04. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

In den Kommentaren geht es neben dem Rücktritt des ADAC-Verkehrspräsidenten Hillebrand und die Epstein-Files auch um die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Armutsgefährdungsquote.

Eine Frau, die man nur von hinten sieht, bettelt inmitten vorbeilaufender Passanten.
Neue Zahlen zu Armutsgefährdung in Deutschland (Archivbild) (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Dazu scheibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Die Zahlen geben ein besorgniserregendes Bild ab. Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland gelten demnach als armutsgefährdet. Nimmt man noch jene Menschen dazu, die von sozialer Ausgrenzung bedroht sind, steigt die Zahl auf rund 17,6 Millionen. Menschen, die sich mit dem Thema auskennen, überraschen diese Zahlen längst nicht mehr. Deutschland, ein durchaus reiches Land, hat ein Armutsproblem. Betroffen sind laut Statistik besonders Alleinerziehende und Alleinlebende – und damit häufig Frauen und Kinder. Das Problem der Armut setzt sich dann im Alter fort, bei Seniorinnen mit geringer Rente und bei Menschen, die als Kind schon arm waren. Es gilt den Kreis zu durchbrechen", fordert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Für die KÖLNISCHE RUNDSCHAU wiegt die Botschaft schwer wie Blei: "Armutsgefährdet wird genannt, wer über 'weniger als 60 Prozent des Median des Nettoäquivalenzeinkommens der Bevölkerung' verfügt. Ob jemand armutsgefährdet ist, hängt also mit davon ab, wie es den anderen geht. Starke Lohnerhöhungen in gut aufgestellten Branchen können die Armutsgefährdungsquote treiben. Andersherum wird daher ein Schuh daraus: Erwerbstätigkeit ist nach den Daten des Bundesamts der beste Schutz vor Armutsgefährdung. Dagegen sind fast zwei Drittel aller Arbeitslosen armutsgefährdet. Wer also meint, Bürgergeldempfängern damit einen Gefallen zu tun, dass möglichst wenig Druck zur Jobaufnahme ausgeübt wird, der irrt. Und am Ende schlagen die Folgen langer Arbeitslosigkeit noch im Rentenalter durch", ist die KÖLNISCHE RUNDSCHAU überzeugt.
Für die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG ist "Armut mehr als fehlendes Geld". "Sie bedeutet Scham, Ausschluss und das Gefühl, in einem reichen Land überflüssig zu sein. So schreitet die gesellschaftliche Spaltung voran und gefährdet den Zusammenhalt mindestens so stark wie die ökonomische Krise. Das ist auch am Zulauf für Parteien links und rechts der Mitte abzulesen. Armut ist aber kein Naturgesetz, sie ist Folge politischer Entscheidungen. Wenn Bildungsarmut, unsichere Jobs und steigende Mieten sich gegenseitig verstärken, dann zeigt das, wie sehr die soziale Frage im Schatten anderer Debatten steht", konstatiert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Der Berliner TAGESSPIEGEL geht auf immer neue Vorwürfe aus Reihen der CDU ein, wonach die Deutschen zu wenig arbeiteten, zu oft krank seien und das Recht auf Teilzeit zu "Lifestyle"-Zwecken ausnutzten: "Im Stakkato haben CDU-Politiker in den vergangenen zwei Wochen mehr Leistungsbereitschaft in der Arbeitswelt und Zumutungen in der Gesundheits- und Sozialpolitik verlangt. Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich verunsichert, manche gar als faul verunglimpft. Die CDU-Wahlkämpfer in den Ländern zeigen sich kräftig verärgert. Und die demoskopisch lange dahinsiechende SPD spürt Aufwind. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo im März gewählt wird, distanzieren sich die CDU-Spitzenkandidaten von den teils schrillen Ideen ihrer Parteifreunde. In Rheinland-Pfalz verringert SPD-Ministerpräsident Schweitzer in diesen Tagen den jahrelangen Vorsprung der CDU. In Baden-Württemberg gewinnen die Grünen an Zuspruch", analysiert der TAGESSPIEGEL.
Und die NÜRNBERGER ZEITUNG meint: "Friedrich Merz weiß, wie sehr er die SPD triggert. Das ständige, unabgesprochene Hinausposaunen neuer Vorschläge schafft eine Unruhe, die weder der Sache noch den beteiligten Politikerinnen und Politikern hilft. Dass so etwas ab und zu passiert, ist unvermeidlich und muss hingenommen werden. Dass es die Regel ist und im Wettbewerb der Koalitionspartner instrumentalisiert wird, kann man eigentlich nur noch als ärgerlich bezeichnen."
