
Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg analysiert: "Der neue britische Premierminister Andy Burnham erbt viele Probleme seines Vorgängers Keir Starmer. Auch er kann die wirtschaftlichen Zwänge nicht wegreden, die Institutionen der Daseinsvorsorge nicht über Nacht reparieren und die tiefen gesellschaftlichen Konflikte nicht einfach lösen. In der Sache wird er daher manches nicht grundlegend anders machen können. Wichtig wird daher sein, wie er seine Politik vermittelt", erwartet die BADISCHE ZEITUNG.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG kommentiert: "Andy Burnham weiß, dass er schnell handeln muss. Die Leute wollen Ergebnisse sehen. Er hat schon angedeutet, wie er helfen will: Steuererleichterungen, niedrigere Energierechnungen, gedeckelte Bustarife. In Zeiten, in denen erfolgreiches Regieren schwierig bis unmöglich ist, beginnen für Burnham die Mühen der Ebenen. Er weiß das nur zu genau. Labour steht vor seiner letzten Chance, sagte er einst. Burnham ist zum Erfolg verdammt", betont die NÜRNBERGER ZEITUNG.
Anders sieht es der CICERO: "Der Wechsel zu Burnham bietet vor allem Nigel Farage eine Gelegenheit, die Regierung vor sich herzutreiben. Deren Mandat, so sein Argument, habe seinerzeit Keir Starmer erhalten. Der Name Andy Burnham stand bei den Unterhauswahlen 2024 nicht auf dem Stimmzettel. Daher fehle ihm die demokratische Legitimation, die Regierung drei Jahre zu führen. Sollte er versuchen, den Kurs seines Vorgängers deutlich zu ändern, werden die Anhänger von Reform UK Neuwahlen verlangen. Verfängt diese Forderung bei einem größeren Publikum, kann Burnham nur verlieren", vermutet der CICERO.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beobachtet: "Sein Glanz speist sich bislang vor allem daraus, dass er lange und weit genug weg war aus Westminster, weshalb er nur gerne betont, dass er nicht vorhabe, Teil des politischen Establishments zu werden. Er will einen zweiten Regierungssitz im Norden einrichten, 'No. 10 North' genannt, und wenn er 'us' sagt, klingt es wie 'os', wie bei einem großen Teil der Nordengländer. Er tut damit, was die Rechtspopulisten schon lange mit Erfolg praktizieren: Er versucht, dort zu sein, wo das Volk ist, und zwar gerade in Ansprache und Ausdruck", unterstreicht die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die Tageszeitung - TAZ - fragt: "Kann Burnham eine Zukunftsvision entwerfen, mit der Labour in drei Jahren ein Wahldebakel gegen die Rechten vermeidet? Keir Starmer gelang das nicht. Und wie all seine Vorgänger wird auch Andy Burnham schnell merken, dass die Welt nicht auf Großbritannien wartet. Noch vor seiner ersten Kabinettssitzung wird er Donald Trump am Telefon haben und sich zur Fortdauer der von Starmer erteilten Erlaubnis, britische Militäreinrichtungen für US-Angriffe auf Iran zu nutzen, verhalten müssen. Das ist die Realität", hält die TAZ fest. So viel zu diesem Thema.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU bemängelt nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Spahn: "Auch Kanzler Friedrich Merz wollte zunächst – ähnlich wie Spahn nach Bekanntwerden der Leihmutterschaft – auf Zeit spielen. Bei beiden scheint der innere Kompass durcheinandergeraten zu sein. Merz wäre noch überzeugender gewesen, wenn er nicht erst agiert hätte, nachdem die Kritik an Spahn aus der CDU und von außen dessen Demission unausweichlich machte. Anständiger wäre es von Merz zudem gewesen, wenn er Spahn nicht einfach nur angezählt, sondern seine Leistungen als Verhandler für die schwarz-rote Koalition und als Vertreter des rechten Flügels der CDU gewürdigt hätte", gibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU zu bedenken.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus schreibt mit Blick auf eine mögliche Kabinettsumbildung: "Womöglich hat Merz sich auch gegen eine schnelle Besetzung entschieden, weil er einen größeren Umbau seiner Mannschaft plant. Verkehrsminister Schnieder steht häufig in der Kritik, Wirtschaftsministerin Reiche und Kulturstaatssekretär Weimer ebenso. Doch erscheint das zum aktuellen Zeitpunkt wenig sinnvoll. Die neuen Minister müssten sich wieder in die Materie einarbeiten, das Ministerium kennenlernen und nach ihren Vorstellungen umformen. Das kostet Zeit und Aufwand und Kraft, und ein besseres Ergebnis wäre damit auch noch nicht garantiert", überlegt die LAUSITZER RUNDSCHAU.
Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND meint, mit Spahn sei Kanzler Merz einen Fraktionsvorsitzenden losgeworden, zu dem es nie ein echtes Vertrauensverhältnis gegeben habe, und fährt fort: "Je nach dem Umfang des personellen Umbaus könnte Merz zudem weitere interne Störfaktoren beheben. Vor allem hätte er die Möglichkeit, auf gesichtswahrende Weise seinen Vertrauten Thorsten Frei, der als Kanzleramtschef nach außen bislang keine glückliche Hand hatte, an anderer Stelle nützlicher einzusetzen. Bei einer größeren Umstrukturierung könnte er seinem CDU-Generalsekretär Linnemann, der auf dem derzeitigen Posten etwas gefrustet und blass wirkt, womöglich doch noch den erhofften Ministerposten geben. Gleichzeitig könnte Merz mit einer weiblichen Nachbesetzung des Generalsekretärspostens Punkte machen. Viele Optionen also für den Kanzler. Fragt sich nur, wie weit sein Mut reicht", heißt es in den Zeitungen des REDAKTIONSNETZWERKS DEUTSCHLAND.
DIE TAGESPOST aus Würzburg blickt nach dem Rücktritt Spahns auf das Geschäft mit der Leihmutterschaft: "Leihmutterschaft ist ein Übel: Erwachsene stellen ihren Kinderwunsch über Recht und Sehnsucht des Kindes, bei seiner Mutter aufzuwachsen. Darüber dürfen auch die glücklichen Fotos von Jens Spahn mit Kinderwagen nicht hinwegtäuschen. Doch kann man ihm danken, ausgesprochen zu haben, wie er und sein Partner das Kind 'erworben' haben. Endlich richtet sich der Blick auf das dreckige Geschäft der Leihmutterschaft. Möge sich der Druck nun nicht nur gegen die Anbahnung richten, sondern auch gegen die Möglichkeit, durch Leihmutterschaft geborene Kinder hierzulande anerkennen zu lassen", fordert DIE TAGESPOST aus Würzburg.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER zieht eine Bilanz der Fußball-Weltmeisterschaft: "Das Niveau vieler Spiele war besser als gedacht. Zum Teil wurde sogar Spektakel geboten - auch durch manchen Außenseiter und vermeintlichen Kleinen. Ob man will oder nicht: Die Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen, bei Weltmeisterschaften wird auch in Zukunft Gigantismus regieren. Trumps und Infantinos Narzissmus, zuletzt noch einmal bei der Siegerehrung zur Schau getragen, war so unsäglich wie erwartbar", meint der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
"Bis zum Platzen" überschreibt die WESTDEUTSCHE ZEITUNG aus Wuppertal ihren Kommentar und führt aus: "Sportlich war die WM zu einem großen Teil schwach und langweilig, von 104 Spielen hatten vielleicht zehn echte Klasse. Jenseits des Social Media-Hypes verdichtete sich der Eindruck, dass der Fußball nicht nur entrückt ist, sondern die Übersättigung der Spitze über die vielen, vielen Spiele und Wettbewerbe längst den Alltag abbildet. Irgendwann stößt alles an seine Grenzen, nichts kann sich immer weiter ausdehnen, ohne dass es irgendwann platzt. In den USA ist man diesem Zustand schon ziemlich nahe gekommen", notiert die WESTDEUTSCHE ZEITUNG.
Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG blickt auf den Erfolg Spaniens bei der Fußball-WM als möglichen Impuls für den deutschen Fußball: "Einfach nur den neu formierten Ballbesitzfußball der Spanier zu kopieren, wäre allerdings ein Fehler und aus DFB-Sicht viel zu kurz gedacht. Vielmehr sollte es darum gehen, eine klare Identität zu entwickeln. Die spanische Idee wird den Spielern schon in den Nachwuchsteams eingetrichtert. Auf den designierten Bundestrainer Jürgen Klopp und den DFB wartet viel Arbeit in den kommenden Wochen und Monaten. Eine Blaupause für Erfolg liegt ihnen spätestens seit Sonntagabend vor", folgert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG, mit der diese Presseschau endet.
