
Dazu schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Wenigstens die Abgeordneten der Union im Bundestag haben sich nicht von der Lust an der Selbstdemontage anstecken lassen, der manche CDU-Mitglieder in den hinteren Reihen und in den Landesverbänden frönen, als gäbe es kein Morgen. Thorsten Frei wurde mit einem sehr guten Ergebnis zum Fraktionsvorsitzenden gewählt, was auch Kanzler Merz wollte, an dem manche 'Parteifreunde' kein gutes Haar mehr lassen. Merz' Management der Kabinettsumbildung war gewiss kein Meisterstück. Die Selbstherrlichkeit, die ihm seine parteiinternen Kritiker vorwerfen, sieht man freilich eher bei ihnen selbst. Jucken im Furor der Kanzlerschelte keinen die Folgen? Der ehemalige Kanzlerwahlverein beschädigt Merz mit einer Bedenkenlosigkeit, die man bisher nur vom Umgang der SPD mit ihren Kanzlern gekannt hatte", merkt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG an.
Die VOLKSSTIMME führt aus: "Friedrich Merz wird aufatmen und Thorsten Frei kann sich freuen - ihn hat es auf seinen Lieblingsposten als Fraktionschef katapultiert. Es gibt eben Verlierer und Gewinner dieser veritablen Krise. Die Landesverbände - namentlich in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt - sind von Merz in schwer erträglichem Maß kujoniert worden. Doch hat das Drama auch eine bemerkenswerte Verschiebung an den Schaltstellen der Partei bewirkt: Die neue Generalsekretärin Franziska Hoppermann kommt aus dem Arbeitnehmerflügel. Der bis ins letzte Knopfloch neoliberale Merz hatte dort seinen Gefolgsmann Carsten Linnemann installiert, der sich nun ausgerechnet als Gesundheitsminister bewähren muss. Personalwechsel werden gern als überlegte Rochaden apostrophiert. Bei Merz aber geht es zu wie am Roulettetisch", meint die VOLKSSTIMME aus Magdeburg.
"Nach etwas mehr als einem Jahr im Amt hat Merz nicht nur draußen, im Land, viel Vertrauen verspielt, sondern auch im eigenen Lager", heißt es in der AUGSBURGER ALLGEMEINEN: "In einer Phase, in der er alle Skeptiker mit einer neuen Reform-Agenda überzeugen wollte, hat ihn der Rücktritt von Jens Spahn kalt erwischt. Ob er bei seiner Kabinettsumbildung im Salami-Modus schlecht beraten war oder sich möglicherweise gar nicht hat beraten lassen? Unklar. Ins Lehrbuch für politische Führungskunst aber werden sein Umgang mit dem ehemaligen Bundesverkehrsminister Schnieder, seine Staatssekretärsrochaden und seine unglückliche Kommunikation sicher nicht aufgenommen. Was als Befreiungsschlag eines schwer in die Defensive geratenen Kanzlers gedacht war, endete in einem christdemokratischen Waterloo: Der CDU ist ihr eigener Kanzler ein Rätsel", unterstreicht die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
DER TAGESSPIEGEL aus Berlin hält fest: "Mit dem Wahlergebnis, mit dem die Unionsfraktion Thorsten Frei in den Vorsitz wählte, bewiesen die Abgeordneten Disziplin in turbulenten Zeiten, in der wohl größten Krise der CDU. Frei schnitt mit 91,9 Prozent sogar besser ab als zuletzt, im Mai, Jens Spahn. Auf die Option, mit einem Denkzettel für Frei, den Kanzler weiter unter Druck zu setzen, haben sie verzichtet. CDU, CSU und auch die SPD werden genau beobachten, wie Frei die Fraktion führen wird, wie sehr er im Zweifel zu Konflikten mit dem angeschlagenen, zuweilen erratischen Bundeskanzler bereit sein wird."
Die RHEIN-ZEITUNG ist folgender Meinung: "Frei selbst hätte den Fraktionsvorsitz schon gern zum Beginn der Wahlperiode als Nachfolger von Merz erobert. Im Kanzleramt mit der komplizierten, detaillierten Abstimmungsarbeit zwischen den Regierungsfraktionen sowie Bund und Ländern tat er sich dagegen schwer. Der Medienliebling passt einfach besser zu seinem Traumjob des Fraktionschefs - weshalb man ihn jetzt noch häufiger als sonst fröhlich lächeln sah. Aber ist der nette Herr Frei für die Durchsetzung der Unionsinteressen gegenüber der SPD auch hart genug? Er ist ein ganz anderer Charakter als Vorgänger Jens Spahn, der beinhart und unfreundlich sein konnte. Gemeinheiten liegen Frei deutlich weniger. Doch womöglich ist das künftig ohnehin weniger gefragt: Merz und seine Regierung wollen endlich in ein ruhigeres Fahrwasser kommen, in Ruhe ihre Reformagenda abarbeiten, dabei gern auch mal langweilig sein", mutmaßt die Koblenzer RHEIN-ZEITUNG.
