
Eine wichtige Öl-Pipeline durch Saudi-Arabien wurde nach Angriffen vorerst abgeschaltet, und die pro-iranische Huthi-Miliz hat die Kontrolle über Inseln in der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer übernommen. Die panarabische Zeitung ASHARQ AL-AWSAT kommentiert: "Durch die militärischen Erfolge der letzten Tage ist der Iran nun in der Lage, den Öltransport durch die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab zu unterbrechen. Immer mehr zeigt sich, dass die Huthi-Miliz massiv unterschätzt wurde. Es handelt sich bei ihr mitnichten um ein lokales Problem im Jemen. Denn tatsächlich ähneln die Huthis der Hisbollah im Libanon und den Taliban in Afghanistan. Die Bedrohung durch solche bewaffnete Gruppen einzudämmen, erfordert internationale Anstrengungen", fordert die Zeitung ASHARQ AL-AWSAT, die in London ansässig ist.
Die Zeitung PAKISTAN TODAY aus Lahore sieht ein weiter steigendes Konfliktpotenzial: "Die Auseinandersetzungen in der Straße von Hormus könnten angesichts einer noch größeren Krise im Roten Meer zweitrangig erscheinen. Die Eindämmung des Vormarsches der Huthi dürfte den Staaten der Region auf die Nerven gehen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass bisher unbeteiligte Akteure in den Konflikt hineingezogen werden."
In der japanischen ASAHI SHIMBUN geht es um strategische Gründe für das Vorgehen der Huthi. "Das Ziel der Miliz ist ihr eigenes Überleben. Es ist gut vorstellbar, dass die Huthi ihre Macht festigen wollten, indem sie mit den jüngsten Angriffen dem Iran einen Gefallen tun. Für Teheran ist die Unterstützung willkommen - eine Win-Win-Situation. Sollte die Schifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab nun eingeschränkt werden, ist weltweit eine deutliche Steigerung der Rohöl-Preise zu befürchten. Davon wären vor allem Japan und die anderen ostasiatischen Staaten betroffen. Der Iran und die Huthi hoffen wohl, dass die Verbündeten der USA jetzt den Druck auf Washington erhöhen", vermutet ein Gastkommentator in der ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Eine wichtige Öl-Pipeline durch Saudi-Arabien ist nach Angriffen aus dem Irak vorerst stillgelegt worden. Das indische Nachrichtenmagazin THE WEEK notiert: "Der Angriff hat einen subtilen Zweck. Er zeigt, dass die Blockade der Straße von Hormus nicht das einzige Mittel Teherans ist. Wenn die Leitung quer durch Saudi-Arabien von pro-iranischen Kräften im Irak unterbrochen werden kann, gehen am Golf die Alternativen zu Hormus aus. Außerdem sinkt die Verlässligkeit der Sicherheitsarchitektur, die Saudi-Arabien, die USA und auch Pakistan versucht haben, aufzubauen. Diese asymmetrische Kriegsführung zielt also auch auf Zusammenhalt von Bündnissen ab," heißt es in einem Kommentar des Magazins THE WEEK aus der indischen Stadt Kochi.
Die NEW YORK TIMES blickt auf den Gipfel der BRICS-Staaten im indischen Neu-Delhi: "Die Staats- und Regierungschefs von China, Indien und Russland haben an diesem Wochenende etwas, was Washington nicht hat: einen Platz am Verhandlungstisch mit dem Iran. Trotzdem sind die Erwartungen gering, dass die BRICS eine Lücke schließen können und in der Lage sein werden, eine diplomatische Lösung in Nahost zu vermitteln. Die Gruppe ist vor allem durch Spannungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten gespalten", stellt die NEW YORK TIMES fest.
Ein Kommentator des US-Nachrichtenportals COMMON DREAMS hält die langfristige Strategie Washingtons für falsch: "Die missliche Lage der US-Regierung lässt sich nicht allein durch erschöpfte Waffenarsenale, mangelhafte militärische Planung, Trumps Impulsivität oder Netanjahus Manipulationen erklären. Es liegt auch nicht nur daran, dass der Iran unterschätzt wurde. Das tiefgreifendere Versagen ist in Washingtons Versuch begründet, einem Nahen Osten – und einer Welt –, die sich grundlegend verändert haben, ein veraltetes Modell regionaler Vorherrschaft aufzuzwingen", lautet eine Analyse des Nachrichtenportals COMMON DREAMS mit Sitz in Portland.
