20. Februar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute unter anderem mit Kommentaren zu dem von US-Präsident Trump gegründeten Friedensrat und zur veröffentlichten Deutschland-Monitor-Studie. Zunächst werfen wir jedoch einen Blick auf die vorübergehende Verhaftung des früheren britischen Prinzen Andrew.

Prinz Andrew in einer Nahaufnahme im Freien. Er trägt einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte.
Der frühere britische Prinz Andrew (Archivfoto) (picture alliance / Associated Press / Jordan Pettitt)
Dazu meint die FREIE PRESSE aus Chemnitz: "Die Festnahme war ein nötiger Schritt als Zeichen dafür, dass Ermittlungen auch jene treffen, die fälschlicherweise meinen, über dem Gesetz zu stehen. Dieser Grundsatz mag banal klingen. Seine eigentliche Sprengkraft entfaltet er jedoch erst, wenn er konsequent angewandt wird. Für das Königshaus ist die Verhaftung Risiko und Chance zugleich. Der Schatten der Epstein-Verbindungen hat das Vertrauen in die Institution schwer beschädigt. Jede neue Enthüllung wirkte wie ein weiterer Riss im Fundament. Doch Transparenz und gleiche Maßstäbe könnten genau das sein, was die Monarchie jetzt braucht", hebt die FREIE PRESSE hervor.
Für die Opfer seien die Ermittlungen gegen Andrew Mountbatten-Windsor grundsätzlich ein Hoffnungsschimmer in Europa, findet die Berliner TAGESZEITUNG kurz TAZ: "Es sind ausdrücklich keine Ermittlungen wegen sexualisierter Gewalt, doch immerhin geht die Strafverfolgung ihrem Job nach. In Großbritannien ist es nicht nur Mountbatten-Windsor, der Konsequenzen fürchten muss, auch der britische Premierminister Keir Starmer gerät unter Rechtfertigungsdruck. Kleine Schimmer, doch echte Hoffnung gibt es erst, wenn Ermittlungen gegen alle mächtigen Männer in Gang gesetzt werden, die in den Akten auftauchen", unterstreicht die TAZ.
Die BADISCHEN NEUESTE NACHRICHTEN sehen gravierende Folgen: "Andrews Verhaftung löst eine Schockwelle aus, die an die Substanz des Staates geht. Denn die Berichte über die frühere Nummer vier der Thronfolge zwingen die Briten dazu, sich mit einer schwierigen Frage für das Königshaus auseinanderzusetzen: Kann sich eine moderne Demokratie wie Großbritannien weiterhin eine Monarchie leisten, die einer reichen und privilegierten Minderheit eine Sonderbehandlung garantiert? Die Zeiten, in denen Queen Elizabeth II. als eine identitätsstiftende Kraft für das Inselkönigreich gefeiert wurde, sind vorbei", unterstreichen die BADISCHEN NEUESTE NACHRICHTEN.
Die FULDAER ZEITUNG hingegen fragt: "Ist die Festnahme von Ex-Prinz Andrew vor allem Wasser auf die Mühlen jener, die dem Rechtssystem vorwerfen, dass ein Vergewaltiger manchmal mit einer milderen Strafe davonkommt als der Fußballmanager, der Steuern hinterzogen hat? Gemessen an dem, was er jungen, eventuell sogar noch minderjährigen Frauen angetan haben soll, wirkt der nun erhobene Vorwurf, der einstige Lieblingssohn der Queen habe vertrauliche Informationen zu möglichen Investitionen an Jeffrey Epstein weitergegeben, zunächst wie eine Petitesse", notiert die FULDAER ZEITUNG.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf vermutet: "Das Vorgehen der britischen Justiz wird viele nervös machen. Zu Recht. Denn der Epstein-Skandal zieht auch in Europa weite Kreise. Sollte es auch in Deutschland Verwicklungen geben, muss dem nachgegangen werden. Dass die Deutsche Bank ihre Geschäftsbeziehung noch monatelang fortgeführt hatte, nachdem sie Epstein Ende 2018 deren Kündigung mitgeteilt hatte, ist für das Institut zu Recht ein Imageschaden. Das Ende des Epstein-Skandals in Europa – es ist noch lange nicht erreicht", unterstreicht die RHEINISCHE POST.
Die Zeitungen des REDAKTIONSNETZWERKS DEUTSCHLAND finden mit Blick auf die erste Sitzung in Washington des durch US-Präsident Trump gegründeten "Friedensrates" klare Worte: "Dass es dieses Gremium überhaupt geben könnte, war vor Kurzem noch undenkbar: Ein Privatclub, der einige der problematischsten Regierungen unserer Tage als Mitglieder anwirbt – um sich zur 'internationalen Friedensorganisation' auszurufen? Zugeschnitten auf einen Mann, der multilaterale Institutionen sonst verachtet – nun aber eine Ausnahme macht, weil die Mitglieder Milliarden mitbringen und ihn als Boss akzeptieren? Früher hätten sich Deutschland und Europa mit Schaudern abgewendet", ist das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND überzeugt.
