18. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute unter anderem mit Kommentaren zu den Verhandlungen über den Ukraine-Krieg in Genf sowie zur Einstufung der AfD in Niedersachsen als extremistische Bestrebung. Zunächst geht es aber um die Lage der deutschen Wirtschaft.

Vor Dämmerlicht steigt Dampf aus den Hochöfen der Thyssen-Krupp-Anlage in Duisburg auf.
Der Stellenabbau in der deutschen Industrie hält an. (AFP / Ina Fassbender)
Im vergangenen Jahr sind in Deutschland einer Erhebung zufolge mehr als 124.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen. Dazu bemerkt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Fabriken, in denen Autos, Maschinen, Kleidung und andere nützliche und faszinierende Dinge entstehen, gelten als Kern des deutschen Wirtschaftsmodells. Noch, muss man allerdings sagen, denn was einst als Made in Germany Kunden auf der ganzen Welt begeisterte, entsteht mittlerweile auch an vielen anderen Orten. Asiens Aufsteiger beherrschen nicht nur moderne Elektronik, sondern auch klassische Industriekunst mit Stahl und Schrauben. Sie lassen den einstigen Champion Deutschland alt aussehen. So darf es nicht bleiben. Unsere Wirtschaft braucht nicht weniger, sondern andere Arbeitsplätze, um den Wandel zu bewältigen. Auf die Schnelle wird uns kein Aufschwung aus der Krise helfen. Deshalb sollte jedes Unternehmen und jeder Arbeitnehmer mit dem Wandel bei sich selbst beginnen", fordert die F.A.Z.
Der WIESBADENER KURIER unterstreicht: "Die Wirtschaft klagt über geopolitische Unsicherheiten, hohe Standortkosten und eine schwache Inlandsfrage. Das ist nachvollziehbar. Die Reaktion ist allerdings fatal: Investiert wird vor allem in den Ersatz von Maschinen und Rationalisierung, Innovationen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Aber Unternehmen, die nicht in die Zukunft investieren, haben sich bereits selbst aufgegeben."
Das HANDELSBLATT notiert: "Die internationale Arbeitsteilung hat der Bundesrepublik über Jahre ihren Wohlstandsgewinn beschert. Dieses deutsche Geschäftsmodell funktioniert aber nicht mehr, denn die beiden wichtigsten Handelspartner, China und die USA, setzen heute auf Abschottung und Eskalation. Die Hoffnung, die Binnenkonjunktur könnte nun an diese Stelle treten, ist verfehlt. Das erwartete Wachstum im laufenden Jahr ist durch die hohen staatlichen Ausgaben getrieben. Das wird nicht so bleiben, in den kommenden Jahren wird Deutschland auch wieder selbstgetragenes Wachstum erleben. Doch dieses wird weit weg von dem Niveau sein, das das Land braucht, um seinen Wohlstand zu erhalten", befürchtet das HANDELSBLATT.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht hingegen Gründe für Optimismus: "Nach der Sommerpause rief Kanzler Merz einen 'Herbst der Reformen' aus. Das Problem: Die Euphorie war verfrüht, die Konjunkturdaten ließen so viel Zuversicht gar nicht zu. Das sieht jetzt anders aus. Bereits zum Jahresende gab es bei den Neugründungen einen Rekord. So viele Start-ups wie noch nie legten los. Ein weiterer Indikator ist die Belebung in der Baubranche. Diese ist zwar, wie in vielen anderen Industriebereichen, noch zaghaft. Aber es geht voran, es geht sogar leicht aufwärts. Vor allem: Es geht nicht weiter abwärts. Schon gar nicht befindet sich Deutschland im 'freien Fall', wie die AfD behauptet", hält die FRANKFURTER RUNDSCHAU fest.
