31. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zur Tabaksteuer und zum bevorstehenden Warnstreik im Öffentlichen Nahverkehr in Deutschland. Weitere Themen sind der Iran und die Nachfolge für US-Notenbank-Chef Jerome Powell. US-Präsident Trump hat dafür Kevin Warsh nominiert.

Der Finanzexperte Kevin Warsh sitzt bei einer Podiumsveranstaltung auf einer Bühne.
Kevin Warsh wurde von US-Präsident Trump als neuer Fed-Chef nominiert. (Getty Images via AFP / TASOS KATOPODIS)
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt über Warsh: "Als er zwischen 2006 und 2011 dem Gouverneursrat der Federal Reserve angehörte, galt er noch als geldpolitischer Falke. Im Jahr 2010 wandte er sich gegen eine lockere Geldpolitik, obwohl die Arbeitslosenquote kurz nach der Finanzkrise bei knapp zehn Prozent lag. Warsh tritt inzwischen allerdings nicht mehr als Falke in Erscheinung, sondern als einer der schärfsten Kritiker der Federal Reserve und ihres Vorsitzenden Powell. Der gelernte Jurist hält inzwischen trotz stattlicher Wachstumsraten Leitzinssenkungen für geboten. Inflationsgefahren sieht er hingegen kaum noch. Trumps Zölle verteidigte der frühere Freihändler ebenfalls", fügt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG an.
Im HANDELSBLATT ist zu lesen: "Während der scheidende Powell seinem Nachfolger den Rat mitgab, sich aus der Politik herauszuhalten, könnte Warsh seine Rolle offener interpretieren. In einem Interview im Oktober sagte Warsh, was der Präsident wolle, sei ja gut für die Wirtschaft. Das eine ist, was Warsh vor seiner Zeit als Fed-Chef sagt, das andere, welche Worte er künftig in seiner neuen Rolle findet. Trump bemerkte beim Weltwirtschaftsforum in Davos, dass das Problem mit den Fed-Kandidaten darin liege, 'dass sie sich verändern, sobald sie den Job haben'. Powell hatte nach seiner Inthronisierung mit Trump gebrochen, was nach Ansicht fast aller relevanten Ökonomen gut für die Welt war. Die Frage ist, wie Warsh sich entscheiden wird: Für die Wünsche des Präsidenten – oder für die Stabilität der Märkte?", heißt es im HANDELSBLATT aus Düsseldorf.
Auch DER TAGESSPIEGEL aus Berlin beschäftigt sich mit Trump, jedoch mit dessen Einwanderungspolitik vor dem Hintergrund der Vorfälle in Minneapolis: "Die Videos, auf denen zu sehen ist, wie Renee Good und Alex Pretti getötet wurden, hat fast jeder Amerikaner gesehen. Die Regierung behauptet, es sei Notwehr gewesen, und nennt die Getöteten 'inländische Terroristen'. Doch eine Mehrheit der Amerikaner glaubt das nicht. Sie macht Trump und die Beamten der Einwanderungsbehörde ICE verantwortlich. Die Krise trifft den Präsidenten an seiner verwundbarsten Stelle. Illegale Migration, das war immer Trumps Lieblingsthema. Damit gewann er Wahlen, das brachte ihn ins Weiße Haus. Bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr befürworteten 55 Prozent der Amerikaner Trumps Einwanderungspolitik, besser gesagt: seine Anti-Einwanderungspolitik. Doch seit den Toten von Minneapolis hat der Wind sich gedreht", findet DER TAGESSPIEGEL.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sind Thema im CICERO aus Berlin: "Das Risiko einer regionalen Eskalation ist erheblich. Der Iran befindet sich in einer doppelten Krise: einer tiefen Wirtschaftskrise und den massiven Protesten Ende 2025 und Anfang 2026. Gleichzeitig steht das Regime unter militärischem Druck durch Israel und die USA – beides Staaten, in denen offen über einen Regimewechsel im Iran spekuliert wird. Unter diesen Bedingungen ist mit deutlich heftigeren iranischen Gegenreaktionen als bei den Angriffen der USA und Israels im vergangenen Jahr zu rechnen. Amerikanische und verbündete Ziele im Persischen Golf liegen in Reichweite zahlreicher iranischer Waffensysteme. Angriffe auf militärische und zivile Schifffahrt in der Straße von Hormus sind ebenso realistisch wie Attacken auf US-Basen in der Region. Darüber hinaus besteht die reale Gefahr, dass auch zivile Ziele – etwa Städte wie Tel Aviv, Dubai oder Abu Dhabi oder Ölanlagen im Osten Saudi-Arabiens – ins Visier geraten könnten“, so die Einschätzung des CICERO.