14. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute mit Stimmen zur Reaktion der Bahn auf die Gewalt gegen ihre Zugbegleiter, zur Klimapolitik der USA und zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz.

An einem Absperrgitter vor dem Bayerischen Hof ist die Aufschrift „MSC - Munich Security Conference“ zu sehen, im Hintergrund die Münchner Frauenkirche.
Der Auftakt zur 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) ist ein Thema der Presseschau. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Dazu schreibt der MÜNCHNER MERKUR: "US-Präsident Trump ließ seinen Rumpel-Diplomaten J.D. Vance diesmal daheim, für ihn kommt Außenminister Rubio, der letzte Transatlantiker von Gewicht in der US-Regierung. Doch die zentrale Botschaft wollte auch der in der EU hochgeschätzte Rubio den Europäern vorab nicht ersparen: Die alte Welt gibt es nicht mehr. Wie Kanzler Merz es in seiner beeindruckenden Rede formulierte, muss Europa die 'Lücke zwischen Anspruch und Möglichkeiten schließen' und 'zu einem Faktor in der Weltpolitik werden'. So lange Europa auf Amerikas Schutzschirm nicht verzichten kann, ist es gut, wenn Merz den Lorbeer des scharfzüngigsten Trump-Kritikers dem kanadischen Premier Carney überlässt. Der Kanzler versuchte stattdessen klug, den Freunden jenseits des Atlantiks ins Gewissen zu reden. Mit Blick auf China sagte er: 'Der Führungsanspruch der USA ist angefochten, vielleicht schon verspielt.' Ohne Partner werde es einsam um die USA. Wer wollte, konnte darin auch eine kleine Retourkutsche für Rubio und seinem Wort von der veränderten Welt sehen. Ja, die Welt ändert sich gerade. Aber für alle", heißt es im MÜNCHNER MERKUR.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG führt aus: "Eine der wichtigsten Passagen seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz hielt Bundeskanzler Merz auf Englisch, damit nicht nur die Amerikaner im Saal sie direkt und ohne Übersetzung verstehen konnten, sondern auch ein Zuhörer im Weißen Haus. Die Grundsatzrede des Kanzlers bemühte sich aber nicht nur um eine Neubegründung des schwierigen und schwierig bleibenden Verhältnisses zu Amerika. Voraussetzung für eine Partnerschaft, die diesen Namen verdient, ist es, dass Europa selbst zu einem Faktor in der Weltpolitik wird. Der Kanzler setzt darauf, dass es genügend Europäer gibt, die endlich erkennen, was die Stunde geschlagen hat, und sich entsprechend verhalten", so die Einschätzung der FAZ.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg fordert: "Europa muss sich strategisch emanzipieren. Auch wenn sich die USA zur NATO bekennen, bleibt Europas Fixierung auf Washington riskant. Das transatlantische Verhältnis ist aus dem Gleichgewicht geraten; mit Donald Trump im Weißen Haus zeigt sich der Bruch der regelbasierten Ordnung offen, zuletzt im Streit um Grönland. Deutschland trägt als größte Volkswirtschaft besondere Verantwortung. Europa muss vom Reagieren ins Agieren kommen und eine Partnerschaft mit den USA auf Augenhöhe definieren: kooperativ bei gemeinsamen Interessen, klar widersprechend bei Differenzen. In einer neu geordneten Welt zählen Selbstbestimmung und Stärke", so die Überzeugung der SCHWÄBISCHEN ZEITUNG.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU bleibt skeptisch: "Die bemerkenswerte Rede von Friedrich Merz mag signalisieren, dass sich die Europäer bei dieser Münchner Sicherheitskonferenz nicht wieder demütigen lassen wollen wie im vergangenen Jahr durch die Rede von US-Vize-Präsident JD Vance. Fraglich ist allerdings, ob sich vor allem US-Präsident Donald Trump davon beeindrucken lässt."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE fügt an: "Merz will Europa in der NATO stärken und die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas machen: 'Wir sind dieser Welt nicht ausgeliefert. Wir können sie gestalten', sagt er. Wie das in der Praxis funktioniert, kann der Kanzler in den nächsten Wochen zeigen. Dann wird er in Peking und Washington erwartet."
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin geht auf einen anderen Aspekt von Merz' Rede in München ein: "Der Kanzler rechnete mit der deutschen Außenpolitik der letzten Jahrzehnte ab. Seine Klage über den 'normativen Überschuss' der Berliner Außenpolitik war eine Backpfeife für diverse Außenminister, allen voran wohl Annalena Baerbock. Oder wen meinte Merz, indem er treffend klagte, die deutsche Außenpolitik habe, gemessen an ihren Machtmitteln, zu viel 'gemahnt, gefordert und gemaßregelt'?, fragt der TAGESSPIEGEL.
