07. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die EU-Vorwürfe an die Kurzvideoapp TikTok, Kinder und Jugendliche süchtig zu machen, sowie die von der Linkspartei in Auftrag gegebenen Studie zur Vermögenssteuer. Zunächst aber Kommentare zu den neu veröffentlichten Akten zu Netzwerken des Sexualstraftäters Epstein.

Das Tiktok-Logo auf einem Handy.
Das Tiktok-Logo auf einem Handy. (IMAGO | Rene Traut)
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin blickt auf die zahlreichen namhaften Personen, deren Namen in den Dokumenten auftauchen und bemerkt: "Keiner will etwas geahnt haben. Doch das ist mit jeder Veröffentlichung immer schwerer vorstellbar. Es geht nicht darum, sämtlichen Personen, die mit Epstein in Kontakt standen, ein Mitwirken an seinen kriminellen Tätigkeiten zu unterstellen. Aber je mehr Namen ans Licht kommen, desto drängender wird die Frage, ab wann Wegschauen zur Mittäterschaft wird."
In Polen will die Regierung untersuchen, inwieweit Epstein Verbindungen zu russischen Geheimdiensten hatte. Dazu schreibt der CICERO: "Staaten in Mittel- und Osteuropa verfügen über eine historische Erfahrung mit russischer Einflussnahme. Verdeckte Operationen, kompromittierende Dossiers und informelle Netzwerke gehören dort zur politischen Erinnerung, nicht zur Theorie. Wenn Polens Ministerpräsident Tusk von nationaler Sicherheit spricht, meint er die Möglichkeit langfristiger Destabilisierung. Die Frage lautet nicht, wer sich schuldig gemacht hat, sondern wer erpressbar geworden sein könnte", erklärt der CICERO.
Auch T-ONLINE sieht eine Relevanz für die Sicherheit Europas: "Niemand kann garantieren, dass es nicht noch weitere europäische Amtsträger oder andere Mächtige gibt, die durch ihren Umgang mit Epstein kompromittiert und womöglich erpressbar sind. Bekannt ist inzwischen, dass auch einige Deutsche mit Epstein eng verbunden waren. Die Bundesregierung sollte daher dafür sorgen, dass deutsche Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden die umfangreichen Dokumente auswerten", fordert T-ONLINE.
Der Kommentator der WELT sieht es so: "Man kann nur 'Kompromat' sammeln, wenn es kompromittierendes Verhalten gibt. Die Geheimdienste sind nicht das Problem, sondern das, was Feministinnen 'toxische Männlichkeit' nennen. Über alle Differenzen der politischen Einstellung hinweg fanden es erwachsene, westlich sozialisierte Männer im 21. Jahrhundert völlig in Ordnung, sehr junge, zum Teil minderjährige Mädchen sexuell auszunutzen und in einigen Fällen brutal zu vergewaltigen. Viele andere Männer wussten davon und schwiegen. Der Fall macht klar, dass die Feministinnen Recht haben: Für viele Männer bedeutet Macht auch und gerade sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Nutznießer und Mitwisser von Epsteins Missbrauchs-Netzwerk müssen zur Rechenschaft gezogen werden, strafrechtlich und – wo das nicht geht – durch gesellschaftliche Ächtung. Darüber hinaus aber muss sich jede Hierarchie prüfen, ob sie genügend Sicherungen gegen das Platzgreifen toxischer Männlichkeit eingebaut hat", unterstreicht der Autor der WELT.
Nun zur von der Linkspartei in Auftrag gegebenen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, wonach eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer bis zu 150 Milliarden Euro pro Jahr einbringen könnte. Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER kommentiert: "Es ist erschreckend, wenn laut dem neuesten Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam die reichsten zwölf Menschen des Planeten so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Ein derart eklatantes Ungleichgewicht vertieft soziale Spannungen und führt zu einer bedenklichen Machtkonzentration in den Händen einiger weniger. Eine Vermögensteuer könnte diese Effekte zumindest abschwächen und würde den Beitrag der Superreichen zum Gemeinwesen angemessenerweise erhöhen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass die ohnehin angeschlagene Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft weiter belastet wird oder es zu einer großangelegten Steuerflucht kommt. Wobei dieses Risiko vielleicht auch überbewertet wird, treten doch nicht wenige Superreiche selbst für eine höhere Besteuerung ein", gibt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER zu bedenken.
