
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG blickt auf "sozialistische Antworten" der Parteien auf den Wohnungsmangel in Berlin: "Die Linkspartei, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU liefert, will die Wohnungsnot bekämpfen, indem sie private Wohnungsunternehmen 'vergesellschaftet'. Die Grünen stimmen ihr in diesem Punkt zu, ein Bürgerentscheid hatte das 2021 gefordert. Und in der SPD bereiten einflussreiche Kreisverbände bereits Beschlüsse vor, mit denen ihr Frontmann Steffen Krach nach der Wahl gezwungen werden soll, sich der Verstaatlichungsphalanx anzuschliessen. Das zeigt, wie weltfremd in Berlin links der Mitte gedacht wird. Die hochverschuldete Stadt müsste den Wohnungsunternehmen Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen – ohne dass dadurch eine einzige zusätzliche Wohneinheit entstünde. Wenn aber weitere Schulden für Linke, Grüne und Teile der SPD eine lässliche Sünde sind, wäre es erheblich sinnvoller, in Neubau und Nachverdichtung zu investieren, kommentiert die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.
"Berlin sucht einen Saubermann", titelt der TAGESSPIEGEL aus der deutschen Hauptstadt. Und weiter: "Vom Forsa-Institut befragt, nannten 39 Prozent der Berliner die Vermüllung der Stadt als größtes Ärgernis. Doch niemand nimmt sich ihrer wirklich konsequent an. Im Wahlkampf ist das Thema zwar präsent, die CDU verleiht ihm mehr Dringlichkeit als ihr größter Rivale, die Linke, die es auch für sich entdeckt hat. So wollen die Christdemokraten die Berliner Stadtreinigungsbetriebe als zentrale Reinigungsmacht mit mehr Rechten ausstatten und Vergehen stärker ahnden, während die Linke auf kostenlose Sperrmülldienste und Prävention setzt. Dennoch wirken die unterschiedlichen Lösungsansätze eher gut gemeint als stringent durchdacht und mit einem Leitbild verbunden, einer Vision davon, wie Berlin in zehn Jahren aussehen soll. Warum ergreift niemand die Chance, sich als Saubermann zu profilieren?", fragt der TAGESSPIEGEL.
Mit Blick auf die Landtagswahlen beobachtet die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG eine "Krise des Parteiensystems": "Für CDU und SPD sind es existenzbedrohende Zeiten. Man muss nur nach Mecklenburg-Vorpommern schauen, wo für die CDU selbst der Wiedereinzug in den Landtag gefährdet ist. Die Neigung der Partei, Politainment mit kopfloser Hektik zu beantworten, ist toxisch, weil dadurch ihr Markenkern, Stabilitätsgarant zu sein, weiter beschädigt wird; die SPD kann das ohnehin schon nicht mehr von sich behaupten. Noch mehr Schaden würde die CDU nehmen, rüttelte sie bei Themen wie Klimaschutz, Menschenrechten oder Westorientierung am Konsens der Mitte", meint die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
Die WELT AM SONNTAG warnt sarkastisch vor einer "Horrorwahlnacht": "Psychologen warnen vor einem schwarzen Montag, denn sowohl in Berlin als auch in Meckpomm wird die AfD bei der Regierungsbildung keine Rolle spielen. Das stürzt die Medienindustrie in eine existenzielle Krise. Seit Monaten hat man die Machtübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt medial begleitet und bis zu elfmal am Tag davor gewarnt. Doch jetzt wird man zum ersten Mal seit 1.433 Tagen nur am Rande über die AfD sprechen können, in Leitartikeln kann nicht zum hundertsten Mal analysiert werden, wie es dazu kommen konnte, welche Fehler Merkel gemacht hat, welche Themen man sich nicht von der AfD vorschreiben lassen darf und warum der Osten anders ist. Auf diese Extremsituation sind Medien und Kulturschaffende nur unzureichend vorbereitet", spöttelt die WELT AM SONNTAG.