Die STUTTGARTER NACHRICHTEN hingegen finden: "Trotz all der Einwände wäre es verfrüht, den Rat lediglich als verrückte Idee zu Trumps eigener Bereicherung abzutun. Für eine Welt, die sich gerade im Umbruch befindet, kann jede Bündelung von Macht eines Tages wichtig sein. Und sei es nur, indem man damit andere Bündnisse untergräbt. So wird in Brüssel bereits mit Unbehagen beobachtet, dass die EU-Mitglieder Ungarn und Bulgarien dem Gremium beigetreten sind und dass etwa Italien und Rumänien dort als Beobachter auftreten. Allerdings geht die Abscheu in der Europäischen Union nicht so weit, dass sie bei der ersten Aufgabe des Rates fehlen würde – der Umsetzung von Trumps 20-Punkte-Friedensplan für den Gazastreifen. Natürlich steht die EU vor dem Balanceakt, einen Fuß in der Tür haben zu wollen, ohne sich gleichzeitig zum Komplizen Trumps und seiner unberechenbaren Volten zu machen", halten die STUTTGARTER NACHRICHTEN fest.
Die NORDWEST ZEITUNG aus Oldenburg blickt ebenfalls auf den Friedensrat und dessen durch US-Präsident Trump angekündigten Pläne einer Entwaffnung der islamistischen Hamas: "Die Hamas ist für das iranische Regime noch immer ein militärischer Faktor gegen Israel. Freiwillige Entwaffnung der Terror-Organisation wäre daher eine weitere Niederlage für Teheran. Wer also soll es tun? Kein Mitglied des Friedensrates wird seinen Kopf in dieses Wespennest stecken. Bleibt Israel. Handelt es, geht dies kaum ohne eine Auseinandersetzung mit Teheran ab. Frieden in Gaza gibt es realistisch also nur nach dem Ende des Regimes im Iran", sagt die NORDWEST ZEITUNG.
Themenwechsel. Die Ergebnisse der jährlich veröffentlichten Studie des Deutschland-Monitors kommentiert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder wie folgt: "Dass Menschen, die schlechte Erfahrungen mit Veränderungen gemacht haben, nicht sonderlich scharf auf Reformen sind, kann man sich auch ohne wissenschaftliche Befragung denken. Aber wie passt es zusammen, dass so viele Fans der Demokratie – in Ost und West – die AfD wählen? Klare Antwort: Auch die Wähler der Rechtsalternativen lehnen die Demokratie keineswegs ab. Und das ist vielleicht der eigentliche Mutmacher des Monitors, auch wenn diese Erkenntnis dort nicht explizit festgehalten ist“, schreibt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg verweist mit Blick auf den CDU-Parteitag ebenfalls auf die Studie des Deutschland-Monitors: "Die Ergebnisse des Deutschland-Monitors würden in jede Delegiertenmappe des heute beginnenden CDU-Parteitages gehören. Gemessen am Anspruch, mit dem Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Leute mit der SPD vor einem Jahr angetreten waren, das Land zu regieren, ist das Ergebnis deprimierend. In den Augen der Bevölkerung hat es keinen Aufwind für die Demokratie in diesem Land gegeben. Jeder Fünfte könnte sich dagegen zumindest vorstellen, in einem autoritär geführten Land zu leben. Merz sonnt sich derweil in der Weltpolitiker-Rolle. Auf deutschem Boden sollte der Kanzler schnell wieder landen, wenn er auf eine Kernbotschaft der Umfrage schaut", empfiehlt die Magdeburger VOLKSSTIMME.
Die Zeitung DIE WELT geht dieser Frage nach: "Warum ist der Osten insgesamt unzufriedener, obwohl er doch von der Diktatur befreit wurde und die Freiheit umso höher schätzen müsste? Die Studie liefert keine einfache Ost-West-Erzählung, sondern eine soziale Topografie des Vertrauens. Es geht weniger um Mentalitäten als um Erfahrungshorizonte. Wer die Wende als Kontrollverlust erlebt hat, reagiert empfindlicher auf neue Zumutungen. Wer Institutionen als fern und dysfunktional wahrnimmt, ist anfälliger für das Versprechen klarer Führung. Die große Mehrheit steht zur Demokratie – aber sie erwartet, dass sie liefert. Auf den Punkt bringen lässt sich der Wunsch der Befragten an die Demokratie mit einem allzu bekannten Zitat aus dem 'Faust': 'Der Worte sind genug gewechselt, Lasst mich auch endlich Taten sehn!'". Mit diesem Kommentar aus der WELT endet die Presseschau.