27. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden der Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union, das Recht auf Teilzeitarbeit einzuschränken sowie die Ereignisse in Minneapolis, wo Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE erneut einen Menschen erschossen haben. Zunächst geht es aber um den Nordsee-Gipfel.

Niedersachsen, Nordsee: Ein Offshore-Windpark in der Nordsee. Um Windkraft von der Nordsee ins industrielle Hinterland zu bringen, braucht Deutschland neue Stromtrassen.
Europäische Offshore-Windparks sollen besser venetzt werden. (Sina Schuldt/dpa)
Dazu schreibt die Zeitung ND DER TAG: "Die Nordsee-Anrainer haben auf ihrem Gipfel in Hamburg eine stärkere Zusammenarbeit beim Ausbau und eine bessere grenzüberschreitende Vernetzung der Windparks beschlossen. Das ist eigentlich eine gute Sache, doch abzuwarten bleibt, was davon wie umgesetzt wird. Auch für die Versorgung mit klimaneutralem Strom wären großräumiger Stromaustausch und Windkraftausbau ein Gewinn, denn auf See wehen die Winde stärker und beständiger. Zusammen mit mehr Speichern für die Wasserstoffgewinnung sind Offshore-Windkraftanlagen eine gute Alternative zu den Dutzenden hochsubventionierten Gaskraftwerken, die Bundeswirtschaftsministerin Reiche in die Landschaft setzen will, um besonders klimaschädliches Fracking-Gas aus den USA zu verbrennen", meint ND DER TAG.
Die STUTTGARTER ZEITUNG notiert: "Mehrere Staaten Europas haben jetzt ihren Willen mit praktischen Abmachungen untermauert, die Nordsee zum 'grünen Kraftwerk für Europa' zu machen. Soll heißen: deutlich mehr Energie durch Windkraftwerke auf hoher See zu erzeugen. Tatsächlich ist der Ausbau der erneuerbaren Energien die einzig nachhaltige Option für Europa, um Energiesouveränität zu erreichen. Mehr Windräder, Solarpanels und Wasserkraftwerke sind nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für Europas Selbstbehauptung in einem zunehmend rauen politischen Umfeld", unterstreicht die STUTTGARTER ZEITUNG.
Die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG ist folgender Meinung: "Für die Küstenregionen ist der Gipfel Versprechen und Zumutung zugleich. Wo Häfen ausgebaut, Trassen an Land geführt und bisher ruhige Küstenabschnitte industrialisiert werden, reicht es nicht, nur auf den Jobmotor zu verweisen. Akzeptanz entsteht erst, wenn Anwohner ernsthaft beteiligt werden, Naturräume erhalten bleiben und Tourismusorte nicht im Baustellen- und Anlieferverkehr ersticken. Die politische Aufgabe ist damit klar: Die Nordsee als Energie- und Machtzentrum voranzutreiben, ohne sie zum reinen Nutzraum zu degradieren", bemerkt die LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG.
Nun zur Teilzeit-Debatte. In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ist dazu zu lesen: "Mit seiner Forderung nach einem Ende des 'Rechtsanspruchs auf Lifestyle-Teilzeit' hat der Wirtschaftsflügel der Union einen Nerv getroffen. Die Kritiker sollten sich fragen, ob das Ausmaß ihrer Aufregung der Faktenlage angemessen ist. Als der Rechtsanspruch auf Teilzeit 2001 eingeführt wurde, war die Arbeitswelt noch eine andere. Auf einem anderen Blatt steht, ob der Wirtschaftsflügel die richtigen Prioritäten setzt. Das Arbeiten in Teilzeit ist nicht wegen des Rechtsanspruchs so populär, sondern weil das Steuer- und Sozialabgabensystem an vielen Stellen die entsprechenden Anreize dafür setzt. Mit ihrem aktuellen Vorstoß setzen die Konservativen vielmehr auf ein Symbolthema, das in den eigenen Reihen gut ankommt – um den Preis einer wachsenden Polarisierung der Gesellschaft", gibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG zu bedenken.
