
"Sein Rückzug ist richtig und konsequent", findet die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg: "Nicht ein einzelner Fehler brachte ihn zu Fall, sondern die Summe der Affären - von der Maskenbeschaffung über Immobilien- und Benko-Fragen bis zu seinem ambivalenten Verhältnis zur AfD. Hinzu kam der Eindruck wachsender Hybris: Spahn schien zu glauben, für ihn gälten andere Maßstäbe. Mit seinem Rückzug erspart er der Union eine belastende Debatte vor den Landtagswahlen."
Die AACHENER ZEITUNG weist auf einen anderen Aspekt hin: "Wer konservative Werte ernst nimmt, sollte sie nicht nur auf Leihmutterschaft, Schwangerschaftsabbrüche oder Familienmodelle anwenden. Auch Ehrlichkeit, Integrität und ein verantwortungsbewusster Umgang mit öffentlichen Mitteln sind Werte. Vielleicht sogar die wichtigeren. Sie entscheiden mit darüber, ob Bürger Politikern vertrauen", gibt die AACHENER ZEITUNG zu bedenken.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf konstatiert: "Der Rücktritt ist menschlich bitter und politisch folgerichtig. Alles andere hätte die Union in einen Konflikt hineingezogen, den sie weder sachlich noch moralisch hätte auflösen können."
Das STRAUBINGER TAGBLATT ergänzt: "Spahn hat die Sprengkraft seiner Entscheidung innerhalb seiner eigenen Partei und in der Bevölkerung entweder völlig unterschätzt oder gehofft, dass er schon irgendwie damit durchkommen würde. Wieder einmal. Nichts davon ließe ein Mindestmaß von politischem Verantwortungsgefühl oder wenigstens Gespür erkennen", urteilt das STRAUBINGER TAGBLATT.
Die TAGESZEITUNG aus Berlin stimmt zu: "Dieser Rücktritt ist die einzig richtige Konsequenz. Auch wenn der Kinderwunsch von Spahn und seinem Mann nachvollziehbar sein mag – Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, und die CDU lehnt sie strikt ab. Daran muss sich ein CDU-Politiker orientieren, zumal einer ganz oben in der parteiinternen Hierarchie", fügt die TAZ an.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE zeigt Mitgefühl mit Spahn: "Die Demokratie war diesmal stärker als alles Beharrungsvermögen, das der Berliner Betrieb sonst in der Lage ist aufzubieten. Und gleichzeitig liegt im Fall Spahn auch eine gewisse Tragik: Ausgerechnet in dem Moment, in dem der Machtmensch die Kontrolle über seine Vernunft abgegeben hat und seinen Gefühlen gefolgt ist, stürzt er über sich selbst. Auch wer Spahn politisch nicht nahesteht, sollte sich deshalb in diesem Moment vor Häme hüten", warnt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
"Spahns Doppelmoral bei seiner Elternschaft mithilfe einer Leihmutter in den USA schadet nicht nur der Union", hält die MÄRKISCHE ALLGEMEINE aus Potsdam fest: "Sie schadet der Regierung insgesamt."
"Tragisch ist Spahns Rücktritt nicht zuletzt für die Koalition", meint die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG: "Für die SPD war der Fraktionschef der Union fast noch wichtiger als der Kanzler selbst, wenn es um das Schmieden von Kompromissen ging. Auch, weil sein Wort galt. Spahn ist es nach dem Debakel um die geplatzte Richterwahl vor genau einem Jahr auch gelungen, das Vertrauen der eigenen Leute zurückzugewinnen und den Laden zusammenzuhalten, trotz der gewaltigen Fliehkräfte. In den Reihen der CDU hat sonst niemand so ein Standing."
Auch das HANDELSBLATT findet positive Worte für Spahn: "Der Fraktionschef war einer der mächtigsten CDU-Politiker, über Parteigrenzen hinweg für seine Professionalität geschätzt. Und in den komplizierten Gesprächen über das aktuelle Reformpaket von Schwarz-Rot galt er als verlässlicher Verhandler", erinnert das in Düsseldorf erscheinende Blatt, um dann den Blick nach vorne zu richten: "Spahns Rücktritt bietet eine Chance für die Regierung, denn er zwingt Merz zu einem Schritt, den er längst hätte gehen müssen: eine Kabinettsumbildung. Lange Personalspekulationen wären allerdings ein Desaster in einer Zeit der Wahlkämpfe in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Gerade deshalb muss Merz schnell entscheiden und das Machtvakuum füllen."