Nun zu den Risiken der Künstlichen Intelligenz. Der Chef des KI-Unternehmens Anthropic, Dario Amodei, hatte zuletzt ein langsameres Entwicklungstempo gefordert. Die japanische Tageszeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN stellt fest: "Die Kontrollmechanismen laufen dem explosiven Fortschritt der KI-Entwicklung nur noch hinterher und die Gefahr für autonome Ausbrüche nimmt drastisch zu. Nur mit ausreichendem Risikomanagement kann man sich der Vorzüge der künstlichen Intelligenz erfreuen. Jetzt ist eine Balance zwischen der Entwicklung und der Kontrolle gefragt. KI-Systeme lassen sich nicht durch Staatsgrenzen aufhalten. Für ein Risikomanagement ist daher eine internationale Zusammenarbeit unabdingbar. Nicht nur die USA und China, sondern jeder Staat sollte sich dem Aufruf der KI-Unternehmer stellen. Denn künstliche Intelligenz angemessen zu entwickeln, ist eine Pflicht der internationalen Gemeinschaft. Die gesamte Welt kann davon profitieren", meint NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
Die NEW YORK TIMES bemerkt: "Wir wissen, was zu tun ist: frei zugängliche KI-Modelle entwickeln. Technologien regulieren, bevor sie außer Kontrolle geraten. Diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die dies zulassen, falls es doch geschieht. Und: die Schwächsten schützen. Einige der KI-Pessimisten sind bereit, einer unabhängigen Überprüfung der Sicherheit ihrer KI-Modelle zuzustimmen. Die meisten von ihnen fordern bestenfalls Selbstregulierung, was von vornherein zum Scheitern verurteilt sein dürfte. Keiner von ihnen zeigt Begeisterung dafür, diejenigen, die schädliche Software entwickeln, zur Verantwortung zu ziehen. Das sollte aber die unnachgiebige Haltung nüchterner Amerikaner sein, die mit beiden Beinen fest in der Realität stehen. Die Bedrohung ist bereits da. Panik wird das Problem nicht lösen. Politik hingegen schon", hält die NEW YORK TIMES aus den Vereinigten Staaten fest.
Die Tageszeitung ARAB NEWS aus Saudi-Arabien geht auf Warnungen von Mitarbeitern der KI-Unternehmen ein: "Insiderwissen bedeutet nicht, dass Vorhersagen mit Sicherheit eintreten werden, aber es ist verständlich, warum Warnungen vor dem möglichen Aussterben der Menschheit die Öffentlichkeit beunruhigen. Eine Sorge ist, dass zunehmend autonome Systeme ihre Ziele durch Täuschung, unbefugte Handlungen oder Widerstand gegen menschliches Eingreifen verfolgen könnten. KI, die dabei hilft, immer leistungsfähigere KI zu entwickeln, könnte das Problem noch verschärfen. Allerdings sind sich die Experten uneinig darüber, wie schnell sich die KI weiterentwickeln wird und wie ernst die Gefahren werden könnten. Prognosen über das Aussterben der Menschheit bis zum Jahr 2030 sind nach wie vor heftig umstritten", meint ARAB NEWS aus Riad.
Zum Abschluss der Presseschau geht es um die Lage von Präsident Trump vor den Zwischenwahlen in den USA. Die ägyptische Zeitung AL SHOROUK analysiert: "Seit die Huthi-Miliz die Meerenge Bab al-Mandab kontrolliert, steckt Trump in einem Dilemma. Er kann den Konflikt weder militärisch entscheiden noch ist er bereit, eine strategische Niederlage einzugestehen. Trump erklärte, er erwäge ein Ende des Krieges nach den Zwischenwahlen Anfang November. Wie ein solches Ende aussehen und nach welchen Kriterien es erreicht werden solle, ließ er jedoch offen. Doch diese Erklärung überzeugte offenbar niemanden. Immer deutlicher scheint es, als ignoriere Trumps Kurs die offenkundigen Realitäten vor Ort und drohe zugleich, die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen weiter zu belasten", vermerkt AL SHOROUK aus Kairo.
In einem Gastkommentar in der israelischen Zeitung JERUSALEM POST heißt es: "Wie auch immer das Ergebnis am 3. November ausfallen mag – man kann davon ausgehen, dass Trump alle Siege der Republikaner persönlich für sich verbuchen und alle Niederlagen als manipuliert oder als Folge von mangelhaftem Kandidatenmaterial erklären wird, das ihm gegenüber nicht loyal genug war. Seine Neigung zu Ausflüchten ist hinlänglich bekannt. Trumps Aufruf auf dem Parteitag, 'wie verrückt zu betrügen', lässt seine frommen Predigten über Wahlbetrug, illegale Stimmabgaben und manipulierte Wahlen weniger wie Anschuldigungen, sondern eher wie ein Geständnis klingen." Mit diesem Gastkommentar in der JERUSALEM POST endet die Presseschau.Redaktion: Tim NeumannSprecher/in:
