19. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind KI-Bilder im "Heute Journal" des ZDF, die elektronische Patientenakte, der politische Aschermittwoch und der Jahrestag des Anschlags von Hanau. Zunächst aber geht es um die Debatte um Atomwaffen in Europa.

Undatierte Aufnahme des französischen Atom-U-Boots "Le Triomphant"
Atomare Abschreckung in Europa? Das ist Thema in den Zeitungen. (picture-alliance / dpa / Marine_Nationale)
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG bemerkt: "Wie schon in München bekräftigte Merz, an den rechtlichen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag und dem Zweiplus-vier-Vertrag festhalten zu wollen. Deutschland darf und will also keine Atommacht werden. Unklar ist auch, wo diese Überlegungen hinführen könnten. Das französische und auch das britische Atomarsenal ist viel zu klein, um ganz Europa zu schützen. Dafür war es auch nie gedacht. Frankreichs Atomwaffen sind hauptsächlich seegestützt und das Projekt für ein deutsch-französisches Kampfflugzeug steht gerade vor der Bruchlandung. Noch schwerer wiegt die Frage, wer künftig in Paris regiert. Auf die USA unter Trump ist kein Verlass mehr. Für ein Frankreich unter Marine Le Pen würde leider dasselbe gelten", mahnt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG kritisiert: "Angesichts der Unsicherheit, wie verlässlich der amerikanische Atomschirm noch ist und wie abschreckend die französischen und britischen Schirmchen auf Putin wirken, ist nicht das Nachdenken über eine deutsche Atombewaffnung fahrlässig, sondern das Nichtnachdenken."
DER TAGESSPIEGEL aus Berlin meint: "Eine europäische nukleare Abschreckung – unter klarer demokratischer Kontrolle, eingebettet in die Strukturen der Europäischen Union und kompatibel mit der Nato – wäre kein Bruch mit der Geschichte, sondern ihre Fortentwicklung. Deutschland würde keine eigenen Bomben bauen. Es würde sich an einer europäischen Sicherheitsarchitektur beteiligen, die Abschreckung als Mittel zur Friedenssicherung versteht. Und Gemeinsamkeit ist allemal besser als jeder Alleingang. Richtig, es bleibt ein moralisches Dilemma. Atomwaffen sind Massenvernichtungswaffen. Abschreckung funktioniert aber nicht über gute Absichten, sondern über Glaubwürdigkeit. Wer von außen auf Europa blickt, soll wissen: Dieser Kontinent ist nicht erpressbar. Nicht militärisch, nicht politisch", stellt DER TAGESSPIEGEL fest.
Das ZDF zeigte im Heute Journal KI-generierte Bewegtbilder, ohne dies kenntlich zu machen. Nach der Bitte um eine Entschuldigung durch den öffentlich-rechtlichen Sender schreibt der MÜNCHNER MERKUR: "In einer Zeit, in der viele Nachrichten-Konsumenten nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können, kommt den großen Sendern mit ihren milliardenschweren Etats eine noch größere Verantwortung zu. Wer, wenn nicht sie, haben die Erfahrung und die finanziellen Möglichkeiten, um Inhalte auf ihre Echtheit zu prüfen?", fragt der MÜNCHNER MERKUR.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER fordert: "Die Leitung des Senders muss Konsequenzen ziehen und dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholen kann. Denn es steht mehr auf dem Spiel als nur der Ruf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: die Frage, welchen Bildern und Nachrichten man überhaupt noch trauen kann."