"Merz’ vergebene Chance", titelt der KÖLNER STADT-ANZEIGER und erläutert: "Das war eine Kabinettsumbildung wie eine Achterbahnfahrt. Nun sind die neuen Minister ernannt. Der neue Unionsfraktionschef wurde mit einem starken Ergebnis gewählt. Es ist ein Ergebnis, das ein Signal der Geschlossenheit setzt und einen Moment der Erleichterung in einer schwierigen Lage verschafft. Dennoch kann von Aufbruchstimmung keine Rede sein – weder in der CDU noch in der Koalition noch in der Bevölkerung. Merz hat die Chance vergeben, die sich durch den Rücktritt des bisherigen Fraktionschefs Jens Spahn geöffnet hatte. Wieder einmal sind dem Regierungschef zu viele handwerkliche Fehler unterlaufen. Erneut hat er unterschätzt, was es bedeutet, demokratische Prozesse unter dem Druck der öffentlichen Wahrnehmung zu organisieren. Es ist höchste Zeit, dass die Union ihre selbstzerstörerischen Sommerloch-Festspiele beendet", fordert der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
In der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG ist zu lesen: "Eins muss man den Christdemokraten lassen: An Risikobereitschaft mangelt es nicht. Wie anders ließe sich sonst erklären, dass Funktionäre ihren Kanzler und Parteichef Friedrich Merz in den vergangenen Tagen öffentlich in den Senkel gestellt haben, gipfelnd in dem Satz: 'Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.' Merz‘ Personalentscheidungen und die Art und Weise der Vollstreckung haben die vermeintlich heile Welt der Union sichtlich erschüttert. Landespolitiker warnen, die Stimmung an der Basis sei nahe an katastrophal. Einmal mehr wirkt die Merz-CDU wie eine Partei, die den Ernst der Lage zwar erkannt, aber nicht verinnerlicht hat." So weit die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Themenwechsel. Die LANDSHUTER ZEITUNG blickt auf den Stellenabbau in der deutschen Automobilindustrie: "Selbst BMW kann sich dem Abstieg der deutschen Autoindustrie nicht mehr entziehen. Der Konzern kürzt 8.000 Arbeitsplätze, die meisten davon in Deutschland. Die Ursachen sind mehrgestaltig. Managementfehler mischen sich mit weltpolitischen Verwerfungen, wirtschaftspolitischer Naivität und einem unattraktiven Heimatstandort. Konkret: Dass die deutschen Autobosse die Elektromobilität verschlafen haben und bei der Batterietechnik von Asien abhängig sind, hat sich herumgesprochen. Dass sich ihr Wohl und Wehe an den Profiten in China entscheidet, ist ebenso bekannt", hebt die LANDSHUTER ZEITUNG hervor.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG notiert: "Ein bisschen Luxus und Formel 1 ist sicher nicht schlecht fürs Renommee. Ausschließlich teure Produkte beschäftigen aber nicht Hunderttausende. Die wirkliche Durchdringung, wenn schon nicht Beherrschung des Marktes kommt erst mit resilienten Ideen für Massen. Dass die hiesige Autoindustrie sich nach dem Krieg gegen die USA behaupten und sie sogar abhängen konnte, liegt nicht in erster Linie am Supersportwagen 300 SL, sondern auch und vor allem an Modellen wie Käfer, Golf oder Dreier-BMW."
Nun noch eine Stimme zum heutigen sogenannten Erdüberlastungstag. Er markiert jährlich den Zeitpunkt, ab dem die Menschheit über ihre Verhältnisse lebt. Die RHEINISCHE POST wirft ein: "Erst die Hälfte von 2026 ist rum und das Konto ist schon wieder leer. In den 1970er-Jahren fiel der Überlastungstag noch auf Ende Dezember. Seitdem rückt er immer weiter vor. Eine Ausnahme gab es pandemiebedingt im Jahr 2022. Damals rückte der Tag wieder in den August. Nun will niemand zurück in Pandemiezeiten, aber es zeigt doch: Es ist möglich, den Ressourcenverbrauch bedeutend zu reduzieren."