Die AfD Niedersachsen ist vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft worden - als erster westdeutscher Landesverband der Partei. Dazu schreibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Die Hochstufung ist folgerichtig, ihre Wirkung auf die Partei sollte man trotzdem nicht überschätzen. Verfassungsschutz-Einstufungen könnten der AfD unter drei Bedingungen gefährlich werden. Erstens: Wenn sie eine Koalition anstrebt. Diesen Plan hat ein Großteil ihrer Politiker verworfen. Zweitens: Wenn die AfD dadurch Wählerstimmen verliert. In den Ostverbänden, dem Westen in Radikalisierung und Umfragewerten stets einen Schritt voraus, war das nicht der Fall. Im Gegenteil. Drittens: Bei einem Verbotsverfahren. Dafür gibt es derzeit keine politische Mehrheit, die Erfolgschancen sind umstritten", analysiert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die BADISCHE ZEITUNG kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: "Auch wenn nun ein Bundesland nach dem anderen nachzieht und die AfD neu einstuft, sind die Folgen begrenzt: Die Verfassungsschutzämter können sie noch etwas intensiver beobachten. Auf die Wahlerfolge der Partei haben solche Einstufungen aber keine spürbaren Auswirkungen. Die größte Gefahr für die AfD ist sie deshalb selbst: Weil sie mit ihrer Vetternwirtschaftsaffäre den Wählerinnen und Wählern zeigt, wie korrumpierbar und auf eigene Vorteile bedacht Teile der Partei sind." Wir zitierten die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg.
Ins Ausland: Delegationen aus Russland und der Ukraine sind gestern in Genf zu einer neuen Verhandlungsrunde zusammengekommen. Die FREIE PRESSE kommentiert: "Noch immer hofft US-Präsident Trump, dass ihn ein Abkommen dem ersehnten Friedensnobelpreis näherbringt. Über seine kurze Aufmerksamkeitsspanne ist vielfach berichtet worden. Die Ukraine-Russland-Verhandlungen fallen nicht darunter. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass es ihm um viel mehr geht als um eine internationale Ehrung. Es geht ums Geschäft, und es geht um geostrategischen Einfluss. Gleichwohl hat er eine Frist für ein Abkommen bis Juni gesetzt. Die Zeit spielt momentan für Russland. Und das nicht nur angesichts des personell geschwächten ukrainischen Militärs und der wachsenden Ungeduld Trumps gegenüber Selenskyj, Staatsgebiet an Russland abzutreten. Die dramatisch geschwundene materielle US-Unterstützung für die Ukraine können die Europäer nur unzureichend auffangen", befindet die FREIE PRESSE aus Chemnitz.
Die RHEIN-ZEITUNG ergänzt: "Die Situation des ukrainischen Präsidenten ist in den vergangenen Monaten immer schwieriger geworden. Das Engagement für die Ukraine war lange Zeit für Europa das wichtigste Thema – und vor Trumps neuer Amtszeit auch für die USA zentral. Doch jetzt sitzen bei diesen wichtigen Verhandlungen in Genf die Europäer erneut nicht am Tisch. Trumps Unterhändler sollen zusätzlich zu den Ukraine-Gesprächen auch russisch-amerikanische Gespräche über eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten führen. Wieder ein Indiz dafür: Während Selenskyj die Peitsche zu spüren bekommt, soll Wladimir Putin mit Zuckerbrot gelockt werden", erläutert die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz.
Themenwechsel. Das ZDF hat sich für einen Beitrag im heute-journal über Abschiebungen in den USA entschuldigt. Darin wurden KI-generierte Bilder verwendet, ohne diese zu kennzeichnen. Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG betont: "Keine Frage: Fehler passieren. Das Problem ist nur: Manche Fehler wiegen so schwer, dass sie zwar passieren können, aber niemals dürfen. Der Beitrag schürt jetzt, nachdem die Sache aufgeflogen ist, nämlich gleich zwei Urängste unserer so nervösen Mediengesellschaft. Die alte Sorge, dass 'die' Medien schummeln könnten, wird von dem Vorfall ebenso genährt wie die wachsende Furcht vor einer durch KI frisierten Weltöffentlichkeit, in der irgendwann alle den Überblick verloren haben, was hier eigentlich noch echt ist und was gelogen", warnt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG
Die TAZ stellt heraus: "Dieser Fehltritt eines öffentlich-rechtlichen Senders ist natürlich ein Anlass für rechte Medien, Stimmung zu machen. Die Kritik ist überzogen und auf Moderatorin Hayali zugespitzt. Rechte nehmen den Moment auch zum Anlass, um das brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE zu legitimieren. Dafür kann das ZDF nichts, solche Anlässe werden von Rechten immer wieder gefunden. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass bei Kenntnissen über KI-Inhalte, korrekter Recherche und Endabnahme sowie einem professionellen Krisenmanagement beim 'heute journal' etwas nicht stimmt. Noch dazu bedienen solche Fehler das trumpsche Narrativ der Fake News und schädigen das Vertrauen in den Journalismus allgemein."