Die elektronische Patientenakte ist Thema in der MÄRKISCHEN ODERZEITUNG aus Frankfurt (Oder). Das Blatt attestiert der Akte einen "Stotterstart": "Viele Versicherte erkennen nicht gleich den Nutzen der E-Akte, fühlen sich nicht hinreichend informiert oder bleiben angesichts von Datenschutz-Bedenken zurückhaltend. Der wichtigste Grund ist handfester: Die technischen Hürden sind absurd hoch. Der Prozess der Einrichtung der Apps mit einem Marathon an Authentifizierungen, Hantieren mit Pins und Codes ist hoch abschreckend und gerade für ältere Menschen schlicht überfordernd. Das muss sich dringend ändern. Denn im Idealfall kann eine gut genutzte ePA für alle Beteiligten im System erheblichen Nutzen bringen", notiert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER hebt hervor: "Viel wesentlicher, als dass die elektronische Patientenakte von den Patienten genutzt wird, ist, dass sie für Ärzte ein nützliches Werkzeug darstellt. Der Blick in die eigene Akte mag vielleicht interessant sein, aber für Ärzte hat sie das Potential, ein wirkungsvolles medizinisches Instrument zu werden. Über je mehr Informationen ein Arzt verfügt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass er die korrekte Behandlung für die Leiden des Patienten findet. Eine sinnvolle und übersichtliche Verknüpfung der Daten, die von verschiedenen Ärzten eingepflegt werden, sollte daher oberste Priorität haben", verlangt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Nur ein Bruchteil der Versicherten nutze die Akte bisher, bedauert die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Ausnahmsweise gelingt in Deutschland mal ein Schritt in die Moderne, aber die Menschen ziehen nicht mit. Es ist im eigenen Interesse der Versicherten, sich einen Zugang zur Akte anzulegen, um die Daten selbst managen zu können. Ja, der erstmalige Anmeldeprozess mutet kompliziert an, das ist aber der Datensicherheit geschuldet und am Ende nicht viel komplizierter als die Eröffnung eines Bankkontos. Ja, es fehlen noch wichtige Funktionen, etwa die digitale Variante von Impfausweis oder Mutterpass. Doch der Anfang ist gemacht. Es ist weder sinnvoll noch Erfolg versprechend, die Digitalisierung aussitzen zu wollen. Dafür sind die Vorteile zu groß", folgert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die Veranstaltungen der Parteien zum politischen Aschermittwoch beobachten die NÜRNBERGER NACHRICHTEN: "Von Buße oder gar Demut ist beim politischen Aschermittwoch wenig zu spüren, auch bei jenen nicht, die das C im Namen führen oder sich den christlichen Werten verpflichtet fühlen. Klar, die Nachrichtenlage ist dünn am Aschermittwoch, der Termin ein Lückenfüller für die Politik wie die Medien – und für manche bundesweit eher unbekannte Landespolitiker ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit. Schon deshalb wird diese Veranstaltung überdauern. Und das, obwohl die Mehrheit des Wahlvolks den politischen Zoff nicht goutiert, sondern Lösungen sehen will", unterstreichen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG bilanziert: "Die alljährliche Wirtshaus- und Bierzeltveranstaltung mit Bratwurst, Blasmusik und billigen Sprüchen wirkt im Digitalzeitalter wie ein Überbleibsel aus einer Zeit, als Politik vor allem nach Zigarettenrauch und Männerschweiß roch. Und doch – banalisieren sollte man den politischen Aschermittwoch nicht. Denn er bedient etwas zutiefst Menschliches: den uralten Reflex, Gemeinschaft über Abgrenzung zu schaffen und das Vergnügen daran, über andere herzuziehen und sich dabei moralisch überlegen zu fühlen", findet die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Das STRAUBINGER TAGBLATT fragt: "Hat der oft totgesagte Politische Aschermittwoch also doch Zukunft? Ihn zur grundsätzlichen politischen Standortbestimmung zu überhöhen, wäre wohl etwas zu viel der Ehre. Aber es kann nicht schaden, ihn zum Anlass zu nehmen, um in die Parteien hineinzuhören, wer mit wem kann und wer nicht. Und wenn es dann noch Fischsemmeln und Bier gibt, nehmen die Zuhörer auf jeden Fall etwas Substanzielles mit." So weit das STRAUBINGER TAGBLATT.
Heute vor sechs Jahren tötete ein Mann in Hanau aus rechtsextremen und rassistischen Motiven neun Menschen mit Migrationsgeschichte, anschließend auch seine Mutter und sich selbst. Ein weiterer Mensch starb im Januar dieses Jahres an den Folgen. DIE TAGESZEITUNG - TAZ - kommentiert: "Sechs Jahre sind vergangen, und für diejenigen, die wegschauen wollen, wird es jedes Jahr leichter. Und es liegt an uns allen als Gesellschaft, den Angehörigen einen Teil ihrer Last abzunehmen: hinschauen, auch wenn es weh tut. Zuhören, auch wenn es unbequem ist. Widersprechen, wenn rechte Narrative normalisiert werden. Und solidarisch vor Ort bleiben, auch wenn viele längst weg sind. Und Aufklärung einfordern – jeden Tag. Denn Hanau ist nicht Vergangenheit. Hanau ist Gegenwart."