
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU findet: "Mit der Charmeoffensive in den Golfstaaten beweisen Kanzler Friedrich Merz und seine Regierung erneut, wie sehr sie sich auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren und wie unwichtig ihnen Klimaschutz und Menschenrechte sind. Nachvollziehbar ist es, mit zusätzlichen Lieferungen von Erdgas die Abhängigkeit bei diesem Energieträger von den USA zu reduzieren. Und es ist durchaus zukunftsweisend, wenn dabei zusätzlich der Grundstein für eine Wasserstoffökonomie gelegt wird. Doch wenn dabei nicht über Klimaziele und Menschenrechte gesprochen wird, ist es zugleich einseitig und kurzsichtig", urteilt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock gibt zu bedenken: "Es ist keineswegs so, dass die arabische Welt per se Vertrauen in westliche Demokratien hat. Nach Deutschlands teurem Weg in die Unabhängigkeit von russischem Gas seit Moskaus Überfall auf die Ukraine sucht die Bundesregierung nun aber nach Möglichkeiten, wenigstens ein Stück weit aus der wirtschaftlichen und möglichst auch aus der militärischen Abhängigkeit von den USA zu kommen.Für Rüstungsgeschäfte mit der Golfregion hat die Regierung extra die strengen Exportrichtlinien gelockert. Für Saudi-Arabien sind solche Deals das sicherste Signal, dass ein Staat es mit der Zusammenarbeit ernst meint. Die Frage, wohin all die Lieferungen von Militärmaschinen und Waffen einmal führen werden, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Flüssiggas könnte Deutschland aus Katar beziehen, grünen Wasserstoff aus Saudi-Arabien. Vielleicht kann die Mittelmacht Deutschland über diesen Weg sogar mit der Großmacht USA über Preise reden", vermutet die OSTSEE-ZEITUNG.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER geht auf das Treffen von Kanzler Merz mit Mohammed bin Salman in Riad ein. Die Zeitung stellt fest: "Von einer Isolierung des saudischen Kronprinzen als möglichem Auftraggeber des Mordes am Journalisten Jamal Kashoggi ist keine Rede mehr. Gleichzeitig erhöht Merz den Druck auf die Mullahs im Iran 'die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung' einzustellen. Der Bundeskanzler misst hier – der Logik von US-Präsident Donald Trump folgend – mit zweierlei Maß."
Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm analysiert: "Salman ist nicht nur ein reicher Königssohn, sondern auch De-facto-Herrscher in Saudi-Arabien. Einem Land also, das aufgrund seines Wohlstands und seiner Zukunftspläne für Deutschland wichtig ist. Längst geht es nicht mehr nur um Öl und Gas, sondern um Investitionen und Absatzmärkte. Knallharte Interessenspolitik also, ein Verrat an der Moral? Ein bisschen schon. Doch gänzlich verdammen kann man den Kanzler dafür nicht. Was soll er tun, wenn er die Mittelmacht Deutschland im globalen Spiel und die heimische Wirtschaft am Laufen halten will?", fragt die SÜDWEST PRESSE.
