hat? Das Land muss die Warnungen, dass seine lebenswichtigen Versorgungssysteme anfällig für feindliche Angriffe sind, weitaus ernster nehmen. Großbritannien muss wachsamer gegenüber Teherans Versuchen sein, Fehlinformationen in der britischen Gesellschaft zu verbreiten. Vor allem aber muss es in der Lage sein zu erkennen, dass der Iran ein feindlicher Staat ist, der darauf aus ist, den Westen und unsere Lebensweise zu untergraben. Die Ayatollahs werden nicht eines Morgens aufwachen und plötzlich ein Bekenntnis zur liberalen Demokratie und zum friedlichen Zusammenleben abgeben. Die Meinungen darüber, wie man Teheran entgegentreten sollte, werden auseinandergehen. Doch die Selbstgefälligkeit gegenüber der Bedrohung durch das iranische Regime muss ein Ende haben", fordert THE SUNDAY TELEGRPAPH aus London.
Nun nach Deutschland. Bundeskanzler Merz hat vor der anstehenden Kabinettsklausur den Bereich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung als das wichtigste Thema bezeichnet. "Deutschlands Krise ist viel größer als Merz", titelt die österreichische Zeitung PRESSE AM SONNTAG. "Die Annahme ist ein Irrtum, dass Deutschland oder auch nur die CDU zuallererst ein Personalproblem haben. Diese Krise geht tiefer. Sie ist strukturell. Das Problem mit der Brandmauer würde jeder Merz-Nachfolger erben. Und wegen des Erstarkens der AfD wird es immer größer werden. Im Osten bröckelt diese Brandmauer da und dort bereits. Dort würden manche lieber mit zugehaltener Nase mit der Rechten kooperieren, als sich dauerhaft an Parteien links der Mitte binden zu müssen. Im Westen dagegen könnte eine Aufgabe der Brandmauer die Partei zerreißen. Eine Zwickmühle. Wer auch immer diese Republik regiert, steht vor demselben Grundproblem: Die fetten Jahre sind vorbei. Nur zur Erinnerung: Binnen kurzer Zeit sind Deutschland zwei tragende Säulen des Erfolgsmodells weggebrochen: die billige Energie aus Russland und die kaum stillbare Nachfrage nach deutschen Maschinen und Autos aus China. Die Politik muss nun rasch die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die Schlüsselfrage lautet, ob Merz und die angezählte SPD-Führung noch die Kraft aufbringen, um diese Reformen unverwässert durchs Parlament zu bringen. Wahrscheinlich ist es nicht", vermutet die PRESSE AM SONNTAG aus Wien.
Auch die BILD AM SONNTAG thematisiert die Führungsrolle des Bundeskanzlers: "Friedrich Merz ist nun auch sichtbar aus dem Urlaub zurück - und hat vor der Brust, was schon vorher genau dort war: ein Krisen-Land, eine Krisen-Koalition und seine eigene Krisen-Kanzlerschaft. Neu sind Putschgerüchte gegen ihn. In der Eifel wird er ausgepfiffen. Keine Frage: Merz ist ein Kanzler in der Krise. Da geht es ihm wie unserem Land. Die Frage ist: Kann er sich aus der Krise führen - und damit auch das Land? Bei dem, was er nun nach seinem Urlaub gesagt hat, klingt er, als habe er verstanden. Als nehme er die Krisen-Beschreibung an - wenn auch nicht in dunkelsten Untergangs-Farben. Die Strukturprobleme unseres Landes - unübersehbar wie ein gestrandeter Tanker am Strand - sind nicht von ihm verschuldet. Aber hat er Besserung geliefert? Wächst die Wirtschaft? Haben wir mehr Netto vom Brutto? Kann die Bundeswehr mit den Giga-Schulden jetzt das Land verteidigen? Lässt er den Finanzminister sparen oder weiter an der Abgabenschraube drehen? Wo werden die Mega-Schulden für die Infrastruktur eigentlich zum Besseren verbaut? Wann geht es um: Deutschland? Wachstum und Beschäftigung - das ist das wichtigste Thema", unterstreicht die BILD AM SONNTAG.
Die BSW-Führung im Bund zeigt sich offen für eine Annäherung an die AfD in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die WELT AM SONNTAG kritisiert den Kurswechsel von Parteigründerin Wagenknecht: "Damit offenbart ihr Hang zur Destruktivität seine verantwortungslose, antipolitische Seite. Das BSW trat mit dem Ziel an, die Arbeiter der AfD abspenstig zu machen, indem es deren nationalistische, migrationsfeindliche und russlandfreundliche Parolen übernahm. Nun betätigt sich die Gründerin und Galionsfigur der angeblich linken Partei als Steigbügelhalterin der extremen Rechten. Wagenknecht hantiert nun mit der Parole einer 'ostdeutschen Demokratie', die volksnäher sein soll als die 'westdeutsche Demokratie' - also die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik. Wagenknecht wird kaum die Ausdauer aufbringen, die dicken Bretter zu bohren, auf die es jetzt ankommt. Vielmehr wird sie auch der nächsten hastig zusammengenagelten Hütte - wie 'Aufstehen' und dem BSW - irgendwann einen Tritt versetzen und sie zum Einsturz bringen", erwartet die WELT AM SONNTAG.