Auch die NÜRNBERGER NACHRICHTEN blicken auf die nächsten Schritte bei CDU und CSU: "Innerhalb der Union gilt es nun, geräuschlos und binnen weniger Tage eine Schlüsselposition zu besetzen. Gesetzte Aspiranten innerhalb der CDU-Riege gibt es nicht, womöglich greift Kanzler Merz auf Personal aus seinem Kabinett zurück. Wer auch immer Spahn folgen wird: Diese Personalie ist entscheidend für die Regierungsarbeit im Bund. Auch aus dem Rennen um die Merz-Nachfolge ist Spahn nach seinem Rücktritt ausgeschieden - was die Perspektiven von Nordrhein-Westfalens Regierungschef Hendrik Wüst weiter verbessern dürfte", vermuten die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg hofft darauf, dass Spahns Rückzug einen positiven Effekt haben wird: "Wenn es Merz gelingt, mit einer Persönlichkeit an der Fraktionsspitze und gegebenenfalls weiteren Neubesetzungen Aufbruchsstimmung zu vermitteln, könnte er neues Interesse der Menschen wecken. Es wäre dringend an der Zeit."
Die PFORZHEIMER ZEITUNG ist derselben Meinung: "Der Fall Spahn ist für Friedrich Merz nicht nur ein Debakel, sondern auch eine Chance."
Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA ist Thema in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "Weder die USA noch das iranische Regime dürften ein Interesse daran haben, den Krieg wieder voll entfesselt aufzunehmen. Trump steht wegen der anstehenden Wahlen unter innenpolitischem Druck; Teheran ist nicht nur militärisch massiv geschwächt, das Land liegt auch wirtschaftlich am Boden. Und doch ist kaum zu erwarten, dass bald Ruhe einkehren wird. Denn beide Seiten scheinen sich darauf verlegt zu haben, eine Verhandlungslösung in ihrem Sinne erzwingen zu wollen. Die nicht enden wollende Kraftprobe ist damit zu einer Frage der Schmerztoleranz geworden. Der militärisch schwächere Iran ist der Supermacht Amerika offenbar ebenbürtiger, als es Trump recht sein kann. Mit der Straße von Hormus hat Teheran einen Hebel in der Hand, den es nicht hergeben wird - und dem Trump bislang nichts entgegenzusetzen hat", erläutert die FAZ.
"Die erneuten Angriffe der USA auf den Iran machen das ganze Ausmaß des Desasters der US-Intervention deutlich", betont die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Trump gelingt es gut einen Monat nach dem Rahmenabkommen weder mit militärischer Gewalt, noch am Verhandlungstisch, das Mullah-Regime dazu zu bringen, einzulenken. Niemand spricht mehr von den Zielen des Abkommens, das den Konflikt befrieden sollte. Eine Vereinbarung über das iranische Atomprogramm ist in weite Ferne gerückt. Die Straße von Hormus ist nicht wieder frei für die Schifffahrt, sie ist ein Faustpfand des Mullah-Regimes. Trump hat sich mit einer Mischung aus Selbstüberschätzung und Inkompetenz in eine ausweglose Situation manövriert. Die Golfregion ist destabilisiert, der Ölpreis steigt, was der Weltwirtschaft schadet und den Narziss im Weißen Haus vier Monate vor den Zwischenwahlen weiter unter Druck setzt", listet die FRANKFURTER RUNDSCHAU auf.
Deutschland und Frankreich wollen ihre bereits enge militärische Zusammenarbeit weiter ausbauen. Der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG bleiben die Vereinbarungen beim Deutsch-Französischen Ministerrats-Treffen im nordrhein-westfälischen Brühl aber zu vage: "Ein Anfang ist gemacht, aber nicht mehr. Deutschland hat zu lange gezögert, auf das Angebot von Präsident Macron einzugehen, unter den Atomschirm Frankreichs zu schlüpfen. Ob es nach diesem Auftakt mit gemeinsamen Verteidigungsprojekten weitergeht, hängt von den Präsidentschaftswahlen 2027 ab. Wenn ein Vertreter des rechtsextremen Rassemblement National im Frühjahr in den Élysée-Palast einziehen sollte oder der linksextreme Jean-Luc Mélenchon, könnte sich das rächen. Auch in Berlin wird man vergebene Chancen bedauern, Projekte mit Macron nicht vorangetrieben zu haben. Marine Le Pen und Jordan Bardella vom Rassemblement National setzen auf 'France first' und zeigten bisher wenig Interesse an Kooperationen mit Deutschland." Mit dieser Stimme der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG endet die Presseschau.