Die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG meint: "Wenn Milliardäre oder auch vielfache Millionäre ein Prozent ihres Vermögens jährlich abgeben müssen, leidet darunter nicht der Wirtschaftsstandort Deutschland. Es würde sich vielmehr um einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit handeln. So sah es auch Bundesfinanzminister Theo Waigel im Jahr 1995. Da verdoppelte der CSU-Politiker die Vermögensteuer auf eben dieses eine Prozent. Die Linke will jetzt wieder dorthin, wo das Kabinett Kohl 1997 vom Bundesverfassungsgericht ausgebremst wurde: zurück zur Vermögensteuer in dieser Höhe. Das wäre nicht revolutionär, sondern geboten", findet die RHEIN-NECKAR-ZEITUNG aus Heidelberg.
In der FRANKFURTER RUNDSCHAU heißt es: "Was aber, wenn die Reichen ihr Geld nicht herausrücken? Ein entsprechendes Gesetz ließe sich relativ leicht umgehen, durch eine Verlagerung des Vermögens oder gleich des Wohnsitzes ins Ausland beispielsweise. Es gibt schlechte Reiche. Aber will man das Geld solcher Menschen – siehe den Fall Epstein – überhaupt haben und dafür seinen Stolz verlieren? Daneben gibt es auch vermögende Menschen, die Museen bauen, Geld spenden oder es an wohltätige Organisationen vererben", erinnert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Themenwechsel. Die EU-Kommission wirft TikTok vor, Kinder und Jugendliche süchtig zu machen - und droht mit Strafen, sollte sich an der Funktionsweise der Kurzvideoapp nichts ändern. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG meint: "Gut so! Bislang reagieren die Plattformen auf Regulierungsversuche allenfalls halbherzig. Auf sie verzichten sollte man aber nicht. Je mehr Versuche es gibt, desto größer wird der Druck. Und das führt vielleicht irgendwann zum Umdenken, auch in den Konzernen. Denn am Ende wollen die ja eins: Geld verdienen. Der Druck auf Digitalkonzerne entlässt Eltern allerdings nicht aus ihrer Verantwortung: Sie sind es, die entscheiden, wann ihr Kind ein Smartphone bekommt. Ihre Aufgabe ist es, Kinder beim Start in die digitale Welt zu begleiten. Sie müssen über Gefahren aufklären. Und sie sollten ihre eigenen Gewohnheiten hinterfragen. Denn wer am Abendbrottisch immer wieder zum Handy greift, auf dem Spielplatz durch Instagram scrollt oder sich zum Einschlafen Youtube Shorts reinzieht, der kann von seinen Kindern kaum verlangen, dass sie darauf verzichten", findet die F.A.Z.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER spricht angesichts der EU-Maßnahme von einem "wichtigen Schritt" und blickt auf Altersgrenzen für Social Media, über die zahlreiche Länder diskutieren: "Die Altersgrenze ist ein wenig wie Schmerztabletten bei Rückenschmerzen. Sie lindern die Symptome – eine dauerhafte Lösung sind sie aber nicht. Keine Frage, soziale Medien sind gefährliche Orte für Kinder und Jugendliche. Doch die Altersverifikation ist unsicher und kann umgangen werden. Altersgrenzen einzuführen, erfüllt einen Zweck. Zeigen sie doch zumindest einen Willen zur Selbstbehauptung gegenüber übermächtigen US-Konzernen, die sich immer seltener um nationale Regeln scheren. Viel mehr allerdings sollte man von einem derartigen Verbots-Aktionismus nicht erwarten", meint der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Zum Schluss zu den gestern Abend eröffneten Olympischen Winterspielen. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt zu den sieben Wettbewerbsorten: "In Italien sprechen sie längst von den 'diffusen Spielen'. Der Bobfahrer, der keine Chance hat, im olympischen Dorf mit dem Eishockey-Profi zu plaudern, oder die Snowboarderin, die es nicht zur fünf Fahrstunden entfernten Eröffnungsfeier schafft, mögen das zerklüftete Konzept bedauern. Und doch ist es alternativlos, wenn man mit Winterolympia nicht irgendwann im saudi-arabischen Plastikschnee landen will. Olympische Winterspiele sind längst viel zu groß geworden, um sie in einem Bergstädtchen unterzubekommen. Bestehende Wettkampfstätten nutzen, möglichst wenige Anlagen neu bauen, die sonst wieder verfielen – das ist der richtige Weg", meint die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.