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE hofft auf einen Führungswechsel im Iran: "Solange dort ein Theokrat wie Ali Chamenei mit seinen Revolutionsgarden herrscht, kann es keine Stabilität in der Region geben und schon gar keinen Frieden. Ein neues Atomabkommen, auf das vor allem die Europäer ihre Hoffnungen setzen, würde daran wenig ändern. Das Regime würde sich damit nur Zeit kaufen – Zeit, um wieder aufzurüsten und seine erodierende Macht wieder zu festigen", ist die AUGSBURGER ALLGEMEINE überzeugt.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fordert die Exil-Iraner zum Eingreifen auf: "Wenige Wochen ist es jetzt her, dass das iranische Regime an seinem Volk ein Massaker verübt hat. Das Entsetzen darüber muss bleiben. Doch daneben muss auch die Erkenntnis wachsen, dass es jetzt auf andere ankommt als die Menschen im Land. Denn von denen kann niemand mehr fordern, dass sie auf die Straße gehen. Nicht, nachdem sie zu Zehntausenden ermordet und inhaftiert wurden, zu Hunderttausenden verletzt. Diese Menschen haben ihre Schuldigkeit längst getan – und einen viel zu hohen Preis dafür gezahlt. Es ist offensichtlich, dass sie Hilfe von außen brauchen. Diese muss von der iranischen Diaspora kommen – diesem zerstrittenen, ja verfeindeten Haufen. Die Menschen, die Iran wegen der Schah-Diktatur und dann wegen des Mullah-Regimes verlassen haben, sind viele – und sie sind nicht machtlos. Nur geben sie seit Jahrzehnten ein erbärmliches Bild ab", kritisiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Verdi hat für Montag zu Warnstreiks bei kommunalen Verkehrsunternehmen aufgerufen. Dies kommentiert die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden: "Die Gewerkschaft will in den Tarifverhandlungen mit allen 16 Bundesländern Druck aufbauen. Sie fordert unter anderem eine Verkürzung der Schicht- sowie die Verlängerung der Ruhezeiten. Höhere Zuschläge für das Arbeiten in der Nacht und am Wochenende will Verdi für die fast 100.000 Beschäftigten in 150 städtischen Verkehrsunternehmen ebenfalls durchsetzen. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Das Verständnis der Menschen war bei vergangenen Streiks relativ hoch. Das hat Gründe: Es geht nicht einfach nur um mehr Geld für irgendwas oder irgendwen. Auch hartgesottene Autofahrer wissen, dass es ökologisch sinnvoller ist, Wege in Bus oder Bahn anstatt allein im Pkw zurückzulegen. Und Verdis frühe Streikankündigung ermöglicht es zudem, sich vorzubereiten", erklärt die SÄCHSISCHE ZEITUNG.
"All die Stimmen vor allem aus der CDU, die kürzlich nach weniger Teilzeit und mehr Arbeit riefen, sollten gemeinsam für einen besseren öffentlichen Dienst kämpfen", raten die NÜRNBERGER NACHRICHTEN: "Denn vor allem viele Frauen arbeiten nicht oder in Teilzeit, weil sie Kinder oder Angehörige betreuen müssen. Zu oft fehlen Kitas oder Ganztagsschulen und maßgeschneiderte Pflege-Angebote. Und ein attraktiver ÖPNV macht es auch für Menschen ohne Auto leichter, ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Insgesamt profitieren also auch Arbeitgeber von guter Infrastruktur, die es oft nicht - oder nicht mehr - gibt in Deutschland."
Die Vorschläge aus Reihen der Koalition zur Erhöhung der Tabaksteuer sind Thema in der LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus: "Nichts beeinflusst Raucher mehr als der Preis. Für manche könnte eine solche Erhöhung der Anlass sein, endlich aufzuhören. Aber: Viele werden es weiterhin nicht schaffen. Eine kluge Suchtpolitik würde den Umstieg auf tabakfreie Alternativen zu Zigaretten attraktiver machen, weil sie weniger Schaden anrichten als die Glimmstängel. Leider macht die Bundesregierung mit Blick auf E-Zigaretten und Nikotinbeutel das genaue Gegenteil", gibt die LAUSITZER RUNDSCHAU zu bedenken.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER moniert: "Der Staat hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach seine Einnahmen erhöht, die er mit der Sucht der Menschen macht. Doch mit jeder Steuererhöhung treibt er weitere Menschen auf den Schwarzmarkt und stärkt damit Schattenwirtschaft und organisierte Kriminalität."