Und damit zum nächsten Thema, dem Rücktritt des ADAC-Verkehrspräsidenten Hillebrand. ND DER TAG betont: "Wenn es ums Autofahren geht, hört in Deutschland der Spaß auf. Das hätte Gerhard Hillebrand eigentlich wissen müssen. Dennoch forderte er etwas, das viele als unerhört empfanden – eine höhere CO2- Bepreisung und damit steigende Spritpreise, um Anreize für den Umstieg auf Elektroautos zu setzen. Eigentlich eine verantwortungsbewusste Position. Schließlich verfehlt der Verkehrssektor seit Jahren die Klimaschutzziele. Hillebrand plädierte letztlich für nichts anderes als einen wirksamen Emissionshandel. Dennoch brach ein Shitstorm über ihn herein. 'Der ADAC fällt 48 Millionen Autofahrern in den Rücken', titelte die 'Bild'-Zeitung, und Rechtspopulisten verschiedenster Couleur sprangen auf die Welle auf. Vielfach wurde eine Entschuldigung gefordert – die ausblieb. Warum auch", fragt ND DER TAG.
Die SÜDWESTPRESSE aus Ulm unterstreicht: "Um es klar zu sagen: Hillebrand hat nur etwas Offensichtliches ausgesprochen. Dass er dafür zurücktreten muss, ist falsch. Denn Deutschland muss CO2 einsparen, daran ist die Bundesregierung durch internationale Abkommen und Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gebunden. Man kann natürlich so tun, als gäbe es den Klimawandel nicht und folglich könne alles so bleiben, wie es ist. Nur: Die Wahrheit sieht anders aus."
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER ist über die Absetzung Hillebrands entsetzt: "Hillebrand hat betont, dass 'eine Preiserhöhung nur dann positiv wirkt, wenn auch ausreichend Möglichkeiten bestehen, diese mit alternativen Angeboten zu vermeiden'. Sprich: mit bezahlbaren E-Autos und einer intakten Ladeinfrastruktur. Stimmt alles. Der Mann sollte daher nicht weichen. Er sollte an die Spitze des als Klub getarnten Unternehmens aufrücken. Falsch ist, wenn jemand aus der ADAC-Führung den Hut nimmt, weil seine Äußerungen den Klub 'Glaubwürdigkeit' gekostet hätten. Glaubwürdigkeit entsteht durch Wahrhaftigkeit. Würden das über 22 Millionen ADAC-Mitglieder genauso sehen, wäre es klimaschutzpolitisch ein echter Durchbruch", stellt der KÖLNER STADT-ANZEIGER fest.
Die STUTTGARTER ZEITUNG befasst sich mit den Epstein-Dokumenten: "Sie offenbaren Einblick in eine verrottete Elite, die keine Scham im Umgang mit diesem Verbrecher kannte. Dass Donald Trump, seine Frau Melania und der Mar-a-Lago-Club 38 .000 Mal erwähnt werden, geht in der Masse der drei Millionen Dokumente fast unter. Doch was ist mit den restlichen rund drei Millionen Dokumenten, die unter Verschluss blieben, obwohl ein Gesetz ihre Veröffentlichung verlangt hatte? Es wird höchste Zeit, dass auch sie publik werden. Danach muss es eine gründliche gesellschaftliche und juristische Aufarbeitung geben. Ob die US-Demokratie die Kraft dazu hat, ist angesichts der Breite des Epstein-Netzes zu bezweifeln", schreibt die STUTTGARTER ZEITUNG.
DIE GLOCKE aus Oelde nennt es: "Schockierend, dass viele aus der High Society auch nach der Verurteilung Epsteins weiterhin Kontakt mit ihm hatten. War ihnen das Leid der Mädchen und Frauen völlig gleichgültig? Ebenso unverständlich sind die mangelhafte Distanzierung und Reue: Mette-Marit sprach davon, dass es ihr peinlich sei und sie ein schlechtes Urteilsvermögen bewiesen habe. Mit einem Sexualstraftäter Verbindungen zu unterhalten, ist keine Peinlichkeit, sondern eine schwere persönliche Verfehlung."
Und das Magazin CICERO führt aus: "Epsteins System funktionierte nicht, weil er als Person besonders mächtig war, sondern weil es auf Mechanismen baute, die tief in elitären Milieus verankert sind: Diskretion als soziale Norm, Zugang als Währung, Schweigen als Loyalitätsbeweis. Und solange der Nutzen überwog, blieb das System stabil. Dass es 2019 kollabierte, lag nicht an moralischer Einsicht, sondern an medialem Druck. Die Debatte um die 'Epstein Files' aber zeigt, wie schwer es demokratischen Gesellschaften fällt, mit Machtmissbrauch im großen Stil umzugehen, auch der amerikanischen. Transparenz kann Gerechtigkeit nämlich nicht ersetzen. Epstein ist tot, sein System aber nicht."