
Dazu schreibt die österreichische Zeitung KURIER: "Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg könnte eine 'gesichert rechtsextreme' Partei die Macht in einem deutschen Bundesland übernehmen. Ob sie das wirklich tut, ist ungewiss - AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat angekündigt, nur mit absoluter Mehrheit zur Wahl des Ministerpräsidenten im Landtag anzutreten. Klar, demokratische Mehrheitsbildung ist für Rechtsextreme unerträglich. Aber egal, ob die AfD Sachsen-Anhalt letztlich regiert oder nicht: Es ist eine politische Zäsur, dass Deutsche wieder bereit sind, explizite Anti-Demokraten an die Macht zu wählen. Daher wird man wahrscheinlich noch in Jahren von diesem 6. September sprechen", meint der Wiener KURIER.
Die LÜBECKER NACHRICHTEN sehen nun die Politiker der Großen Koalition gefordert: "Ob die AfD in Magdeburg an die Macht kommt oder nicht – Union und SPD müssen ihre Koalition im Bund unabhängig davon in ruhiges Fahrwasser bringen, den Sinn der anstehenden Reformen besser als bisher erklären und diese schnell beschließen. Und wenn sie verschiedener Meinung sind, was natürlich legitim ist, dann müssen sie in diesen aufgeregten Zeiten dennoch still zu einem Ergebnis kommen. Und zwar zu einem, das sozialer Gerechtigkeit und Stärkung der Wirtschaft entspricht. Das hatten sie sich doch zugetraut. Vor allem aber müssen SPD und CDU in vielen Landstrichen wieder mehr bei den Menschen vor Ort sein. So wie sie es jetzt im Wahlkampf auch getan haben. Es führt kein Weg daran vorbei, dass Christ- und Sozialdemokraten genau dorthin gehen, wo sich die AfD als Kümmererpartei mit Hetze gegen die sogenannten etablierten Politiker breit gemacht hat. Man kann nicht oft genug daran erinnern, dass die letzte demokratische Regierung vor der Naziherrschaft am Streit über die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung zerbrach. Bruchpotenzial hat die jetzige schwarz-rote Koalition genug", mahnen die LÜBECKER NACHRICHTEN.
"Friedrich Merz wollte Kanzler werden", schreibt die NZZ am Sonntag und führt weiter aus: "Nicht Parteivorsitzender, nicht Minister, nein, Kanzler. Ein Traum, der ihm viel Geduld abgerungen hat. Doch nach vielen Jahren des Wartens ging er im Mai 2025 endlich in Erfüllung. Mittlerweile ist daraus ein Albtraum geworden. Buhrufe und Beleidigungen gehören für Merz zum Alltag. 'Kriegstreiber', 'Pinocchio' und 'Rücktritt' riefen ihm dieser Tage Passanten bei einem Wahlkampfauftritt im ostdeutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern entgegen. In Sachsen-Anhalt schirmte man ihn direkt von den Bürgern ab. Nur zwei Termine hatte der Kanzler im Wahlkampf des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze, beide nicht für die breite Öffentlichkeit. Doch der Albtraum könnte bald enden. Eine krachende Niederlage der CDU heute, am Sonntag, in Sachsen-Anhalt oder am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern könnte weitreichende Folgen für Merz haben. Dann wird wieder die Kanzlerfrage gestellt. 'Merz muss weg' – wird es heißen. Er kann es einfach nicht, werden sie selbst in seiner eigenen Partei lästern", befürchtet die NZZ am Sonntag aus Zürich.
Die WELT AM SONNTAG erinnert: "Union und SPD sind vor 15 Monaten angetreten, das Land auf Vordermann zu bringen. Das Geld dafür haben sie sich mit gigantischen Schulden verschafft. Was fehlt, sind die Reformen, die für mehr Wachstum sorgen. Und selbst das, was das Kabinett beschlossen hat, wird aus Angst vor Wählern, die nach und nach zur AfD überlaufen, von Ministerpräsidenten der eigenen Koalitionsparteien so lange zerredet, dass aller Optimismus auf der Strecke bleibt. So saniert man kein Unternehmen. Und erst recht kein Land. Gerhard Schröders Kanzlerschaft wird für immer mit den wirtschaftlichen Erfolgen der Agenda-Jahre verbunden bleiben. Obwohl er nur knapp sieben Jahre regiert hat. Er hat gewagt und politisch verloren. Das Land aber hat davon profitiert. Friedrich Merz ist in einem Alter, in dem er nicht zwangsläufig auf die Wiederwahl schielen muss. Das ist seine Chance. Er kann dieses Land grundlegend neu aufstellen, so wie Vorstandschef Oliver Blume es nun mit VW angeht. Wenn Merz diese Chance nicht nutzt, verspielt er mehr als seine Kanzlerschaft", warnt die WELT AM SONNTAG.
