
Die STUTTGARTER ZEITUNG schreibt: "Trump hat eine große Streitmacht in Nahost zusammengezogen, um Teheran unter Druck zu setzen – und sich damit selbst unter Druck gesetzt. Das weiß auch die iranische Führung. Er lasse sich von den Kriegsschiffen nicht beeindrucken, sagt Regimechef Ali Chamenei – und droht, mit iranischen Raketen die ganze Region in Brand zu setzen. Das Pokerspiel von Trump und Chamenei ist brandgefährlich. Ein Missverständnis oder ein versehentlich abgefeuerter Schuss könnten zur Katastrophe führen", warnt die STUTTGARTER ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG analysiert: "Das Teheraner Regime hat keine guten Optionen. Iran ist zwar kein Venezuela, dessen Staatschef sich die Amerikaner relativ einfach schnappen konnten. Dennoch kann der Oberste Führer Chamenei nach den blutig niedergeschlagenen Massenprotesten in seinem Land die von Trump entsandte 'Armada' und dessen Regimewechsel-Drohungen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das lange Engagement im fernen Ausland allerdings ist Trumps Sache nicht, weshalb auch seine Optionen begrenzt sind. Mit ein paar Kommandosoldaten und Marschflugkörpern ist die iranische Gefahr für Israel, die Region und die Welt kaum zu beseitigen", bemerkt die F.A.Z.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg hat wenig Hoffnung auf ein Ende des Teheraner Regimes: "Auch bei der letzten großen Volksaufwallung, der Protestwelle gegen die Kopftuchpflicht für Frauen 2022/23, war in der iranischen Diaspora von einem Regimeende binnen Tagen die Rede. Nichts da, die Führung zog die Zügel wieder fest an. Die gefürchteten Revolutionsgarden sind zwar nun auch von der EU mit Terror-Bann belegt worden. Doch würde sich nur etwas ändern, wenn die Truppe die Waffen von sich aus streckt. Solange das nicht passiert, sind Verhandlungen das einzige, was noch Schlimmeres im Iran verhindern kann", glaubt die VOLKSSTIMME.
Themenwechsel. In Deutschland gehen die Diskussionen um die Gestaltung des Sozialstaates weiter - nun mit Vorschlägen des CDU-Wirtschaftsrates. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG nennt sie "abenteuerlich": "Neben Steuersenkungen für alle fordert der parteinahe Verein einen regelrechten Kahlschlag bei Sozialleistungen: Die Beschäftigten sollen länger arbeiten, kürzer Arbeitslosengeld bekommen, mehr für die Pflege zahlen und auch die meist happigen Zahnarztrechnungen selbst übernehmen. Das wäre eine krasse Lastenverschiebung hin zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und eine Entlastung der eigenen, gut verdienenden Klientel. Das als 'Agenda für die Arbeitnehmer' zu betiteln, ist dreist", meint die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus meint: "Der Wirtschaftsrat der CDU hat – man muss hinzufügen: mal wieder – angeregt, zahnärztliche Behandlungen komplett aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen zu streichen. Die Linke sieht ärmere Menschen schon vor die Wahl gestellt: 'Füllung beim Zahnarzt oder Mittagessen für die Kinder'. Gut möglich also, dass auch bei diesem Sparvorschlag am Ende gesellschaftliche Aufregung und Spar-Ertrag in keinem günstigen Verhältnis stehen."
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER merkt an: "Zu faul, zu divers, zu krank, zu alt, zu viel Teilzeit: Der einfache Bürger ist die Wurzel allen Übels, an dem der deutsche Staat gerade krankt - zumindest, wenn man die jüngsten Forderungen aus Teilen der CDU hört. Und so einfach wie diese Erkenntnis sind die Lösungen, die mancher CDU-Politiker präsentiert: weniger Krankentage, weniger Rente, weniger Versicherungsleistungen, weniger Geld. Gefühlt wird jede Woche eine andere krude Idee formuliert. Daran merkt man: Es ist Wahlkampf", erklärt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Nach sechs Jahren ist der Reformprozess "Synodaler Weg" innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland zu Ende gegangen. Die TAZ kommentiert: "Der Synodale Weg sollte aus der Missbrauchskrise Konsequenzen ziehen. Doch bei Kontrolle, Rechenschaft und Machtteilung stößt der Reformprozess an seine Grenzen. Sich in den eigenen Bistümern kontrollieren zu lassen, stößt auf breiten Unwillen. Das wird zum Ende der sechsten Synodalversammlung, des Reformprozesses der katholischen Kirche, sehr deutlich. Doch was hat der Reformprozess gebracht, wenn keine Rechenschaft bei den Mächtigen eingefordert werden kann?", fragt die TAZ.