Themenwechsel. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG äußert sich zu dem inzwischen ausgelaufenen Abkommen zwischen den USA und Russland zur Begrenzung der strategischen Atomwaffen: "Ohne 'New Start' entfällt die strategische Berechenbarkeit, die stille Garantie europäischer Sicherheit. Die nukleare Stabilität zwischen Washington und Moskau galt als ein Fundament der NATO-Strategie. Fällt sie weg, wächst die Gefahr von Fehlkalkulationen, von Eskalations- und Rüstungsspiralen. In dieser Ära neuer atomarer Ungewissheit muss die EU dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Nötig sind abgestimmte Positionen in der NATO und der Mut, Frankreichs Atomarsenal in eine gemeinsame europäische Verantwortung zu überführen. Gleichzeitig braucht es ehrgeizige diplomatische Bemühungen für ein Konzept der nuklearen Risikominderung – also von Mechanismen zur Verringerung der Gefahr eines Einsatzes von Atomwaffen", verlangt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Der US-Präsident hat sich inzwischen für einen neuen Atomwaffenvertrag mit Russland ausgesprochen. Die FREIE PRESSE aus Chemnitz vermutet, Trump wolle jedoch auch "China in die Verhandlungen einbeziehen, weil das Land zwar über ein vergleichsweise kleines, aber stetig wachsendes Atomwaffenarsenal verfügt. Das ist nicht unvernünftig, weil die Amerikaner ja bekanntlich in China eine größere strategische Bedrohung sehen als in Russland. Das markiert erneut den Übergang der langen Zeit nach dem Kalten Krieg hin zu einer tripolaren Weltordnung und zeigt, worüber sich die Strategen in Washington vor allem sorgen, nämlich die Machtverhältnisse im asiatisch-pazifischen Raum. Europa muss sich verlassen fühlen, weil es – Stichwort Ukraine-Krieg – die Bedrohung aus Moskau ganz anders einschätzt. Ein Ende des 'New Start'-Vertrags bietet auch den kleineren Mächten die Gelegenheit, ihre atomare Verteidigungspolitik neu zu überdenken. Das gilt auch für die Bundesrepublik", notiert die FREIE PRESSE.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ist überzeugt: "Es wäre töricht, die Frage nach einer nuklearen Bedrohung als irrelevant abzutun. Stattdessen muss die Bundesrepublik drei Optionen prüfen: Sie kann weiter auf Amerika hoffen, stärker auf Europa setzen - oder auf sich allein. Für die US-Option spricht, dass die USA als Schutzmacht schlicht nicht zu ersetzen sind. Nur sie verfügen über das breit gefächerte Arsenal, das Russland wirklich abschrecken kann. Die anderen Nuklearmächte in Europa - Frankreich und das Vereinigte Königreich – sind nicht annähernd so stark. Um sich vom Kalkül und den Interessen Dritter zu lösen, könnte sich Deutschland eigene Atomwaffen zulegen. Diese Option verstieße allerdings gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die Wiedervereinigung ermöglichte – sie würde das Verhältnis zu Frankreich, Großbritannien und den USA zerrütten", befürchtet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Nun noch Stimmen zu den 25. Olympischen Winterspielen, die heute in Italien eröffnet werden. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG erläutert: "Offiziell heißen die Spiele 'Milano – Cortina 2026'. Das ist ein Etikettenschwindel, denn die Wettbewerbe werden an zwei Dutzend Stätten ausgetragen, von Cortina d’Ampezzo in Venetien über Wintersportzentren in Südtirol und im Trentino bis nach Bormio, Livigno und Mailand in der Lombardei. Ob das Experiment der ersten wirklich dezentralen Spiele gelingt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Manche klagen, dass die 'olympische Familie' damit auseinandergerissen werde. Doch die Vorstellung vom gemütlichen Brettspielabend der Athleten und Betreuer nach dem knallharten Medaillenkampf ist im Zeitalter des Profisports bei Olympia obsolet", argumentiert die F.A.Z.
"Willkommen in Norditalien", schreibt DIE RHEINPFALZ aus Ludwigshafen: "Die Olympischen Winterspiele sind wieder dort, wo sie – neben Skandinavien – am besten aufgehoben sind: in einer traditionellen Wintersportregion mit der entsprechenden Begeisterung für alles, was sich sportlich auf Schnee und Eis austragen lässt. Mailand, Cortina d’Ampezzo und die anderen Veranstaltungsorte haben allemal mehr Charme als Sotschi, Pyeongchang oder gar Peking, wohin sich der Kampf um die Medaillen in der jüngsten Vergangenheit verirrt hat", urteilt DIE RHEINPFALZ.
Die STUTTGARTER ZEITUNG verweist auf klimatische Veränderungen: "Vor 70 Jahren fanden in Cortina erstmals Winterspiele statt. Seitdem ist dort die Temperatur im Februar im Mittel um 3,6 (!) Grad gestiegen, zudem gibt es pro Jahr 41 Frosttage weniger. Stimmen die Prognosen, dann werden 2050 weltweit nur noch elf Regionen in der Lage sein, ohne massive künstliche Beschneiung große Sportereignisse auszutragen. Sind Olympische Winterspiele schon bald Schnee von gestern?" Das war zum Ende der Presseschau ein Auszug aus der STUTTGARTER ZEITUNG.