Die Zeitung ND.DER TAG kritisiert die AfD für ihre Position zu den hohen Treibstoffpreisen in Deutschland: "Dass die Mineralölkonzerne die internationale Krisenlage ausnutzen, um beim Spritpreis noch einiges draufzuschlagen, ist allzu offensichtlich. Ausgerechnet die Partei, die hierzulande den tumben (Rechts-)Populismus auf die Spitze treibt, hat allerdings so gar kein Problem mit dem Gebaren von Shell, BP & Co. Nach Ansicht der AfD verhalten diese sich lediglich marktkonform. Schuld ist nur der böse Elitenstaat mit seinen hohen Steuern und seinem Klimagedöns-CO2-Preis. Dabei weiß selbst der – bestimmt nicht grün-links versiffte – Autofahrerlobbyclub ADAC, dass der stark gestiegene Rohölpreis, der mit den aktuellen saudischen Öltransportproblemen noch weiter klettern dürfte, das Preisniveau an den Tankstellen bei Weitem nicht rechtfertigt. Dies ist ein klarer Fall von Marktversagen, das die AfD aus ideologischen Gründen nicht kennt", urteilt ND.DER TAG.
Vor genau einer Woche war die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Zum dortigen Erfolg der AfD titelt die WELT AM SONNTAG "Berlin ist nicht Weimar" und führt aus: "Die AfD hat die Wahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. Die Bundesrepublik hält Ulrich Siegmund in der Magdeburger Staatskanzlei aus. Sollte er das Grundgesetz missachten, verfügt unser Staat über genügend Waffen, um ihn in die Schranken zu weisen: vom Parteienverbot nach Artikel 21 bis zum Verbot verfassungsfeindlicher Vereinigungen nach Artikel 9, vom Ausschluss verfassungsfeindlicher Parteien von der staatlichen Finanzierung (Artikel 21) bis zum Homogenitätsgebot nach Artikel 28, von der Ausrufung des Inneren Notstandes nach Artikel 91 bis zum Bundeszwang nach Artikel 37. Die AfD möchte den Marsch durch die Institutionen antreten. Bitte schön! Alle, dies versucht haben, hat dieser Staat mehr verändert, als die Angetretenen den Staat verändert haben", ist die WELT AM SONNTAG überzeugt.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG greift das schlechte Abschneiden deutscher Schulkinder bei der neuen PISA-Studie auf: "Diese Fehlentwicklungen nur auf die stärkere Nutzung sozialer Medien und Bildschirmzeit zu schieben, wäre zu einfach. Natürlich spielt grenzenlose Handynutzung eine Rolle. Aber die gibt es auch in anderen Staaten. In Estland gibt es schon seit Jahren digitale Lernbedingungen. Die Kinder sammeln schon im Kindergarten Erfahrungen mit algorithmischem Denken, indem sie mit Lern-Robotern umgehen. Gleichzeitig investiert das Land in digitale Lernplattformen, digitale Schulbücher, aber auch in kontinuierliche Fortbildungen seiner Lehrer. Estnische Schüler lesen begeistert, und zwar nicht nur digital. Deutschland wird nur aus dem Leistungstief herauskommen, wenn sich die fehlende Anstrengungsbereitschaft der Schüler nicht auch auf die Verantwortlichen in Schule und Politik überträgt", heißt es in der FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
In dieser Woche endete die Amtszeit von Annalena Baerbock als Präsidentin der UNO-Generalversammlung. Die LÜBECKER NACHRICHTEN warnen vor nicht angemessener Kritik an ihrer Person: "Baerbock setzte den Beschränkungen des Amtes einen frischeren Ton und klaren Wertekompass entgegen, eine Fortsetzung ihrer Akzente als Außenministerin. Sie lebte ihr Amt zu Recht zugänglicher für die Presse aus und selbst die eigenen Instagram-Clips ergeben auf der Suche nach einem breiteren Publikum für UNO-Themen einen Sinn. Man muss das Urteil über ihre Amtszeit nicht unnötig abfedern, schließlich hat sie sich den Posten offensiv von einer eigentlich dafür vorgesehenen und jahrelang verdienten deutschen Diplomatin geschnappt. Aber dass Baerbock in vielen ihrer Themen kaum vorangekommen ist, hat mehr mit der UNO und weniger mit ihr als Person zu tun". Das waren die LÜBECKER NACHRICHTEN zum Abschluss der Presseschau.