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm schreibt zum Missbrauchsskandal: "Forscher legen nahe, dass nicht nur das Versagen Einzelner zu den Verbrechen geführt hat, sondern es vielmehr begünstigende Strukturen gibt. Nicht nur im katholischen Bereich. Doch nirgendwo sonst wurde versucht, systemische Ursachen zu ergründen. Wie wirkt sich das Machtgefälle zwischen Klerikern und Laien aus? Haben priesterliche Lebensformen wie das Zölibat eine toxische Seite? Und auch: Welche Folgen hat ein defizitäres Frauenbild? Bischöfe und Laien haben mit ihrer Tiefenbohrung Maßstäbe gesetzt. Die Bilanz nach sechs Jahren: In ungekannter Offenheit rangen Laien und Kleriker um ein neues Verständnis der katholischen Sexualmoral und ein Ende der Diskriminierung von homosexuellen oder queeren Menschen, diskutierten über neue Rollen für Frauen in kirchlichen Diensten, mehr Entscheidungsmacht für Laien. Die Fortschritte sind bescheiden. Zwar wurde das kirchliche Arbeitsrecht modernisiert und Segensfeiern ermöglicht für Menschen, die nicht kirchlich heiraten dürfen, doch bei der Aufwertung von Frauen bewegte sich fast nichts", kritisiert die SÜDWEST PRESSE.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg weitet den Blick: "Die Welt steht im Ausnahmezustand: Autoritäre Systeme erstarken, Kriege eskalieren, die Schöpfung ist bedroht. Während sich die globale Lage dramatisch wandelt, wirkt die katholische Kirche in Deutschland oft mit sich selbst beschäftigt. Der Synodale Weg war nötig, doch was als Aufbruch begann, droht im Gremienkatholizismus zu erstarren. Sitzungen und Papiere ersetzen kein glaubwürdiges Zeugnis. Während Menschen Halt suchen, verliert die Kirche Hunderttausende Gläubige – nicht aus Zufall, sondern wegen fehlender geistlicher Präsenz." Das war ein Auszug aus der SCHWÄBISCHEN ZEITUNG.
Zum Schluss ein Kommentar der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG zu Bundestagspräsidentin Klöckner, die vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr politische Live-Berichterstattung und Selbstreflexion fordert: "Klar, es gibt bei Neutralität und Ausgewogenheit, Kosten und Effizienz Luft nach oben. Doch der unterschwellig politische Impuls hinter Klöckners Mahnung verdient genau jene Reflexion, die sie einfordert. Die CDU-Politikerin argumentiert, der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse wieder stärker live über Politik berichten, etwa über Bundestagsdebatten. Das klingt nach Transparenz, nach Bürgernähe. Doch wer soll das schauen? Die arbeitende Bevölkerung? Junge Menschen in Schule, Uni oder Ausbildung? Bleiben die Rentner, jene Bevölkerungsgruppe mit dem wohl größten und stabilsten Wählerpotenzial für die Union. Außerdem existiert mit Phoenix längst ein Sender, der Live-Formate anbietet – zuverlässig, aber nicht mehr als ein Nischenprodukt. Im Zweifel entfliehen viele Zuschauer dann doch lieber der Realität und schauen 'In aller Freundschaft' oder 'Die Rosenheim-Cops'. Natürlich müssen ARD und ZDF über Programmstrukturen reden, über journalistische Qualität ohnehin. Und ob die Rundfunkgebühren immer richtig angelegt sind, kann man durchaus bezweifeln. Die Anstalten sind aber doch nicht dafür verantwortlich, das Interesse einer Gesellschaft für Politik zu beleben – schon gar nicht, wenn die Gewählten selbst kaum Begeisterung wecken." So weit die Meinung der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG - und damit endet die Presseschau.