DER TAGESSPIEGEL kommentiert den Hackerangriff auf die Berliner Senatsverwaltung: "Die Verantwortung für dieses Verbrechen liegt ganz klar bei den Erpressern. Die Verantwortung dafür, dass dieses Verbrechen geschehen konnte und wie der Senat damit umgeht, liegt allerdings woanders. Und das macht fassungslos. Es mangelt nicht nur an Technik und Geld, sondern auch an einer Kultur, die die Gefahr von Cyberkriminalität ernst nimmt. Nicht nur bei den Mitarbeitern in der Verwaltung. Dass auch Daten zur kritischen Infrastruktur gehören, nicht nur Hochspannungskabel, scheint sich in den Führungsebenen noch nicht herumgesprochen zu haben. Dass die Berliner Innensenatorin Iris Spranger zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner am Abend dieses Anschlags auf die Hauptstadt dem Ballsport frönt – und sei es dieses Mal auch nur als Zuschauerin bei der Basketball-WM –, ist da fast eine Randnotiz. Aber sie passt eben leider sehr gut ins Muster", unterstreicht DER TAGESSPIEGEL aus Berlin.
Britische Zeitungen befassen sich mit dem Haushaltsdefizit in Großbritannien. Die Staatsverschuldung in Großbritannien hat drei Billionen Pfund erreicht, umgerechnet knapp 3,5 Billionen Euro. Der Londoner SUNDAY TELEGRAPH meint: "Diese gigantische Zahl sollte in jeder Nachrichtensendung an erster Stelle stehen, jede Parlamentsdebatte dominieren und jeden Wahlkampf bestimmen. Warum wollen wir uns damit nicht auseinandersetzen. Liegt es daran, dass wir Zahlen in solch galaktischem Ausmaß nicht begreifen können? Haben wir uns nach den Bankenrettungen von 2008 und vor allem nach den Kurzarbeitergeldzahlungen von 2020 an staatliche Ausgaben gewöhnt, die früher als inakzeptabel gegolten hätten?Haben wir diese erschreckende Summe in den entlegensten Winkel unseres Bewusstseins verdrängt? Oder haben wir sie im Gegenteil zur Normalität gemacht? Vielleicht erhalten Sie eine letzte Mahnung von einem Gläubiger. Vielleicht kommen Sie jedes Mal an dem Brief mit der wütenden roten Schrift vorbei, wenn Sie zur Haustür gehen. Aber wenn Sie ihn lange genug ignorieren, nehmen Sie seine Anwesenheit irgendwann nicht mehr wahr. Auf Haushaltsebene weiß jeder, dass ein solches Verhalten selbstzerstörerisch ist. Der jüngste Anstieg der Kreditkosten wird traumatisch sein", prophezeit der britische SUNDAY TELEGRAPH.
Im britischen Dover haben vermummte Demonstranten aus Protest gegen irreguläre Migration gestern den Fährverkehr vorübergehend lahmgelegt. Im britischen INDEPENDENT heißt es dazu: "Eine nachhaltige Einwanderung trägt zum Wohlstand, zur Dynamik und zum kulturellen Reichtum der Nation bei. Wir befürworten keine offenen Grenzen, unterstützen aber faire Regeln, um zu entscheiden, wer das Land betreten darf und wer nicht – sei es vorübergehend oder um sich hier niederzulassen. Die Ankunft ungebetener Migranten mit Schlauchbooten über den Ärmelkanal verstößt gegen dieses Prinzip, und wir erwarten von der Regierung, dass sie diesem gefährlichen Schmuggel ein Ende setzt. Gleichzeitig wollen wir sichere und legale Wege für echte Flüchtlinge eröffnen. Die Demonstranten trugen schwarze Kleidung, was ganz offensichtlich darauf abzielte, sie wie eine paramilitärische Truppe aussehen zu lassen. Ihr Protest war einschüchternd, hässlich und unbritisch. Einschüchterung und Behinderung haben nichts mit Patriotismus zu tun. Wir sollten erleichtert sein, dass die Demonstration ohne Gewalt verlief. Doch es sollte klargestellt werden, dass alle weiteren bedrohlichen Protestaktionen nicht toleriert werden", unterstreicht der Londoner INDEPENDENT.