"Der Vorschlag der Mittelstandsvereinigung, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, gehört nicht auf einen Parteitag, er gehört in den Papierkorb", findet der Bremer WESER-KURIER: "Und zwar sofort, weil die Grundannahme des Wirtschaftsflügels, Teilzeit diene in größerem Umfang der Befriedigung von Freizeitinteressen, kompletter Unfug ist. Schon die Wortwahl 'Lifestyle-Freizeit' ist ein Faustschlag ins Gesicht aller Arbeitnehmer, die sich täglich abhetzen, um ihre Kinder nach der Arbeit pünktlich von der Kita oder aus der Schule abzuholen oder um pflegebedürftige Elternteile zu betreuen. Das ist kein Lifestyle, das nennt man Fürsorge."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER führt aus: "Auch ganz nüchtern nachgerechnet, bleibt eine Einschränkung von Teilzeitmöglichkeiten arbeitsmarktpolitisch eine Minusrechnung. Seit der Einführung von Teilzeitmodellen Anfang der 1990er-Jahre ist die Erwerbstätigkeit der Deutschen um satte drei Milliarden Arbeitsstunden gestiegen. Ist auch nicht weiter verwunderlich, schließlich haben viele Frauen und vor allem Mütter vorher gar nicht gearbeitet. Man kann durchaus der Meinung sein, dass mehr Frauen, auch Mütter, mehr arbeiten sollten – für mehr Geld, Unabhängigkeit, Gleichberechtigung, meinetwegen auch für die Wirtschaftskraft dieses Landes. Aber dafür braucht es keine Verbote. Man könnte einfach die Strukturen verbessern: Kita-Öffnungszeiten an Arbeitszeiten anpassen, Mütter, die mehr arbeiten wollen, steuerlich entlasten. Dieselbe Partei, die nun mit strenger Miene mehr Produktivität einfordert, verteidigt seit Jahrzehnten verbissen das Ehegattensplitting, das Teilzeit arbeitende Mütter für jede zusätzliche Arbeitsstunde faktisch bestraft", erinnert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG blickt auf die Lage in den USA nach den erneuten tödlichen Schüssen durch Beamte der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis: "Einst galten die USA als Hort der Freiheit und als Vorzeigedemokratie. Heute exportieren sie vor allem Unsicherheit, Angst und Abschreckung. Die Eskalationsrhetorik von Trump und seinen Getreuen, ihr Unwillen, staatliches Unrecht zu ahnden, wirken denn auch nicht wie Ausrutscher, sondern wie Teil eines kalkulierten Plans. Gewalt wird in dieser Logik nicht nur hingenommen, sondern gerechtfertigt – sofern sie eigenen Machtinteressen dient. Zugleich wächst der Widerstand: Ex-Präsident Barack Obama ruft die Amerikaner dazu auf, sich den Einschüchterungsversuchen der Regierung zu widersetzen, sich zu organisieren und für die Demokratie einzustehen. Er erinnert daran, dass das wichtigste 'Amt' in einer Demokratie das des Bürgers ist", heißt es in der NEUEN OSANBRÜCKER ZEITUNG.
Der MÜNCHNER MERKUR erläutert: "Liebend gerne würde Donald Trump genau so diktatorisch regieren wie der von ihm bewunderte Wladimir Putin. Das US-Präsidialsystem gibt ihm umfassende exekutive Durchgriffsrechte, doch eines fehlt ihm zur totalen Macht: die Möglichkeit der Steuerung der öffentlichen Meinung durch staatlich gelenkte Medien. In Dauerschleife senden die großen US-TV-Stationen seit dem Wochenende die zutiefst verstörenden Bilder der Tötung des 37-jährigen Alex Pretti durch Trumps Migrantenjägermiliz ICE in Minneapolis. Eine Niederlage bei den 'Midterm Elections' im November wäre gleichbedeutend mit dem Ende von Trumps Allmachtsfantasien. Dass er am Sonntagabend zurückruderte und eine 'Prüfung' der Geschehnisse durch die Regierung versprach, zeigt, dass er sich -wie im Grönland-Streit- verpokert haben könnte", vermutet der MÜNCHNER MERKUR.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus thematisiert die neue Verteidigungsstrategie der USA: "Die regelbasierte Weltordnung wird darin als 'Wolkenschloss' bezeichnet. Als Prioritäten werden nur noch die Verteidigung des amerikanischen Bodens und die Abschreckung Chinas genannt. Mit anderen Gefahren sollen sich die Alliierten selbst herumschlagen, auch in Europa. Ein klares Bekenntnis zum nuklearen Schutzschirm der NATO sucht man vergeblich. Es bedurfte wohl nicht dieses Dokuments, damit die europäischen Staaten bemerken, dass die Unterstützung durch die USA nicht mehr so eisern steht, wie sie es einmal tat. Aber es wird sicherlich helfen, sich von den letzten verbliebenen Illusionen zu lösen", rät die LAUSITZER RUNDSCHAU.
Nun noch ein Kommentar zum heutigen Holocaust-Gedenktag. DER TAGESSPIEGEL merkt an: "Sechs Millionen Leben, durch nationalsozialistischen Terror entrechtet, verfolgt, vernichtet. Menschen mit Lebensgeschichten. Gerade der Holocaust-Gedenktag sollte herausfordern, den Kampf gegen Antisemitismus entschlossener, umfassender und nachhaltiger zu führen als je zuvor. Der Holocaust war kein historischer Unfall, sondern das Ergebnis von Hass, Gleichgültigkeit, staatlicher Gewalt und gesellschaftlichem Wegsehen. Daraus erwächst eine Verantwortung, die nicht im rituellen Gedenken enden darf."