Präsident Trump hat für die USA eine wissenschaftliche Feststellung aufgehoben, wonach Treibhausgasemissionen gesundheitsgefährdend sind. Damit können Klimaschutzmaßnahmen für Wirtschaft und Verbraucher künftig ausgehebelt werden. Die NÜRNBERGER ZEITUNG meint dazu: "Dieser Frontalangriff auf den Klimaschutz ist nicht nur eine Katastrophe für die Umwelt, sondern auch für die USA selbst, die im globalen Wettlauf um Innovation und Effizienz immer weiter zurückfallen. Bleibt zu hoffen, dass die Gerichte den Präsidenten stoppen und die Bundesstaaten das klimapolitische Vakuum füllen, das Trump geschaffen hat."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG bezeichnet Trump als "König des Eigentors" und begründet ihr Urteil wie folgt: "In seinem Feldzug gegen die Klimapolitik und für die fossile Lobby im Land ist das die bisher schwerwiegendste Entscheidung. Schon der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen war ein Schlag, ebenso wie der Rückzug aus der Mutter aller Klimaverträge, der Klimarahmenkonvention. Indem er aber der Umweltbehörde EPA die Werkzeuge für verbindliche Vorgaben raubt, setzt er auch die amerikanische Industrie auf Kurs Vergangenheit: 'Make America small'. Dabei hätte schon der Umstand, dass den USA bisher niemand gefolgt ist beim Ausstieg aus internationalen Klimaabkommen, Trump und den Seinen zu denken geben müssen. Gerade das Pariser Klimaabkommen kam auch deshalb zustande, weil Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum eben kein Gegensatz mehr waren – sondern weil auch die ökonomische Supermacht China in emissionsarmen Technologien die Märkte der Zukunft erkannt hatte, die Europäer sowieso. Von diesen Märkten nabelt Trump sein Land nun ab", konstatiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Die Wissenschaft und ihre Protagonisten wandern beim gewählten Anführer der Vereinigten Staaten in den Orkus. Nicht nur mit Klimaschutz-Bezug", stellt die VOLKSSTIMME aus Magdeburg fest und spottet: "Es könnte auch einen Galileo Galilei erwischen. Denn ist die Erde nicht doch eine Scheibe? Mit einem solchen Dekret hätte der Präsident sogar einen Doppel-Deal gemacht. Weil seine Immobilien auf ebenem Boden sicherer stünden, wären sie wertvoller. Am Rand der Scheibe würde Trump die Regimenter der berüchtigten Einwanderungspolizei ICE postieren. Die würden jeden von der Erdscheibe schubsen, der aufmuckt."
Aus dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters zieht die Deutsche Bahn Konsequenzen. "Das ist gut so", meint die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf: "Es ist nicht länger hinnehmbar, dass pro Jahr Tausende Übergriffe auf Bahnmitarbeitende registriert werden. Der Sicherheitsgipfel, den Bahnchefin Evelyn Palla gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und weiteren Teilnehmern abhielt, hat konkrete Maßnahmen hervorgebracht. Das ist ein wichtiges Signal. Dass Zugbegleiter, Sicherheitspersonal und andere Bahnmitarbeiter mit Kundenkontakt künftig Bodycams tragen dürfen, kann zu mehr Sicherheit beitragen. Zudem braucht es mehr Bundespolizisten in den Zügen."
Die STUTTGARTER NACHRICHTEN geben zu bedenken: "Bodycams schützen nicht vor spontanen Kurzschluss-Taten. Sie sind deshalb eine Ergänzung, kein Ersatz für mehr Personal."
Auch die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG ist unzufrieden mit der Reaktion der Bahn: "Es musste erst zum Schlimmsten kommen, bevor der Staatskonzern reagierte. Doch er entledigt sich dieser Aufgabe wie so oft: Defizite kleistert das Unternehmen mit Aktionismus zu, das zeigt etwa das Beispiel der Bodycams. Viele Studien befassen sich mit deren Einsatz, die Wirksamkeit wird meist angezweifelt. Darüber hinaus gibt es die üblichen Lippenbekenntnisse und Vertröstungen. So soll sich die Verkehrsministerkonferenz Ende März mit einer besseren Personalausstattung der Nahverkehrszüge befassen. Das wäre gar nicht nötig, hätte die Bahn in der Vergangenheit nicht ständig Personal abgebaut." Mit dieser Stimme der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG endet die Presseschau.